Untersuchungen zu dem Streben nach Liebe, romantischer Liebe in der Gegenwart so wie Einflussnahme von Film und Werbung auf romantische Ideale und Alltagsphantasien

Soziologie der Liebe


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Begriffsbestimmungen - Liebe

Heterosexuelle Konstellationen

Das Bediirfnis nach Liebe

Kurzer Riickblick in vergangene Jahrhunderte

Wie auBert sich Liebe in Moderne und Gegenwart?

Einfluss medialer Repriisentation von Liebe .

Macht der Werbung

Uberlegungen zur Wirkmacht von Filmen

Schlussbetrachtungen und Fazit

Einleitung

Es ist nicht Ieicht, in einem gesellschaftswissenschaftlichen Rahmen eine Beschreibung von Emotionen en detail vorzunehmen bzw. Gefiihle und Gefiihlslagen so zu bestimmen und zu cha­ rakterisieren, dass sie nicht nur rein assoziativ verstanden werden. Ziel sozialwissenschaftlicher Arbeiten ist es schlieBlich meiner Auffassung nach, Thematiken so zu behandeln, dass anhand Beobachtungen objektive Determinanten fiir bestimmte Sachverhalte festgestellt, und damit bzw. daraus Theorien abgeleitet werden konnen, die sich auf RegelmiiBigkeit stiitzen. Die Liebe, von der im Rahmen dieser Arbeit gesprochen wird, meint die romantische Liebe. Der erste Teil dieser Arbeit ist es zunachst zu bestimmen, was als Liebe in ihren verschiedenen Formen verstanden wird, und was romantische Liebe bedeutet.

Die Thematik Liebe ist, meiner Ansicht nach keine ausnahmslos psychologisch oder ,,kiinst­ lerisch" interessierende, wie oft gemeint wird. Sie ruft als Komplex die stiirksten Emotionen - positiv wie negativ - hervor, und zeigt nach auJ3en erhebliche Wirkungen; denn auch bei vermeint­ lich ,exklusiven" Beziehungen besteht eine Interkonnektivitat und -dependenz zu dem was auJ3er­ halb des Intimitatsbereiches liegt.Ebenfalls scheint mir, dass die Liebe bzw.das Fehlen von Liebe groBen Eintluss auf das Selbstwertgefiihl und auf die soziale Anerkennung haben. Kurzum ist die Liebe ein Phanomen, das die ganze Gesellschaft gleichermaJlen beriihrt.

Ich werde daher nach einer ausfii.hrlichen Begriffsdifferenzierung, die Grundtheorien des Strebens nach Liebe in der Neuzeit und in der Gegenwart erlautern. Dabei will ich der Frage nach­ gehen, wieso Menschen nach romantischer Liebe streben. 1

Ein besonderer Fokus dieser Arbeit soli dann eine Diskussion der Wirkmacht bzw. des Ein­tlusses des Massenmediums Film und Werbung in Bezug aufromantisches und erotisches Erleben sein. Dieses scheint mir im ,digitalen Zeitalter" und Zeiten der ,Kulturindustrie" angebracht. 1m Zuge dessen soli auch dariiber gesprochen werden, welche Bedeutung Phantasie und Erwartungen in der Realitat haben, und inwiefern diese von besagten Medien gepragt werden.

Begriffsbestimmungen- Liebe

Zur weiteren Einleitung in die Thematik, und urn gangige Verstiindnisfonnen zu verglei- chen, will ich an dieser Stelle einige Definitionen von dem Wort Liebe anfiihren, urn. mit dem Begriff sauber arbeiten zu konnen. 1m Folgenden seien zum Zwecke der Differenzierbarkeit drei verschiedene Wortdefinitionen genannt.

Das Kluge Worterbuch schreibt2:

Liebe ist eine spatere nur deutsche Abstraktbildung zu lieh. Herkunft von Jieb: russisch ljubit = lieben; altenglisch lufian =gem haben; lateinisch libido = Verlangen,Begierde; altirisch lubhyati = (passiv) wird lrre, geriit in Unord.nung; ind.ogermanischer Stamm *lub und *(a)leu zu griechisch alaomai = ich irre umber

DerDuden3:

Liebe

la. starkes Gefiihl des Hingezogenseins, starke im Gefiihl begriindete Zuneigung zu einem [nahe­

stehenden] enschen

b. auf starker kOrperlicher, geistiger, seelischer Anziehung beruhende Bindung an einen bestimmten enschen, verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein.

