Arbeitsschutz. Umsetzbar in kleineren und mittleren Betrieben?


Seminararbeit, 2016
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Arbeitsschutz
2.2 Arbeitssicherheit
2.3 Arbeitsbedingte Beschwernisse

3. Legitimation von Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

4. Das Arbeitsschutzgesetz vom 7.8.1996 (BGBl. I 1246)
4.1 Pflichten des Arbeitgebers
4.2 Pflichten und Rechte des Arbeitnehmers
4.3 Kontrolle der Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes

5. Schlussbetrachtungen

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Pflichten des Arbeitgebers

Abbildung 2: Pflichten und Rechte des Arbeitnehmers

1. Einleitung

Die neue EU-Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Forderung zur Vereinfachung von Marktregulierung durch staatliche Normen und dem Bürokratieabbau haben im Bereich des Arbeitsschutzes oftmals Schutzziele oder unbestimmte Rechtsbegriffe zur Folge. Ziel dieser normativen Festsetzungen ist eine Vereinfachung für Betriebe, die in der Praxis häufig ausbleibt und im Gegenzug neue Schwierigkeiten verursacht. Insbesondere kleinere und mittlere Betriebe sind häufig aufgrund fehlender Ressourcen nicht in der Lage bestimmte staatliche Normen umzusetzen. Zudem ist im zunehmenden Prozess der Standardisierung und Rationalisierung im tertiären Sektor der Büro-, Dienstleistungs- und Wissensarbeit eine erhebliche Zunahme der psychischen Belastungen festzustellen, da der Erwerb durch einen hohen Druck seitens des Arbeitgebers auf den Arbeitnehmer bestimmt ist. Grund hierfür ist die Maxime des Wettbewerbs, die einen alltäglichen Druck auf die Beschäftigten im Dienstleistungssektor ausübt. Jahrzehntelang Bedienstete können schnell durch effizientere und jüngere Mitarbeiter ersetzt werden - Altern wird als ein Prozess der Schwächung im tagtäglichen Dienstgeschäft verstanden. Diese Stressfaktoren werden oftmals durch eine ungünstige Arbeitsorganisation im Kontext von Standardisierung und Rationalisierung von Arbeitsprozessen verstärkt. Innerhalb dieses zunehmenden Vereinheitlichungsprozesses aufgrund betriebswirtschaftlicher Rentabilitätsinteressen wird die Dimension des Arbeitsschutzes oftmals vernachlässigt. Der Mitarbeiter wird in standardisierte Arbeitsprozesse eingegliedert, die hinsichtlich interdisziplinärer Arbeitsschutzkenntnisse verantwortlicher Kräfte nicht ausreichend arbeits- und gesundheitsschützend angepasst wurden. Oftmals werden belastungsungünstige Abhängigkeiten in neuen Prozessen nicht erkannt oder aus Unwissenheit nicht erschlossen. Somit steht der Arbeitsschutz im Kontext von Prozessoptimierungen in einem Zielkonflikt mit Qualitätsmanagementprozessen und Wettbewerbsdruck (Funk 2011, S. 11ff.).

Ziel dieser Hausarbeit ist es, hinsichtlich des Arbeitsschutzes, die Pflichten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers sowie weitere Regelungen aus der normativen Perspektive zu beleuchten. Hierzu werden die staatlichen Festsetzungen anhand des Arbeitsschutzgesetz vom 7.8.1996 (BGBl. I 1246) aufgezeigt und erläutert. Anhand dieser Vorschriften wird in einem weiterführenden Schritt die zentrale Frage nach der Umsetzbarkeit der gesetzlichen Arbeitsschutzregelungen für kleinere und mittlere Betriebe beantwortet. Tiefergehende Analysen weiterer Arbeitsschutzvorschriften, wie dem Arbeitssicherheitsgesetz, dem Produktsicherheitsgesetz oder der Arbeitsstättenverordnung werden im Rahmen dieser Seminararbeit nicht vorgenommen, da diese den Bearbeitungsrahmen sprengen würden.

Zu Beginn der Seminararbeit werden ausgewählte Begriffe im Kontext des Arbeitsschutzes bestimmt. Anschließend wird eine allgemeine Begründung von Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit auf der Basis der humanen, betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Perspektive erfolgen. Weiterhin werden die wesentlichen Pflichten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers sowie staatliche Kontrollmaßnahmen zur Einhaltung der Arbeitsschutzregelungen erläutert um in den Schlussbetrachtungen eine fundierte Antwort zur zentralen Fragestellung der Realisierbarkeit der Arbeitsschutzbestimmungen für kleinere und mittlere Betriebe finden zu können.

2. Begriffsbestimmungen

Um ein einheitliches Verständnis der notwendigen Begriffe des Arbeitsschutzes generieren zu können, werden im Folgenden zentrale Definitionen präsentiert und ihre wesentlichen Merkmale erläutert.

2.1 Arbeitsschutz

Unter dem Begriff des Arbeitsschutzes werden grundsätzlich die Mittel, Maßnahmen und Methoden subsumiert, die zum Schutz der Beschäftigten einer betrieblichen Organisation vor arbeitsbedingten Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen beitragen. Wesentliche Faktoren des Arbeitsschutzes sind die Prävention und Vermeidung von Arbeitsunfällen und ihrer Konsequenzen, der allgemeine Gesundheitsschutz im Kontext von chronischen und akuten Belastungen sowie der personenbezogene Schutz für bestimmte Personengruppen wie Mütter und Jugendliche im beruflichen Umfeld. Es ist grundlegend zwischen dem sozialen und dem technischen Arbeitsschutz zu unterscheiden. Der soziale Arbeitsschutz betrifft zum Beispiel die Arbeitszeit, den Urlaub, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Der technische Arbeitsschutz regelt die betrieblichen Arbeitsbedingungen wie Gerätesicherheit oder Schutzvorrichtungen. Der Arbeitsschutz ist in betrieblichen Organisationen eine interdisziplinäre Aufgabe, die von Arbeitsmedizinern, Psychologen, Soziologen, Ingenieuren und Technikern zu lösen ist. Als zentrales Ziel des Arbeitsschutzes wird die Arbeitssicherheit identifiziert (W.A.F. Institut für Betriebsräte-Fortbildung o. J., 1. Abschnitt u. Universität Hamburg o. J. u. Griefahn 1992, S. 4).

2.2 Arbeitssicherheit

Die Arbeitssicherheit ist das angestrebte Ziel des Arbeitsschutzes. Grundsätzlich wird unter dem Begriff der Arbeitssicherheit jener Zustand der individuellen Arbeitsbedingungen verstanden, der keine oder noch zu verantwortende arbeitsbedingte Gesundheitsgefährdungen und Belastungen aufweist. Nach dem Gesetzestext über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit bzw. dem nichtamtlich bezeichneten ‚Arbeitssicherheitsgesetz’ hat der Arbeitgeber Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu bestellen. Diese sollen ihn beim Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung beraten und unterstützen (Schliephacke 2008,S. 23f. u. Bundesministerium für Arbeit und Soziales o. J., 1. Abschnitt).

2.3 Arbeitsbedingte Beschwernisse

Als arbeitsbedingte Beschwernisse werden im Zusammenhang mit Arbeitsschutz diejenigen Anforderungen und Einflüsse an Beschäftigte einer betrieblichen Organisation verstanden, die im Rahmen der Berufsarbeit entstanden sind und sich im Kontext von Arbeitsbeeinträchtigungen negativ auf die Gesundheit auswirken können (Jansing et al. 2014, S. 12).

Zu den Begriffsbestimmungen zum Arbeitsschutz, zur Arbeitssicherheit und zu den arbeitsbedingten Beschwernissen lässt sich festhalten, dass insgesamt ein beruflicher Arbeitszustand erreicht werden soll, der von verantwortbaren sicherheits-und gesundheitsgefährdenden Umständen für Arbeitnehmer gekennzeichnet ist. Im Folgenden wird neben dieser individuellen Ebene für Arbeitnehmer, die humane, die betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Perspektive im Kontext von Arbeitsschutz erläutert.

