Die gesellschaftliche Bedeutung der Mutter in Deutschland


Bachelorarbeit, 2018

50 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis 1

I. Gesellschaftliche Relevanz

II. Theoretische Rahmung

2.1. Stereotypisierung

2.2. Gesellschaftliche Sozialisation

2.3. Geschlechtsspezifische Sozialisation und Stereotype

2.4. Wirtschaftliche und politische Maßnahmen

III. Entwicklung des weiblichen Rollen- und Mutterbildes

3.1. Traditionelles Rollenverhältnis

3.2. Modernes Rollenverhältnis

3.3. Sozialer Wandel von Familie

IV. Die moderne Mutter

4.1. Wandel von Elternschaft und Kindheit

4.2. Rückblick: Die ‚gute‘ Mutter

4.3. Institutionelle Absicherung von Müttern

V. Auswirkungen der familienpolitischen und theoretischen Faktoren auf die Mutterrolle

VI. Schlussfolgerung und Beantwortung der Forschungsfrage

Anhang - Die Zufriedenheit von Männern und Frauen

Literaturangaben

I. Gesellschaftliche Relevanz

„Was muss die Frau sein? Sie muss topmodelmagerschlank sein, sie muss Kinder wollen, und sie muss sie im richtigen Moment wollen, also nicht mit 20, aber auch nicht mit 40. 20 ist zu früh, 40 zu spät. Sie muss also die richtige Anzahl Kinder mit dem perfekten Mann zum richtigen Zeitpunkt kriegen. Die richtige Anzahl, das ist nicht eins, das wäre ego, aber auch nicht fünf, das wäre assi. Wenn sie dann Kinder hat, muss sie arbeiten, Karriere machen– selbstbewusst sein, aber nicht als Emanze, feministisch organisiert, aber nicht verbissen, und vor allem: gut drauf. Und während sie Karriere macht, darf sie keine Rabenmutter sein, und während sie zu Hause ist, muss sie trotzdem Karriere machen, sie muss weiter topmodelmagerschlank sein, man darf ihr die Kinder, die sie gekriegt hat, nicht ansehen. Ihrem Partner muss sie außerdem Liebhaberin, Mutter, beste Freundin, alles auf einmal sein, und den Stress, den sie dabei hat, den DARF MAN NIEMALS SPÜREN!“ (Schroeder 2017: 7; Herv.i.O.)

‚Frauen. Fast eine Liebeserklärung‘ ist das 2017 erschienene Buch des Kabarettisten und Philosophen Florian Schroeder. Bereits im Januar 2016 sprach er in der ‚NDR Talk Show‘ mit Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt über gesellschaftliche Erwartungen an die moderne Frau und Mutter. Binnen 50 Sekunden brachte er mit viel Humor seine Untersuchungen auf den Punkt (s. oben).

Die Gäste der Talk Show applaudierten, jubelten, nickten zustimmend und waren amüsiert. Schöneberger kommentierte: „Du verstehst uns! Endlich!“ (NDR Talkshow 2016). Auf der Sendereigenen Facebookseite wird das Video mit der Unterschrift „[…] was von Frauen heute alles erwartet wird. So lustig und leider so wahr. […]“ (NDR-Talk Show 2016: Facebook) gepostet. Bis heute (Stand: 13.07.2018) wurde das Video über 16 Millionen Mal angeschaut und über 207.000 Mal geteilt (vgl. ebd.).

Doch woher kommt diese positive Resonanz? Stehen Frauen in der heutigen Zeit wirklich unter diesem enormen und ambivalenten Druck wie Schroeder ihn beschreibt? Müssen Frauen Mütter werden? Wie werden Mütter staatlich unterstützt und was macht eine ‚gute Mutter‘ aus? Diese aufgeworfenen Fragen gilt es in der vorliegenden Arbeit zu beantworten, daher ergibt sich folgende Forschungsfrage:

Welche Auswirkungen hat die familienpolitische Sozialisation auf moderne Mütter in Deutschland und welche Erwartungen werden an sie gestellt?

Der Fokus soll auf der modernen Mutterrolle liegen, um ein reflektierendes Ergebnis aufstellen zu können, welches zur Beantwortung der Frage führen soll. Um das Thema weiter einzugrenzen, werden vorherrschende Erwartungen des gesellschaftlichen Mainstreams dargestellt und analysiert, da eine Unterscheidung zwischen gesellschaftlichen Millieus und Strömungen sowie in der Sexualität zu weit führen würde.