c. sexueller Kontakt, Verkehr

2. Gefiihlsbetonte Beziehung zu einer Sache, Idee oder Ahnlichem

Das Oxford Dictionary der englischen Sprache4:

love

1. An intense feeling of deep affection
1.1 A strong feeling of affection and sexual attraction for someone
1.3 A formula for ending an affectionate letter.
2. A great interest and pleasure in something

Als Schnittmenge der drei oben genannten Wortdefinitionen, stellt sicher heraus, dass die Liebe Grundlegend als ein intensives Gefiihl der Zuneigung zu einem anderen Menschen verstan­ den wird. Interessant ist hierbei, dass die ,sexuelle Anziehung'' im Englischen eher wichtig scheint, wobei in der deutschen Sprache ,die Liebe" die Bindung an einen Menschen auf korper­ licher, geistiger und seelischer und somit auch intellektuelle Anziehung miteinbezieht. Diese Zu-schniirung macht sich meiner Ansicht nach auch in der Benutzungshaufigkeit des Liebesgestand­ nisses in der Alltagssprache, Film oder Literatur bemerkbar. 1m Deutschen verwendet man ,ich Iiebe dies oder das" oder ,ich Iiebe dich"wesentlich weniger, bzw. mehr bedacht als im Englischen die Ubersetzung ,1love this or that'' bzw. ,1love you". Jene Bedeutungsunterschiede konnten den abweichenden Gebrauch erklaren. Bedeutend fiir die Beschreibung der Gefiihlslage der Liebe ist auch die genannte Verwirrung, als etymologischen Bestandteil des Liebesbegriffs im Altirischen und Griechischem.

Eine weitergehende Unterteilung der Liebe fiihrt Woschitz in seiner Dissertation ,Die Macht der Liebe"5 an:In der griechischen Sprache gibt es drei Begriffe die das ,mehrdeutige Phanomen"Liebe als eine Zuneigung zu einer Person, einer Sache oder zu einem Mehr-als Menschlichem definieren. Diese Begriffe wurden im antiken Griechenland zu verschiedenen Zeiten von verschie­ denen Personen (u.a.Hesiod, Aristophanes, Aristoteles und Platon}mit unterschiedlichen Meinun­ gen diskutiert und gewichtet:

Eros - namentlich einer Figur der griechischen Mythologie entlehnt, als die begehrende Su­che nach Erfiillung, Erkenntnis und Gliick_6 ;

Philia - die freundschaftliche Liebe und Schule der Tugend; die Tugend der Freunde, und das Wollen des Guten fiir den anderen urn des anderen Willen7.

Agape - die allgemeine [altruistische, P.B.] Menschenliebe; wesentlich spater kirchlich auf­gefasst als die Liebe Gottes zu der von ihm geschaffenen Welt und den Menschen8.

Platon sieht den Eros in seinem Symposion unter anderem als ,t6kos en kalo" [griech. ,Ge­ burt bzw. Fruchtbarkeit im Schonen'] an.9 Freud nahm spater den Begriff ,Eros" fiir seine Psy­ choanalyse und verstand ihn synonym zu dem Lebenstrieb, der psychischen Energie des Libido, welche dem (destruktivem} Todestrieb gegeniiber steht. 10 Die Erotik, und das Erotische, stammen begriffs- und bedeutungsgema.B unweigerlich von Eros ab, sind im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch auf das Sexuelle und das sexuelle Begierden Auslosende begrenzt.Von dcm latcinischcn Won amare (dt. licbcn, mogcn) iibcr das Franzosischc11 der deutschen Sprache die (Poly-)Amorie und das Adjektiv amouros ab. Diese Worte sind nicht mehr der Liebe gleichzusetzten, sondem ,Liebschaften betreffend"12 • Was dies betriffi, ist eine Liebschaft ein ,nicht sehr emsthaftes Liebesverhaltnis"13 • ,,romantisch" bedeutet die ,,Romantik betreffend"bzw. ,gefiihlsbetont, schwarmerisch, die Wirklichk:eit idealisierend" 14.

