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Durchgriffshaftung für Existenzvernichtung

Title: Durchgriffshaftung für Existenzvernichtung

Master's Thesis , 2004 , 56 Pages , Grade: 2

Autor:in: Andrea Carstoiu (Author)

Law - Civil / Private, Trade, Anti Trust Law, Business Law
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Summary Excerpt Details

Die Attraktivität der GmbH besteht hauptsächlich darin, dass die Gesellschafter für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft nur mit auf dem Stammkapital beschränkter Haftung einstehen: ohne viel investieren zu müssen (25.000 €) können sie Rechtsgeschäfte eingehen, ohne dass sie ihr Personalvermögen riskieren. Die wirtschaftliche Funktion der GmbH liegt weniger in der Förderung einer Trennung von Kapital und Management. Der Sinn der Haftungsbeschränkung - auch bei Einpersonengesellschaften - liegt vielmehr in der Investitionsförderung: der Einmanngesellschafter riskiert grundsätzlich sein Privatvermögen nicht. Müsste er befürchten, dass er falls sein unternehmerisches Projekt misslingt, sein eigenes Vermögen verliert, würde er weniger interessiert sein, in ökonomisch interessante, aber risikoreiche Projekte zu investieren. So regelt § 13 Abs. 2 GmbHG ausdrücklich, dass für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft den Gläubigern nur das Gesellschaftsvermögen haftet.

Daher spielt die Haftungsbeschränkung in der GmbH eine attraktive Rolle aber ist auch mit Problemen verbunden, da sie unmittelbar die Frage nach einem adäquaten Gläubigerschutz hervorhebt. Dieses Problem ist heute noch akuter geworden, wenn man betrachtet, dass der EuGH durch die Überseering- und Inspire Art- Entscheidungen, die Sitztheorie endgültig aufgegeben und einen Markt für Gesellschaftstypen im Binnenmarkt ermöglicht hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

II. UNZUREICHENDER GLÄUBIGERSCHUTZ GEGEN EXISTENZVERNICHTENDEN EINGRIFFE

A. LEX SPECIALIS

B. LEX GENERALIS

III. HYPOTHESEN DES DURCHGRIFFS

A. MATERIELLE UNTERKAPITALISIERUNG

B. VERMÖGENSVERMISCHUNG- SPHÄRENVERMISCHUNG

C. INSTITUTSMISSBRAUCH

IV. VOM QUALIFIZIERT FAKTISCHEN KONZERN ZUM BESTANDSCHUTZ

A. RECHTFERTIGUNG DES KONZERNRECHTLICH HAFTUNGSANSATZ

B. VON STRUKTURHAFTUNG ZUR VERHALTENSHAFTUNG (AUTOKRAN- TBB)

a. Strukturhaftung

b. Verhaltenshaftung

C. BESTANDSCHUTZ IM EIGENEN INTERESSE- ABSCHIED VOM KONZERNRECHTLICHEN HAFTUNGSANSATZ

V. EXISTENZVERNICHTUNGSHAFTUNG ALS NEUES HAFTUNGSMODELL

A. DOGMATISCHER BEDARF EINES NEUEN HAFTUNGSMODELLS

B. POLEMIK ÜBER DIE DOGMATISCHEN GRUNDLAGE

a. Geschäftsführerhaftung nach §43 GmbHG, 93 V S.2 und 3 AktG analog

b. Haftung aufgrund des Treuverhältnisses?

c. Teleologische Reduktion des § 13 II GmbHG

C. TATBESTAND DER DURCHGRIFFSHAFTUNG FÜR EXISTENZVERNICHTENDEN EINGRIFF

a. Haftungsbegründender Tatbestand

b. Zurechnung

c. Anwendungsbereich

D. RECHTSFOLGE

a. Anspruchsberechtigung außerhalb der Insolvenz

b. Anspruchsberechtigung im Insolvenzverfahren

c. Differenzierung nach Gläubigergruppen

d. Stellungnahme zur Gläubigerdifferenzierung

E. PROBLEM DER PARALLELEN ANSPRÜCHE: VERHÄLTNIS ZU ANDEREN ANSPRUCHSGRUNDLAGEN

a. Deliktsrecht, insbesondere § 826 BGB

b. §§ 30, 31 GmbHG

c. Treupflichthaftung in der mehrgliedrigen GmbH („ITT“)

