Wenn man „Menschenversuche“ oder „Experimente am Menschen“ hört, verbindet man damit im Allgemeinen etwas Negatives. Blickt man in die deutsche Geschichte zurück, wird man wohl in erster Linie an Menschenexperimente im Dritten Reich denken. Unter einem medizinischen Vorwand wurden in den Konzentrationslagern Tausende von Menschen gequält und wie Versuchskaninchen behandelt. Auch in der Soziologie werden Experimente am Menschen durchgeführt, welche allerdings glücklicherweise nichts mit den grausamen medizinischen Versuchen zur Zeit des Nationalsozialismus zu tun haben. Experimente sind allerdings häufig nicht die bevorzugte Forschungsart in den Sozialwissenschaften, viel eher wird auf Befragungen zurückgegriffen. Gerade Laborexperimente werden stets kritisch betrachtet. In dieser Hausarbeit soll daher herausgearbeitet werden, was Laborexperimente für die Forschung leisten können. Zunächst wird daher definiert, durch was ein Experiment gekennzeichnet ist. Anschließend werden allgemeine Gütekriterien in der Sozialforschung dargestellt. Der Hauptteil der Arbeit soll sich dann damit befassen, was Laborexperimente bezüglich Validität, Theoriebildung, Reliabilität und Objektivität leisten. Zudem wird noch auf forschungsethische Aspekte eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Warum Laborexperimente besser sind als ihr Ruf
2.1 Kennzeichen eines Experiments in der Soziologie
2.2 Gütekriterien in der empirischen Sozialforschung
2.3 Die Rolle der externen Validität in Laborexperimenten
2. 4 Theoriebildung und Kausalzusammenhänge in Experimenten
2.5 Interne Validität durch Randomisierung
2. 6 Reliabilität und Objektivität von Laborexperimenten
2.7 Forschungsethische Aspekte bei Laborexperimenten
3. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der methodischen Wertigkeit von Laborexperimenten in der Soziologie auseinander. Ziel ist es, den wissenschaftlichen Nutzen dieser Methode gegenüber alternativen Ansätzen wie Befragungen aufzuzeigen, insbesondere hinsichtlich der theoretischen Fundierung und der Kausalitätsprüfung.
- Methodologische Abgrenzung von Laborexperimenten in den Sozialwissenschaften
- Analyse der Gütekriterien Validität, Reliabilität und Objektivität
- Bedeutung der Randomisierung für die interne Validität
- Zusammenhang zwischen Theoriebildung und experimenteller Anordnung
- Ethische Reflexion soziologischer Experimente
Auszug aus dem Buch
2. 4 Theoriebildung und Kausalzusammenhänge in Experimenten
Zelditch nimmt eine Unterscheidung von Experimenten vor in Effektexperimente und theoretische orientierte Experimente. Effektexperimente zeigen lediglich einen Effekt auf, indem man ein Versuch durchführt, um zu schauen was passiert, ohne jedoch die Ergebnisse erklären zu können. Hierbei handelt es sich um eine sehr naive Vorgehensweise, die allerdings häufig verwendet wird. Ein Beispiel dafür ist das Aschexperiment, welches 1951 von Solomon Asch durchgeführt wurde. Es ging darum, inwiefern Probanden unter Gruppenzwang fehlerhafte Aussagen bestätigen. Das Problem allerdings ist, dass hierbei nur der Effekt gezeigt wird, dass sich Probanden in einer Gruppe konform verhalten, aber nicht analysiert wird, warum das der Fall ist und welche Theorie dahinter steckt. Dies ist ein Aspekt, der häufig an Experimenten kritisiert wird.
Es sollte also stets ein Experimentaldesign angestrebt werden, dass im Bezug zu einer konkreten Theorie steht, sowie das auch bei anderen Erhebungsarten der Fall sein sollte. Das könnte beim Aschexperiment zum Beispiel so ablaufen, dass man zunächst eine Theorie formuliert und mögliche Ursachen angibt, warum sich Menschen unter Gruppenzwang anders verhalten, und dies dann schließlich in einem Experiment testet (Vgl. Zelditch 2007: S. 518). Die Vorgehensweise soll also sein, dass zunächst eine Theorie entwickelt wird, dies kann zum Beispiel durch eine Beobachtung geschehen. Nun kann optimal getestet werden, ob die Theorie in einem bestimmen Experiment bestätigt werden kann oder nicht, da auch hier die Künstlichkeit von Laborexperimenten wieder einen Vorteil liefert:
„Artificiality means that a well-designed experiment can incorporate all the theoretically presumen causes of certain phenomena while eliminating or minimizing factors that have not been theoretically identified as casual.“ (Webster / Sell 2007: S. 11)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Skepsis gegenüber Menschenexperimenten und stellt die Zielsetzung der Arbeit vor, den methodischen Wert von Laborexperimenten in der Soziologie zu evaluieren.
2. Warum Laborexperimente besser sind als ihr Ruf: Dieses Hauptkapitel definiert experimentelle Standards und prüft diese anhand wissenschaftlicher Gütekriterien wie Validität, Reliabilität und Objektivität im Laborkontext.
2.1 Kennzeichen eines Experiments in der Soziologie: Hier wird der wissenschaftliche Begriff des Experiments vom umgangssprachlichen Versuch abgegrenzt und der klassische Aufbau mittels Randomisierung erläutert.
2.2 Gütekriterien in der empirischen Sozialforschung: Dieser Abschnitt erläutert die zentralen Qualitätsmaßstäbe der Objektivität, Reliabilität und Validität, die für eine fundierte Forschung unabdingbar sind.
2.3 Die Rolle der externen Validität in Laborexperimenten: Diskutiert wird hier die Übertragbarkeit von Laborergebnissen auf reale soziale Problemfelder am Beispiel des Milgram-Experiments.
2. 4 Theoriebildung und Kausalzusammenhänge in Experimenten: Das Kapitel plädiert für eine theoretisch orientierte Versuchsplanung und zeigt auf, wie Experimente zur Erhellung von Kausalzusammenhängen beitragen.
2.5 Interne Validität durch Randomisierung: Es wird dargelegt, wie die zufällige Gruppeneinteilung Störfaktoren ausschaltet und somit die interne Validität absichert.
2. 6 Reliabilität und Objektivität von Laborexperimenten: Dieses Kapitel zeigt, wie die Künstlichkeit von Laborbedingungen die Reproduzierbarkeit und damit die Reliabilität und Objektivität einer Studie erhöht.
2.7 Forschungsethische Aspekte bei Laborexperimenten: Die ethische Verantwortung des Forschers wird anhand kritischer Beispiele wie dem Stanford-Prison-Experiment reflektiert.
3. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Vorteile des Laborexperiments für die Theorieentwicklung zusammen und empfiehlt eine methodische Triangulation.
Schlüsselwörter
Laborexperiment, Soziologie, Empirische Sozialforschung, Validität, Reliabilität, Objektivität, Randomisierung, Kausalzusammenhang, Theoriebildung, Forschungsethik, Milgram-Experiment, Stimulus, Experimentelles Design, Reproduzierbarkeit, Methoden-Triangulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die methodische Bedeutung von Laborexperimenten in der Soziologie und setzt sich kritisch mit deren Reputation auseinander.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der wissenschaftliche Aufbau von Experimenten, die Prüfung durch Gütekriterien sowie die Bedeutung für die Theorieentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Laborexperimente trotz häufiger Kritik einen essenziellen Beitrag zur sauberen Kausalitätsprüfung und Theoriebildung leisten können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse bestehender methodischer Diskurse und bekannter Experimentstudien wie dem Milgram-Experiment.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Im Hauptteil werden die internen und externen Validitätsanforderungen, die Rolle der Randomisierung sowie die Reliabilität und Objektivität von Laborexperimenten analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Laborexperiment, Validität, Randomisierung und Theoriebildung charakterisiert.
Was unterscheidet das "Effektexperiment" vom "theoretisch orientierten Experiment"?
Während beim Effektexperiment lediglich das Auftreten eines Phänomens beobachtet wird, zielt das theoretisch orientierte Experiment darauf ab, die kausalen Ursachen innerhalb eines theoretischen Rahmens zu verifizieren.
Warum ist die Randomisierung laut Autor so entscheidend?
Die Randomisierung ist entscheidend, um Störvariablen systematisch zu kontrollieren und sicherzustellen, dass beobachtete Effekte kausal auf den gesetzten Stimulus zurückzuführen sind.
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- Anonym (Author), 2015, Warum Laborexperimente besser sind als ihr Ruf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456089