Kleine und mittlere Unternehmen KMU stellen in den heutigen westlichen Marktwirtschaften das Rückgrat der Wirtschaft dar. So gibt es beispielsweise in Deutschland 2016 3,71 Mio. kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 500 Mio.€ Umsatz. Diese stellen 99,85% aller Unternehmen Deutschlands dar. Die Anliegen und Bedürfnisse dieser Mittelständler haben dabei allerdings häufig keinen großen Fürsprecher, wie dies etwa bei DAX-Konzernen vielmals der Fall ist. Umso wichtiger ist es, regelmäßig Studien zu erheben, um die wirtschaftliche Lage der Mittelständler zu evaluieren. Dies ist ein Anliegen vieler Länder – darunter auch der USA und Deutschlands. Deshalb wird in den USA alle 5 Jahre der „Report to the Congress on the Availability of Credit to Small Businesses“ (SSBF) des „Board of Governors of the Federal Reserve System“ erhoben. In Deutschland erfüllt die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW mit ihrem 2004 eingeführten Mittelstandspanel eine ähnliche Rolle.
Eine besonders wichtige Fragestellung bezüglich kleiner Unternehmen ist die nach ausreichenden Finanzierungsmöglichkeiten. Für Kreditinstitute stellen sie häufig aufgrund nur spärlich vorhandener Bilanz- und Kreditrating-Daten ein schwer kalkulierbares Risiko dar, das im Zweifelsfall gemieden wird.
Diese Seminararbeit soll vergleichend untersuchen, wie es um die Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland und den USA jeweils in den Jahren 2003 und 2017 bestellt ist. Dafür liegen dieser Analyse als Datengrundlage für die Werte Deutschland betreffend vor allem das KfW-Mittelstandspanel der Jahre 2004 und 2017 vor. Bezüglich Daten aus den USA wird der SSBF aus den Jahren 2002 sowie 2017 und der „Small Business Credit Survey“ SBCS der 12 Federal Reserve-Banken der USA aus dem Jahr 2017 verwendet.
Zunächst werden kleine und mittlere Unternehmen entsprechend dieser Datenquellen definiert, anschließend wird ein kurzer Überblick über verschiedene grundsätzliche Systematisierungsansätze der Finanzierung gegeben. Darauf basierend werden in einer thematisch aufeinander aufbauenden Reihenfolge die wichtigsten Finanzierungsstatistiken aus den USA und Deutschland jeweils aus den Jahren 2003 und 2017 miteinander verglichen, teilweise nach Größe der kleinen und mittleren Unternehmen unterteilt. Abschließend wird ein Resümee zur Finanzierungssituation der kleinen und mittleren Unternehmen abgegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition kleiner und mittlerer Unternehmen
2.2 Überblick über Finanzierungsarten
3 Statistische Daten der KMU-Finanzierung in Deutschland und den USA 2003 und 2017
3.1 Investitionsfinanzierung und Kapitalzusammensetzung
3.2 Mittelstandsanleihen, Kapitalmarktfinanzierung und Zinsen
3.3 Kreditanträge und nachgefragte Finanzierungshöhen
3.4 Ergebnis der Kreditverhandlungen
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht vergleichend die Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Deutschland und den USA in den Jahren 2003 und 2017. Ziel ist es, auf Basis von Datenquellen wie dem KfW-Mittelstandspanel und dem Small Business Credit Survey (SBCS) Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Kapitalstruktur, dem Kreditverhalten sowie den Finanzierungshöhen herauszuarbeiten.
- Vergleich der Finanzierungsstrukturen (Eigen- vs. Fremdkapital) von KMU
- Analyse der Rolle von Fördermitteln und alternativen Finanzierungswegen
- Evaluation von Trends bei Kreditanträgen und Finanzierungshöhen
- Untersuchung des Erfolgs von Kreditverhandlungen in beiden Ländern
- Einfluss makroökonomischer Faktoren auf die Finanzierungssituation
Auszug aus dem Buch
3.1 Investitionsfinanzierung und Kapitalzusammensetzung
Spielten Eigen- und Fremdmittel im Jahr 2003 zur Finanzierung der Investitionen deutscher KMU noch eine gleichberechtigte Rolle mit 36% bzw. 35% Anteil am Gesamtinvestitionsvolumen, so sind im Jahr 2016 Eigenmittel mit 50% Anteil am Gesamtinvestitionsvolumen deutlich bedeutender als Fremdmittel mit nunmehr lediglich 30% Anteil. Ein möglicher Erklärungsansatz hierfür ist die bessere wirtschaftliche Lage der meisten Mittelständler, die es ihnen erlaubt, Investitionen vor allem aus thesaurierten Gewinnen zu tätigen und auf Fremdfinanzierung ganz oder teilweise zu verzichten.