Wie anhand dieser Ausfiihrungen sichtbar wird, ist der Begriff der Liebe mannigfaltig in seiner Bedeutung und in seinem Gebrauch, und damit zu uneinheitlich, urn ihn einfach so zu be­ nutzen. Ich werde folglich im Verlauf der Arbeit die romantische Liebe vorerst festlegen als: das Begehren nach Niihe und Einklang auf intellektueller, emotionaler, kOrperlicher und sexueller, sowie riiumlicher Ebene zu einem bestimmten Menschen nach bestimmten Idea/en. Folgende Ei­ genschaften werden der Liebe noch zu gesprochen: Sie ist zeitlich nicht determiniert, nur begrenzt kontrollier-, bzw. rationalisierbar und kann zwischen zwei Menschen auch einseitig sein. 15 Liebes­ beziehungen sind fiir mich Versuche das o.g. multidimensionale Begehren zu erfiillen. Dies, so nehme ich zunachst an, geschieht anhand der Vorstellung bestimmter !deale- je nach soziokultu­ reller Entwicklung - mit der Hoffnung, dass der Partner oder die Partnerin diese im Idea/fall teilt. Diese vorgestellten Ebenen konnen dabei verschiedene lntensitaten, als auch Formen annehmen. Die Partnerschaft in Abgrenzung zur Liebe ist eine rationalisierte Beziehung mit tradierten Bedin­ gungen und Rollenverteilungen, sowie bewusstem Ein- und Austreten. 16 Das heillt auch, dass Part­ nerschaften nicht zwingend Liebesbeziehungen sind.

Heterosexuelle Konstellationen

1m weiteren Verlauf Arbeit werde ich mich auf Grund von Datenhegemonie und medialen Leitbildem aufheterosexuelle Mann-Frau Beziehungen konzentrieren. Aus Gesprachen mit Men­ schen, die sich als homo- oder bisexuell ausgerichtet bezeichnen, habe ich weitestgehend groBe Uberschneidungen von Problematiken in Liebesbeziehungen und Partnerschaften feststellen kon­ nen. Allein die Wortdefinitionen (s.o.) implizieren und exkludieren keine sexuelle Ausrichtung in schiedenen Beziehungen auch unterschiedliche, spezifische Dynamiken, auf die ich aber nicht weiter eingehen werde. Das Selbstverstiindnis dieser Arbeit begriindet sich nicht darauf, Prozesse, Handlungsmuster, und Wertekategorien zu erfassen, die ausschlieBlich in heterosexuellen Bezie­ hungen giiltig sind, auch wenn femer implizit und explizit von heterosexuellen Liebesbeziehungen gesprochen wird

Das Bediirfnis nach Liebe

Zur Frage, warum Menschen nach Liebe streben, lassen sich viele soziologische ErkHirungen finden, die teilweise friih in der menschlichen Entwicklung veranlagt sind.

Giinter Dux beginnt in seinem Buch ,Geschlecht und Gesellschaft'' mit seiner Theorie der Liebe bei der Enkulturation des Menschen. Grundlegend, so Dux, ist der Mensch dadurch Mensch geworden, dass er durch Enkulturation sein ,natiirliches", rein instinktives, ,,tierisches" Verhal­ tenssystem stark abgebaut hat und nun auch nicht mehr die Fab.igkeit hat, rein instinktiv zu han­ deln.17 Enkulturation kann man, verstehen als die Bildung einer Kompetenz zur soziokulturellen Gestaltung von Leben und Umwelt. Der Mensch wird geboren als ein unausgeglichenes Wesen, dass erst durch Subjektivierung die Chance bekommt, sein Leben bestreiten, fiihren oder bestim­ men zu konnen. Denn genetisch und kognitiv vollendet bringt er dies nicht bei der Geburt zur Welt. Wenn man die menschliche Welt, als Systeme von Mensch-Mensch und Mensch-Umwelt betrachtet, funktionieren diese auf dem Prinzip der Aquilibration, der insgesamten Ausgeglichen­ heit. Das neugeborene Kind bringt durch seine Unangepasstheit ein Ungleichgewicht in das Sys­ tem, welches folglich zum Antrieb zur Anpassung und Entwicklung ,menschlicher"(sozialer, kog­ nitiver, etc.) Kompetenzen, und damit zum Antrieb zur Stabilitatswahrung im Sinne eines Zustan­ des der Aquilibration des Systems wird. Diese ,Organisationsform" bezeichnet Dux als Subjekti­ vierung.18 1m Prozess dieser Subjektivierung, bindet sich das Kind korperlich auch an seine Mutter oder einen anderen Menschen, der sich urn ihn sorgt. Dadurch wird in dem Grundaufbau des Men­ schen ein Bediirfnis nach Intimitat konstruiert. In der Pubertat kommt mit der Reife der Ge­ schlechtsorgane und steigender Autonomie dazu ein erstm.aliges Bediirfnis nach Sexualitat, was eine Abkehr von der friihkindlich durch Unselbststiindigkeit gepragten Intimitat der Familie und ein Streben nach AuJ3en er:fordert. 19 Im weiteren Verlaufversucht der Mensch dann Intimitat wie­ der zu erlangen und mit Sexualitat zu verbinden und in der Liebe zu einen.

