Bildnisse russischer Adliger des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts


Seminararbeit, 2018

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Rechte der Adliger des späten 18. und frühen 19 Jahrhunderts

2. Die Besonderheit des russischen Porträts

2.1 Fëdor Stepanovič Rokotov

2.2 Dmitrij (Dmitro) Grigorovič Levickij

2.3 Vladimir Lukič Borovikovskij

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Kunst ist wichtig für das kulturelle Leben des Menschen. In Russland bildeten die Kunst und ihre Entwicklungen von Anfang an einen wichtigen Teil der Land- und Kulturentwicklung. Die russischen Künstler dieser Zeit haben sich sehr eng mit der Welt Kunst verbunden. Trotz dessen sind die Kunstentwicklungen in Russland mit einer Verzögerung eingekommen. Der Grund für so eine Besonderheit für russische Kunst kommt wegen des Überfalles des Russlands von den Tataren im 13. Jahrhunderts. Infolgedessen musste die russische Bevölkerung seine ethnischen Wohnsiedlungen verlassen und in Norden weiter von Byzanz umsiedeln. Unter solchen Ständer haben die Russen keine Möglichkeiten zu der Weiterbildung. Die russische Kultur hatte lange Zeit keinen Bezug zu Balkan und Byzanz, was frühere als entwickeltes Territorium galt. Trotzdem wurde die russische Kunst mit seinen Wegen weitere entwickelt und besondere Merkmale, durch Verstärker Glauben den Russen dieser Zeiten, aufgenommen1. Z. B. die stark geprägte Ikonenmalerei.

Der besondere Zeitpunkt für die russische Malerei war das Ende des 17. Jahrhunderts und der Anfang des 18. Jahrhunderts. Dieser Zeitraum war ein Wendepunkt für die russische Malerei: Anstatt der Ikonenmalerei nimmt die führende Position in Russland weltlicher Malerei. Obwohl die weltlichen Malereien parallel mit Ikonenmalerei entwickelt würden, war die nie so populär und bekannt wie in dieser Zeit. Es würde so genannte säkularen Bilder angefertigt, bei denen sind die Herrscher an der Ikonen abgebildet unter bestimmten Ikonen-malerischen Gesetzen.2 Z.B. das Bild musste entsprechenden Gesichtsstruktur und Symmetrie haben und an dem Holtz gemalt sein. Man kann meine die solche Darstellung sind auch einen Anfang für eine weltlichen Malerei.

Ab dem Anfang des 18. Jahrhunderts konzentrieren sich die Maler auf das Porträt Genre. Dies betrifft das Malen des Porträts selbst, und zwar wird die Darstellung des Porträts immer mehr realistisch. Neben dem Porträt Malerei entwickelte sich auch die Genremalerei, Historienmalerei, religiöse Malerei und seit etwa 1860 um die Künstlervereinigung Peredvizhniki.3

Im Laufe der Entstehung der Grundlagen für die Aufklärungskultur, hat die Reformtätigkeit des Peters I. für die Entwicklung der Malerei als Gesellschaftskunst eine erzieherische und belehrende Rolle geführt. 1702 wird folgender „Ukas“ veröffentlicht, in dem wird die Anwerbung ausländischer Fachleute nach Russland gefördert. Es wurden verschiedener Belohnungen und Dienstpflichten ausgeschrieben und gute Bedingungen für die Ausländern gegeben. Neben Fachleuten sind auch Kunstmaßnamen nach Russland gekommen. In dieser Zeit ersteht so ein Begriff, wie „Russica“, infolgedessen versteht man die Kunst der Ausländer Russland im 18 -19 Jahrhunderts. Dieser Künstler waren erste Durchgänger und Entwickler der ersten weltlichen Etappe in der Geschichte russischer Kunst. Als Lehrer von dem neuen wachsenden russischen Künstler schufen sie der stabilen Plattform für eine selbständiger nationale Kunst.4

Noch einen wichtigen Faktor in der Entstehung des Porträts, als vollständiger Genre in Russland, spielt die Auslandsstudium der Künstlern, bzw. die eine Gruppe von Künstler, die Peter der Große im Jahr 1716 zu Studienzwecken und Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten als Porträtmaler ins Ausland geschickt hatte.5 Die Maler des ersten Viertels des 18. Jh. haben ideologieverbreitende und aufklärerische Funktionen ausgeführt. Die Zeit der Weiterentwicklung der Porträtmalerei führte zur Entdeckung neuer Mittel der künstlerischen Ausdruckskraft.

