USSR. Die Stadtidentität von Kiew im Wandel


Seminararbeit, 2017
30 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

0. EINLEITUNG

1. BEGRIFFSERKLÄRUNG
1.1. IDENTITÄT
1.2. STADTIDENTITÄT

2. ÜBERBLICK IN DER ARCHITEKTUR
2.1. ANFANG DES KIEWER STAATES
2.2. BYZANTINISCHER EINFLUSS
2.3. GOTIK UND RENAISSANCE
2.4. NATIONALE STILART: UKRAINISCHER BAROCK
2.5. KLASSIZISMUS IN DER UKRAINE

3. DIE ENTWICKLUNG DER ARCHITEKTUR IN DER UKRAINISCHEN SOZIALISTISCHEN SOWJETREPUBLIK
3.1. WÄHREND STALIN..
3.2. WÄHREND CHRUSCHTSCHOW

4. FAZIT

5. ANHANG

6. LITERATURVERZEICHNIS

0. EINLEITUNG

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema “ USSR: Die Stadtidentität von Kiew im Wandeln“. Es ist wichtig zu verstehen, dass es unmöglich ist, die Stadtidentität von der Null erschaffen zu können. Die Stadt hat schon einen Charakter und die Bewohner erleben diesen Charakter mit. Ausgehend davon, muss man bei der Entwicklung der Stadt schon die existierenden positiven Striche der Stadt berücksichtigen und sie auf den Vordergrund herauszuführen. Leider wurde in den sowjetischen Raumen ein anderes Prinzip der Entwicklung dargestellt, und zwar die neuen Sachen ohne die Rücksicht auf die alte Stadtidentität zu erschaffen. Die Architektur spielt eine große Rolle in der Stadtidentität, weil durch die Architektur die Stadtidentität sich entwickelt.

Die Ziele der Arbeit sind die Stadtidentität von Kiew darzustellen und die Entwicklung der ukrainischen Architektur zu verfolgen.

Im Lauf der Arbeit wurden bestimmte Arbeit- und Analyseschritte vorgenommen. Erstens, die philosophischen und psychologischen Begriffe, sowie Stadtidentität und Identität, zu analysieren. Zweitens die historische Entwicklung der Architektur in der Ukraine kennenzulernen und drittens die Entwicklung der Architektur der Stadt Kiew während der Sowjetunion zu untersuchen. Der vorliegenden Arbeit wird eine literaturgestützte Methode zugrunde gelegt.

Zuerst werden die Begriffe „Identität“ und „Stadtidentität“ dargestellt. Es wird die Entwicklung der Identität und ihre Erschaffung erläutert, verfolgt mit der Erklärung und Erschaffung der Stadtidentität.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den architektonischen Entwicklungen in der Ukraine. In diesem Kapitel sind die architektonischen Epochen der Ukraine dargestellt und die besten und bekanntesten Werke diesen Epochen beschrieben. Die Geschichte der Ukraine kann man als sehr bunt bezeichnen. Wegen ihrer geografischen Lage hat die Ukraine sich von verschieden Ländern mehrmals beeinflussen lassen. Man kann diesen Einfluss den Ländern stark in die architektonischen Traditionen beobachten.

Im dritten Kapitel wird der Schwerpunkt der Hausarbeit ermittelt und zwar die Stadtidentität von Kiew während der Sowjetunion. 20. Jh. war die schwierigste Zeit für das ganze Europa. Es gab zwei Weltkriege und dann noch kalter Krieg. In der Ukraine herrschte die kommunistische Regime und Diktatur von Moskau. Alle diese Faktoren haben stark die Stadtidentität von Kiew und der Ukraine beeinflusst. Hier lautet auch die zentrale Frage: Wurde die Stadtidentität von Kiew während der Sowjetunion verloren gegangen?