Die Norm der ‚guten‘ Mutter ist ebenso wandelbar, wie das weibliche Rollenbild. Daher ist Mutterschaft ein soziales Phänomen, das, je nach Gesellschaftsform, variiert. Wie viel Zeit Eltern mit ihren Kindern verbringen, welche Erziehungsstile bevorzugt werden oder inwieweit Familie und Beruf vereinbar sind, hängt von der Gesellschaftsform ab. (Vgl. Textor 2013 zit. nach Tolasch 2015: 44) Daher ist es unerlässlich zunächst einen historischen Rückblick zu bieten, der die Entwicklung vom traditionellen zum modernen Rollenverhältnis darstellt. Anschließend muss in diesem Zusammenhang der Wandel von Elternschaft und Kindheit dargestellt werden. Laut einer Studie stehen Eltern heute unter enormen Druck. Kinder bedeuten heute nicht mehr nur Sinn und Glück, sondern auch vielfache Spannungen und oft ein Gefühl von Ungenügen. (Vgl. Henry-Huthmacher 2008: 23)

Früher waren viele Kinder und damit eine hohe Geburtenanzahl pro Frau Normalität, um einen Fortbestand der eigenen Familie zu gewährleisten. Dadurch waren bis zu zwanzig geborene Kinder in einer Ehe nicht ungewöhnlich. Oft überlebten aber nur ein Viertel oder ein Drittel der zur Welt gebrachten Kinder, weshalb ein Unterschied zwischen der Geburten- und Kinderzahl bestand. Im Laufe der Jahrzehnte erzielte die medizinische Forschung Fortschritte, die das Leben der Menschen verlängerte und die Sterblichkeit von Neugeborenen verringerte, sodass die Zahl der Lebendgeburten stieg und die Geburtenzahl wiederum sank. (Vgl.: Eggen/Rupp 2008)

Doch bevor der Fokus auf die moderne Mutter gelegt werden kann, ist ein einleitender theoretischer Rahmen unabdingbar. Hierfür sollen zunächst die soziologischen Begriffe der ‚Geschlechterstereotype‘ sowie der gesellschaftlichen und der geschlechtsspezifischen ‚Sozialisation‘ behandelt werden. Die weibliche Sozialisation beginnt mit dem obligatorischen Satz ‚Es ist ein Mädchen‘. Das Neugeborene bekommt Puppen und rosafarbene Kleidung geschenkt. Fortan lernt es, was von ihm als Mädchen und Frau erwartet wird. (Vgl. Collien und Nüthen 2014)

Neben den theoretischen und studienbezogenen Inhalten soll ein ebenso bedeutender Bezug auf die wirtschaftlichen und familienpolitischen Maßnahmen genommen werden. Hierzu zählen unter anderem das Mutterschutzgesetz, das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz sowie das Kindergeld. Daran anschließend sollen in einem Analyseteil die Auswirkungen der beschriebenen theoretischen, wirtschaftlichen und familienpolitischen Faktoren auf die moderne Mutter analysiert werden.

II. Theoretische Rahmung

Um die aufgestellte Forschungsfrage beantworten zu können, ist es von Bedeutung eine theoretische Grundlage zu schaffen, auf der die Analyse der Arbeit aufbauen soll. Schroeder spricht von gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und Mütter der Gegenwart (vgl. Kapitel I). Doch wie entstehen gesellschaftliche Erwartungen und welche werden aus soziologischer Perspektive an die Menschen und insbesondere Frauen gestellt? Um diese Fragen zu beantworten, sollen im Folgenden die Theorien der ‚Stereotypisierung‘ und der ‚Sozialisation‘ dargestellt und in einleitender Form auf die wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen der Gegenwart bezogen werden.

2.1. Stereotypisierung

Stereotype sind „kategoriegestützte Kognitionen“ (Eckes 2008: 178), die Erwartungen über das Verhalten und Wesen von bestimmten Gruppierungen definieren. Sie sind nicht von Prozessen der Stereotypisierung zu unterscheiden. Diese umfasst die Anwendung stereotypgestützten Wissens auf konkrete Personen. Das bedeutet, dass es einen Unterschied darstellt, ob jemand über Stereotypwissen verfügt oder ob dieses Wissen in einem bestimmten Kontext angewandt wird. Dies betrifft insbesondere die Geschlechterstereotype, die die charakteristischen Merkmale von Frauen und Männern enthalten. Geschlechterstereotype gehören einerseits zum individuellen Wissensbesitz, andererseits bilden sie die Basis eines konsensuellen, kulturell geteilten Verständnisses der typischen Geschlechtermerkmale. Daher muss eine umfassende Analyse sowohl die individuellen als auch die konsensuellen Stereotype und ihre jeweiligen Wirkungen berücksichtigen. (Vgl. ebd.)

Typische Eigenschaften, welche häufiger Frauen zugeschrieben werden, sind Wärme, Expressivität, Femininität und Gemeinschaftsorientierung. Hingegen werden Männer mit Kompetenz, Instrumentalität, Maskulinität und Selbstbehauptung charakterisiert. (Vgl. ebd.) Wie die genannten stereotypen Eigenschaften zustande kommen soll nun an zwei Ansätzen verdeutlicht werden. Zum einen an der rollentheoretischen Perspektive nach Eagly (1987/2000) und zum anderen an Fiskes ‚Stereotypinhaltsmodell‘ (1998/2002):

Nach Eaglys Theorie der sozialen Rollen tendieren Menschen zur Annahme, dass Frauen und Männer diejenigen Merkmale aufweisen, die für ihre Familien- und Berufsrollen typisch sind (vgl. Eagly 1987/2000 zit. nach Eckes 2008: 179f.). Das bedeutet, dass die weiblichen Stereotype Wärme und Expressivität aus der überwiegend ausgeübten Hausfrauenrolle beziehungsweise ihrer beruflichen Rolle mit einem eher niedrigen Status (beispielsweise Krankenschwester) resultieren, während die männlichen Stereotype Kompetenz und Instrumentalität folglich aus der überwiegenden ‚Ernährerrolle‘ beziehungsweise ihrer beruflichen Rolle mit einem eher hohen Status (beispielsweise Manager) hervorgehen. Zusammengefasst bedeutet dies, dass Menschen vom beobachteten Rollenverhalten unmittelbar auf die Eigenschaften der Rolleninhaber schließen. (Vgl. Eckes 2008: 179f.)