Die vorliegende Hausarbeit verfolgt das Ziel, sowohl durch eine genaue Beschreibung von verschiedenen Porträten das Standbewusstsein, die Bildung und das Gefühl auf den Porträts zu entdecken, als auch die Maltechnik, bestimmter Bildkomposition und Farbenkomplexität zu beschreiben.

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie genau und durch welches Mittel die vorliegenden Aspekte (Standbewusstsein, Bildung, Gefühl) die Maler Levickij, Borovikovskij und Rokotov wiedergegeben haben und durch welches Bildkonzept (Intimität und Parade) es möglich sein könnte.

Die Hausarbeit fängt mit der Erläuterung der politischen und alltäglichen Situationen der Adliger im 18. und 19. Jahrhundert an. Die Rechte und Aufgaben des Adels werden ausführlich vorgestellt und zusammengefasst. Die historischen Aspekte ergeben wichtige Gründe über die Entstehung des Porträts als selbstständige Gattung.

Die folgenden Kapitel beschäftigen sich mit der Porträtgeschichte, und zwar die Besonderheiten des russischen Porträts und warum es in der Weltkunst eingenommen und akzeptiert wird.

Außerdem wird es überlegt, welchen westlichen Einfluss das russische Porträt hatte und wie es im Folgenden als zur russischen Besonderheit geworden ist. Das Wissen über die Porträtcharakteristik und die Regel für das Porträtmalen dieser Epoche werden zusätzlich dargestellt.

Die Unterkapitel des zweiten Kapitels dienen der Zwecke der Bildbeschreibung der Porträts. Hinzu werden die drei vorragenden Maler, die die Geschichte des russischen Porträts geschrieben haben, dargestellt. Folgende Fragen werden beantwortet: welche Besonderheiten und Maltechnik die Maler für ihre Ziele verwendet haben, und wie diese gekennzeichnet sind. Mithilfe der Unterkapitel wird das Hauptziel der Arbeit erreicht und die Hauptfrage der Arbeit beantwortet. Im Fazit werden alle folgenden Schlussfolgerungen zusammengefasst und dargestellt.

1. Die Rechte der Adliger des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts

Im 18. Jahrhundert war Katharina II. an der Macht. Traditionell nennt man die Zeit Katharinas II. als „die russische Epoche der Aufklärung“ oder „die goldene Zeit des russischen Adels“. Das Russische Reich in der Zeit der Katharina II. wurde nicht nur wegen der Eroberung neuer Territorien berühmt, sondern auch dank mehrerer außenpolitischen Siege. Allerdings begann die Steigerung der innenpolitischen Probleme.6

Der adelige Stand konnte die Epoche der Regierung Katharina II. für die Periode der Blüte halten. Die Adelsstände haben die Bestätigung schon vorhandener Privilegien und die neuen Rechte bekommen, trotz der Schaden für die Bauern. Sie hat die Rechte für Adliger überarbeitet, die „Gnadenurkunde“ hieß. Ab jetzt waren die Adligen nicht mehr verpflichtet, den militärischen Dienst zu tragen, sie verfügten ebenfalls über grenzlose Macht über die Bauern. Die „Gnadenurkunde“ wurde im Jahr 1785 erneut.7 Durch diese Urkunde hat Katharina II. die Adligen vom obligatorischen Dienst befreit, die körperlichen Strafen aufgehoben, sowie sie mit neuen Privilegien beschenkt. Die erste Version dieser Urkunde hat Peter III. im Jahr 1763 unterschrieben, jedoch hat Katharina II. sie als unvollständig genannt und hat die erneute Version nach mehr als 20 Jahren ausgegeben.8

