Die "Hitlerjugend". Eine Analyse des Bildungs- und Familienideals im Dritten Reich


Hausarbeit, 2018
16 Seiten, Note: 1,6
Luke Farmer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Erziehung
2.1 Erziehungsziele
2.2 Das Schulsystem
2.3. Die Familie
2.4. Die Kinderlandverschickungen

3 Die Hitlerjugend

4 Der Bund Deutscher Mädel

5 Schlusswort

1. Einleitung

Der Machtergreifung Hitlers folgte eine folgenschwere Reform des Erziehungswesens durch die Nationalsozialisten, welche gravierende Auswirkungen auf das Leben von Kindern und Jugendliche hatte. Insbesondere diente diese zur Beeinflussung der Kinder und Jugendlichen. Deshalb veränderten sie das Leben der Kinder und Jugendlichen an den Punkten, wo sie am meisten geprägt werden. So erfolgten die größten Reformen in der Schule, Familie und in ihrer Freizeit.1

Der Grundgedanke dieser Reformen entsprang daraus, dass Hitler eine Jugend nach seinen Vorstellungen „heranziehen“ wollte, die sich bedingungslos, ohne Widerstand, in sein System einfügen und somit seine Macht absichern würde. Er wollte seine Ideologie somit fest in den führenden Köpfen der Zukunft verankern. Diese oft verkannten Absichten werden besonders in seiner folgenden Aussage deutlich: „Das wesentliche einer Revolution ist nicht das Erringen der Macht, sondern die Erziehung des Menschen“. Im Rahmen seiner Propaganda gab er jedoch auch das angebliche Versagen der intellektuellen Regierenden der Weimarer Republik an. Seine Aussagen fielen auf fruchtbaren Boden, da sich die Weimarer Regierung durch ihr politisches Handeln, insbesondere durch den Versailler Vertrag, bei der Bevölkerung immer mehr Unbeliebtheit auf sich zog.2

In der vorliegenden Arbeit sollen die Konsequenzen und Auswirkungen, die diese Reformmaßnahmen für die Jugend hatten, dargestellt werden. Sie sollen einen Auszug vermitteln, was es bedeutete unter der Vormundschaft der Nationalsozialisten aufzuwachsen. Im 2. Kapitel werden deshalb zunächst die Ziele einer Erziehung durch die Nationalsozialisten erläutert. Um ihre grundlegenden Zielsetzungen in der Erziehung zu verdeutlicht. Daraufhin wird auf Auswirkungen für das Leben der Kinder in Schule und Familie eingegangen werden.

Mit der Einführung des Gesetzes der Hitlerjugend kam 1936 eine weitere Erziehungsinstanz - die Hitlerjugend - hinzu, die insbesondere die Freizeitgestaltung der Jugendlichen nach Hitlers Interesse verfolgte. In den nachfolgenden Kapiteln werden deshalb Hintergründe zu Aktivitäten, Eintrittsgründen, und Zielsetzungen der männlichen Hitlerjugend und dem weiblichen Pendant, Bund deutscher Mädel erläutert werden.3

2. Die Erziehung

Hitlers Ziel war, durch seine Erziehung, alle Generationen von klein auf in ihrem Verhalten zu beeinflussen und unter Kontrolle zu halten, als praktisches Instrument der Machtsicherung. Somit führte er auch diverse Nachschulungsmaßnahmen für Erwachsene ein, um auf alle Altersbereiche Einfluss auszuüben. Des Weiteren sollten alle öffentlichen Einrichtungen Aufgaben zur „Volkserziehung“ übernehmen. Die Unterschiede von Erziehung, Propaganda und Indoktrination verschwommen so mit der Zeit immer mehr. Aufgrund dieser Aspekte wurde das Deutsche Reich später auch häufig als „Erziehungsstaat“ bezeichnet.4

Bildhaft für diesen Erziehungsstil steht wohl die Tatsache, dass speziell körperliche Leistung und charakterliche Willensstärke auf dem Erziehungsplan standen. Schließlich wurden sie ja für einen gewissen Zweck ausgebildet. Im Gegenzug dafür wurden aus dem Erziehungsplan, selbstständiges Denken oder das äußern von Kritik, aufs schärfste untersagt.