Eine andere Theorie ist das sogenannte ‚Stereotypinhaltsmodell‘ nach Fiske. Demnach sollen Stereotype einerseits nach dem relativen Status der eigenen Gruppe (hoch oder niedrig) und andererseits nach der Abhängigkeit zwischen den Gruppen (kooperativ oder kompetitiv) bestimmt werden. Eine kooperative Abhängigkeit wird als positive Korrelation der Handlungsergebnisse zwischen den Gruppen verstanden. Das bedeutet, dass beide interagierenden Gruppen ein positives Ergebnis erlangen (‚gewinnen‘). Hingegen wird unter der kompetitiven Abhängigkeit eine negative Korrelation der Handlungsergebnisse verstanden. Das bedeutet, dass eine Gruppe ‚gewinnt‘, während die andere ‚verliert‘. (Vgl. Fiske 1998/2002 zit. nach Eckes 2008: 180)

Für die genannten stereotypen Eigenschaften bedeutet diese soziokulturelle Hypothese, dass der relative Status die Kompetenzdimension einer Gruppe bestimmt. Gruppen mit einem hohen Status werden demnach als kompetent und solche mit niedrigem Status als inkompetent eingeschätzt. Die Wärmedimension wird durch die Art der Interdependenz bestimmt. Kooperative Gruppen werden als warmherzig und unbedrohlich für die eigenen Gruppenziele eingeschätzt. Kompetitive Gruppen hingegen als kaltherzig und bedrohlich. Das bedeutet, dass das traditionelle Frauenstereotyp, aus Sicht des Stereotypmodells und unter Berücksichtigung eines häuslich-familiären und partnerschaftlichen Kontextes, eine Kombination aus einem relativ niedrigen sozialen Status‘ und einer kooperativen Abhängigkeit (Warmherzigkeit) mit Männern zustande kommt. Umgekehrt ergibt sich das Männerstereotyp, unter Berücksichtigung des beruflichen Kontextes, aus der Kombination eines relativ hohen sozialen Status‘ und einer kompetitiven Orientierung (Kaltherzigkeit) gegenüber Frauen. Demnach ist die Interdependenz zwischen Frauen und Männern ausschlaggebend für die deskriptiven und präskriptiven Anteile der Geschlechterstereotype. (Vgl. Eckes 2008: 180)

Die deskriptiven Anteile beschreiben die traditionellen Annahmen über die Eigenschaften und Verhaltensweisen von Frauen und Männern. Demnach ‚sind‘ Frauen verständnisvoll und emotional, Männer ‚sind‘ dominant und zielstrebig. Werden diese Annahmen nicht erfüllt, folgt typischerweise Überraschung. Die präskriptiven Anteile umfassen die traditionellen Annahmen darüber, wie sich Frauen und Männer verhalten sollen. So ‚sollen‘ Frauen einfühlsam sein und Männer ‚sollen‘ dominieren. Auf eine Verletzung präskriptiver Annahmen resultiert in der Regel Ablehnung oder Bestrafung. In beiden Fällen ist zu beachten, dass Verletzungen der stereotypen Erwartungen nur selten zu einer Änderung der Stereotype führen; sie sind in hohem Maße änderungsresistent. (Vgl. ebd.: 178) Allgemein kommen Stereotypen präskriptive Funktionen dann zu, „wenn in einem stabilen sozialen System Gruppen mit höherem Status von Gruppen mit niedrigerem Status abhängig sind“ (ebd.: 180). Letztlich sind es eben diese Verhaltensvorschriften, die die gesellschaftliche Geschlechterhierarchie aufrechterhalten und stabilisieren. (Vgl. ebd.)

Beide Ansätze, die rollentheoretische Perspektive und die Intergruppenperspektive, sind nicht ausschließlich als reziprok zu verstehen, sondern vielmehr als eine Reihe konzeptioneller Berührungspunkte, die eine Formulierung als allgemeine und integrative Theorie, der Inhalte von Geschlechterstereotypen, möglich und lohnend erscheinen lässt. (Vgl. ebd.)

