Kapitel 25: Welchen Einfluss das Schicksal auf die Angelegenheiten der Menschen hat. Niccoló Machiavelli "Der Fürst"


Essay, 2014
9 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Zusammenfassung und Rezeption wichtiger Inhalte

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Kapital 25 aus „Der Furst" von Niccolo Machiavelli beschaftigt sich damit, „welchen EinfluB das Schicksal auf die Angelegenheiten der Menschen hat" (Machiavelli 2009: S.134). Es steht fest, dass es sich beim Begriff des Schicksals um eine interessante Thematik handelt, die bereits oft unterschiedlich interpretiert wurde und somit ein wichtiger Bestandteil von Machiavellis Grundgedanken ist (Vgl. Balaban 1990: S.21). Auch in dieser Arbeit beschaftigt man sich mit der Rolle des Schicksals. Nach der Zusammenfassung einzelner Kerngedanken wird jeweils eine zum Abschnitt passende Rezeption vorgestellt und anschlieBend wird im Schlusswort noch einmal das Wichtigste zusammenfassend dargestellt.

Zusammenfassung und Rezeption wichtiger Inhalte

In der Ausgabe des Werkes „Der Furst“ von Niccolo Machiavelli, die fur dieses Essay verwendet wird, wird der Begriff „Fortuna“ ubersetzt mit „Schicksal“ und „Gluck“. Jedoch gibt es auch Ausgaben, in denen das nicht der Fall ist und Fortuna „als Bezeichnung fur die Gottin Fortuna, als die Macht, die Gluck schenkt oder Gluck nimmt [stehen bleibt].“ (Knauer 1990: S.47).

Das 25. Kapital „Welchen Einfluss das Schicksal auf die Angelegenheiten der Menschen hat“ beginnt damit, dass Machiavelli feststellt, dass viele die Ansicht vertreten, dass die Welt durch Gott und das Schicksal gelenkt wird und der Mensch keine Moglichkeit hat, sich dagegen zu wehren. Das Problem hierbei ist, dass der Mensch sich um nichts im Leben kummern musste, weil man eh durch das Schicksal unterworfen wird (Vgl. Machiavelli 2009: S.134). Nur Gott und das Schicksal waren also verantwortlich fur die Geschehnisse in der Welt. Knaur vertritt dagegen die Ansicht, dass das Schicksal bei Machiavelli als Ersatz fur Gott gesehen wird, da in dieser Zeit die Religion kein fester Bestandteil mehr war und so die Menschen nach neuen Erklarungen gesucht haben (Vgl. Knaur 1990: S.47/48). Fur sie gibt es also nicht Gott und das Schicksal, sondern Gott wird durch das Schicksal ersetzt.

AnschlieGend kritisiert Machiavelli den weit verbreiteten Gedanken, dass man komplett durch das Schicksal gelenkt wird: „Weil aber doch die menschliche Willensfreiheit damit in Widerspruch steht, so urteile ich, daG das Geschick wohl die Halfte aller menschlichen Angelegenheiten beherrschen mag; aber die andre Halfte oder doch beinahe soviel, uns selbst uberlassen muG.“(Machiavelli 2009: S.134). Machiavelli kann sich also dieser Idee nicht anschlieGen, weil hierbei die Willensfreiheit des Menschen vernachlassigt wird. Er glaubt, dass der menschliche Willen zumindest zur Halfte mitbestimmen kann und nur die andere Halfte durch das Schicksal bestimmt wird. Oded Balaban beschreibt in seinem Aufsatz „The human origins of Fortuna in Machiavelli's thought", wie unterschiedlich Machiavelli den Begriff des Schicksals hinsichtlich ihrer Beherrschbarkeit verwendet. Er stellt zwei Ideen vor, die sich beide durch die Literatur von Machiavelli rechtfertigen lassen. Auf der einen Seite hangt nach Machiavelli die Beherrschbarkeit des Schicksals wohl von gewissen Fahigkeiten ab, diese wiederum hangen vom menschlichen Willen ab. Somit konnte das Schicksal komplett durch den Willen beeinflusst werden, der Mensch ware nicht abhangig von ihm. Auf der anderen Seite erscheint bei Machiavelli das Schicksal allerdings auch als etwas, das auGerhalb des menschlichen Willens steht. Hier ware der Mensch unfahig, durch seinen Willen die Geschehnisse in der Welt zu beeinflussen (Vgl. Balaban 1990: S.24).