Die „Gnadenurkunde“ hat die rechtliche Konsolidierung dieser Schicht beendet, die von Peter dem I. begonnen wurde (die Verordnung über das Anerbenrecht). Der Adel, wie auch die übrigen Schichten, war dem Peter I. vollständig unterstellt, der Adel konnte nämlich seine Entscheidungen über außerpolitische und innenpolitische Fragen nicht beeinflussen. Die notwendigen Dienste für Adlige erhielten folgende Aufgaben, z. B. das Bildungserhalten und regelmäßige vorgeschriebene Steuerzahlungen. Mit dieser Reform strebte Peter der I. nach der maximalen Rückerstattung von Privilegien der Adliger.9

Die Urkunde der Katharina II., gleich nach dem Manifest Peters III., hat den Adligen die Möglichkeit der Entwicklung ihrer schöpferischen und Verwaltungsfähigkeiten gegeben. Die Adligen konnten sich als reale gesellschaftliche Triebkraft empfinden. Leider hat der Großteil des Adelstandes diese Umgestaltungen als „komplette Freiheit“ wahrgenommen, was aktiv in der Strömung einiger folgenden Generationen überging. Die Adligen haben sich vom „einfachen“ Volk stärker entfremdet und sie waren am Ende nicht fähig, den Staat zu kontrollieren, was zu den Ereignissen 1917 geführt hat.

Die Bauern haben sich ins rechtlose Vieh verwandelt: Sie konnten verkauft, für Schulden zurückgegeben und verspielt werden. Die gegebenen Rechte haben für die Adligen mehr Freiheit für ihre Hobbys und Interessen geöffnet. Mit diesem Privileg und der Tatsache, dass Bauern in der Leibeigenschaften waren, konnten die Adligen sie für ihre Willen benutzen.

Katharina II. hielt ihre Gesetzte für Adligen als höhere Spitze der Innenpolitik, obwohl es umstritten ist. Allerdings wurde das kulturelle Leben des Russlands dank ihrem Gesetzt weiterentwickelt und mit Hilfe von Adligen Russland auf die höhere Position in der Welt gebracht.

Trotzt vorliegenden negativen Aspekte für inneren Politik dieser Zeit, hat die oben genannte Urkunde auch eine Anregung für die Entwicklung der weltlichen Porträtmalerei gemacht. Der Adliger haben mehr Aufmerksamkeit auf seine Hobbys und Willen gegeben, dadurch bestimmte Richtungen weiterentwickelt. Man muss erinnern, dass auch vieler russischer Maler erst in der Leibeigenschaften waren und nur den Adel bat für denen, die Möglichkeit sich in diesen Bereich auszubilden. Auch in der Einleitung erwähnte Politik vom Peter der Großen hat woher die Interessen für die Kunst bei Adliger geprägt und vieler Lehrer aus Europa nach Russland eingeladen, die seine Fähigkeiten weiter zu russischen Maler gegeben haben.

2. Die Besonderheit des russischen Porträts

Das Porträt ist ein von den schwierigsten Genres in der Malerei. Der Maler muss nicht nur eine Abbildung schaffen, sondern auch die Gefühle des Porträtierten ausmalen. Die weltliche Porträtkunst kam nach Russland aus Europa, allerdings war im damaligen Russland eine Art des Porträts zu finden – Parsuna. Mit Parsuna nennte man die Ikonenmalerei, nämlich den schon obengenannten säkularen Bildern.10 Porträtierte wurde auf dem „Parsuna-Porträt“ mit den Techniken der Ikonenmalerei vorgestellt. Parsuna kann als Tafeln verstehen, auf welchen der Rang und sozial Stellung durch die Abbildung verzeichnet sollte.11 Parsuna dient als eine von Grundlagen der russischen Porträtkunst. Das Schattenspiel und Hell- Dunkel Kontrast sind die gebliebenen Merkmale der parsuna- Bilder im russischen Porträt dieser Zeit. Der parsuna- Bilder und das Porträt wurden trotzt Zeit immer parallel weiterentwickelt. Es wurde auch immer die Rückwendung in der Kunst zur Tradition offensichtlich. Z. B. in mache Frauenbildnissen, wo die Formen nach parsuna- Bild von der Elizabeth Petrovna gemacht wurde.12