d. Konzernrechtliche Haftung

VI. DURCHGRIFFSHAFTUNG IN FRANKREICH

A. „DURCHGRIFFSHAFTUNG“ AUFGRUND ALLGEMEINER RECHTSINSTITUTE

a. Die fiktive oder fraudulöse Gesellschaft

b. Behandlung der Vermögensvermischungs- und Unterkapitalisierungsfällen durch die Judikatur

c. Rechtsfolge

B. INSOLVENZRECHTLICHER DURCHGRIFF DURCH DAS INSTITUT DES DIRIGEANT DE FAIT

a. Erstreckung der Haftung auf den Unternehmensleiter nach L 624-5 Code du Commerce

b. Geschäftsführerhaftung- die action en comblement du passif

C. BEDEUTUNG DER HAFTUNGSMODELLE

VII. BEWERTUNG DES NEUEN HAFTUNGSMODELLS

A. WIRTSCHAFTLICHE BEWERTUNG

B. AUSBLICK IM LICHTE DER EUGH RECHTSPRECHUNG

a. Europäischer Kontext

b. Mehrqualifikation der deutschen Durchgriffshaftung

c. Haftung in der Insolvenz

d. Auslegung der Existenzvernichtungshaftung in Frankreich

VIII. SCHLUSSWORT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die dogmatische Herleitung und die praktische Anwendung der sogenannten Existenzvernichtungshaftung im deutschen Kapitalgesellschaftsrecht. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Gläubiger vor existenzvernichtenden Eingriffen durch Gesellschafter geschützt werden können, nachdem sich die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs vom traditionellen konzernrechtlichen Haftungsmodell abgewendet hat und zunehmend auf ein allgemeines Missbrauchskonzept setzt. Ergänzend erfolgt eine rechtsvergleichende Analyse der Situation in Frankreich.

  • Dogmatische Grundlagen und dogmatischer Bedarf für ein neues Haftungsmodell bei existenzvernichtenden Eingriffen.
  • Entwicklung von der Konzernhaftung (Autokran, Video, TBB) zum Bestandsschutz (Bremer Vulkan, KBV).
  • Problemfelder der Zurechnung und der Anspruchsberechtigung (Binnen- vs. Außenhaftung).
  • Rechtsvergleich: Durchgriffshaftung und das Institut des „dirigeant de fait“ im französischen Recht.
  • Auswirkungen der EuGH-Rechtsprechung (Überseering, Inspire Art) auf den Gläubigerschutz bei ausländischen Gesellschaften.

Auszug aus dem Buch

A. Rechtfertigung des konzernrechtlich Haftungsansatz

Die GmbH ist aufgrund ihrer Organisations- und Finanzverfassung – insbesondere aufgrund der Weisungsgebundenheit der Geschäftsführung –prädestiniert für die Einbindung in Abhängigkeits- bzw. Konzernverhältnisse. In Abhängigkeits- bzw. Konzernverhältnissen besteht die besondere Gefahr, dass die Gesellschaft für Konzernzwecke zu ihrem eigenen Nachteil – und damit letztlich dem ihrer Gläubiger – verwendet wird. Deswegen stellte sich die Frage nach einem angemessenen Gläubigerschutz insbesondere im GmbH- Konzern. Ein Versuch, Lücken im Gläubigerschutz bei der GmbH zu schließen, erfolgte mit der Entwicklung eines konzernrechtlichen Haftungstatbestandes, der sich unter der Bezeichnung „qualifiziert faktischer Konzern“ in der Rechtsprechung des BGH etablierte, Begriff der bis heute noch als eines der wichtigsten Diskussionsthemen des GmbH-Rechts angesehen wird. Darunter versteht man, hier vereinfacht erklärt, eine Situation zwischen Gesellschaften (bzw. GmbHs) wenn eine von der anderen abhängig ist, ohne dass ein Beherrschungsvertrag besteht und wenn die Geschäfte der abhängigen GmbH dauernd und umfassend von der „leitenden“ Gesellschaft geführt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Darstellung der wirtschaftlichen Bedeutung der Haftungsbeschränkung und der daraus resultierenden Problematik für den Gläubigerschutz im europäischen Binnenmarkt.

II. UNZUREICHENDER GLÄUBIGERSCHUTZ GEGEN EXISTENZVERNICHTENDEN EINGRIFFE: Analyse der Schwächen des Kapitalsicherungssystems (§§ 30, 31 GmbHG) und der Delikthaftung (§ 826 BGB) bei existenzvernichtenden Eingriffen.

