Der Autor beschäftigt sich mit der Frage der gesellschaftsrechtlichen Einordnung einer neuartigen Organisationsform, die im Jahr 2016 viel Aufsehen erregte und in die viele Hoffnungen projiziert wurden.
Es handelt sich bei dieser Organisationsform um eine sog. Decentralized Autonomous Organization. Eine DAO ist, wie noch en détail zu zeigen sein wird, ein in der durch Computer simulierten virtuellen Realität existierendes Konstrukt, welches zum Zweck der Erreichung verschiedener Ziele von Menschen genutzt werden kann. Bekannt wurde die erste DAO als "A Venture Fund With Plenty of Virtual Capital, but No Capitalist" (nytimes.com, Mai 2016). Das bis dato größte Crowdfunding-Projekt musste allerdings nicht allzu lange Zeit später eingestellt werden, da ein Hacker der DAO ca. $ 50 Millionen entwendete.
Bis heute sind Fragen der rechtlichen Einordnung nach deutschem Zivil- und Gesellschaftsrecht offen. Diese Arbeit leistet einen ersten Ansatz. Gleichzeitig schließen sich an die hier vorgenommene Einordnung Folgeprobleme an, die nicht in Gänze behandelt werden können. Es wird insofern kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit erhoben.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Decentralized Autonomous Organization
I. Technischer Hintergrund
1. Blockchain
2. Smart Contracts
3. Kryptowährungen
II. Eigenschaften und Struktur einer DAO
1. Organisation
a) Zweckverfolgung
b) Akteure der DAO
aa) Mitglieder
bb) Kuratoren
cc) Externe Akteure
c) Formalisiertes Regelwerk
2. Autonom
3. Dezentral
4. Zwischenergebnis
C. Gesellschaftsrechtliche Beurteilung
I. Vertragliche Grundlage
1. Rechtsbindungswillen
2. Essentialia Negotii
3. Rechtsnatur des Vertrags
II. Anwendbarkeit deutschen Gesellschaftsrechts
III. Einordnung in Rechtsformen
1. Numerus Clausus der Gesellschaftsformen
2. Körperschaften
a) AG
b) GmbH
c) nrV
3. Personengesellschaften
a) GbR
b) OHG und KG
c) Unzulässigkeit der Rechtsform
D. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Decentralized Autonomous Organization (DAO) aus einer technologischen Perspektive sowie einer gesellschaftsrechtlichen Beurteilung nach deutschem Recht. Ziel ist es, das Konzept als virtuelles Konstrukt zu analysieren und zu prüfen, inwiefern bestehende deutsche Gesellschaftsformen auf eine DAO anwendbar sind, um Rechtssicherheit im Umgang mit solchen dezentralen Organisationen zu bewerten.
- Technische Grundlagen einer DAO (Blockchain, Smart Contracts, Kryptowährungen)
- Strukturelle Eigenschaften: Organisation, Autonomie und Dezentralität
- Rechtliche Einordnung der vertraglichen Grundlage einer DAO
- Prüfung der Anwendbarkeit deutscher Gesellschaftsformen (AG, GmbH, nrV, GbR)
- Konflikt zwischen Technologieoffenheit und traditionellen Prinzipien des Gesellschaftsrechts
Auszug aus dem Buch
1. Blockchain
Die Blockchain-Technologie besteht im Kern aus den folgenden vier Instrumenten, die jeweils für sich genommen in der Informatik bereits etabliert waren und erst durch eine Zusammenführung ihrer Eigenschaften innovativen Charakter annahmen. Das erste Instrument ist das sog. Peer-to-Peer-Netzwerk. Nach dem Peer-to-Peer-Prinzip sind alle Netzwerkteilnehmer gleichrangig. Jeder Teilnehmer übernimmt Aufgaben zur Bereitstellung der Infrastruktur. Daten werden unmittelbar zwischen den Teilnehmern transferiert, sodass es keines Intermediäres bedarf. Deshalb wird ein Peer-to-Peer-Netzwerk oft auch als „dezentrales Netzwerk“ bezeichnet. In einem herkömmlichen, zentralistisch organisierten Servernetzwerk gibt es dagegen nur eine Anlaufstelle, die eine Infrastruktur bereitstellt, und daneben viele untergeordnete Teilnehmer. Charakteristisch für das Servernetzwerk ist, dass die Teilnehmer der zentralen Anlaufstelle vertrauen müssen. Diese ist allerdings gleichzeitig ein prädestiniertes Ziel für Angreifer und potentielle Quelle technischer Fehler. Vorteil eines Peer-to-Peer-Netzwerks ist also die erhöhte Sicherheit, die mit einer dezentralen Infrastruktur einhergeht, und das erhöhte Vertrauen der Teilnehmer in diese Infrastruktur.