Infolgedessen sieht man, dass die Ikonenmalerei das russische Porträt stark beeinflusst, dadurch wurde auch der Humanismus13 in der russischen Porträtmalerei wichtiger als Ästhetik. Der Humanismus in der russischen Malerei wurde anders als in der westlichen Kunstwelt dargestellt. Der Mensch im Porträt ist nicht nur eine naturalistische Abbildung, sondern auch seine innere bzw. geistige Welt steht im Zentrum des Porträts. So eine Entwicklung kann wegen russischer Gläubigkeit erklären.

Seit Altrussland wurde bei russischem Volk ein besonderes Gefühl zur Religion entwickelt. Früher war es besonderes gut in den Ikonen zu sehen. Die Religion hat in Russland einen sehr großen Einfluss, sie prägte die moralische Erziehung und Gesetze, d.h. besagte Religion, was für Menschen wichtig sein muss. In neuer Zeit wurde dies alles durch das Porträt widergespiegelt, und zwar die ästhetischen Idealen und die moralische Erziehung. Die inneren Erinnerungen eines Menschen stehen im Zentrum der Kunst und Literatur, und der Grund dafür ist die moralische und religiöse Erziehung des russischen Volkes. Die Historiker deuten darauf hin, dass man durch das russische Porträt die russische Seele und Menschen sehen kann und mit denen bestimmte Gefühle teilen. Der russische Humanismus im Porträt hat auch einen großen Einfluss auf die Literatur: Das Porträt wurde nicht nur als künstlerische Mittel vorgesehen, sondern viele Schriftsteller haben vom Porträt seine Helden abgeschrieben. Viele Schriftstellen konnten vom Porträt ein komplexes Bild einer historischen Person übertragen.14

Für einen Maler ist das Porträt ein Dialog zwischen ihm und dem Porträtierten. Die russischen Künstler haben sehr große Aufmerksamkeit auf die Mimik und den Augenblick der Porträtierten gerichtet. Die Zeit der Katharina II. war für Maler besonders erfolgreich. In der Zeit des Peters der I. wurden die Maler im Ausland ausgebildet, während bei Katharina II eine große Kunstschule gegründet wurde. Die neue Generation der Mater haben schon in Russland ihre künstlerischen Fähigkeiten entwickelt, allerdings wie genannt, wurde die alte Parsuna-Schule nie vergessen.

Der Zeitraum zwischen 1760- 1780 ist der Wendepunkt für das russische Porträt aufgrund eines Stillübergangs (der Übergang zum Klassizismus), außerdem hat die alte westeuropäische Schule ihre Macht in Russland verloren. Hinzu entstand ein neuer nationaler Porträtstil, der keine anderen Prototypen hat.15 Auch die Porträtcharakteristik hat sich geändert: Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts waren am meisten verbreiteten Porträtarten das Kammer- und Paradeporträt, dann ab Ende des 18. Jahrhunderts stoßen solche Darstellungsarten vor, wie die Halbparade und die Intimität. Die Errungenschaften des russischen Klassizismus im Porträtgenre können am besten auf den Bildern von Fedor Stepanovič Rokotov, Dmitrij Grigor’evič Levickij und Vladimir Lukič Borovikovskij beobachtet werden. Es ist nicht so, dass die Maler nur in einer Stilrichtung gemalt haben, aber der Klassizismus wurde bei ihnen am meisten vorgesehen. Der russische Kunstkritiker, Literaturkritiker und Kunsthistoriker Erich Gollerbach16 sagte über Maler des Zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts folgendes:

„Vpervie v istorii russkogo portreta sumeli sozdat´portret kak konkretnoe voplotschenije duhovnosti. V ich portretah vpervie progljanula skvoz´sloj garmonitschno nalozhennyh krasok duscha tschelovetscheskaja, so vsemi ee radostjami i stradanijami, vo vsem ee mnagoobrazii.“17

Fedor Stepanovič Rokotov, Dmitrij Grigor’evič Levizkij und Vladimir Lukič Borovikovskij sind drei besonders strahlende Beispiele dieser Zeit. Diese Maler die glänzenden Porträtgalerien der Zeitgenossen schufen die Werke, die die Schönheit und Bildung, den Edelmut und die Bestrebungen des Menschen lobten. Das russische Porträt dieser Zeit kombiniert in sich große Tiefe und Bedeutsamkeit der Darstellung der menschlichen Persönlichkeit. Die Maler schufen die Innenwelt eines konkreten Menschen mit Hilfe verschiedener Maltechnik: die Farbkombination und Farbreflexen, ein reiches System der mehrschichtigen Farbauftragung und virtuose Nutzung der Faktur für farbenreiche Oberfläche.

2.1 Fëdor Stepanovič Rokotov

F.S. Rokotovs Werke bilden eine bezaubernde Seite der russischen Kultur. Über sein Leben ist nicht viel zu wissen, aber sein Talent hat ihm einen langen Weg aus der Leibeigenschaft zu einem Maler geöffnet. Schon in einem ziemlich reifen Alter wurde er dank der Hilfe von Grafs Šuvalov in die Akademie der Künste aufgenommen. Der alte Rokotovs Besitzer (Kamerger P.I. Repin) empfiehl Rokotov dem Kaiser Peter III. als Porträt-Maler für die ganze Familie. Seitdem hat Rokotov einen guten Ruf in der Adelschaft bekommen.18

Im Unterschied zu Levickij und Borovikovskij, die die Ikonen auch schrieben, malte Rokotov nie in dieser Kunstrichtung. Es gibt Meinungen, dass er in der Anfängerstufe seines Werdens als Maler keine Beziehung zu den Meistern-Ikonenmalern hatte. Niemand von den Forschern seiner Kunst hat die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, dass Rokotov kein Porträt von Priestern schrieb, während Levickij und Borovikovskij viele Vertreter der Kirche darstellten. In der Mitte des 18. Jahrhunderts arbeiteten in Russland viele ausländischen Meister. Unter deren Führung konnte man die Wissenschaft der malerischen Kunst erlernen. Einige Werke von Rokotov zwangen Vrangel, ihn als „blinde Tocqué19 Nachahmer“20 zu nennen. So eine Aussage wurde nicht ohne Grund verfasst. Von historischer Quelle wurde bekannt, dass Rokotov eigene Kopien von anderem Maler angefertigt hat. Z.B. das Bildnis von Katherina II., dass Lui Toqué gemalt hat. Oder auch Pietro Rotari21 gemalten Porträt von Katherina II. wurde auch von Rokotov als eine Kopie des Bildnisses angefertigt.22 Durch so eine Tätigkeit kann man vermuten, dass seine Maltechnik sehr eng mit einer westlichen Maltechnik verbunden ist. Bestimmte Prototypen von Paradebilder wurden übergenommen.

