Tourismus ist heute einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige, und die Messung seiner gesamtwirtschaftlichen Bedeutung ist zunehmend – zumindest seit Beginn der 80er Jahre – von großer Bedeutung für die nationalen Statistiken, gerade auch wenn es darum geht, Abhängigkeiten zwischen dem Tourismus auf der einen und den übrigen Wirtschaftszweigen auf der anderen Seite zu erkennen.
Welche Bedeutung dieser Erkenntnis beigemessen wird erkennen wir zum Beispiel daran, daß am 15. Januar dieses Jahres der amerikanische Kongreß USD 200.000 für die Tourismusforschung bewilligt hat.
Zur Begründung tat man kund, daß “die wirtschaftliche Bedeutung der Tourismusbranche bisher mangels zuverlässiger Daten nicht ausreichend gewürdigt worden sei”. Ein Kritikpunkt der bereits seit geraumer Zeit immer wieder zu hören war. So stellte zum Beispiel das Strategische Informationszentrum der PATA im Rahmen des Internet Forums „Hotel Online“ schon im Juli 1999 fest, daß eine der größten Schwächen des Tourismussektors das Fehlen solider, verständlicher und einheitlicher Informationen über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Tourismus auf einzelne Volkswirtschaften sei. Die statistische Information die uns heute zur Verfügung steht sei überwiegend zentriert auf einfache Berechnungen auf der Basis der internationalen Ankünfte für einzelne Länder, und dies ohne die wirtschaftlichen Einflüsse des Sektors auf Volkswirtschaften oder die zunehmenden Globalisierungstendenzen auch nur in Betracht zu ziehen. Auch die PATA stellte im selben Report die Implementierung von sogenannten „Satellitensystemen zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ als Lösungsweg dar.
Liest man die Prognosen über die Entwicklung des Tourismus, so ist dieses zunehmende Interesse das dem Tourismus und seinem makroökonomischem Einfluß entgegengebracht wird, sehr gut nachzuvollziehen. Sowohl Ankünfte, als auch die aus dem Tourismus stammenden Einnahmen weltweit, machten vom Jahr 1998 bis zum Jahr 1999 einen Sprung.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung und Grundlagen
I. Generelle Anmerkungen
1. Bibliographische Vorbemerkung
2. Zum Thema
II. Konzept und Definitionen
1. Die Problematik der Tourismusstatistik
2. Zugrundeliegende Definitionen
3. Die Entwicklung von TSA – Ein historischer Abriß
B. Das TSA - Konzept
I. Anwendung und Methodik
1. Ansprüche die an die TSA gestellt werden
2. Gründe für die Implementierung von TSA
3. Der nachfrageorientierte Ansatz
a) Sonderfälle bei der Bestimmung
4. Der angebotsorientierte Ansatz
II. Die Schritte zur Aufstellung von TSA
1. Das Herz der WTO-OMT Methodik: Tabelle 6
C. Tourismussatellitenkonten - Die Folgen
I. Die Bewertung der Bedeutung des Tourismus in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
1. Die Betrachtung: „Konventionell“ und mittels TSA
a) Die konventionelle Sichtweise und die Kritik
b) Die „neuen“ Erfahrungen und Möglichkeiten
c) Konzeptionelle Kritik
2. Die Situation heute
3. Visionen und Perspektiven
D. Deutschland
I. Die Situation in Deutschland
E. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit von Tourismussatellitenkonten (TSA) als Instrument zur statistischen Erfassung der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus. Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, ob die Einführung dieser Methode einen "Quantensprung" für die Tourismusstatistik darstellt und inwieweit sie eine Neubewertung der Branche in nationalen Gesamtrechnungen ermöglicht.
- Methodische Grundlagen der TSA im Vergleich zu konventionellen statistischen Ansätzen
- Analyse des nachfrage- und angebotsorientierten Ansatzes in der Tourismusstatistik
- Bewertung der Auswirkungen touristischer Aktivitäten auf die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
- Diskussion der Spezifikationen und Herausforderungen bei der Implementierung von TSA in verschiedenen Ländern
- Betrachtung der aktuellen Situation und Zukunftsperspektiven der Tourismusstatistik in Deutschland
Auszug aus dem Buch
B.I.3. Der nachfrageorientierte Ansatz
Wenn wir bei der quantitativen Messung des Tourismus von einem nachfrageorientierten Ansatz ausgehen, heißt das, das Tourismus – ökonomisch gesehen – alle Konsumausgaben von Nichtanwohnern (Besuchern) umfaßt. Diese werde ich im folgenden als „Besucherkonsum“ (Visitor Consumption) bezeichnen. Dieser Besucherkonsum betrachtet die Aktivitäten eines Besuchers als Endverbraucher, und zwar ausschließlich, also müssen alle Erwerbungen dieses Personenkreises, die anderen Zwecken als dem Endverbrauch dienen, daraus eliminiert werden. Der Besucherkonsum setzt sich nach der WTO aus den folgenden Bestandteilen zusammen:
Wie in Abbildung B.1 zu erkennen, haben wir in diesem Modell zuerst einmal die Ausgaben eines Besuchers. Diese können sowohl in bar erfolgen, als auch mittels Sachleistungen. (Tauschhandel, Konsum aus Eigenproduktion, Ausgabe von Lohn- oder Gehaltsersatz). Die Summe all dieser Ausgaben nennen wir „Gesamte Konsumausgaben des Besuchers).