Im Fazit werden die Ergebnisse der Hausarbeit zusammengefasst und eine Schlussforderung gezogen. Dort wird auch zentrale Frage beantwortet und die Unabhängigkeit der ukrainischen Architektur gezeigt.

1. BEGRIFFSERKLÄRUNG

1.1. IDENTITÄT

Im diesen Kapitel werden die Begriffe Identität und Stadtidentität erläutert, nämlich womit man Identität verlangt und wie kann man sie verlieren. Der Erwerb der Identität ist heutzutage die wichtigste Lebensaufgabe für jeden Menschen und jede Stadt. Das Verstehen des Begriffs Stadtidentität wird an erster Stelle durch den Begriff Identität erklärt.

Der Begriff „Identität“ stammt aus der Philosophie allerdings gibt es keine klare Definition für diesen Begriff. Die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen haben sich mit dem Begriff „Identität“ befasst und ihre eigenen Konzepte erschaffen (vgl. Christmann 2008: 23). Nach Erik Erickson (2013:13f) bedeutet Identität „Persönlichkeit“ man hat das Wissen über sich selbst und über die eigene Anpassung innerhalb der Gesellschaft. Die Person sammelt das Weltwissen und das Wissen über sich selbst und formuliert sein eigenes Bild und seine eigene Rolle in der Gesellschaft. Diesen Begriff kann man auch mit dem Begriff „Stadtidentität“ verbinden.

1.2. STADTIDENTITÄT

Unter dem Begriff „Stadtidentität“ wird die Vorstellung der Stadt als auch ihr Wesen, Besonderheiten, Ähnlichkeiten und Unterschieden mit den anderen Städten bezeichnet.

Das kann man mit dem folgenden Zitat begründen:

„Generell kann festgehalten werden, dass die Identität einer Stadt die charakteristische Eigenart und Einmaligkeit einer Stadt bezeichnet. Die relevanten, als eigenständig wahrgenommenen Aspekte ermöglichen eine Identifizierung, das Erkennen bzw. Wiedererkennen einer Stadt (Kutschinski-Schuster 1993: 131).“

Laut der Theorie von Erikson (2013: 13ff) wird verständlich ausgeprägt, dass die Identität keine angeborene Eigenart einer Person ist. Die Identität wird durch die Kontakte mit der Gesellschaft erschaff.

Wenn man es auf den Begriff „Stadt“ umwandelt, sind Geschichte, Kultur und Politik für das Erschaffen der Stadtidentität verantwortlich. Auch die Architektur spielt eine große Rolle bei der Findung der Stadtidentität. Das Aussehen der Stadt ist eine Grundlage der symbolischen Stadtidentität. Wenn eine Stadt die Architektur verliert, verliert die zum Teil ihre Identität. Das kann man am Beispiel von der Globalisierung und anderen verschiedenen Aspekten beobachten, wie Ideologie oder politisches Regime. Aufgrund diesen Prozessen besteht die Gefahr des Verlustes der Stadtidentität. Ein Professor aus Glasgow, Kevin Robins, deutet in seinem Werk darauf hin, dass die Städte sich einander immer mehr angleichen und die jeweiligen Stadtidentitäten zunehmend geringer werden (vgl. Robins 1993: 306).

2. ÜBERBLICK IN DER ARCHITEKTUR

2.1. ANFANG DES KIEWER STAATES

Die authentische ukrainische Architektur und Kunst ist zur Zeit des 9-10Jh. erstanden und hat sich dann entwickelt, als auf dem Territorium der Ukraine der zentralisierte „Kiewer Staat“ erschaffen wurde. Zum Beginn wurden alle Bauten (z.B. die Festigung, die Paläste, der Kirche) aus Holz gebaut. Eine Hauptstruktur der Gebäude war die „Zelle“(Srub), die durch den horizontal gelegten Balken mit dem Zeltoberteil errichtet wurde. Es war eine Blockhauskonstruktion, wo das Holz an den Ecken durch Einkerbungen miteinander verbunden wurde. Jede Zelle wurde mit einem Zeltdach abgeschlossen (vgl. Logwin 1984: 9).