Festzuhalten ist, dass Menschen bestimmte Eigenschaften durch ihre Rollen in Familie und Beruf zugeschrieben bekommen. Das Stereotypmodell charakterisiert die Rolle der Frau als warmherzig und unbedrohlich für die eigenen Gruppenziele. Weitere stereotype Klischees für Frauen sind Sensibilität, Vorsicht und Emotionalität. Außerdem sind sie liebevoll und kümmern sich öfter um die Belange anderer Menschen. (Vgl. Rich Harris 2000: 333f.) Treffen diese Eigenschaften in der Realität nicht zu, werden Betroffene im schlimmsten Fall abgelehnt oder bestraft.

2.2. Gesellschaftliche Sozialisation

Die Vermittlung sozialer Normen, Wertevorstellungen und Rollenerwartungen erfolgt in einem Prozess, den die Soziologie als ‚Sozialisation‘ bezeichnet. Der Begriff Sozialisation geht über den klassisch pädagogischen Begriff der Erziehung hinaus. Erziehung erfolgt durch absichtsvolle und bewusst geplante Handlungsschritte der Eltern und Lehrer. Ziel hierbei ist die positive Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Sozialisation hingegen umfasst den Vorgang der Erziehung und darüber hinaus auch jene ungeplanten Lernvorgänge, die sowohl für Kleinkinder, als auch für Erwachsene persönlichkeitsprägend sind. (Vgl. Henecka 2015: 88f.)

Dass der Mensch durch seine Umwelt geformt werden kann, ist Voraussetzung funktionierender Erziehung und daher keine exklusive Erkenntnis der Sozialwissenschaften. Erst wenn prägende Einflüsse dort entdeckt werden, wo zunächst keine vermutet, wird die soziologische Perspektive interessant. Denn nun ist es möglich, weitere Effekte der intendierten Erziehung aufzuzeigen, die nicht berücksichtigt waren. (Vgl. ebd.: 89)

Sozialisation ist also ein Prozess, der sich aus unendlich vielen einzelnen Ereignissen zusammensetzt und sich unmöglich nur einem (zum Beispiel dem pädagogischen) Handlungssystem oder Handlungsfeld zuordnen lässt. Demnach ist Sozialisation allgegenwärtig und beinhaltet alle prozessualen Signifikanzen, durch die der Mensch allmählich zu einem Mitglied seiner umgebenden Gruppe und Gesellschaft wird. (Vgl. ebd.: 90) Er wird in vier grundlegenden Abschnitten des Sozialisationsprozesses zur sozial-kulturellen Person:

Die erste und elementare Sozialisation findet in der frühen Kindheit statt. Man bezeichnet sie als primäre Sozialisation. In der Regel erfolgt diese in der Familie und vermittelt formal und inhaltlich die Grunderfahrungen des sozialen Lebens in einer vertrauten Gruppe. Das Kind lernt seine Bedürfnisse an die Erwartungen seiner Umwelt anzupassen, indem es sich bestimmte kognitive und sprachliche Ausdrucksformen aneignet. (Vgl. ebd.: 95)

Die sekundäre Sozialisation baut das geebnete Fundament der primären Sozialisation weiter aus, ergänzt, differenziert und modifiziert es. Dies geschieht nun außerfamiliär im Kindergarten, der Schule, in Freundschaftsgruppen, Vereinen und vielen anderen Gruppierungen. Aber auch die Konsumindustrie, Massenmedien und sozialen Netzwerke im Internet sind bedeutende Einflussfaktoren. (Vgl. ebd.)

Jede neue Lebensphase wird durch einen Wechsel sozialer Beziehungen und veränderter materieller Bedingungen herbeigeführt. Hierzu zählen beispielsweise Eheschließung, Berufseintritt oder Arbeitslosigkeit (tertiäre Sozialisation). Aber auch die Pensionierung, der Tod des Partners oder der Umzug in ein Altenheim sind neue Lebensumstände (quartäre Sozialisation).2 Demnach ist Sozialisation als lebenslanger Prozess zu verstehen, der sich nicht auf die Kindheit beschränkt. Es entstehen fortlaufend erneut mehr oder minder krisenhafte Situationen, die eine Veränderung bestehender beziehungsweise eine Übernahme neuer Handlungsfähigkeiten erfordern. (Vgl. ebd.: 95f.)

Festzuhalten ist, dass Sozialisationsvorgänge als allgemeiner Bestandteil des menschlichen Lebenszyklus‘ funktionieren. Sie behandeln entweder die grundlegende Mitgliedschaft und Teilnahme am sozialen Geschehen oder die Erweiterung von Möglichkeiten der Verwirklichung dieser Beteiligung. Mit zunehmendem Alter und mit der Erweiterung der „Lebenskreise[ ]“ (ebd.: 94) ändern sich die an das gesellschaftliche Leben geknüpften Erwartungen. Veränderte Umgebungen und Situationen stellen neue Probleme der sozialen Beanspruchung und Beteiligung an den Menschen. Daher muss vieles im Lebensverlauf neu erworben und manches korrigiert werden. (Vgl. ebd.: 94f.) Die Sozialisationsforschung betont also den Druck auf die einzelnen Individuen, so zu werden wie die Gesellschaft es im jeweiligen Kontext erwartet. Sie befasst sich mit dem Verhältnis von Gesellschaft und Individuum; mit der Vergesellschaftung von Individuen im Sinne einer Vereinheitlichung, die das Verinnerlichen der Normen und Rollenerwartungen zum Zweck hat. (Vgl. Bührmann et. al. 2014: 168)

2.3. Geschlechtsspezifische Sozialisation und Stereotype

Für die Thematik der vorliegenden Bachelorarbeit sind die geschlechtsspezifischen Sozialisationsprozesse von Bedeutung, weshalb diese im Folgenden fokussiert und mit der Theorie der Stereotype verknüpft werden.

