Die Zusammensetzung der optimalen Kapitalstruktur

Eigen- und Fremdkapital in Unternehmen


Hausarbeit, 2018
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen der Kapitalstruktur
2.1. Begriff der Kapitalstruktur
2.2 Entwickung klassischer Theorien zur optimalen Kapitalstruktur

3. Theorien der Kapitalstruktur
3.1. Irrelevanztheorem nach Midigliani und Miller
3.2. Trade-off Theorie 6
3.3. Pecking-OrderTheorie 9
3.4. Zusammenfassung und Kritik

4. Praxisrelevanz Trade-off Theorie vs. Pecking-Order Theorie

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Marktwertbilanz

Abbildung 2: Statische Trade-off Theorie der Kapitalstruktur

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Trade-off Theorie vs. Pecking-Order Theorie

1. Einleitung

Das Kapital eines Unternehmens setzt sich aus Eigen- und Fremdkapital zusammen. Das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital beschreibt die Kapitalstruktur. Bei der Wahl der Höhe des Eigen- bzw. Fremdkapitals müssen Manager darauf achten, dass die Aufnahme von Kapital nicht kostenlos ist. Eigenkapitalgeber verlangen in der Regel eine Entschädigung in Form von Dividendenzahlungen für die Bereitstellung ihres Kapitals. Fremdkapitalgebern hingegen stehen garantierte und feste Zinszahlungen zu.

Sowohl Praktiker als auch Theoretiker stellen sich die Fragen, ob es so etwas wie eine optimale Kapitalstruktur gibt. Franco Modigliani und Merton Miller zeigten 1958, dass die Kapitalstruktur eines Unternehmens unter gewissen Bedingungen keinen Einfluss auf den Wert des Unternehmens hat. Aus dieser ersten Theorie haben sich weitere Theorien wie die Trade-off Theorie und die Pecking-Order Theorie entwickelt. In dieser Arbeit wird das Irrelevanztheorem von Modigliani und Miller, sowie die Trade-off Theorie und die Pecking Order genauer erläutert und anschließend kritisch diskutiert. Danach wird anhand empirischer Studien gezeigt, inwiefern die Pecking Order und die Trade-off Theorie praxisrelevant sind und schlussgefolgert, ob es eine perfekte Theorie für eine optimale Kapitalstruktur geben kann.

2. Theoretische Grundlagen derKapitalstruktur

2.1. Begriffder Kapitalstruktur

Seit den 90er Jahren wird unter dem Begriff der Finanzierung die Bereitstellung von Kapital bezeichnet. Die Beschaffung von Geld und Kapital in Form von Finanzierungsmaßnahmen ist die Hauptfunktion des Finanzmanagements. Hierbei werden vor allem die Kriterien der Sicherheit, Rentabilität, Unabhängigkeit und Liquidität bei Entscheidungen berücksichtigt. Nebst Investitionen in Anlage- und Umlaufvermögen auf der Aktivseite, umfasst die Funktion des Finanzmanagements auch die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Fremd- und Eigenkapital auf der Passivseite. Die Finanzinstrumente der Passive werden in den Positionen Eigen- und Fremdkapital dargestellt, dessen Verhältnis zueinander als Kapitalstruktur definiert wird.1

Kapitalgesellschaften oder Unternehmen im marktwirtschaftlichen Wettbewerb verfolgen meist das Ziel der langfristigen Gewinnmaximierung oder eine Maximierung des Shareholder Values. Hierbei gilt es zu beachten, die Zahlungsbereitschaft oder Zahlungsfähigkeit stets aufrecht zu erhalten, da sonst der Fall der Insolvenz und somit das Ende eines Unternehmens eintreten kann.2

Aus dem Ziel der Maximierung des Shareholder Values bzw. des Gewinns, lässt sich gleichzeitig das Ziel der Minimierung der Kapitalkosten ableiten. Die Kapitalkosten setzen sich zum einen aus der gewünschten Kapitalverzinsung der Eigenkapitalgeber und den vertraglich garantierten Zinsen der Fremdkapitalgeber zusammen. Das Finanzmanagement eines Unternehmens hat also die Aufgabe das ideale Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital, im Hinblick auf die Kapitalkosten und Wahrung der Zahlungsfähigkeit zu ermitteln, was auch als die Optimierung der Kapitalstruktur verstanden wird.3

2.2. Entwicklung klassischer Theorien zur optimalen Kapitalstruktur

Die sogenannte traditionelle Finanzierungstheorie eines optimalen Verschuldungsgrades (Fremdkapital in Relation zu Eigenkapital in %) besagt, dass Unternehmen bei gegebenen Gesamtkapital in der Lage sind, Eigenkapital mit einer hohen gewünschten Kapitalverzinsung durch Fremdkapital mit einem geringeren und garantierten Zins zu substituieren. Somit lassen sich in Abhängigkeit der Risikobereitschaft der Kapitalgeber sowohl die Gesamtkapitalkosten minimieren, als auch der Marktwert des Unternehmens maximieren, ergo die Kapitalstruktur optimieren.4