[...]


1 Die meisten der mir vorliegenden Studien und Untersuchungen beziehen sich auf den kulturell undmedial westlich gepriigten Teil der Welt. Grundsiitzlich gehe ich davon aus, dass in verschiedenen Kulturlrn:isen verschiedene gesellschaftliche Codes herr­ schen, und somit die Untersuchung romantischer ldeale verschiedener Kulturen im Vergleich Thema einer separaten Arbeit sein kOnnte. lch gehe auch zuniichst davon aus, dass ldeale in Lindern westlich gepriigter Kultur weitgehend Oberschneidungen auch durch die massenhafte Verbreitung von Stereotypen und Bildern wie beispielsweise durch Film aufweisen, will mich aber an die­ ser Stelle keiner Spekulation hingeben.

2 Kluge, Etymologisches Worterbuch der deutschen Sprache, 25. Aufl., Berlin, De Gruyter, 2011, S.576f.

3 Duden, Liebe, Online, 2017, <http://www.duden.de/rechtschreibung!Liebe>, (zuletzt gepriift: 18.07.2017).

4 Oxford Dictionary, Love , Online, <https://en.oxforddictionaries.com/definitionllove>, (zuletzt gepriift: 18.7.2017).

5 Karl Matthaus Woschitz, 'Die Machtder Liebe.Eros, Philia und Agape', Disputatio phiwsophica , vol. 13 no.l, 2011,p.117-131, Faculty ofPhilosophy of the Society of Jesus in Zagreb, httns://hrcak:.srce.hr/100725, (zuletzt gepriift: 6.02.2018).

6 ibidem 118

7 ibidem 129

8 ibidem

9 nach Wilhelm Schmid, Die Geburt der Philosophie im Garten der Liiste, Fnmkfurt am Main, Hain I Atheniiums Verlag, 1990.

10 Woschitz, 'Die Macht der Liebe', 117

11 vgl. franz. Amis = der Freund; amour = die Liebe

12 Duden, amouros, Online, <https://www.duden.de/rechtschreibung/amouroes>, (zuletzt geprii.ft:26.10.2017).

13 Duden, Liebschaft, Online, <httos://www.duden.delrechtschreibung/Liebschaft>, (zuletzt geprii.ft:26.10.2017).

14 Duden,Deu ches Universalw6rterbuch, 8.Aufl., Berlin, Dudenverlag, 2015, S. 1475.

15 As1rid Rieh-Emde, 'Liebe-Partnerschaft-Sexualitiit' in Rainer Hornung, Claus Buddeberg, Thomas Bucher (ed.), Sexualitiit im Wandel, ZUrich. VdfHochschulverlag, 2004, S.121f.

16 ibidem 120; Beispiel: Das Besprechen undEinigen uber ,Sind wir zusammen?", die EheschlieBung und -Scheidung, das an­dern eines Beziehungsstatus aufsozialen Netzwerken, etc.

17 Giintcr Dux, Geschlecht und Gesellschaft- Warum wir lieben: Die romantische Liebe nach dem Verlust der Welt. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, 1994, 34.; biologisch physiologisch und taxonomisch ist der Mensch dennoch als homo sapiens ein Tier gelistet.

18 ibidem: 45, vgl. H. Plessner, 'Die Stufen des Organischen und der Mensch', Ges. Schriften, Bd. IV, Frankfurt am Main. Suhr­kamp Verlag, 2003, 8.385-391.

19 ibidem:83f

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Untersuchungen zu dem Streben nach Liebe, romantischer Liebe in der Gegenwart so wie Einflussnahme von Film und Werbung auf romantische Ideale und Alltagsphantasien
Untertitel
Soziologie der Liebe
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V456381
ISBN (eBook)
9783668896581
ISBN (Buch)
9783668896598
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liebe, Luhmann, Romantische Ideale, Filmideale, Leitbilder, Konsum, Kulturindustrie, Beziehungen
Arbeit zitieren
Philipp Blaich (Autor), 2018, Untersuchungen zu dem Streben nach Liebe, romantischer Liebe in der Gegenwart so wie Einflussnahme von Film und Werbung auf romantische Ideale und Alltagsphantasien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456381

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