Die Bekanntgabe des Geschlechts (im Folgenden des Mädchens) ist demnach weniger als sprachliche Feststellung zu verstehen, sondern vielmehr als diskursive, sozial hervorbringende Tatsache, da das neugeborene Mädchen mit allen Folgen des Aktenkundig-Werdens in die Geburtsregister eingetragen wird. Die Feststellung des Geschlechts wirkt normierend und ist damit transitiv und präskriptiv ausgeprägt. Laut der Philosophin und Geschlechterforscherin Judith Butler wird auf die Individuen ein Zwang ausgeübt, der spätestens mit der Geschlechtszuweisung bei Geburt erfasst wird. (Vgl. Lange-Kirchheim 2008: 77) Das bedeutet, dass der ritualisierte Satz ‚Es ist ein Mädchen‘ eine Anweisung ist, ein weibliches Geschlecht zu sein. Durch solche diskursive Feststellungen nimmt Butler an, dass der Körper mit (Geschlechts-)Zeichen versehen wird. Geschlechtsnormen wirken durch die Verkörperung bestimmter Ideale von Weiblichkeit sowie Männlichkeit, die oft mit der Idealisierung der heterosexuellen Bindung signifikant sind. Diese Verkörperung erfolgt beispielsweise durch entsprechende Kleidung und Gestik. (Vgl. Butler 1997: 317f.)

Die Gesellschaft erfüllt demnach einen ‚Erziehungsauftrag‘, der seinen Individuen Normen, Wertevorstellungen und Erwartungen, wie ein Individuum zu sein hat, lehren soll. Neben der gesellschaftlichen Erziehung erfahren Menschen während ihres gesamten Lebens persönlichkeitsprägende Situationen, die sie formen und allmählich zu einem Mitglied der Gesellschaft werden lassen. Die gelehrten Erwartungen bestimmen das Verhalten und Wesen der Menschen und bestimmter Gruppierungen. Sie werden als Stereotype bezeichnet. Eine Ausprägung sind die Geschlechterstereotype, also Erwartungen über das Verhalten und Wesen von Frauen und Männern. Wie ist eine Frau oder ein Mann? Wie sollte eine Frau oder ein Mann sein? Dies sind die beiden wesentlichen Fragen nach den Geschlechterstereotypen. Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, reagieren Menschen typischerweise überrascht oder gar ablehnend und bestrafend. (Vgl. Kapitel 2.1/2.2.)

Der Sozialisationsprozess beinhaltet demnach das Erlernen und Verinnerlichen der Stereotype sowie die Erziehung des Menschen zu ihrem Geschlecht. Geschlechtsstereotypes Wissen wird bereits in der frühen Kindheit erworben und setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort. Dadurch wird Stereotypisierung aufgrund des Geschlechts einer wahrgenommenen Person zunächst automatisch vollzogen, das heißt ohne bewusste Kontrolle. Bereits bei einem einjährigen Kind ist die Grundlage zur Ausbildung von Stereotypen und von Prozessen der Stereotypisierung geebnet. Stereotypisierung setzt die Verfügbarkeit der kognitiven Kategorien ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ sowie die Zuordnung fremder Personen in die gegebenen Kategorien voraus. Zwischen dem ersten und dem dritten Lebensjahr entwickeln sich geschlechtstypische Präferenzen für Spielpartner, Aktivitäten und Spielsachen. Besonders häufig kommt die Geschlechtertrennung beim gemeinsamen Spielen im frühen Grundschulalter vor. In genau dieser Entwicklungsphase baut sich das zügig voranschreitende bewusste und kommunizierte Wissen über Geschlechterstereotype auf. Die meisten Kinder können schon in einem Alter von bis zu drei Jahren das eigene Geschlecht sowie das anderer Kinder und Erwachsener richtig bestimmen. Kinder entwickeln strenge Formen der Stereotypisierung, die mit zunehmendem Alter flexibler werden. Im Jugendalter treten neben den negativen Charakterisierungen des anderen Geschlechtes vermehrt positive, die durch die vermehrte Interaktion mit dem Gegengeschlecht entstehen. Primär beziehen sich diese Merkmale auf traditionelle Geschlechterrollen. Dadurch kommt es zu einer erhöhten Ambivalenz der Stereotype. Diese Veränderung wird besonders im Kontext ‚Dating‘ deutlich. Hier entwickeln sich romantische heterosexuelle Beziehungen, bei denen Jungen nach wie vor die aktiv-dominierende Rolle und Mädchen die passiv-submissive Rolle einnehmen, was häufig zu Kommunikationsproblemen führt. (Vgl. Eckes 2008: 178/181)

Um Geschlechter unterscheiden zu können, wirken psychische, biologische und soziale Prozesse zusammen, die in der Soziologie als Geschlechtstypisierung bezeichnet werden. Diese unterliegt während der gesamten Lebensspanne eines Individuums Entwicklungsprozessen sowie Prozessen des sozialen Einflusses. Speziell in der sozialen Kategorie des Geschlechtes wird deutlich, dass Entwicklung und sozialer Einfluss eine untrennbare Einheit bilden. Familie, Gleichaltrige und Medien, um nur einige soziokulturelle Einflussquellen zu nennen, bestimmen die Bedeutung eines Jungen oder Mädchens beziehungsweise eines Mannes oder einer Frau. (Vgl. ebd.: 180)

Butler wirft mit ihrem normativen Konzept der ‚Heterosexuelle[n] Matrix‘ zwei grundlegende Fragen auf: Gibt es wirklich nur zwei Geschlechter? Sind Menschen von Natur aus heterosexuell? Auf Basis der Zweigeschlechtlichkeit werden Geschlechtsmerkmale wie Geschlechtsteile und Hormone als männlich oder weiblich kategorisiert. (Vgl. Collien und Nüthen 2014) Sie unterscheidet zunächst zwischen den Begriffen ‚sex‘ und ‚gender‘. ‚Sex‘ bezeichnet das biologische, anatomische Geschlecht und ‚gender‘ das sozial hervorgebrachte Geschlecht; die Geschlechtsidentität. Der obligatorische Satz ‚Es ist ein Mädchen‘ bestimmt also zunächst das biologische Geschlecht. Die entsprechenden Merkmale der offensichtlichen Geschlechtsteile oder der Hormone und Chromosomen bestimmen die Einteilung in männlich oder weiblich. (Vgl. Butler 2012: 22f.) Nach der Bestimmung des biologischen Geschlechts beginnt die stereotype Erziehung. Das Mädchen soll mit Puppen und der Junge mit Autospielzeug spielen. Zudem existiert die stereotype Vorstellung, Mädchen mit der Farbe Rosa und Jungen mit der Farbe Blau zu assoziieren. Die Verkörperung des Geschlechtes, beispielsweise durch das Tragen entsprechender Kleidung, bezeichnet Butler als ‚gender‘. (Vgl. Collien und Nüthen 2014) Die Unterscheidung von ‚sex‘ und ‚gender‘ soll das Argument stützen, dass die Geschlechtsidentität, unabhängig der biologischen Bestimmtheit, kulturell konstruiert und vielfältig interpretiert wird. (Vgl. Butler 2012: 22f.)

Die Gesellschaft schließt von ‚sex‘ auf ‚gender‘, indem sie beispielsweise von Männern erwartet, dass sie sich mit Autos auskennen und Frauen nicht. Daher würden Frauen in entsprechenden Gesprächen nicht beachtet. Auch schließt sie von ‚gender‘ auf ‚sex‘: Beispielsweise werden von Frauen weder Zielstrebigkeit noch gute Verhandlungskompetenzen erwartet, die sie in beruflich hohen Positionen benötigen, da diese von Männern erwartet werden. Daher würden solche Frauen häufig als ‚Mannsweib‘ betitelt. Nur wenn ein Körper Butlers Konzept der ‚Heterosexuelle[n] Matrix‘ entspricht, wird er als natürlich und richtig angesehen. Diejenigen, die den Vorstellungen nicht entsprechen, werden ausgeschlossen, ignoriert oder (gewaltvoll) bestraft.3 (Vgl. Collien und Nüthen 2014)

Zusammengefasst gibt die ‚Heterosexuelle Matrix‘ Aufschluss über die Erwartungen, welche an die gegensätzlichen Geschlechter gestellt werden. Dadurch kann die Geschlechterkonstruktion ebenso als Sozialisationstheorie aufgefasst werden, die sich mit der Erziehung der Individuen und deren gesellschaftlichen Erwartungen auseinandersetzt. Diese geschlechtsspezifischen Erwartungen sind in der Regel Stereotype, die an die Geschlechter herangetragen werden.

Ebenfalls zu geschlechtstypischem Verhalten führen die sogenannten behavioralen Erwartungseffekte. Hierunter werden die (nicht explizit genannten) Erwartungen einer Person verstanden, die eine andere Person dazu bewegen, sich so zu verhalten, dass sie diesen entspricht. Diese Theorie wird durch eine klassische Studie falsifiziert, in der Frauen ein rollenkonformes Bild von sich präsentieren, wenn sie mit einem attraktiven Mann zusammentreffen, der ebenfalls traditionelle Rollenvorstellungen hat. Ihre Selbstbeschreibung fällt rollenkonträr aus, wenn der Mann gegenüber der Frau keine traditionellen Rollenvorstellungen hat. Demnach nehmen Geschlechterstereotype nicht nur Einfluss auf die Wahrnehmung, Beurteilung und Bewertung anderer Menschen, sondern auch auf den Verlauf zwischenmenschlicher Interaktion. (Vgl. Eckes 2008: 185)

Ob geschlechtstypisches Verhalten nun auftritt oder ausbleibt – feststeht, dass es durch Tendenzen der Selbstdarstellung geleitet wird. Selbstdarstellung bedeutet die „zielgerichtete Kontrolle von Information über die eigene Person“ (ebd.). Menschen sind stets bemüht einen positiven Eindruck der eigenen Person zu vermitteln. (Vgl. ebd.)

