Wilhelm von Humboldt wurde 1767 in Deutschland, in der Stadt Potsdam geboren. Sein Bildungsbegriff steht in Zentrum der neuhumanistischen Bewegungen Deutschlands, die die Überlegungen zum Thema Bildung und Schule der damaligen Zeit kritisierten und zu einem Wandel im Denken führten.
Bei dem Neuhumanismus, handelt es sich um eine Geistes- und Bildungsbewegung, die an den älteren Humanismus der Renaissance anknüpft und Mitte des 18.Jahrhunderts aufstrebte. Diese war im Gegensatz zur Aufklärungspädagogik gegen einen Gemeinnutzen der Schulerziehung und für eine Bildung, die den Wert der Individualität betont, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Bedürfnisse nehmen zu müssen. In der griechischen Antike, an die sich der Neuhumanismus zum einem großen Teil orientiert, sieht Humboldt eine gelungene Herausbildung von Idealität innerhalb von Individualität. Einen besonders wichtigen Stellenwert erhielt dabei die Sprache, über welche der Mensch zu sich selbst gelangt. Der Mensch sollte die Alten Sprachen wie zum Beispiel Griechisch lernen, da diese den Zweck der formalen Bildung am besten erfüllen. Für Humboldt war eine allgemeine Bildung der Schlüssel zur Freiheit, weswegen eine berufliche Ausbildung erst danach erfolgen sollte, denn erst der gebildete Mensch kann seine ganze Energie im Berufsleben einsetzen, und somit umso mehr für die Gesellschaft leisten. Diese neue humanistische Bewegung fand großen Zuspruch im Bürgertum, da diese sich durch die Individualitäts-, Gleichheits- und Freiheitsversprechen, eine Zurückdrängung der ständischen Lernleistungskontrolle versprachen.
Im Folgenden wird nun der Humboldt‘sche Bildungsbegriff mit Bezug auf den historischen Kontext erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Bildungsverständnis im Neuhumanismus
2. Der Humboldt’sche Bildungsbegriff
2.1 Das Ziel der Humboldt’schen Bildung
2.2 Humboldts Forderung nach einer freien Bildung für alle
3. Ein Wandel im Denken
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bildungsverständnis von Wilhelm von Humboldt und arbeitet den zentralen Stellenwert seiner Bildungstheorie innerhalb des Neuhumanismus heraus. Ziel ist es, den historischen Kontext und die pädagogischen Ideale Humboldts zu beleuchten, die Bildung als einen freien, ganzheitlichen Prozess begreifen, der sich bewusst von utilitaristischen Anforderungen abgrenzt.
- Der Neuhumanismus als geisteswissenschaftliche Strömung
- Die Kernaspekte des Humboldt’schen Bildungsbegriffs
- Die Bedeutung von Freiheit und Individualität in der Bildung
- Kritik an der instrumentellen Bildung für staatliche oder wirtschaftliche Zwecke
- Die historische Transformation des Bildungsverständnisses
Auszug aus dem Buch
Der Humboldt’sche Bildungsbegriff
„Der wahre Zeck des Menschen - nicht der, welchen die wechselnden Neigung, sondern welche die ewig unveränderliche Natur ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.“ (Leitzmann, 1968, S.106)
Die Kräfte, welche Humboldt erwähnt, sind dabei die menschlichen Anlagen oder Potenziale, die zu einem Ganzen zu bilden sind (Koller, 2009, S.75). Bei genauerem Anblick lässt sich diese Bildungstheorie in vier Bestimmungen aufteilen: erstens, die Bildung von Kräften, zweitens, die höchste Erfahrung dieser Kräfte, drittens die proportionierlichste Entfaltung dieser Kräfte und viertens die Zusammenfassung eben jener zu einem Ganzen (Koller, 2009, S.75). Wie man sieht stellt Humboldt den Menschen, wie es im Neuhumanismus üblich ist, selbst ins Zentrum der Bildung (Koller, 2009, S.75). Das was einen Menschen ausmacht, sind seine Kräfte, die es zu stärken und zu erhöhen gilt. Das Ziel von Bildung muss also sein, die menschlichen Möglichkeiten zu einem größtmöglichen Inhalt zu verwirklichen (Koller, 2009, S.76).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Bildungsverständnis im Neuhumanismus: Dieses Kapitel führt in die geistesgeschichtlichen Grundlagen des Neuhumanismus ein und verortet Wilhelm von Humboldt in diesem Kontext als Gegenentwurf zur Aufklärungspädagogik.
2. Der Humboldt’sche Bildungsbegriff: Hier werden die theoretischen Säulen von Humboldts Bildungsideal dargelegt, insbesondere das Streben nach der ganzheitlichen Entfaltung individueller Kräfte.
3. Ein Wandel im Denken: Dieses Kapitel analysiert die Abkehr von einem rein utilitaristischen Bildungsverständnis hin zu einem humanistischen Ideal, das Bildung als einen freien, gesellschaftlichen Prozess definiert.
Schlüsselwörter
Wilhelm von Humboldt, Neuhumanismus, Bildungsbegriff, Individuum, Kräfteentfaltung, Freiheit, Menschenbildung, Aufklärung, Utilitarismus, Humanismus, Gesellschaft, Allgemeinbildung, Schulerziehung, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die bildungstheoretischen Ansätze von Wilhelm von Humboldt und deren Bedeutung im historischen Kontext des Neuhumanismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind der Begriff der „Kräfteentfaltung“, die Rolle der Individualität, das Verhältnis von Freiheit zur Bildung sowie die Abgrenzung von nützlichkeitsorientierter Pädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Humboldts Bildungsverständnis historisch korrekt einzuordnen und aufzuzeigen, warum er Bildung als einen freien Prozess jenseits wirtschaftlicher Interessen konzipierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Literaturanalyse, die auf primären und sekundären Quellen zum Neuhumanismus und zu Humboldts Schriften basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Humboldt’schen Bildungsbegriffs sowie die Analyse des Wandels hin zu einem Ideal, das Bildung als freien Prozess für alle Menschen fordert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Neuhumanismus, Humboldt’scher Bildungsbegriff, Individualität, Freiheit und die Abkehr vom Utilitarismus.
Warum spielt der Neuhumanismus für Humboldts Thesen eine so große Rolle?
Der Neuhumanismus bildete den geistigen Rahmen, der das Individuum und seine menschlichen Potenziale in den Mittelpunkt rückte, im Gegensatz zur aufklärungspädagogischen Ausrichtung auf den rein gesellschaftlichen Nutzen.
Wie definiert Humboldt das Verhältnis zwischen Bildung und der Welt?
Humboldt betont, dass Bildung nicht isoliert stattfinden kann; der Mensch benötigt einen Gegenstand, die „Welt“, mit der er in eine allgemeine und freie Wechselwirkung treten muss.
- Arbeit zitieren
- Iris Binder (Autor:in), 2018, Der Humboldt'sche Bildungsbegriff. Ein Wandel im Denken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456067