III. HYPOTHESEN DES DURCHGRIFFS: Diskussion der klassischen Fallgruppen wie Unterkapitalisierung, Vermögensvermischung und Institutsmissbrauch als Ansatzpunkte für eine Durchgriffshaftung.

IV. VOM QUALIFIZIERT FAKTISCHEN KONZERN ZUM BESTANDSCHUTZ: Nachzeichnung der Rechtsprechungsentwicklung des BGH weg von der konzernrechtlichen Strukturhaftung hin zu einem eigenständigen Bestandsschutzmodell.

V. EXISTENZVERNICHTUNGSHAFTUNG ALS NEUES HAFTUNGSMODELL: Vertiefte Untersuchung der dogmatischen Grundlagen des neuen Modells, seiner Tatbestandsvoraussetzungen sowie der Rechtsfolgen für die Gesellschafterhaftung.

VI. DURCHGRIFFSHAFTUNG IN FRANKREICH: Rechtsvergleichende Darstellung der französischen Mechanismen zur Durchbrechung des Trennungsprinzips, insbesondere durch Simulationslehre und Geschäftsführerhaftung.

VII. BEWERTUNG DES NEUEN HAFTUNGSMODELLS: Ökonomische Evaluation des Haftungskonzepts und Ausblick auf die Anwendbarkeit im Kontext europäischer Niederlassungsfreiheit.

VIII. SCHLUSSWORT: Fazit zur äquivalenten Wirkung unterschiedlicher Haftungssysteme beim Schutz gegen existenzvernichtende Eingriffe.

Schlüsselwörter

Existenzvernichtungshaftung, GmbH, Gesellschafterhaftung, Gläubigerschutz, Durchgriffshaftung, Kapitalerhaltung, Bremer Vulkan, Konzernrecht, Missbrauchslehre, Treuepflicht, Insolvenzrecht, Rechtsvergleich, Frankreich, Niederlassungsfreiheit, Existenzschutz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die persönliche Haftung von GmbH-Gesellschaftern für existenzvernichtende Eingriffe, die das Gesellschaftsvermögen derart schädigen, dass die Gesellschaft ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Dogmatik der Durchgriffshaftung, die Entwicklung der BGH-Rechtsprechung zum Konzernrecht und Bestandsschutz sowie den Rechtsvergleich mit dem französischen Gesellschaftsrecht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die dogmatische Einordnung und Begründung des neuen Haftungsmodells der Existenzvernichtungshaftung nach der Abkehr des BGH von der bisherigen Konzernhaftung.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die juristische Methodenlehre, insbesondere die teleologische Interpretation und eine rechtsvergleichende Analyse des deutschen und französischen Rechts.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen Haftungsmodelle (z.B. Autokran, TBB, Bremer Vulkan), die Tatbestandsvoraussetzungen für die neue Haftung sowie die Parallelen und Unterschiede zum französischen Institut des "dirigeant de fait".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Existenzvernichtungshaftung, Durchgriffshaftung, Gläubigerschutz, Kapitalerhaltung, Missbrauch der Rechtsform und Bremer Vulkan-Urteil.

Wie unterscheidet sich die neue Existenzvernichtungshaftung von der alten Konzernhaftung?

Im Gegensatz zur alten Strukturhaftung im Konzern, die auf konzernspezifischen Abhängigkeitsverhältnissen basierte, stellt die Existenzvernichtungshaftung auf den objektiven Missbrauch der Rechtsform und die Verletzung des Bestandsschutzes der Gesellschaft ab.

Gilt die Existenzvernichtungshaftung auch für ausländische Gesellschaften mit Verwaltungssitz in Deutschland?

Nach der EuGH-Rechtsprechung zur Niederlassungsfreiheit können nationale Gerichte inländische Missbrauchsgrundsätze anwenden, sofern diese verhältnismäßig sind, was eine Anwendung der Existenzvernichtungshaftung auch bei "pseudo-foreign companies" unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht.

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Details

Title
Durchgriffshaftung für Existenzvernichtung
College
LMU Munich  (Ludwig Maximilian Universität)
Grade
2
Author
Andrea Carstoiu (Author)
Publication Year
2004
Pages
56
Catalog Number
V45612
ISBN (eBook)
9783638429849
ISBN (Book)
9783638908856
Language
German
Tags
Durchgriffshaftung Existenzvernichtung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Carstoiu (Author), 2004, Durchgriffshaftung für Existenzvernichtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45612
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