2.4. Wirtschaftliche und politische Maßnahmen

Durch die bisherigen Definitionen wird deutlich, dass Männer und Frauen durch das Kollektiv zu Mitgliedern erzogen werden. Dies geschieht durch nicht explizit genannte Erwartungen geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen, die Personen zu entsprechendem Verhalten bewegen. Hierbei spielt die Familie eine wichtige Rolle. (Vgl. Kapitel 2.2/2.3) Daher muss an dieser Stelle ein Bezug zur bundesdeutschen Familienpolitik aufgebaut werden, welche die gegenseitige Abhängig zwischen Familie und Staat aufzeigt: Während die Familie den Staat mit Bürgern versorgt und diese erzieht und damit sozialisiert, hat der Staat ein Interesse an der Wahrnehmung dieser Aufgaben durch die Familie. Daher bietet er ihr gesellschaftliche und politische Unterstützung, die je nach Regierung eigene Schwerpunkte setzt. Seitdem wurden zahlreiche familienpolitische Maßnahmen ergriffen, die sowohl das kollektive Unterstützungsverhältnis zwischen Familie und Staat regeln sollen, als auch die Beeinflussung des Binnenverhältnisses der Familienmitglieder zueinander. Letzteres wird durch unterschiedliche Maßnahmen und gesetzliche Verabschiedungen deutlich, die die Rollenvorstellungen von Männern und Frauen sowie Vätern und Müttern in Bewegung bringen. (Vgl. Gerlach 2009a/2009b) Daher stehen die theoretischen Konzeptionen in Abhängigkeit zu den wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen.

Wie bereits in der Einleitung dargestellt, hängt die Norm einer ‚guten‘ Mutter sowie die Norm des weiblichen Rollenbildes allgemein von der Gesellschaftsform ab. Das bedeutet auch durch Gesetze und Verfassungen, die durch die deutsche Familienpolitik verabschiedet werden. Eltern prägen das Lebensumfeld sowie die Entwicklung ihrer Kinder und werden daher als Schlüssel aller Erziehungsprozesse angesehen. Aus einer im Jahre 2008 erschienenen Studie gehen elterliche Erwartungen an die Familienpolitik hervor, die deutlich machen, dass Elternschaft gegenwärtig ein Maß an Verantwortung bedeuten muss, welches es in früheren Generationen so nicht gab. Hierbei beklagen sie vor allem die fehlende Realität in den Entscheidungen der Politik. Sie solle mit den Familien sprechen und nicht ‚über sie‘. (Vgl. Henry-Huthmacher 2008: 1/7)

III. Entwicklung des weiblichen Rollen- und Mutterbildes

In den bisherigen Beschreibungen der soziologischen Theorien wurden die Begriffe der ‚traditionellen Geschlechterrollen‘ und der ‚Rollenvorstellungen‘ aufgeworfen, die durch stereotypes Denken und familienpolitische Maßnahmen geformt werden sollen. Hierdurch entsteht der Verdacht, dass die gesellschaftliche Sozialisation durch politische und wirtschaftliche Faktoren aufrechterhalten wird. Wie sich insbesondere das Mutterbild durch eben diese Faktoren verändert hat und welche Maßnahmen die deutsche Familienpolitik ergreift, soll im Folgenden dargestellt und analysiert werden. Aus diesem Grund befasst sich die vorliegende Arbeit in diesem Ausschnitt zunächst mit der Institution der Familie und ihren Rollenbildern. Da die Fragestellung auf das Muttersein abzielt, soll hier vorwiegend das weibliche Rollenbild dargestellt werden.

Historisch handelte es sich bei einer Familie um eine patriarchal strukturierte, gemeinsam wirtschaftende Hausgemeinschaft, weshalb Sozialhistoriker die Institution der Familie als ‚ganzes Haus‘ bezeichneten. Dem sogenannten „‚Hausvater‘“ (Geißler 2014: 22; Herv.i.O.) wurden vor Ende des 18. Jahrhunderts Gefühlsgemeinschaften, Blutsverwandte sowie nicht-verwandte Menschen untergeordnet, da sie alle in einer Familie zusammenlebten. Hierzu zählten nicht nur Lehrlinge, Knechte, Mägde, Gesellen, Dienstboten und Dienstmädchen, auch wurden die leiblichen Kinder vom Gesinde nicht unterschieden, sodass sie zumeist als Mägde und Knechte dienten. Aus der Struktur des ‚ganzen Hauses‘ entwickelte sich die bürgerliche Familie, welche bis heute der funktionalen Differenzierung von Haushalt und Wirtschaft dient und eine Rolle als private Rückzugsmöglichkeit der Menschen eingenommen hat. Fortan war die Familie nicht mehr als Produktionsgemeinschaft anzusehen, sondern als eine Freizeit-, Entspannungs-, Konsum- und Erziehungsgemeinschaft. (Vgl. ebd.: 22-24/26)