Seine frühen Werke die Porträts G.G. Orlov (1762-1763), J. B. Jussupova (1756-1761) bringen kulturellen Einfluss des Rokokostils auf seine Malerei hervor. Rokotov war der Erste, der die ästhetische Besonderheit des Menschen in einem intimen Porträt entwickelt und gemalt hat. Schon in den früheren Werken des Malers, z. B. im Porträt des Fürstens Pavel oder des Mädchens Jussupova u.a., kann man nicht nur eine perfekte Technik für die Übertragung des Äußerlichen sehen, sondern auch die innere und geistige Welt der Porträtierten. Rokotovs Werk strahlt in den Jahren, als der Maler seine Farben bereichert und verkompliziert hat, dadurch erreicht er eine vollständige, bedeutsame und aufgehobene Gestalt. Im späten Porträt betont Rokotov die Geistigkeit und die Vergeistigung des Dargestellten. Wie gewöhnlich konzentriert sich Rokotov ganz detailliert auf die Gesichter. Die Menschen sind in seinen Porträts fast immer mit einem Lächeln dargestellt. Nicht selten kann man auch einen starrenden oder geheimnisvollen Blick beobachten. Die Dargestellten vereinigen etwas allgemein Menschliches, jene innere Menschlichkeit und herzliche Wärme: Als ob die Dargestellte etwas zu sagen hätten, aber es verheimlichen. Dieser Aspekt ist seine Besonderheit - die bekannte künstliche Augenverlängerung und die mystisch lachenden Lippen. Was noch für diese Zeit besonders war, war das Wiederspiegeln der hohen moralischen Normen im Porträt, das dem ausgebildeten Teil des russischen Adels charakterisiert. Der Maler wollte den Menschen ohne Paradeumgebung und nicht posierend darstellen. Im Rokotovs Porträt kommt der schwere und feine geistige Zustand der Porträtierten durch malerische Abbildung dem Beobachter näher.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(F . Rokotov. Das Porträt Vasilij Maijkov 1760 J h .

Öl an der Leinwand. 60 x 47,8

Die staatliche Tretjakov- Galerie, Moskau.) (Abb.1)

Unter den Rokotovs Arbeiten hebt sich das Porträt Vasilij Majkov besonders herauf. In der Gestalt dieses Porträts werden hinter dem Scharfsinn und der Geist des talentvollen Dichters erraten. Es ist eine am meisten realistischen Arbeiten, die der Maler während seines Lebens schuf. Die Arbeit zieht davon heran, dass der Maler die Aufmerksamkeit des Zuschauers gerade auf die innere Komponente konzentriert hat. Erstens sind die fetten Lippen und die glänzenden Wangen des Porträtierten besonders auffallend, so dass die Zuschauer direkt den Gemalten als Gutsbesitzer erkennen können. Wobei verrät sein Lächeln über einigen Anteil der Grausamkeit und des Hochmuts. Hinzu kann man in seinen Augen einen gebildeten Menschen mit Verstand bemerken, der vor keinem Spotten oder Verachtung fürchtet. Vor dem Zuschauer entsteht der typische Adliger dieser Zeit.23 Majkov ist ein Autor der satirischen Poeme und ein Fabeldichter. Das große Gesicht leuchtet mit der Zufriedenheit des gewohnten Tages und dem Vergnügen des Neuen. Rokotov führt die aufmerksame Scharfsichtigkeit des Dichters vor, besonders seine Fähigkeit zur Ironie. In seinen Poemen und Oden findet man die wahre Darstellung damaliges Lebens.24

Die besondere Stelle nimmt die schöne Maltechnik ein, mit der der Maler ausgezeichnet zurechtgekommen ist. Die Struktur des Gesichtes, der Figur u.a. übrigen Details sind freihändig vom Maler sehr meisterhaft erfüllt. Die maximal sicheren Pinselstriche übergaben qualitativ das Flimmern der goldenen und roten Farbtöne. Trotz dieses Übergangs von der Farbkomplexität wird das komplette Bild feiner und raffinierte dargestellt. Besonders ist es zu bemerken, wie der Maler die seiden Spitze in Form des Spinngewebes vollkommen authentisch dargestellt hat. Es ist offenbar, dass der Maler in diesem Porträt auf die maximale Weise die Gestalt des Porträtierten näherbrachte, indem er in den Sumpf grüne Farbe zum roten Farbton gegenüberstellt. Gerade diese zwei Farben mildern sich miteinander sehr gut und der weiße Spitzenhemdkragen ergänzt nur ihre Flimmern.