Unterschiede der Finanzierungsquellen am Gesamtinvestitionsvolumen bestanden im Jahr 2003 auch hinsichtlich der Unternehmensgröße. Kleine KMU mit 1 bis 4 Mitarbeitern finanzierten sich beispielsweise mit 33% unterdurchschnittlich gering aus eigenen Mitteln. Kompensiert wird dies v.a. durch stärkeres Zurückgreifen auf Fremdmittel. 2016 dagegen waren die Anteile der verschiedenen Finanzierungsquellen am Gesamtinvestitionsvolumen weitestgehend über alle Größenstufen konstant. Vor allem die Finanzierung durch Fördermittel nimmt allerdings zunächst mit der Größe des Unternehmens zu, um dann in der größten Unternehmensklasse abzufallen. Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern konnten 2016 immerhin 19% ihrer Investitionen durch Fördermittel abdecken, KMU mit 1 bis 5 sowie auch die Gruppe mit 50 und mehr Mitarbeitern dagegen nur zu 11%. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass das erfolgreiche Beantragen von Fördermitteln mit erheblichen Transaktionskosten und Hürden für kleinere Betriebe verbunden ist. Unternehmen könnte es mit zunehmender Größe leichter fallen, erfolgreich Fördermittel zu beantragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von KMU für die Wirtschaft dar, erläutert die Relevanz vergleichender Studien zur Finanzierungslage und definiert den Untersuchungsrahmen der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert kleine und mittlere Unternehmen und bietet einen Überblick über verschiedene Finanzierungsarten sowie deren Kategorisierung.
3 Statistische Daten der KMU-Finanzierung in Deutschland und den USA 2003 und 2017: Dieser Hauptteil analysiert und vergleicht detailliert Finanzierungsquellen, Kapitalstrukturen, Anleihemarktdaten, Kreditantragsverhalten sowie Ergebnisse von Kreditverhandlungen in beiden Ländern.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert das günstige Finanzierungsumfeld des Jahres 2017 im Vergleich zu 2003 und ordnet die Ergebnisse in den wirtschaftspolitischen Kontext ein.
Schlüsselwörter
KMU-Finanzierung, Eigenkapital, Fremdkapital, Deutschland, USA, Investitionsfinanzierung, Kreditverhandlungen, Mittelstandsanleihen, KfW-Mittelstandspanel, Small Business Credit Survey, Finanzierungsstruktur, Fördermittel, Kreditwürdigkeit, Kapitalmarktfinanzierung, Zinsniveau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Vergleich zwischen Deutschland und den USA über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren (2003 bis 2017).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Kapitalzusammensetzung, Finanzierungsarten, Kreditaufnahmeverhalten von Unternehmen sowie die Rolle von Fördermitteln und Mittelstandsanleihen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, mittels Datenvergleichen der Jahre 2003 und 2017 herauszufinden, wie sich die Rahmenbedingungen und das Verhalten bei der Unternehmensfinanzierung in Deutschland und den USA entwickelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive statistische Analyse, die auf vorhandenen empirischen Datensätzen wie dem KfW-Mittelstandspanel und dem Small Business Credit Survey basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Investitionsfinanzierung, die Rolle von Anleihen, das Kreditantragsverhalten sowie die Erfolgsquoten bei Verhandlungen mit Kreditinstituten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind KMU-Finanzierung, Eigenkapitalquote, Kreditverhandlungen, Finanzierungsquellen und das Vergleichsdesign Deutschland-USA.
Welche Rolle spielen Mittelstandsanleihen in der Arbeit?
Mittelstandsanleihen werden als alternatives Finanzierungsinstrument untersucht, wobei deren Aufstieg ab 2010 sowie die späteren Herausforderungen durch Insolvenzfälle und rückläufige Emissionen diskutiert werden.
Warum schneiden Kleinstunternehmen bei der Finanzierung oft schlechter ab?
Die Arbeit stellt fest, dass Kleinstunternehmen häufig weniger aussagekräftige Bilanzdaten vorweisen können, was die Kreditverhandlungen erschwert und das Risiko einer Kreditablehnung erhöht.
Welchen Einfluss hatte das Wirtschaftsumfeld auf die Ergebnisse?
Die Analyse zeigt, dass eine Hochkonjunkturphase (wie 2016) die Liquiditätslage verbessert und somit die Abhängigkeit von externer Fremdfinanzierung im Vergleich zu Rezessionsjahren (wie 2003) verringert.
Wie wurde die Vergleichbarkeit der Daten aus Deutschland und den USA sichergestellt?
Die Vergleichbarkeit wurde durch die Angleichung der Größenklassen-Definitionen und die methodische Aufbereitung der unterschiedlichen Datensätze (KfW und SBCS) erreicht, wie im Anhang detailliert beschrieben.
- Arbeit zitieren
- Michael Frank (Autor:in), 2018, Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland und den USA 2003 und 2017, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456168