Die neoklassische Finanzierungstheorie hatte zum Ziel eine rein theoretische Darstellung von Finanzierungsinstrumenten zu ermöglichen. Die Komplexität realer Einflüsse musste demnach reduziert werden und es wird im Gegensatz zur traditionellen Finanzierungstheorie von einem vollkommenden Markt ausgegangen. Dies bedeutet im Zusammenhang der neoklassischen Finanzierungstheorie, dass die Informationsverteilung homogen- und somit von hoher Effizienz geprägt ist. Der gleichgewichtsorientierte Ansatz der Neoklassik berücksichtigt die Austauschbeziehungen zwischen mehreren Parteien und löste den einzelwirtschaftlich geprägten Ansatz der klassischen Finanzierungstheorie ab.5

Aus der neoklassischen Finanzierungstheorie leitete sich die neoinstitutionelle Finanzierungstheorie ab. Diese Theorie untersuchte in welchem Maße sich die neoklassische Theorie auf die Realität übertragen lässt. Sie berücksichtigt ebenfalls den ganzheitlichen Kapitalmarkt, jedoch unter der Berücksichtigung der asymmetrischen Informationsverteilung. Ebenfalls werden unterschiedliche Gestaltungskompetenzen und Transaktionskosten berücksichtig, weshalb bei dieser Theorie der unvollkommene Markt im Fokus steht.6

3. Theorien der Kapitalstruktur

3.1. Irrelevanztheorem nach Modigliani und Miller

Die 1958 vorgestellte Theorie von Franco Modigliani und Merton Miller besagt, dass die Kapitalstruktur eines Unternehmens unter bestimmten Voraussetzungen keinen Einfluss auf den Unternehmenswert hat. Diese Theorie ist die Grundlage für moderne Kapitalstrukturtheorien. Folgende Marktwertbilanz stellt dar, dass sich aus der Summe des Marktwertes des Fremd- und Eigenkapitals der Unternehmensmarktwert ergibt.

Abbildung 1: Marktwertbilanz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die erste Proposition von Modigliani und Miller besagt, dass der Unternehmenswert unabhängig von Fremd- und Eigenkapitalanteilen konstant bleibt. Vorausgesetzt wird, dass die Werte der Aktiva ebenfalls konstant bleiben. Diese Proposition findet jedoch nur Gültigkeit unter der Voraussetzung eines perfekten/ vollkommenen Marktes, der Annahme, dass es keine Steuern gibt, keine asymmetrischen Informationen bzw. Informationszugänge existieren und dass es keine Konkurskosten gibt.7

Unter diesen Voraussetzungen hängt der Marktwert eines Unternehmens nicht von der Zusammensetzung der Kapitalstruktur, sondern vom Wert des Anlage- und Umlaufvermögens, sowie der Wachstumsmöglichkeiten des Unternehmens ab.8 Die erste Proposition besagt ebenfalls, dass die Kapitalkosten konstant bleiben und durch die Risikobewertung der Aktiva bestimmt werden. Beschreibt man die Kapitalkosten des Fremdkapitals mit rD und die Kapitalkosten des Eigenkapitals mit rE, so können die Gesamtkapitalkosten (rA) mit folgender Gleichung dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da die Eigenkapitalgeber in der Rangfolge nach den Auszahlungen der Fremdkapitalgeber bedient werden, gilt es zu beachten, dass das Kapitalkosten für das eingesetzte Eigenkapital höher ausfallen als für das aufgenommene Fremdkapital. Die garantierten Zinszahlungen der Fremdkapitalgeber sind demnach weniger risikobehaftet, was ebenfalls die niedrigeren Fremdkapitalkosten erklärt. Hieraus könnte, wie in der klassischen Finanzierungtheorie beschrieben, abgeleitet werden, dass es nun für ein Unternehmen günstiger ist das teure Eigenkapital durch günstiges Fremdkapital zu substituieren. Jedoch steigt mit zunehmender Fremdkapitalaufnahme auch das Risiko als Eigenkapitalgeber nicht mehr bedient zu werden, weswegen die Eigenkapitalgeber eine höhere Rendite rE fordern und die Kosten des zusätzlichen, günstigeren Fremdkapitals ausgeglichen werden.9

Die nun auftretende Frage, inwiefern die Kapitalkosten konstant bleiben, obwohl sie aus dem gewichtetem Durchschnitt der Eigen- und Fremdkapitalkosten entstehen, lässt sich durch verschiedene Gewichtungen der beiden Kapitalkosten beantworten. Wird die Kapitalstruktur dahingehend verändert, dass sich der Verschuldungsgrad erhöht, bekommen die niedrigeren Fremdkapitalkosten eine höhere- und die höheren Eigenkapitalkosten eine niedrigere Gewichtung. Im Ergebnis haben sich die Kapitalkosten einer Veränderung unterzogen, der gewichtete Durschnitt bleibt jedoch konstant.10

Die zweite Proposition von Modigliani und Miller entspricht der Gleichung der ersten Proposition, jedoch umgestellt nach rE:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten11