Als nachstes vergleicht Machiavelli das Schicksal mit einem Fluss:„Ich vergleiche das mit einem gefahrlichen Flusse, der, wenn er anschwillt, die Ebene uberschwemmt, Baume und Gebaude umsturzt, Erdreich hier fortreiGt, dort ansetzt. Jedermann flieht davor und gibt nach; niemand kann widerstehen. Dennoch konnen die Menschen in ruhigen Zeiten Vorkehrungen treffen, mit Deichen und Wallen bewirken, daG der FluG bei hohem Wasser in einem Kanale abflieGen muG, oder doch nicht so unbandig uberstromt und nicht soviel Schaden tut." (Machiavelli 2009: S. S134/135). Machiavelli will damit sagen, dass man sich der Macht des Schicksals bewusst sein muss und deshalb Vorkehrungen treffen soll, denn dadurch kann man die negativen Einflusse des Schicksals abschwachen. An dieser Stellt wird es also personifiziert ( Vgl. Knauer 1990: S.46), es ist beherrschbar, indem man sich Ihrer bewusst wird, Vorsorge trifft und somit besser reagieren kann. In gewisser Weise hangt das Schicksal somit vom Menschen ab. Man muss sich also seinem Schicksal nicht unterwerfen, sondern man muss lernen, wie man damit umzugehen hat (Vgl. Knauer 1990: S.48). Laut Knauer ist das Schicksal aber trotz Allem unberechenbar, man kann namlich trotz Vorbereitung uberrascht werden, da es dem Menschen nie gelingen wird alle Aspekte der Fortuna begreifen zu konnen (Vgl. Knauer 1990: S.57/58).

AnschlieGend kommt Machiavelli auf die Besonderheiten des Schicksals zu sprechen, da „(...) man Fursten heute im Glucksstande und morgen im Zusammenbruche sieht, ohne daG sie ihre Natur im geringsten verandert haben." (Machiavelli 2009: S.135). An dieser Stelle mochte er also verdeutlichen, dass der Mensch zwar noch so gut vorbereitet sein kann und sich auch nichts an seiner Denkart geandert hat, aber eben nicht nur die Person uber ihren Erfolg bestimmen kann, sondern dass die auGeren Umstande auch eine Rolle spielen. Er ist der Meinung, dass man sich deshalb immer der aktuellen Situation anpassen muss, um erfolgreich sein zu konnen, tut man das nicht, muss man mit Misserfolg rechnen (Vgl. Machiavelli 2009: S.135). Hans-Joachim Diesner verweist an dieser Stelle auf die virtu, „[d]ie alles Leben und des gesamten Kosmos durchwaltende Kraft, durch die der Mensch vorrangig sein Dasein tragt und sich im GroGen wie im Kleinen behauptet und zur Geltung bringt." (Diesner 1993: S.178). Die niedere Form der Virtu ist Tapferkeit und Durchhaltevermogen. Die passende Gelegenheit, die man ergreifen muss um erfolgreich zu sein, stellt Diesner als eine untere Stufe des Schicksals dar (Vgl. Diesner 1993: S. 178). Sie wirkt vor Allem dann positiv, wenn eine eine Verbindung von virtu und dem freien Willen gibt, fehlt jedoch die virtu, macht sich das Schicksal negativ bemerkbar (Vgl. Diesner 1993: S.180).

Machiavelli fuhrt an dieser Stelle das Beispiel von Julius dem Zweiten ein, dieser wurde 1503 zum Papst gekront, entmachtete Cesare Borgia und es gelang ihm die Romagna in Venedig zuruckzuerobern (Vgl. Heck et.al. 2000: S.236/238).

Aufgrund seiner leidenschaftlichen und entschlossenen Art, gelang es ihm Erfolge zu erreichen, die Personen mit einem anderen Charakter in dieser Situation nicht moglich gewesen ware. Die Art von Julius passte zu den zeitlichen Umstanden, er ergriff die Gelegenheit und war somit erfolgreich. Wenn die Situation jedoch einen anderen Charakter erfordert hatte, ware Julius nicht erfolgreich gewesen, da er sich daran nicht hatte anpassen konnen (Vgl. Machiavelli 2009: S. 137). Diesner schreibt, dass Julius dem Schicksal durch seine starke Virtu seinen Willen aufzwingen wollte, er war keiner der Fortuna braucht, sondern nur eine gunstige Gelegenheit, die er nutzen kann. Somit wird der Einfluss von Fortuna zuruckgedrangt (Vgl. Diesner 1993: S. 181).

Machiavelli folgert, dass „da die Glucksumstande veranderlich sind, die Menschen aber bei ihrer Weise eigensinnig beharren, es diesen nur so lange gut geht, als beides miteinander ubereinstimmt; sobald aber Disharmonie darin eintritt, muG alles miGglucken." (Machiavelli 2009: S.137/138). Die auGeren Umstande verandern sich, wahrend der Charakter eines Menschen stets gleich bleibt. Dieser muss zu der Art passen, die eine gewisse Situation erfordert, damit man erfolgreich ist.

Das Kapital endet damit, dass Machiavelli eine weiter Metapher einfuhrt: „Denn das Gluck ist ein Weib, und wer dasselbe unter sich bringen will, muss es schlagen und stoGen. Es lasst sich lieber von einem, der es so behandelt, unterjochen, als von einem, der ruhig und kalt zu Werke geht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Kapitel 25: Welchen Einfluss das Schicksal auf die Angelegenheiten der Menschen hat. Niccoló Machiavelli "Der Fürst"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
9
Katalognummer
V456091
ISBN (eBook)
9783668895553
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kapitel, welchen, einfluss, schicksal, angelegenheiten, menschen, niccoló, machiavelli, fürst
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Kapitel 25: Welchen Einfluss das Schicksal auf die Angelegenheiten der Menschen hat. Niccoló Machiavelli "Der Fürst", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456091

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