3. Legitimation von Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Die humane Perspektive basiert auf die in dem Artikel 1 des Grundgesetzes festgesetzte Verpflichtung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ (Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz1 2014, Art. 1 Z. 1).

In Verbindung mit dem Arbeitsschutz wird aus dieser individuellen Pflicht eine durch gegenseitigen Respekt und menschenwürdeachtende gekennzeichnete Verpflichtung in Arbeitsprozessen. Welche Faktoren diese Verpflichtung explizit umschließen, wird in dem zweiten Artikel des Grundgesetzes deutlich: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich“ (BMJV 2014, Art 2. Z. 2).

Demnach werden in dem Grundgesetz eine körperliche Unversehrtheit, der Anspruch auf Leben und die Unverletzbarkeit der Freiheit eines Individuums als Grundrechte garantiert. Dieser Garantie müssen sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber nachkommen. Welche expliziten Pflichten dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer im Kontext von Arbeitssicherheit zuteilwerden, wird in dem kommenden Kapitel aufgezeigt.

Die betriebswirtschaftliche Perspektive umfasst in erster Linie den ökonomischen Erfolg von Betrieben als Konsequenz sicherer Arbeitsbedingungen. Sichere Arbeitsbedingungen sind in diesem Zusammenhang gekennzeichnet durch ein Minimum an Störfaktoren, wie Personen- oder Sachschäden. Werden diese Störfaktoren durch ein adäquates Arbeitsschutzmanagement vermindert, wirkt sich dies unmittelbar auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens aus (Lehder et al. 2005, S. 19ff.).

Die volkswirtschaftliche Perspektive zum Arbeitsschutz setzt unmittelbar an der betriebswirtschaftlichen Perspektive an. Werden innerhalb von Betrieben Arbeitsschutzmaßnahmen und Strategien optimiert, so wirkt sich dies positiv auf firmeninterne Personen-und Sachschadensstatistiken aus. Diese Entwicklung bewirkt wiederum eine Steigerung der materiellen Wertschöpfung und des Nettonationaleinkommens (Lehder et al. 2005, S. 21).

Eine Optimierung von Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit bedingt demzufolge eine Reihe von positiven Faktoren sowohl auf menschlicher als auch auf betriebs-und volkswirtschaftlicher Ebene. Welche arbeitsschutzrechtlichen Maßnahmen und Pflichten innerhalb von Betrieben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer relevant werden, wird in dem nächsten Kapitel auf der Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes vom 7.8.1996 (BGBl. I 1246) thematisiert. Anschließend wird ein Praxisbezug zu kleineren und mittleren Betrieben hergestellt.

4. Das Arbeitsschutzgesetz vom 7.8.1996 (BGBl. I 1246)

„Dieses Gesetz dient dazu, Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern. Es gilt in allen Tätigkeitsbereichen und findet im Rahmen der Vorgaben des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1982 (BGBI. 1994 II S. 1799) auch in der ausschließlichen Wirtschaftszone Anwendung“ (BMJV 1996, § 1, Abs. 1).

[...]


1 Wird im Folgenden unter BMJV abgekürzt.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Arbeitsschutz. Umsetzbar in kleineren und mittleren Betrieben?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Institut für Personal und Arbeit)
Veranstaltung
Grundlagen des Management
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V456040
ISBN (eBook)
9783668864887
ISBN (Buch)
9783668864894
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Management, Arbeitsschutz, Arbeitsschutzgesetz, mittlerer Betrieb, Personal, Arbeit, Arbeitssicherheit, Arbeitsbedingungen, Arbeitgeberpflicht, Arbeitnehmerpflicht, Pflichten, Rechte, Arbeitsschutzregelung, Arbeitsvorschrift, Arbeitsschutzbestimmung, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Schutz, Personalschutz, BWL, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, VWL
Arbeit zitieren
Marian Schneider (Autor), 2016, Arbeitsschutz. Umsetzbar in kleineren und mittleren Betrieben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456040

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