Die zweite Gleichung stellt eine positive Funktion des Verschuldungsgrades Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten dar, welche die Kosten des Eigenkapital als Basis hat. Dies bedeutet, dass unter der zuvor gezeigten Bedingung (rA und rD konstant) mit zunehmender Aufnahme von Fremdkapital der Verschuldungsgrad Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten wie ein Hebel fungiert und die verlangte Rendite der Eigenkapitalgeber erhöht.12

Die dritte Proposition von Modigliani und Miller erweitert die ersten beiden Thesen der Irrelevanz der Kapitalstruktur eines Unternehmens auf die Irrelevanz der Kapitalstruktur von geplanten Investitionen. Dies bedeutet, dass auch einzelne Projekte durch erhöhte Fremdkapitalfinanzierungen nicht profitabler werden.13

Da die Theoreme von Modigliani und Miller, wie zuvor bereits erwähnt, nur unter bestimmten Voraussetzungen Gültigkeit finden, wurde die Theorie mehrfacher Kritik ausgesetzt. Nicht zu Letzt kritisierten Modigliani und Miller selbst Ihre Theorie. Da es sich um ein Modell handelt, in welchen Steuern nicht berücksichtigt werden, wurden die Steuern in einem späteren Abschnitt eingebunden, jedoch falsch berechnet.14 Modigliani und Miller korrigierten diesen Fehler fünf Jahre später.15 Des Weiteren werden bei den Thesen von Modigliani und Miller die höhere Konkurswahrscheinlichkeit durch weitere Aufnahme von Fremdkapital nicht berücksichtigt16, welche sich in der nächsten Theorie in Kapitel 3.2. wiederfindet.

3.2. Die Trade-off Theorie

Die Trade-off Theorie basiert auf der 1. Proposition von Modigliani und Miller. Es wird von einem Unternehmen ausgegangen, welches anfangs ausschließlich durch Eigenkapital finanziert ist. Anschließend wird ein optimaler Verschuldungsgrad durch sukzessive Erhöhung des Fremdkapitalanteils angestrebt. Die Trade-off Theorie berücksichtigt im Gegensatz zur 1. Proposition von Modigliani und Miller sowohl die Steuerabzugsfähigkeit der Zinszahlungen an Fremdkapitalgeber, als auch die Zahlungsverzugskosten von Fremdkapital. Eine Ausbalancierung beider Positionen findet solange statt, bis der Steuervorteil des Fremdkapitals den Kosten einer Konkurswahrscheinlichkeit bzw. den damit einhergehenden Konkurskosten entspricht und somit der Unternehmenswert maximiert wird.17 Die 1. Proposition lässt sich nun unter Berücksichtigungen der eben genannten Faktoren wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

PV(Steuerersparnisse) = Gegenwartswert zukünftiger Steuerersparnisse

Unter der Annahme des Ziels den Unternehmenswert maximieren zu wollen, wird der Verschuldungsgrad optimal, wenn die Kosten und Ersparnisse einer Fremdkapitaleinheit identisch sind.18 Grafisch lässt sich der Inhalt der Trade-off Theorie wie folgt darstellen:

[...]


1 Vgl. Schachtner, M. Unternehmensfinanzierung, 2009, S. 12.

2 Vgl. Wöhe, G. et al. Einführung BWL, 2016, S. 532.

3 Ebd., S532.

4 Vgl. Hermanns, J. Optimale Kapitalstruktur, 2006, S. 11

5 Ebd., S. 11

6 Ebd., S. 12

7 Vgl. Modigliani, F. und Miller, M., Cost of Capital, 1958 S. 266 f.

8 Ebd., S. 281 f.

9 Vgl. Myers, S., Capital Strucutre, 2001 S. 85

10 Vgl. Loderer, C. et. Al. Handbuch der Bewertung, 2005, S. 407.

11 Vgl. Modigliani, F., Miller, M., Cost of Capital, 1958, S.271.

12 Vgl. Loderer, C. et. Al., Handbuch der Bewertung, 2005, S. 405 f..

13 Vgl. Modigliani, F., Miller, M. Cost of Capital, 1958, S. 292.

14 Vgl. Hermanns, J. Optimale Kapitalstruktur, 2006, S. 20

15 Vgl. Modigliani, F., Miller, M. Corporate Income, S. 442, 1963

16 Vgl. Hermanns, J. Optimale Kapitalstruktur, 2006, S20

17 Vgl. Ebd., S. 35f.

18 Vgl. Myers, S. Financing of Corporations, 2002, S. 8f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Zusammensetzung der optimalen Kapitalstruktur
Untertitel
Eigen- und Fremdkapital in Unternehmen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V456058
ISBN (eBook)
9783668886018
ISBN (Buch)
9783668886025
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapitalstruktur, Trade-off Theory, Modigliani Miller, Pecking-Order
Arbeit zitieren
Dennis Blistain (Autor), 2018, Die Zusammensetzung der optimalen Kapitalstruktur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456058

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Zusammensetzung der optimalen Kapitalstruktur


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden