Während des zweiten Jahrhunderts vor Christi hatte das Römische Reich Phasen großer Veränderungen und damit verbunden ebenso großer Verunsicherungen zu überstehen, die hauptsächlich aus der Tatsache resultierten, daß der Kleinstaat Rom seinen Machtbereich sukzessive ausgeweitet hatte. Diese Erweiterung betraf zunächst nur Italien, später jedoch die gesamte Mittelmeerregion. Innerhalb dieses Herrschaftsgebietes hatten die unterworfenen Länder unterschiedlichen Rechtsstatus. Innerhalb Italiens wurden sie meist Bundesgenossen genannt, was freilich einen Euphemismus darstellte, da ihre Bürger zwar die gleichen Pflichten hatten wie römische Vollbürger, besonders was den Wehrdienst anging, nicht aber eine Mitbestimmung wie diese.
Außerhalb des italischen Kernlandes begann man Provinzen einzurichten, die Rom vollkommen unterstellt waren, gleichwohl ihre alten Verwaltungsträger behalten durften1; dies mußte schon deshalb geschehen, weil Rom wohl personell überfordert gewesen wäre, hätte es diese Aufgaben selbst übernommen. Darüber hinaus gab es jedoch auch in den peripheren Regionen Klientelstaaten2, die nach innen weitgehend autonom gelassen wurden, nach außen sich jedoch an Rom auszurichten hatten3 und zur Waffengefolgschaft sowie meist zur Tributleistung verpflichtet waren.
Unter dem Druck der Umstände und gegen en Widerstand der Optimaten gelang es schließlich der popularen Seite, Pompeius zunächst im Jahre 67 gegen die Seeräuber und ein Jahr später gegen Mithridates mit Außerordentlichen Imperien auszustatten, die Machtmittel in einem Umfange einschlossen, wie sie vorher noch nie einer Einzelperson anvertraut worden waren.
Wie diese Machtmittel in Anwendung gebracht wurden, und wie die hierbei erzielten militärischen Resultate in politisch-strukturelle Veränderungen umgemünzt wurden, die dem Römischen Reich einen dauerhaften Nutzen bringen sollten, wird anhand von Quellen untersucht werden. Auch soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern die Regelungen des Pompeius richtungsweisend für die weitere Entwicklung des Römischen Reiches gewesen sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Quellen
Der Seeräuberkrieg
Das Wesen der Piraterie
Der kurze Feldzug
Die clementia gegenüber den Seeräubern
Der Mithridatische Krieg
Vorbereitungen
Pompeius‘ Vormarsch
Pompeius‘ Verhalten nach Mithridates‘ Flucht
Die Gewinnung Armeniens
„Auf Alexanders Spuren“
Die Neuordnung des Ostens
Das Verhältnis zu Parthien
Pontos und Bithynia
Syrien
Kilikien
Paphlagonien
Galatien
Kappadokien
Kommagene
Judäa
Ziele und Prinzip der Neugliederung
Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die militärischen und politischen Strategien des Pompeius bei der Sicherung und Neuordnung des römischen Ostens im 1. Jahrhundert v. Chr., mit besonderem Fokus auf der Bekämpfung der Piraterie und der Auseinandersetzung mit Mithridates.
- Militärische Strategien zur Bekämpfung der Seeräuberei
- Diplomatische und militärische Vorgehensweisen im Mithridatischen Krieg
- Strukturierung der Klientelstaaten und Provinzen
- Integration durch Urbanisierung und administrative Neugliederung
- Die Rolle persönlicher Klientelschaften bei der Machtausübung
Auszug aus dem Buch
Das Wesen der Piraterie
Eine Bedrohung durch Seeräuber bestand seit der Mitte des 2. Jahrhunderts. Allerdings beschreibt die inkriminierende Vokabel „Seeräuber“ nicht ganz das, was die Bevölkerung Kleinasiens damals über diese Tätigkeit dachte. Schließlich gehörte der Menschenfang zum einträglichen Gewerbe der Küstenbewohner, und das Römische Reich war ein guter Kunde, so daß man allgemein nicht einsah, was daran so unanständig sein sollte, auch wenn geraubt und gemordet wurde: „[...]Bereits bestiegen auch Männer von Vermögen und vornehmer Abkunft, die als klug und einsichtsvoll angesehen wurden, die Piratenschiffe und beteiligten sich an dem Handwerk, das eine Art Ruhm und Ehre einbrachte.“[...]
Es darf aus der Teilnahme von Männern „von Vermögen und vornehmer Abkunft“ nicht geschlossen werden, daß die Piraterie in der öffentlichen Wahrnehmung des Römischen Reiches und der anderen mediterranen Staaten den Charakter des Achtbaren, wenn nicht gar Legitimen erlangt habe. Mit der Zunahme des Seehandels hatten sich rudimentär zwischenstaatliche Normen herausgebildet, die zumindest teilweise den rein privat betriebenen Seeraub unter Strafe stellten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Beschreibt die politische Instabilität und den Transformationsbedarf des Römischen Reiches im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. aufgrund der territorialen Expansion.
Die Quellen: Analysiert die antiken Autoren wie Cicero, Strabon, Appian und Josephus hinsichtlich ihrer Perspektiven und politischen Absichten bezüglich Pompeius.
Der Seeräuberkrieg: Erörtert die Notwendigkeit und Umsetzung eines umfassenden militärischen Vorgehens gegen die piratischen Bedrohungen und die anschließende Resozialisierung der Piraten.
Der Mithridatische Krieg: Untersucht die diplomatischen und militärischen Vorbereitungen sowie die Durchführung des Feldzuges und die strategische Neuausrichtung durch Pompeius.
Die Neuordnung des Ostens: Detailanalyse der administrativen und territorialen Konsolidierung durch Klientelstaaten und Provinzen, unter anderem in Syrien, Judäa und Kleinasien.
Schlußbemerkung: Fazit über Pompeius’ Konzept einer dosierten Machtanwendung und seine Vorbildfunktion für die spätere römische Reichspolitik.
Schlüsselwörter
Pompeius, Römische Republik, Kleinasien, Mithridates, Seeräuberkrieg, Imperium, Klientelstaaten, Urbanisierung, Provinzialverwaltung, Herrschaftssicherung, Militärstrategie, Antiochia, Judäa, Bithynia, Diplomatie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strategien des Pompeius zur Herrschaftssicherung im Osten des Römischen Reiches im 1. Jahrhundert v. Chr.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Bekämpfung der Piraterie, der Mithridatische Krieg sowie die langfristige politische und administrative Neuordnung der Region.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll untersucht werden, wie Pompeius militärische Siege in dauerhafte politisch-strukturelle Veränderungen für das Römische Reich ummünzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer tiefgehenden Analyse antiker Quellenautoren, um die Handlungsmaximen und den politischen Kontext von Pompeius' Wirken zu rekonstruieren.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Umsetzung von Pompeius' Strategien, von der Piratenbekämpfung über die diplomatischen Manöver gegenüber verschiedenen Königen bis hin zur Gründung neuer Städte.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Imperium, Klientelwesen, Provinzialisierung, Urbanisierung und pragmatische Machtpolitik.
Wie ging Pompeius mit der Tempelentweihung in Jerusalem um?
Pompeius betrat das Allerheiligste, was als Hoheitsakt und Demonstration der neuen römischen Suprematie zu verstehen war, bewahrte jedoch den Tempelschatz, um die Stabilität der künftigen klientelstaatlichen Ordnung nicht durch Raub zu gefährden.
Warum lehnte Pompeius die Verfolgung des Mithridates bis zur endgültigen Kapitulation ab?
Pompeius bevorzugte eine pragmatische Konsolidierung des bereits Erreichten und die weitere territoriale Expansion, anstatt sich in einer unsicheren und langwierigen Verfolgungsjagd aufzureiben.
- Arbeit zitieren
- Magister Joachim Pahl (Autor:in), 2005, Pompeius im Osten. Strategien zur Herrschaftssicherung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45632