Ein weiteres Instrument sind Verschlüsselungsalgorithmen. Im Netzwerk ist der Teilnehmer nur als eine zufällig generierte Zahlenfolge zu erkennen. Dadurch sind die Transaktionen grds. anonym. Mittlerweile ist es allerdings möglich, mit einem gewissen technischen Aufwand durch statistische Methoden von einer Zahlenfolge auf einen Account, der wiederum einer Person zugeordnet werden kann, zu schließen, weshalb wohl häufig die Verschlüsselung auf eine Pseudonymität hinaus läuft. Die Adresse des Accounts stellt dabei das Pseudonym dar.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte der DAO ein, beleuchtet das Scheitern von "the DAO" und formuliert das Ziel der Arbeit, das Konstrukt gesellschaftsrechtlich einzuordnen.
B. Decentralized Autonomous Organization: Dieses Kapitel erläutert die technischen Grundpfeiler (Blockchain, Smart Contracts, Kryptowährungen) sowie die strukturellen Merkmale (Organisation, Autonomie, Dezentralität), die eine DAO definieren.
C. Gesellschaftsrechtliche Beurteilung: Hier erfolgt die Prüfung, ob DAO-Mitglieder in einem vertraglichen Verhältnis stehen, die Untersuchung des deutschen Gesellschaftsstatuts und die Analyse der Eignung verschiedener Rechtsformen wie AG, GmbH, nrV und GbR.
D. Conclusio: Das Fazit stellt fest, dass eine DAO idealtypisch als GbR zu qualifizieren ist, wobei je nach Ausrichtung auch eine OHG in Betracht kommt, und verneint eine akute Notwendigkeit zur Änderung des deutschen Gesellschaftsrechts.
Schlüsselwörter
Decentralized Autonomous Organization, DAO, Blockchain, Smart Contracts, Gesellschaftsrecht, Gesellschaft bürgerlichen Rechts, GbR, Rechtsformwahl, Kryptowährung, Token, Organisation, Dezentralität, Autonomie, Rechtsbindungswille, Investitionsfonds.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtliche Einordnung von Decentralized Autonomous Organizations (DAOs) in das deutsche Gesellschaftsrecht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die technologischen Grundlagen der Blockchain, die Funktionsweise von DAOs sowie die dogmatische Untersuchung ihrer gesellschaftsrechtlichen Qualifizierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung, welche deutsche Gesellschaftsform (z.B. GbR oder Körperschaft) für eine DAO als geeignet oder zulässig erachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine rechtsdogmatische Analyse durchgeführt, die bestehende gesellschaftsrechtliche Kriterien auf die neuartigen digitalen Strukturen einer DAO anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine technische Beschreibung der DAO-Grundlagen und eine detaillierte Prüfung der Anwendbarkeit deutscher Rechtsformen auf das dezentrale Konstrukt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie DAO, Gesellschaftsrecht, Smart Contracts, Blockchain, Rechtsbindungswille und GbR charakterisiert.
Warum ist das Projekt "the DAO" für die Untersuchung so wichtig?
Es dient als praxisnahes Beispiel zur Veranschaulichung der Realstruktur und Funktionsweise einer DAO und zeigt die Probleme bei der praktischen Anwendung des Rechts auf.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der aktuellen Rechtslage?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass eine DAO meist als GbR einzuordnen ist und aktuell kein unmittelbarer Änderungsbedarf für das deutsche Gesellschaftsrecht besteht.
- Citar trabajo
- Julius Weishaupt (Autor), 2018, Die Decentralized Autonomous Organization (DAO).Grundlagen und gesellschaftsrechtliche Beurteilung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456075