2.2. BYZANTINISCHER EINFLUSS

Im 10. Jh. wurde in das Gebiet des Kiewer Staates ein neuer Glaube aus Byzanz gebracht. Der neue Glaube brach auch einige Kunsteinflüsse mit. Das beste Beispiel des byzantinischen Einflusses in der Architektur der heutigeren Ukraine ist die Sophienkathedrale in Kiew (siehe Abb.1). Die Kathedrale ist in den Jahren 1017-1035 zur Zeit der Großfürsten Jaroslav erstanden. Man glaubte, dass das Vorbild der Sophienkathedrale in Kiew die „Haiga Sophia“ aus Konstantinopel war (vgl. Mirtschuk 1994: 197f). Im 13. Jh. verschoben sich die politischen Ansichten der Westukraine. Im westlichen Teil des Kiewer Staates Galizin sind die römische-germanische Kulturerrungenschaften mit dem Fürsten gekommen, durch die Nachbarschaft mit Polen und Ungarn und es wurde zusammen mit dem byzantinischen Einflussen von früher neuen Stil erschaffen und zwar der Galizinstil (siehe Abb.2.).

Im Jahre 1240 fand im südlichen Teil des Kiewer Staates ein Überfall von Tartaren- und Mongolischen Orden statt, weshalb die Baukunst in eine andere Richtung gegangen ist.

Die Menschen in der Ukraine haben den Bau von Festungen mit den Türmen, den gefestigten Klöstern und Schlössern bevorzugt. Diese Baukunst musste nicht nur die Verteidigungsfunktion erhalten, sondern auch die Mach der Fürsten verstecken und den Patriotismus der Zeitgenossenen erhöhen (vgl. Logwin 1984: 18f.). Das beste Beispiel einer solchen Bauform ist die Burg in der Stadt Chotin. Sie ist bis jetzt sehr gut erhalten (siehe Abb.3.). Der kulturelle Einfluss des mittelalterlichen altrussischen Staates wird in den architektonischen Traditionen in der Ukraine verfolgt.

2.3. GOTIK UND RENAISSANCE

Eine der interessantesten Perioden der Geschichte der Architektur der Ukraine ist das Ende des 14.Jh. bis hin zur ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Auf der westlichen Seite der Ukraine, die weniger unter der Invasion der Tatar- und Mongolischen Orden litt, entwickelte sich das Handwerk und der Handel in den Städten. In die ukrainischen Städte kamen viel Ansiedler an, vorzugsweise die Deutsche, die in die Kunst und insbesondere in die Architektur die neuen Stilformen mitgebracht haben und zwar Gotik und Renaissance (vgl. Logwin 1984: 19.). Hauptsächlich wurde in der Ukraine in der Gotikzeit die katholischen Kirchen eingerichtet.

Renaissance ist in die Ukraine durch Ungarn aus der italienischen Region Lombardei gekommen. Stadt Lemberg hat sich am meisten von der Renaissance beeinflussen lassen. Die entscheidende Rolle in der Bildung des neuen Stils hat die Mariä- Entschlafenes Kirche in Lemberg gespielt, die als das Denkmal der nationalen Architektur genannt wurde. Die Mariä-Entschlafenes Kirche ist die perfekte Renaissance. Man kann sogar das kommende Barock in diese Kirche beobachten. Der Turm der Kornjakten ist nicht anders als das beste Beispiel der Renaissance der Ukraine. Der Muster des Turms der Kornjakten ist der Turm Madonna in Venedig (vgl. Mirtschuk 1994: 198) (siehe Abb.4). Der Innenraum des Baums ist in dem Gesetzte der Renaissance gebaut aber man kann schon in dem Steindekor der Außenwände die Spüre des Barocks sehen (siehe Abb.5.) (vgl. Logwin 1984: 27).