Der Hintergrund des Porträts ist hell und verliert die geheimnisvolle Farbenkomplexität, was für Rokotov Stil gewöhnlich war. Es entsteht ein Gefühl, als ob das abenteuerliche Leben des Dichters im Hintergrund wiederspiegelt. Rokotov verwendet in dieser Arbeit die große Menge aller Schattierungen, dank den die Farben die glänzende Tiefe bekommen. Man sieht, wie der künstlerische Pinselstrich des Malers sehr wichtigen realistischen Sinn übernimmt, das gewisse lebenswichtige Zittern. Die emotionalen Eindrücke sind sehr gut übergeben. Mit diesem Porträt sagt uns der Maler, dass die erste Periode seiner Suche die Gipfel seiner Ziele war, außerdem waren die Aufgaben der Bildnisse erfolgreich erreicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(F. Rokotov. Das Porträt A.P. Strujskaja.

1772 Jh. Öl an der Leinwand. 58,8 x 47,5

Die staatliche Tretjakov- Galerie, Moskau )(Abb. 2)

An der Leinwand ist die zweite Frau Gutsbesitzers Strujskoj dargestellt, die junge Frau von achtzehn Jahren. Für Rokotov war diese Frau eine Verkörperung aller positiven weiblichen Charaktereigenschaften. Sie wurde für den Maler ein ideales Modell, weil sie als Person, historische vorgesehen, klug und höflich war.25 Was auch den Maler übertragen auf der Leinwand wöllte. Über dieses Porträt äußern sich die Kunstwissenschaftler als über: „[…] licach slovno voznikšich na zybkoj poverhnosti temnyh glubinych vod.”26 oder als: „[…] otroženijach v starinom tusklom zerkale, kotoroe udlinjaet figury, nejasno skradyvaet ich očertanija i zatumanivaet izobroženije ležaščim na poverchnosti stekla kolebljuščimsja matovym naletom.“27

[...]


1 (Vgl.) Lazerev, Viktor (1953): Tatarskoe igo i sud´by vladimiro-suzdal´skogo iskusstva. In: Igor´Grabar´ und Viktor Lazerev und Vladimir Kemenov (Hg.): Istorijs russkogo iskusstva. Moskau: Izdatel´stvo akademii nauk SSSR. S. 523f

2 (Vgl.) Napp, Antonia (2010): Russische Porträts: Geschlechterdifferenz in der Malerei zwischen 1760 und 1820. Köln: Böhlau. S. 31

3 Vetreter- Ilja Repin. Stileinrichtung ein sozialkritischer Realismus

4 (vgl.) Sugrobova, Olga (2000): Kunstgeschichte oder Ethnologie: über »russische« deutsche und »deutsche« russische Künstler in Rußland. In: Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaftten. kritische berichte. 28. Bd., H.2. S.83f

5 (Vgl.) guggenheim.or: The Early 18th Century: The Age of Peter the Great. Aboute this Work. URL:ghttps://www.guggenheim.org/arts-curriculum/topic/age-of-peter-the-great [Stand: 08.11]

6 (vgl.) Schippan, Michael (2012): Die Aufklärung in Russland im 18. Jahrhundert. Wiesbaden: Harrassowitz. S.354f.

7 (vgl.) Schippan, Michael (2012): Die Aufklärung in Russland im 18. Jahrhundert. Wiesbaden: Harrassowitz. S.356.

8 (vgl.) Sterligov, Andrej (1985): Portret v russkoj živopisi XVll- pervoj poloviny XlX veka. Moskva: Goznak. S.25f.

9 (vgl.) Alexander, Manfred/Stökl, Günther (2009): Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 7., überarb. u. aktual. Aufl. Stuttgart: Alfred Kröner. S. 319.