Ebenfalls in den Besucherkonsum mit einzubeziehen, sind allerdings die „Sozialen Transferleistungen“, die vom jeweiligen Besucher konsumiert werden. So nennt man jegliche Arten von sozialer Unterstützung (wie zum Beispiel die medizinische Grundversorgung, wenn diese in einem Land frei ist).
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung und Grundlagen: Einführung in die Thematik der Tourismusstatistik und die historische Notwendigkeit für präzisere Erfassungsmethoden wie die TSA.
B. Das TSA - Konzept: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise, der Ansprüche an TSA sowie der nachfrage- und angebotsorientierten Analyseansätze.
C. Tourismussatellitenkonten - Die Folgen: Bewertung der ökonomischen Auswirkungen des Tourismus unter Anwendung von TSA und kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen und Perspektiven.
D. Deutschland: Analyse des Status quo der Tourismusstatistik in Deutschland und Diskussion der nationalen Besonderheiten sowie Hindernisse bei der Implementierung von TSA.
E. Schlußbetrachtung: Fazit zur Relevanz der TSA als Entscheidungsinstrument und Ausblick auf die Weiterentwicklung der statistischen Erfassung.
Schlüsselwörter
Tourismussatellitenkonten, TSA, Tourismusstatistik, volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, VGR, Besucherkonsum, Visitor Consumption, Tourismuswirtschaft, Bruttosozialprodukt, BSP, Wirtschaftsfaktor, Wertschöpfung, Input-Output-Tabellen, Tourismuspolitik, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Einführung und Anwendung von Tourismussatellitenkonten (TSA) als ein neuartiges, statistisches Instrument zur präzisen Messung der ökonomischen Auswirkungen des Tourismus innerhalb einer Volkswirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die methodischen Grundlagen von TSA, die Abgrenzung von Tourismus als Wirtschaftszweig, die Unterscheidung zwischen nachfrage- und angebotsorientierten Ansätzen sowie die kritische Reflexion über die Datenerhebung und deren praktische Anwendung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, ob TSA tatsächlich einen "Quantensprung" für die Qualität und Aussagekraft der Tourismusstatistik bedeuten und ob sie zu einer fundierten Neubewertung des Tourismus als bedeutender Wirtschaftsfaktor beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse der TSA-Methodik der Welttourismusorganisation (WTO-OMT) und der OECD, kombiniert mit der Beobachtung internationaler Entwicklungen und einem Vergleich mit konventionellen statistischen Modellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in das TSA-Konzept, die methodische Anwendung bei der Messung von Tourismusfolgen (direkte und indirekte Effekte) und eine detaillierte Betrachtung der Implementierungsschritte sowie Herausforderungen im deutschen Kontext.
Welche Rolle spielt die "Flow-through"-Effekt-Analyse?
Dieser Effekt ist zentral, um zu verstehen, wie touristische Ausgaben die gesamte Wertschöpfungskette durchdringen. Er ermöglicht es, über die direkte Tourismusindustrie hinaus auch indirekte ökonomische Auswirkungen auf andere Wirtschaftszweige quantifizierbar zu machen.
Warum ist die Definition des "gewöhnlichen Aufenthaltsortes" in Deutschland ein Problem?
Im Gegensatz zu internationalen Standards ist dieser Begriff in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Meldepflicht schwer objektiv abgrenzbar, was zu methodischen Unschärfen bei der Identifikation von Touristen führt.
Wie bewertet der Autor die Kritik an den WTTC/WEFA-Studien?
Der Autor erkennt an, dass diese Studien in der Vergangenheit teilweise als überzogen kritisiert wurden, betont jedoch, dass die TSA-Methodik auch bei schwankenden Ergebnissen ein unverzichtbares Instrument ist, um das "enorme" Ausmaß der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus realistisch abzubilden.
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- Achim Clemens (Author), 2001, Tourismussatellitenkonten - ein Quantensprung für die Tourismusstatistik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4561