2.4. NATIONALE STILART: UKRAINISCHER BAROCK

Die vierte Periode der ukrainischen Baukunst wurde im 17. und 18. Jh. entwickelt. Die Barockperiode wurde in der Ukraine gleichzeitig mit Europa verbreitet. Das Barock kam in die Ukraine aus Rom und alten genuesischen Kolonien auf die Krim. Der Anfang des Barocks in der Ukraine fällt auf die schwierigen Zeiten und zwar auf die National- Befreiungsbewegung. Der Sieg des Krieges gegen Unterdrücker hat große Rolle in der Kultur gespielt (vgl. Logwin 1984: 26). Es wurde die Zeit der kulturellen Wiedergeburt der Ukraine. Dadurch hat sich das Barock neu entwickelt und durch die Reformation in der neuen Still angepasst und zwar in das ukrainischen Barock (vgl. Mirtschuk 1994: 199). Das ukrainische Barock unterscheidet sich von dem westeuropäischen Barock und von der Renaissance durch die Kombination der dekorativen-plastischen Lösungen und die schöpferischen Überarbeitungen des Erbes der orthodoxen Tempelbaukunst. Eine von dem besten Muster des ukrainischen Barockstiles ist die Mariä-Geburts-Kathedrale (vgl. Logwin 1984: 29ff) (siehe Abb.6,7.).

2.5. KLASSIZISMUS IN DER UKRAINE

Am Ende des 18. Jahrhunderts ist in der Ukraine der sogenannte «städtische Stil» der Klassizismus gekommen, dessen charakteristischer Strich die bedeutende Verkleinerung der kirchlichen Bauten war. Es wurde vorgewiesen die Paläste und die öffentliche Baute eingerichtet. Die Architekten mussten die Repräsentationshäuser bauen. In Kiew, Odessa, Lemberg und Charkow baute am meisten im Stil Klassizismus (siehe Abb.8) (vgl. Logwin 1984: 32).

In der Entwicklung des Klassizismus sind drei Etappen erkennbar (vgl. Mirtschuk 1994: 201). Die Architektur der ersten Etappe unterscheidet sich durch den Übergang vom Barockstil zum Klassizismus. Man suchte die neue Mittel der Ausdruckskraft und das neue Herangehen an die Ensemble- Bebauung. Im Klassizismus stieg die Bedeutung der offenen Komposition von den Straßen und den abgesonderten Komplexe. Eine Errungenschaft der zweiten Etappe war die Bildung der großen Ensembles und die Anwendung der dekorativen Kunst für die Verkörperung der bedeutenden künstlerischen Vorhaben. In der dritten Etappe bevorzugte man mehrstöckige Häuser bauen. Es wurde mehrere industrielle Unternehmen und die Bildungseinrichtungen gebaut.

3. DIE ENTWICKLUNG DER ARCHITEKTUR IN DER UKRAINISCHEN SOZIALISTISCHEN SOWJETREPUBLIK

Am Anfang des 20. Jahrhunderts entsteht in Europa eine neue Richtung in der Kunst und insbesondere in der Architektur und zwar der Modern. Die Architektur des Jugendstils erwarb die nationalen Striche des Landes. In auf der Zentralen, Süd- und Östlichen Ukraine existierte die nationale Art des Jugendstils: “der Ukrainische Jugendstil“, der in Poltawa entstanden wurde. Die große sozialistische Oktoberrevolution hat Kapitalismus und Kommunismus mitgebracht. Die sozialistische Revolution hat das Privateigentum auf die Erde und die Produktionsmittel zerstört. Für Architektur sind die ganz neuen sozialen und ideologischen Aufgaben entstanden (vgl. Logwin 1984: 33f).

3.1. WÄHREND STALIN

Am 3. April 1922 kam Stalin zur Macht in der UdSSR. Im Dezember 1922 ist die Ukraine der Teil der Sowjetunion geworden. Es war eine schwierige Zeit für ukrainische Architektur und für die Ukraine allgemein. Stalin hat seinen Stil in der Architektur erschaffen und zwar der Sozialrealismus (vgl. Tscherkes, Hofer 1995: 79).

Laut Stalin, sollten die sowjetischen Städte Macht und Monumentalität darstellen. Die stalinistische Architektur war so eingerichtet, dass man beim Betrachten sowohl die Monumentalität der Architektur als auch die Stalins Macht fühlte. Die offizielle Ideologie der UdSSR war eine klassenlose Gesellschaft mit den gleichen Rechten und den Möglichkeiten für alle. Das Leben von den Arbeitenden musste sich in der UdSSR immer verbessern und die Regierung sollte dafür sorgen. In der Realität war die stalinistische Gesellschaft stark zentralisiert und litt unter Stalins Diktatur, die sich auf die Zwangsarbeit in verschiedenen Formen stützte. In diesem System fehlte die Rechtspflege und es fehlten staatliche soziale Programme, die eine Verbesserung des Lebens der Bevölkerung durchführen könnten. Hingegen galten ab Anfang der "Industrialisierung" Programme, die sich auf die Senkung des Lebensstandards und die Anstellung der Bevölkerung für Bauarbeiten der Militärindustrie fokussierten. Es wurden folglich viele Gebäude für das Militär eingeerichtet. Vieles deutet darauf hin, dass die stalinistische Architektur aus Blut und Repression hervorging. In der Ukraine wurde seit 1929 jedes Anzeichen von Opposition verfolgt und zerstört. 45 führende ukrainische Wissenschaftler wurden gezwungen umzusiedeln und wurden später erschossen. 200 ukrainische Schriftsteller wurden zu den Opfern des kommunistischeren Regimes. Von 1932 bis 1933 wurde in der Ukraine eine künstliche Hungersnot inszeniert. 7-10 Millionen Menschen fielen zu den Opfer. In dieser Atmosphäre des allgemeinen Schreckens entstand die stalinistische Architektur (vgl. Tscherkes, Hofer 1995: 80f).

Die Hauptstadt der UkrSSR war Charkiw. Erst am 24 Januar 1934 beschloss der 12. Parteitag der kommunistischen Partei der Bolschewisten in der Ukraine, dass die Hauptstadt von Charkiw nach Kiew verlegt wird. Direkt danach wurde ein Wettbewerb zur Gestaltung des Regierungszentrums ausgeschrieben. Der Bau des Regierungszentrums war auf einem Gebiet zwischen den zwei schönsten und ältesten Kirchen in Kiew vorgesehen. Die Kirche der Heiligen Sofia (1037-1044) und die Kirche der Heiligen Michael (1108-1113). Als Konsequenzen wurden im Jahr 1936 die Kirche der Heiligen Michael und das dazugehörige Kloster zerstört um Platz für das Regierungszentrum zu schaffen. Insgesamt wurden in Kiew aufgrund der sozialistischen Ideologie 32 Kirchen zerstört (vgl. Tscherkes, Hofer 1995: 82).

Zu den besten Werken dieser Zeit galten das Gebäude des Obersten Rats und das Gebäude des Ministerrates der Ukraine (vgl. Logwin 1984: 35). Das Gebäude des Ministerrats der ukrainischen SSR wurde in den Jahren 1935 -1937 vom russischen Architekten Fomin erschaffen. Das ist der größte administrative Bau Kiews und seine Fläche umfasst 235 000 m2. Der zentrale Gebäudeteil umfasst 10 Stockwerke und die Seitenteile 7 Stockwerke. Das Korridorsystem ist die funktionale Basis des Gebäudes. Das Gebäude ist ein typisches Beispiel seiner Zeit (siehe Abb.9).