10 (Vgl.) Napp, Antonia (2010): Russische Porträts: Geschlechterdifferenz in der Malerei zwischen 1760 und 1820. Köln: Böhlau. S. 31

11 (Vgl.) Napp, Antonia (2010): Russische Porträts: Geschlechterdifferenz in der Malerei zwischen 1760 und 1820. Köln: Böhlau. S. 33

12 (Vgl.) Napp, Antonia (2010): Russische Porträts: Geschlechterdifferenz in der Malerei zwischen 1760 und 1820. Köln: Böhlau. S. 33f

13 Man muss den Begriff nicht mit Renaissance Zeit verknüpfen. In diesem Zusammenhang meinte der Begriff die Lehre, bei der der Mensch mit seinen inneren Werten und Emotionen im Mittelpunkt steht.

14 (vgl.) Sterligov, Andrej (1985): Portret v russkoj živopisi XVll- pervoj poloviny XlX veka. Moskva: Goznak. S.5-7.

15 (vgl.) Sterligov, Andrej (1985): Portret v russkoj živopisi XVll- pervoj poloviny XlX veka. Moskva: Goznak. S.21

16 (vgl.) Gollerbach, Erich (1923): Portretnaja živopis’ v Rossii XVIII veka. Moskou. S. 189

17 (vgl.) Sterligov, Andrej (1985): Portret v russkoj živopisi XVll- pervoj poloviny XlX veka. Moskva: Goznak. S. 24

18 (vgl.) Sterligov, Andrej (1985): Portret v russkoj živopisi XVll- pervoj poloviny XlX veka. Moskva: Goznak. S 27ff

19 Louis Tocqué - ein französischer Maler, der kurze Zeit in Russland wohnte und Elisabeth Petrovna malte.

20 Vrangel´, Nikolaj (1911): Inostrannye chudožniki XVIII veka v Rossii. In: Starye gody. H. 7-10, S. 18.

21 P i etr o Rotari- ein italienischer Maler ab Mitte des 18 Jahrhunderts arbeitete bei russischem Hof.

22 (Vgl.) Eršov, Michail (2008): Fedor Rokotov v krugu sovremennikov. In: Izvestija Uralskogo gosudarstvennogo universiteta. Gumanitarnye nauki 55. Jg., H. 15, S.109f.

(Abb.1) Sterligov, Andrej (1985): Portret v russkoj živopisi XVll- pervoj poloviny XlX veka. Moskva: Goznak. S. 58

23 (vgl.) nearyou.ru: Portret V.I. Majkova. URL: http://nearyou.ru/rokotov/1maikov.html [Stand: 02.08]

24 (vgl.) Sterligov, Andrej (1985): Portret v russkoj živopisi XVll- pervoj poloviny XlX veka. Moskva: Goznak. S 57

(Abb. 2) Sterligov, Andrej (1985): Portret v russkoj živopisi XVll- pervoj poloviny XlX veka. Moskva: Goznak. S. 59

25 (vgl.) Nearyou.ru: F. Rokotov. Portret A.P. Strujskoj. URL: http: //www.ne aryou. ru/ rok ot ov /1St ruis ka 2. ht ml [Stand: 10.08]

26 Alekseeva, Tatjana (1975): Vladimir Lukič Borovikovskij i russkaja kul’tura na rubeže 18-19 vekov. Moskou. S. 63

27 Pospelov, Gleb (1968): Russkij intimnyj portret vtoroj poloviny XVIII- načala XIX veka. In: Gleb, Pospelov (Hrsg.): Russkoe iskusstvo XVIII veka. Moskou: Materialy i issledovanija. S. 243.

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Details

Titel
Bildnisse russischer Adliger des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V456564
ISBN (eBook)
9783668869875
ISBN (Buch)
9783668869882
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russistik, Porträt, Bildende Kunst, 18-19, Slavistik, Kultur, Malerei
Arbeit zitieren
Renata Babitseva (Autor), 2018, Bildnisse russischer Adliger des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456564

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