2.1 Erziehungsziele

Das übergeordnete Ziel der nationalsozialistischen Erziehung war es, Schichten bzw. klassenspezifische Unterschiede abzubauen, um eine „Volksgemeinschaft“ entstehen zu lassen und auch spezielle Eigenschaften bei den Kindern und Jugendlichen hervorgebracht werden, die ohnehin schon insbesondere im „deutschen Menschen“ angelegt seien. Jedoch wurde die Bedeutung bestimmter Eigenschaften zweckentfremdet. So war z.B. mit „Verantwortungsbewusstsein“ nicht gemeint, eine Entscheidung zu treffen, nachdem alle Umstände erörtert und die Konsequenzen für andere Menschen bedacht wurden. Der verantwortungsbewusste Mensch sollte nicht ruhig analysierend handeln, sondern das fast Aussichtslose wagen und dabei stehts im Interesse der „Volksgemeinschaft“ handeln und sich selbst unterordnen.

Die Ideologie lässt sich am besten an folgenden Zitaten erkennen:

„Ich bin nichts - mein Volk ist alles“ - Hei n rich Deist

„Deutschland, Deutschland über alles.“ – alte deutsche Nationalhymne

Für einen Großteil der Eigenschaften ist allerdings auch ein starkes Selbstbewusstsein nötig.

"Hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder", so die Devise.

Hitler war deshalb der festen Überzeugung, dass die gesamte Erziehung darauf ausgelegt werden müsse, den Menschen die Überzeugung zu geben, anderen unbedingt überlegen zu sein. Deshalb sollte die resultierende Erziehungs- und Bildungsarbeit ihren Höhepunkt darin finden, den Rassensinn und das Rassegefühl instinktiv- und verstandesgemäß in der Jugend zu verankern.5

2.2 Das Schulsystem

Die Reformen im Schulsystem sahen wesentliche Beschränkungen und Vereinheitlichungen vor. So wurde 1936 die Abschaffung der konfessionellen Schulen festgelegt. Ein Jahr später wurden die vielen verschiedenen Gymnasienformen abgeschafft und eigene, neue Schulformen ins Leben gerufen. Hitler reduzierte sie auf 3: das humanistische Gymnasium, die naturwissenschaftliche und die neusprachliche Oberstufe.

Das Reichsschulpflichtgesetz wurde in den folgenden Jahren eingeführt und brachte einige Veränderung mit Sich. So wurde die 8-jährige Schulpflicht beginnend mit dem 6. Lebensjahr eingeführt. Weiterhin regelte es, dass öffentliche Grundschule die ersten 4 Schuljahre umfasste und war ein Teil der Volksschule. Anschließend folgten entweder 4 weitere Volksschuljahre, sechs Jahre Mittelschule oder acht Jahre Höhere Schule. Im Anschluss an die Volksschule unterlagen alle 14 - 18jährigen Jugendlichen, sofern sie nicht auf andere Schulen gingen, der zwei bis dreijährigen Berufsschulpflicht. Bemerkenswert an dem neuartigen Schulsystem ist, dass es in seinen Grundzügen bis heute Bestand hat. Folgern lässt sich, dass das System pädagogisch durchaus hochwertig und durchdacht ist, jedoch von der NS-Regierung gnadenlos zweckentfremdet wurde. So hat es mit einigen Änderungen den Weg in die meisten Landesgesetzgebung gefunden.6

Ebenfalls führte Hitler die Deutschen Heimschulen, für Kinder von Vätern, die häufig versetzt wurden, ein. Außerdem wurden spezielle Internate, die insbesondere der Förderung und Aufzucht einer NS – Elitejugend als Ziel hatte, gegründet. So gab es unter anderem die Napola, die Adolf Hitler Schulen aber auch die Heimschulen dienten als Teil der Eliteförderung. Der Zugang zu einer Eliteschule war ausschließlich Mitgliedern der Hitlerjugend vorbehalten.

In „Mein Kampf“ sprach Hitler bereits das Problem der Überflutung von Information an, welches von je her ein Problemen an den Schulen ist. Nach Hitler sei es gefährlich, dass jugendliche Gehirn mit einer Flut von Eindrücken zu überschwemmen, da dadurch häufig das Wichtigste vernachlässigt werden würde. Was unter der Definition das wichtigste verstanden wurde soll im folgenden näher erläutert werden.7

Dabei schrieb sich Hitler die Regeln nach eigenem Interesse maßgeschneidert zu. Er griff bereits vorhandene pädagogische Maßnahmen auf und mit eigenen Definitionen ergänzt, indem er z.B. die Rassenkunde und die körperliche Leistungskraft als wichtiger bezeichnete als die wissenschaftliche Bildung, welche nach der weltanschaulichen und charakterlichen Bildung an letzte Stelle trat. Wie wichtig die körperliche und politische Ausbildung geworden war, ist auch daran zu erkennen, dass die Möglichkeit bestand, den Samstagsunterricht durch Körperliche Ertüchtigungen und Wehrsportübungen zu ersetzen.

Für Rückhalt im Volk versprach Hitler auch die Möglichkeit für Arbeiterkinder an eine Eliteschule zu kommen. So wurden beispielsweise vom Staat für etwaiges Gelder zur Verfügung gestellt Jedoch hat sich der Anteil der Arbeiterkindern an der Gesamtzahl der Absolventen nicht wesentlich verändert: Nach einem Rückgang von 1911 bis 1931 von 3 auf 2%, stieg er bis 1939 erneut wieder auf 3 % an. Es lässt sich formal am besten als Propagandamaßnahme Hitlers beschreiben.

Unterstützung bekam Hitler besonders aus dem städtischen Bereich, da viele Menschen seine Meinung teilten, dass die körperliche Förderung dort besonders vernachlässigt würde. Aber Formulierungen wie „Heranzüchten kerngesunder Körper“ lassen vermuten, dass Hitler nicht die körperlichen Fähigkeiten des Jugend fördern wollte, sondern eher rassistische Zwecke verfolgte.

Außerdem wurde auch die Bildung einer „Volksgemeinschaft“ in den Schulen gefördert. So sollte auf schwächere Schüler von Lehrern und Schülern Rücksicht genommen werden. Dies bezog sich jedoch ausschließlich auf die kognitiven Fähigkeiten. Während man bei Defiziten im körperliche Bereich deutlich rigoroser verfuhr. Leistungsschwache Schüler wurden benachteiligt, indem sie häufig von höheren Schulen verwiesen wurden.

So wurden um z.B. Angriffsgeist und Entschlusskraft zu fördern von Hitler die Einführung von Boxen in den Sportunterricht bewilligt. Abgesehen davon spielte die körperliche Leistungsfähigkeit auch bei Aufnahme und Abschlussprüfungen oft eine sehr wichtige Rolle. Damit war oft auch eine gesellschaftliche Akzeptanz verbunden, welche bei einem entsprechenden ausscheiden aus einer Schule oder einem nichtbestandenen Abschluss oftmals als Schande der Gesellschaft galt.

Darüber hinaus sollte aber auch eine nationale Identität gebildet werden. So wurde das Fach Geschichte zum Instrument um einen richtigen Volksgedanken tief zu verankern. Insbesondere ging man darauf auf die bereits errungenen Erfolge der Deutschen und der NSDAP ein. Schließlich beeindruckt man mit Erfolg und bestärk das nachdrängen der Jugend es den Vorgängern nachzuahmen. Ausländische Politik wurde hingegen kaum berücksichtigt. Im Erdkundeunterricht wurde der Schwerpunkt auf Geopolitik, demographische Bewegungen, rassistische Expansion und Kolonialgebiete, sowie der künftigen Expansion des Reichs verlegt.

Damit sind aber noch längst nicht alle Fächer die zur Beeinflussung benutzt wurden abgedeckt. Weiterhin wurde der Biologieunterricht dazu benutzt, dass eine Rassenmischung zu einem Kulturverfall führen würde und unbedingt verhindert werden müsse. Bestärkend führte man dazu das Themengebiet „Vererbungs- und Rassenkunde“ ein. Viele Lehrer erkannten jedoch, dass besonders die rassistischen Unterrichtsinhalte Blödsinn waren und wurden verunsichert, jedoch durch die drastischen Strafen und angedrohten Folgen abgeschreckt. Dennoch kam mit dieser Verunsicherung die Ungewissheit. Diese Ungewissheit führte zu einem Absinken des Unterrichtsniveaus, welches dadurch verstärkt wurde, dass mit Beginn des Krieges viele Schultage für das Sammeln von Altmetall verwendet wurden. Um die Rüstungsindustrie zu unterstützen.8

Dennoch war Hitlers Erziehungssystem aus einer rein objektiven Perspektive betrachtet und wenn man es um die rassistisch - biologischen Aussagen („nur die arische Rasse ist zu höherer Intelligenz fähig“) kürzt, nichts was auf die Bevölkerung einen verwerflichen Eindruck machte. Er versprach den Leuten das, was sie hören wollten. Später sollte es sich allerdings als großen Fehler erweisen, dass gerade die rassistischen Hintergründe häufig nicht ernst genommen wurden.

2.3. Die Familie

In der Zeit zwischen den Kriegen gingen die Kinderzahlen besonders in Familien von Angestellten und Beamten sowie von Selbstständigen in Industrie und Gewerbe zurück, da besonders diese Personengruppen erst heirateten, wenn sie ihre Familienexistenz materiell und finanziell absichern konnten. Dies stellte für die damalige Regierung ein nicht zu missachtendes Problem dar. Schließlich zog man sich mit der Jugend ein Nachwuchs an Soldaten heran. Das durchschnittliche Heiratsalter lag damals selbst in Arbeiterfamilien bei 26.

Um die Familien besser zu versorgen wurden die Kindergärten, welche schon zu Zeit der Weimarer Republik eingeführt wurden, weiter ausgebaut und nutzbar gemacht. Um dadurch Mängel der häuslichen Erziehung auszugleichen. Die Nationalsozialisten bauten dieses System stark aus und förderten Familien mit vielen Kindern. Somit waren Großfamilien mit 6 oder 7 Kinder trotz knapper Wohnverhältnisse durchaus üblich. Die Kinder mussten häufig mit mehreren Geschwistern ein Zimmer teilen und Kleidungsstücke an jüngere Geschwister weitergeben. Auch sonst lebte man eher in einem bescheidenen Stil. Dennoch legte der Staat viel Wert darauf, dass die Kinder zu Ordnung, Sauberkeit , Regelmäßigkeit und absoluten Gehorsam erzogen werden.9 Das damalige Rollenbild besagte, dass der Vater arbeiten ging und die Mutter für die Versorgung der Familie zuständig ist und damit auch den stärkeren Anteil der Erziehung vollzog. Dadurch war sie auch häufig die Bezugsperson der Kinder, wenn diese in Schwierigkeiten waren. Der Vater wurde meistens als autoritär und streng geschildert, zu dem zwar hin und wieder auch tiefe Beziehungen entstanden, diese aber selten die tiefe Beziehung zur Mutter übertrafen. Durch die Änderungen der Erziehungspolitik wurde den Nationalsozialisten die Chance gegeben, die Kindererziehung in Schule und Hitlerjugend selbst zu übernehmen. Die Einflussmöglichkeiten der Eltern auf die Erziehung wurden auf die Vorschulzeit begrenzt. Danach sollten Kinder nahezu ausschließlich von staatlichen Institutionen geprägt werden. Durch die zahlreichen Aktivitäten sollte die Jugend allmählich völlig vom Elternhaus isoliert werden. Außerdem waren die Eltern einem enormen Erziehungsdruck ausgesetzt, da der Staat die Erfüllung der Erziehungsaufgaben leichter kontrollieren konnte.

[...]


1 https://www.dhm.de/lemo/rueckblick/30-januar-1933-hitler-wird-reichskanzler.html

2 https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/weimarer_republik/pwiedeutschlandundderversaillervertrag100.html

3 https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/hitlerjugend-hj/

4 https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/erziehung-im-nationalsozialismus/

5 https://d-nb.info/1019983256/34

6 http://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/229702/schulgeschichte-nach-1945?p=all

7 Auszug aus Hitlers „Mein Kampf“

8 http://www.bpb.de/apuz/25291/nationalismus-und-patriotismus-in-den-fruehen-jahren-der-ddr?p=all

9 https://d-nb.info/978828321/34

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die "Hitlerjugend". Eine Analyse des Bildungs- und Familienideals im Dritten Reich
Hochschule
Maria-Ward-Gymnasium Augsburg
Note
1,6
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V456432
ISBN (eBook)
9783668881655
ISBN (Buch)
9783668881662
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte Hitler Nazi Hitlerjugend
Arbeit zitieren
Luke Farmer (Autor), 2018, Die "Hitlerjugend". Eine Analyse des Bildungs- und Familienideals im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456432

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