Das zweite Gebäude gehört auch zum Symbole der stalinistischen Architektur aber man sieht schon die ersten architektonischen Unabhängigkeiten von sowjetische Regierung (Sehe Abb. 10). 1935 entwirft der Architekt Wladimir Zabolotnyj dieses Gebäude. Besonderer Teil des Gebäudes ist der Glaskuppel. Decken sind mit Malereien geschmückt und Fassaden mit den Wappen Stucken, was schon Elementen von ukrainischen Barock in stalinistischer Architektur zeigt. „Das Haus unter der Kuppel“ wird als ein klassisches Beispiel von ukrainischer sowjetischer Architektur bezeichnet (vgl. Logwin 1984: 418).

Trotz der Diktatur, hat die Ukraine die nationalen Stile in die stalinistische Architektur eingemischt und so hat die Ukraine seine Identität zurückbekommen. Die Architekten sind in die Richtung des Historismus gegangen, die den stalinistischen Realismus um einige Elemente des ukrainischen Barocks aus dem 18. Jh. und Motive der ukrainischen volkstümlichen Holzarchitektur erweitert haben. Die Vertreter des ukrainischen Stils waren Dmitry Dietschenko, Vasyliyj Kritschevsky und Aleksander Verbitzky. Trotz der Gefahr erschossen zu werden, haben die Architekten sein Stil weiterentwickelt und in der Ukraine verbreitet (siehe Abb.11). Der Gebäudekomplex der ukrainischen landwirtschaftlichen Akademie in Kiew wurde in Jahren 1925-1930 von Dietschenko erschaffen (vgl. Tscherkes, Hofer 1995: 83). Durch den Fassadenschmuck und die Einrichtung des Gebäudes ist sofort das ukrainischen Barock erkennbar. Dietschenko verwendet die funktionalen Prinzipien und zwar die bequemen Hörsäle, die mit dem Sonnenschein überflutet sind. Ein weiteres Beispiel bewies, dass Kiew seine Identität in die sowjetische Zeit nicht verloren hat, sondern mit der Zeit noch starker entwickelt hat.

Der höchste Punkt der Entwicklung des Sozialrealismus wird durch das Ensemble von der Kreščatik-Straße dargestellt (siehe Abb. 12). Die Kreščatik-Straße ist die Hauptstraße in Kiew, die im zweiten Weltkrieg komplett zerstört wurde. 1944 sofort nach der Befreiung der Stadt wurde der Wettbewerb zum Wiederaufbau der Kreščatik- Straße angekündigt, als der Krieg noch nicht zum Ende war. Die besten Ideen wurden im Jahr 1944 in die endgültigen Projekte entwickelt (vgl. Smolenska 2013: 106). Die 1,2 km lange Straße musste erneut gebaut werden. 22 Projekte wurden vorgeschlagen. Am Ende wurden die Architekten Vlasov, Dobrovolsky, Jelizarov, und Malinovski ausgewählt. Die Kreščatik-Straße ist eine Mischung zwischen den klassischen Sozialrealismus und mit den Elementen des ukrainischen Sozialrealismus. Durch den Fassadenschmuck und Folkloremotiven hat die Straße ihre nationale Identität bekommen (siehe Abb. 13). Es wird nicht nur durch die Keramikdekoration an der Fassade den ukrainischen Barock erkennbar, als auch durch die Balkonsollen die volkstümliche Holzarchitektur des 11. Jh. Volkskunst (vgl. Smolenska 2013: 107).

Die Architektur des Stalins endete mit dem Stalins Tod, ebenfalls genauso schnell und direkt, wie sie angefangen wurde. Am 5. März 1953 starb Stalin und zwei Jahren später wurde der Beschluss der Partei über den Wiederaufbau aus finanziellen Gründen gestoppt. Mit dem Stalins Tod fängt eine neue Etappe in die Architektur der Ukraine an, die mit dem Namen Nikita Chruschtschow verbündet ist (vgl. Tscherkes, Hofer 1995: 85).