3.1. Traditionelles Rollenverhältnis

Mit dem Übergang zur bürgerlichen Familie lag der Erziehungsauftrag nicht mehr ausschließlich beim Hausvater und die Betreuung wurde nicht mehr ausschließlich von den Geschwistern, dem Gesinde, den Dienstboten und den Ammen übernommen. In adeligen Familienverhältnissen war die Betreuung auch durch Internate und Pensionate üblich. Mütter bekamen zunehmend Erziehungsaufgaben für ihre Kinder übertragen, sodass ihre Verantwortung nun über die Stillzeit hinausging. Neben den bisher einzigen Aufgaben, für das gesundheitliche Wohl und die Pflege des Kindes zu sorgen, wurde die Mutter nun zur Hauptansprechpartnerin in der allgemeinen Sorge um ihr Kind. Erst im 19. Jahrhundert entstand eine neue Qualität der Mutter-Kind-Beziehung, welche sich vor dem Hintergrund eines propagierten emotional intimisierten Geschlechter- und Mutter-Kind-Verhältnisses im kulturellen Denkhorizont verankerte. In dieser Zeit wird die ‚Natur des Kindes‘ erfunden. Hierzu gehören zum einen die Vorstellungen Pestalozzis und Fröbels zur mütterlichen Ausbildung und zum anderen die Vorstellungen der Ärzte über Disziplinen der Schwangerenbehandlung, Geburtskunde und Kinderheilkunde. Ammen und Kinderkrankenpfleger werden in ihrer Position zunehmend abgewertet, da sich nun ausschließlich Mütter um die Sorge des kindlichen Wohls zu kümmern hatten. Die neuen Anforderungen beinhalteten, dass Kinder verstärkt als Ressource für die Bevölkerung angesehen wurden. Damit etablierte sich ein neues normatives Selbstverständnis der Mutter, die, begründet durch ihr Geschlecht, für die Fürsorge ihrer Kinder, ihres Ehemannes und das Heim zuständig sein sollte. Das Frausein sollte nun mit Mütterlichkeit gleichgesetzt werden und wurde im 20. Jahrhundert inhaltlich weiter ausdifferenziert. (Vgl. Tolasch 2015: 46-49)

Durch die soeben beschriebene Veränderung zur bürgerlichen Familie wurde die Ungleichheit der Geschlechter verschärft. Die Frau bekam die Rolle der Zuständigkeit in der ‚Innenwelt‘ zugeschrieben, während der Mann für die Repräsentation der ‚Außenwelt‘ verantwortlich war. Das heißt, die Frau wurde der Kindererziehung, dem Haushalt und der liebevollen Umsorgung ihres Mannes verpflichtet, während dieser den familiären Raum verließ, um zu arbeiten und Geld zu verdienen. (Vgl. Geißler 2014: 24f.) Dieses zugeschriebene Rollenverhältnis wurde seinerzeit als ‚naturgegeben‘ und unveränderlich beschrieben. Familie sei eine natürliche Machtstruktur bestehend aus Mutter, Vater und Kind. Die Macht der familiären Autorität gegenüber ihren Kindern bekommen beide Eltern

[...]


1 Gendern: In der vorliegenden Bachelorarbeit wird nicht explizit gegendert werden. In der grammatikalisch männlichen Form sind die männliche und weibliche Form zu verstehen.

2 Letztlich sind auch regressive Verlaufsformen beobachtbar. Infolge einer Altersdemenz oder Alzheimer-Erkrankungen wird bei Menschen ein schleichender Prozess der ‚De-Sozialisation‘ sichtbar, der Betroffenen frühe kindliche Verhaltensmuster aneignet. (Vgl. Henecka 2015: 96)

3 Die ‚Heterosexuelle Matrix‘ muss durch den dritten Faktor ‚desire‘ komplettiert werden, allerdings ist dieser für die Erarbeitung der vorliegenden Arbeit irrelevant. Die Gesellschaft schließt zusätzlich von ‚sex‘ auf das natürliche [heterosexuelle] Begehren (‚desire‘) des Gegengeschlechtes, da dieses mit der natürlichen Fortpflanzung des Menschen begründet wird. In den meisten Fällen wird davon ausgegangen, dass der Gesprächspartner heterosexuell ist. Das bedeutet, das nicht Heterosexuelle vorerst überlegen müssen, ob sie sich als nicht heterosexuell outen. (Vgl. Collien und Nüthen 2014)

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Die gesellschaftliche Bedeutung der Mutter in Deutschland
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Soziologie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
50
Katalognummer
V456730
ISBN (eBook)
9783668869639
ISBN (Buch)
9783668869646
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, mutter, deutschland
Arbeit zitieren
Alicia Mathes (Autor), 2018, Die gesellschaftliche Bedeutung der Mutter in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456730

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die gesellschaftliche Bedeutung der Mutter in Deutschland



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden