Obwohl die Energiewende in Deutschland voranschreitet, ist der Endenergieverbrauch im Verkehrssektor zwischen 2005 und 2014 sogar um 1,7 Prozent angestiegen. Zwar konnte die Energieeffizienz im Verkehrssektor in den letzten Jahren gesteigert werden, jedoch wurden diese Fortschritte durch eine deutlich gestiegene Verkehrsleistung im Personen- und Güterverkehr wieder zunichte gemacht. Neben dem Energieverbrauch und den damit assoziierten CO2-Emissionen ist der Verkehrssektor für eine weitere Vielzahl an Probleme verantwortlich, wie beispielsweise Feinstaubbelastung, Staus und Flächenversiegelung. Aus dieser Problematik entsteht der Bedarf einer nachhaltigen Mobilitätskultur. In dieser Arbeit sollen Denkanreize und Denkanstöße gegeben werden für die Konzeption innovativer Konzepte und Strategien für eine zukünftige Mobilitätskultur.
Dazu werden alle verschriftlichten Mobilitätsleitbilder analysiert, die sich a) auf die Stadt Stuttgart beziehen, b) aktuell sind, das heißt noch heute formale Gültigkeit besitzen und nicht älter als 10 Jahre sind, c) von Politik, Verwaltung oder weiteren Stakeholdern formuliert wurden und sich d) umfassend mit dem Thema Mobilität beschäftigen ohne Fokus auf eine bestimmte Verkehrsart.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung der Probleme & Fragestellung
3. Methodisches Vorgehen
4. Darstellung der Ergebnisse
4.1 Wunschprojektionen
4.2. Machbarkeitsprojektionen
5. Bürgernahe Umsetzung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht Möglichkeiten zur Entwicklung einer nachhaltigen Mobilitätskultur in Stuttgart, um ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Anforderungen einer modernen Gesellschaft und den notwendigen Schutzaspekten für Umwelt und Gesundheit zu finden. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Identifikation von Wert- und Machbarkeitsidealen sowie deren praktischer, bürgernaher Umsetzung.
- Analyse des aktuellen Mobilitätsstatus und Problemdrucks in Stuttgart
- Erhebung von Wertvorstellungen zentraler Stakeholder und Bürger
- Evaluation von Machbarkeitsprojektionen für nachhaltige Verkehrskonzepte
- Bürgerbasierte Bewertung von Lösungsmöglichkeiten für die Verkehrswende
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Individualität und Umweltschutz
Auszug aus dem Buch
Gleichberechtigte Förderung aller Verkehrsmittel
Diese Kategorie enthält zwei Aussagen, die auf das gleiche Ziel verweisen, dabei jedoch die Unterschiedlichkeit in der Wahrnehmung bezüglich des Status Quo des MIV deutlich machen. Langfristig könnte eine 1/3 Form des Modal Splits umgesetzt werden. Das würde bedeuten, dass jeweils 1/3 des Verkehrsaufkommens auf MIV, Bus und Bahn und mit dem Fahrrad bzw. zu Fuß verteilt werden soll. Der größte Gewinn bei erfolgreicher Umsetzung des Modal Splits wäre, dass sich das Verkehrsaufkommen von Automobilen reduzieren würde und sich das in einem größeren Verkehrsfluss niederschlägt. Vorrausetzung dafür ist natürlich, dass Alternativen zur genüge ausgebaut werden, dass sie die geplante Umverteilung auch mittragen können. Für eine genauere Beurteilung dafür können einige Zahlen zu Informationszwecken herangezogen werden.
Aus einer Informationsbroschüre des VVS (Verkehrsverbund Stuttgarts) lassen sich dazu aktuelle Zahlen über den Modal Split entnehmen. Zu sehen ist, dass zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad bereits nahezu das 1/3 erreicht hat. Mit 15% ist der ÖPNV das Problemkind der 3 Bereiche. Betrachtet man Auswertungen von vorangegangenen Jahren wie z.B. von 2011. So lässt sich eine deutliche Minderung der Nutzung des ÖPNV erkennen. So entfielen nur 45% des Verkehrsaufkommens auf den MIV und noch 24% auf den ÖPNV. Schlussfolgern lässt sich eine negative Entwicklung des ÖPNV, welcher sich nicht den wandelnden Bedürfnissen der Bewohner angepasst hat, welches eine Meidung dessen zu Folge hatte.
Eine naheliegende Lösung wäre, dass sich Verkehrsverbundbetreiber wie der VVS wieder den Bedürfnissen der Verbraucher annähern. Meinungsstudien oder Verbraucherstudien sind einfach umzusetzende aber auch schlicht effektive Methoden um ein gutes Bild zu bekommen, was die Erwartungen der Verbraucher/Nutzer angeht. Natürlich ist dieses in regelmäßigen Abständen notwendig um das bereits beschriebene Phänomen der Distanzierung von den Kunden zu vermeiden. Eine zu empfehlende Zeitspanne ist mindestens jährlich bis halbjährlich. Anzupassen ist die Zeitspanne auf die Wandlungsgeschwindigkeit einer Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Stagnationszustand des Verkehrssektors trotz Energiewende und definiert das Ziel einer nachhaltigen Mobilitätskultur unter Einbeziehung bestehender Leitbilder.
2. Beschreibung der Probleme & Fragestellung: Dieses Kapitel analysiert die spezifische geographische und klimatische Belastungssituation Stuttgarts durch Feinstaub und stellt die zentrale Frage nach einem Gleichgewicht zwischen Mobilitätsstandard und Gesundheitsschutz.
3. Methodisches Vorgehen: Hier wird der Forschungsansatz erläutert, der auf der Auswertung öffentlicher Pläne sowie einer empirischen Befragung von 78 Stuttgarter Bürgern am Marktplatz basiert.
4. Darstellung der Ergebnisse: Dieses Kapitel gliedert sich in Wunschvorstellungen der Bürger und die fachliche Überprüfung der Machbarkeit, wobei verschiedene Mobilitätsaspekte wie ÖPNV, Sharing-Konzepte und Verkehrssteuerung evaluiert werden.
5. Bürgernahe Umsetzung: Es wird die Auswertung eines weiteren Umfrageteils präsentiert, in dem Bürger verschiedene Lösungsoptionen bewerten, um einen gesellschaftlich akzeptierten Kompromiss zu finden.
6. Fazit: Das Fazit unterstreicht die zentrale Bedeutung der modernen Infrastruktur und betont die Notwendigkeit demokratischer Beteiligungsprozesse bei der Gestaltung zukünftiger Mobilitätsstrategien.
Schlüsselwörter
Stuttgart, Mobilität, Feinstaub, Verkehrswende, Modal Split, ÖPNV, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Bürgerbeteiligung, Lebensqualität, Umweltschutz, Verkehrsmanagement, Carsharing, Individualverkehr, Stadtentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Zukunft des Stuttgarter Mobilitätssystems und dem Ziel, ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Mobilitätsbedürfnissen der Gesellschaft und den notwendigen Umwelt- sowie Gesundheitsaspekten zu finden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Reduzierung von Feinstaubemissionen, die Optimierung der städtischen Verkehrsinfrastruktur, die Förderung des ÖPNV sowie die Akzeptanz von Sharing-Konzepten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis einer Dokumentenanalyse und einer Bürgerbefragung innovative Strategien für eine nachhaltige Mobilitätskultur in Stuttgart zu erarbeiten, die sowohl praktisch umsetzbar als auch in der Bevölkerung akzeptiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus einer Dokumentenanalyse (Leitbilder und Aktionspläne) sowie einer empirischen Studie in Form von Fragebögen und persönlichen Interviews mit 78 Probanden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Beschreibung der Problemlage (Feinstaub), den Wunschvorstellungen der Bürger und der anschließenden Überprüfung dieser Wünsche auf ihre praktische Machbarkeit und soziale Gerechtigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mobilitätsmanagement, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Modal Split und Bürgerbeteiligung charakterisiert.
Warum spielt die Geographie Stuttgarts eine so wichtige Rolle für das Mobilitätsproblem?
Stuttgart liegt in einem Talkessel, der für eine schlechte Durchmischung der Luft sorgt und somit die Schadstoffkonzentration, insbesondere bei Feinstaub, bei austauscharmen Wetterlagen deutlich verschärft.
Welche Bedeutung kommt dem "Modal Split" in dieser Arbeit zu?
Der Modal Split dient als Zielgröße für die angestrebte Verkehrsverteilung, wobei langfristig eine Aufteilung von jeweils einem Drittel zwischen MIV, ÖPNV sowie Rad- und Fußverkehr angestrebt wird, um das Verkehrsaufkommen zu entzerren.
Warum wird ein "Bürgerentscheid" als Lösungsmethode diskutiert?
Die Arbeit schlägt Bürgerentscheide vor, um bei Zielkonflikten – etwa beim Vorrang für den MIV gegenüber dem Umweltverbund – auf demokratischem Wege klare Prioritäten zu setzen und eine breite Akzeptanz für Maßnahmen zu gewährleisten.
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- Luke Farmer (Author), 2018, Die Zukunft der Mobilitätskultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456436