3.2. WÄHREND CHRUSCHTSCHOW

Eine neue Phase in der Ukraine wurde mit den neuen architektonischen Aufgaben angefangen. Die Hauptaufgabe war die lakonische Verknüpfung von der Funktion des Gebäudes mit dem konstruktiven und pragmatischen System. Es wurde zur funktionellen Raumgestaltung fast genauso wie vor dreißig Jahren zurückgekehrt. Die hohen Wohnhäuser sind für die Bauweise diesen Jahren typisch (vgl. Logwin 1984: 35f).

Durch den Fiktionalismus wollte Chruschtschow die Baugeschwindigkeit und die Kostensenkung erreichen. 1954 sagte Chruschtschow in der einen Rede zur Allunions- Baukongress in Moskua folgendes: “Wir haben die Verpflichtung, deutlich an Geschwindigkeit zuzulegen, die Qualität zu verbessern und die Kosten zu senken!“. Durch die Mechanisierung wurde möglich die neue Bauweise einrichten, die als Plattenbau genannt wurde. Die ersten Plattenhäuser wurden in Frankreich nach dem ersten Weltkrieg gebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Plattenhäuser als eine Norm. Ausgehend davon kann man sagen, dass die Lösung der sowjetischen Regierung nicht überrascht war.

Es wurden verschiedene Baumaterialien bzw. Formen für diese Häuser verwendet: Besonders Betonplatten und Ziegel verliehen den Gebäuden ein getäfeltes Äußeres (siehe Abb.14). Wegen der schnellen Baugeschwindigkeit durch die bereits hergestellten Betonplatten, konnten in kürzester Zeit viele solcher Häuser errichtet werden. In solchen Häusern gab es keine hohe Decke, keine Aufzüge und weitere Kleinlichkeiten, die Platz wegnehmen konnten. Ganz oft wurden die Fassaden mit den weißen Mosaiken verkleidet. Alles wurde proportional gemacht, angemessen Fenster und Türen sowie Fassaden mit den Balkonen und Farbakzenten. Trotz der Chruschtschows Primitivität wurde die anderen architektonischen Werke von den ukrainischen Architekten gegeben.

Durch die Zeit wurde bewiesen, dass die Ukraine nicht nur östlich orientiert wurde, sondern es gab auch westliche Einmischungen wieder und wieder. Auch in die 70er haben die ukrainischen Architekten seine eigene Aussicht auf die Architektur und der Kulturpalast „Ukraine“ ist ein Beweis dafür (siehe Abb.15). Der Kulturpalast „Ukraine” ist im Stil Strukturalismus gebaut. Das war eine Antwort zum Fiktionalismus, der zurzeit in der Ukraine verbreitet war. Die Anhänger des Strukturalismus suchten verschiedene Wege für die Absage der funktionalistischen Primitivität, trotzdem wollten die Anhänger des Modernismus in der Architektur erhalten. Der Kulturpalast ist ein typisches Beispiel der Architektur von 70er Jahren (vgl. Logwin 1984: 418f).

Nach der Unabhiingigkeit hat die Ukraine sich, so wie alle anderen europiiischen Lander, entwickelt. Es gab verschiedene modeme architektonische Merkmale, die durch ganze Europa gegangen sind und haben sich in allen Lander eingemischt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
USSR. Die Stadtidentität von Kiew im Wandel
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
30
Katalognummer
V456500
ISBN (eBook)
9783668868410
ISBN (Buch)
9783668868427
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Autorin dieser Arbeit ist keine "Deutsch-Muttersprachlerin". Bitte haben Sie Verständnis für grammatikalische Fehler und Uneinheitlichkeiten im Ausdruck.
Schlagworte
Stadtidentität, Slavistik, Ukarine, Kunst, Architektur, USSR, Kiev
Arbeit zitieren
Renata Babitseva (Autor), 2017, USSR. Die Stadtidentität von Kiew im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456500

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