Die chinesischen Triaden als "gelbe Mafia"? Untersuchung des Mafia-Begriffes und dessen Übertragbarkeit auf die Triaden


Hausarbeit, 2013
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Aufsteigende Macht der Triaden

2. Definition der Mafia
2.1. Etymologische Untersuchung
2.2. Begriffswandel im 21. Jahrhundert

3. Die chinesischen Triaden
3.1. Historische Entwicklungen
3.2. Dominanz des Drogenmarktes
3.3. Wahl des Drachenkopfs
3.4. Fingercodes zur Verständigung

4. Schlussfolgerungen
4.1. Mafiosi als Ehrenmänner
4.2. Triaden als mafiöse Organisationen
4.2.1. Fehlende staatliche Legitimität
4.2.2. Exklusive Mafiastruktur
4.2.3. Geheime Symbole zur Abschottung nach außen
4.2.4. Triaden als Vereinigungen mafiosen Typs

5. Wandlung der Triaden

6. Literaturverzeichnis.

1. Aufsteigende Macht der Triaden

„Verglichen mit den Triaden backen Mafia, Camorra und Cosa Nostra kleine Brötchen“1 - Ian Seabourn sorgte mit seiner Aussage für heftige Diskussionen. Durch Filme wie „Der Pate“ oder „Es war einmal in Amerika“ rückte die italienische Mafia in den Fokus der Medien. Egal welche Sichtweise auf die Mafia geworfen wurde, die Definition war immer gleich. Die neapolitanische Camorra, die kalabrische 'Ndrangheta sowie die sizilianischen Cosa Nostra waren eindeutig als Mafia zu bezeichnen, beziehungsweise wurden als Synonyme verwendet. Im Laufe der Jahre wurden aber auch kriminelle Banden außerhalb Italiens als Mafia betitelt: So gab es schnell die albanische Mafia, die russische Mafia oder auch die chinesische Mafia. Ian Seabourn bezeichnet nun die Bedrohung der beinahe unbekannten Triaden als sehr bedrohlich, interessanter ist jedoch, dass er die Begrifflichkeiten strikt trennt: So verwendet er Mafia, Camorra, Cosa Nostra sowie die Triaden nicht als bedeutungsgleiche Ausdrücke. Doch wie genau kann die Definition der Mafia denn nun lauten? Kann auch die Organisierte Kriminalität außerhalb Italiens als Mafia definiert werden und können die chinesischen Triaden diesem Terminus gerecht werden? Diese Hausarbeit soll sich zunächst mit dem Begriff der Mafia beschäftigen. Nach etymologischen Untersuchungen soll der Bedeutungswandel in der modernen westlichen Gesellschaft in den Fokus rücken. Anschließend wird ein Blick hinter die Kulissen der Triaden geworfen und die möglichen Überstimmungen zum klassischen Mafia-Begriff analysiert.

Der Forschungsstand zur Organisierten Kriminalität ist nicht älter als 20 Jahre, stammt jedoch vor allem aus den 90er-Jahren. Die Literatur zum Thema scheint folglich recht jung, ist aber auch nicht auf dem neusten Stand. Folglich ist verwendbare Literatur sehr rar. Hans-Dieter Schwind legt mit seinem Handbuch „ Kriminologie. Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen “ zunächst die Definition des Begriffes fest. Werke über die chinesischen Triaden sind vor allem im westlichen Raum stark begrenzt. Aufgrund der konsequenten Abschottung nach außen, können nur wenigen Fakten der Triaden ans Tageslicht kommen. So können lediglich „ Drachen bedrohen die Welt “ von Berndt Georg Thamm oder „ Die internationale Dimension des organisierten Verbrechens “ von Klaus Lange als fundierte Quellen angegeben werden. Weitere Literatur zum Thema Organisierte Kriminalität analysiert die chinesischen Triaden wenn überhaupt meist nur am Rande. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die plakativen Titel der Werke meist wissenschaftlich fragwürdig sind. Allgemein sind vor allem wissenschaftlich-fundierte Textbelege schwer zu finden. Es gibt außerdem viele literarische Werke zum Thema, die sich jedoch durch eine Romantisierung und Heroisierung der Triaden kennzeichnen. Die Stellung der Triaden wird so überhöht und reißerisch dargestellt. Auch wenn „ Drachen bedrohen die Welt “ einen guten Überblick über die chinesische Organisierte Kriminalität bietet, so ist doch eine realistische Einschätzung des Machtpotentials der Triaden sehr schwer. Für die etymologische Untersuchung des Mafia-Begriffes soll Pino Arlacchis „ Mafiose Ethik und der Geist des Kapitalismus “ die Grundlage bilden. Er zeigt die Einflusssphären mafioser Strukturen im historischen Wandel und ist für die Bestimmung der Begrifflichkeiten unausweichlich. Aufgrund der Literaturlage kann ein Vergleich zwischen den chinesischen Triaden und dem klassischen Mafia-Begriff jedoch nur spekulativ dargestellt werden.

2. Definition der Mafia

2.1. Etymologische Untersuchung

Der Begriff „Mafia“ wird heutzutage mit der Gesamtheit der Organisierten Kriminalität gleichgesetzt. Als Mutter der Mafia gilt die Camorra. Doch der Begriff begann seine Karriere schon lang vor der Gründung der italienischen Mafia im 19. Jahrhundert. Auch wenn der eigentliche Ursprung des Wortes sehr umstritten ist, gehen viele Historiker davon aus, dass der Begriff aus dem arabischen stammt. So soll die Bezeichnung von „ mu'âfâ “oder „ mhyah2 hergeleitet werden können. Übersetzt bedeutet das, jemandem Schutz bieten oder auch Prahlerei. Andere Forscher sehen die Entstehung des Begriffes in dem Kampfschrei „ More Alla Francia, Italia Anela “,3 welcher im 13. Jahrhundert in der sizilianischen Erhebung gegen die französische Fremdherrschaft entstand. Bildet man aus diesem Satz ein Akronym, entsteht das Wort „ M.A.F.I.A “. 1865 tauchte der Begriff erstmals in der italienischen Amtssprache auf. Die Herleitung des Wortes wurde hier durch einen Dialekt aus Palermo erklärt. So bedeute „ Mafia “ Selbstbewusstsein. In einem anderen Beleg eines sizilianisch-italienischen Wörterbuches aus dem Jahre 1868 werden „ mafiuso “ oder „ marfuso “ als Ursprung genannt. Hier wird Mafia auch erstmalig als Synonym für die italienische Camorra erwähnt. Arrogant, eingebildet, aber auch selbstsicher und mutig gelten als Übersetzungsmöglichkeiten.4 Im florentinischen Raum wird „ mafia “ mit „ povertà “ und „ miseria “ gleichgesetzt.5 Weitere italienische Dialekte offenbaren die Begriffe „ malfusso “ (Krimineller), „ maffia “ (Armut), „ mafi “ (kleinwüchsiger, missgestalteter Mensch) oder „ mafiun “ (Dieb).6 Auch hier besteht die Möglichkeit des sprachlichen Ausgangspunktes.

Heute gibt es die etwas plumpe Definition der Mafia als „erpresserische, terroristische Geheimorganisation“, die „ihre Interessen […] unter Ausnutzung der ihr zur Verfügung stehenden Macht- und Druckmittel skrupellos gegenüber Anderen/Konkurrierenden o.ä. durchsetzt, diese unterdrückt, mundtot macht oder ausschaltet“7. Giuseppe Pitré kritisiert dahingegen die Wandlung des Begriffes als Synonym für Brigantentum, Camorra oder Straßenräuberei. So sei Mafia vielmehr eine Lebensphilosophie, als eine Organisation.8 Auch weitere Sprachforscher schließen sich dieser Meinung an: So sei zwar auf der einen Seite die Mafia eine Geheimgesellschaft zu verbrecherischen Zwecken, welche zentralisiert aufgebaut und straff geleitet ist sowie sich durch Initiationsriten kennzeichnet, jedoch auf der anderen Seite eben eher ein Charakterzug. Pino Arlacchi spricht sogar davon, dass „die Mafia – in der Bedeutung, die die Alltagssprache diesem Subjektiv gibt – nicht existiert“.9 So sei Mafia ein Verhalten oder eine Macht, keinesfalls jedoch eine formale Organisation. So stellt er Mafia mit dem griechischen Begriff „' ndrangheta “ gleich, welcher als „ehrenwerte Gesellschaft“ definiert werden kann. Ein Mafioso ist folglich eine „ uomo d'onore “, also ein tüchtiger Mann, der sich Respekt verschaffen und seine Ehre verteidigen kann.

„Die Mafia ist weder Sekte noch Vereinigung, hat weder Vorschriften noch Satzungen. Der Mafioso ist weder ein Dieb, noch ein Straßenräuber…der Mafioso ist einfach ein tüchtiger Mann, der sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt; in diesem Sinne ist es notwendig, ja sogar unumgänglich, Mafioso zu sein. Die Mafia ist das Bewusstsein des eigenen Seins, die übertriebene Vorstellung von der Macht des Individuums, einzige und alleinige Entscheidungsgewalt jeden Gegensatzes, jeden Zusammenstoßes von Interessen und Ideen; daher die Unfähigkeit, die Überlegenheit und, schlimmer noch, die Anmaßung anderer zu ertragen“10

2.2. Begriffswandel im 21. Jahrhundert

Es ist schwer zu glauben, dass Mafia lediglich eine Wesensart darstellen soll; findet man im heutigen Sprachgebrauch doch eher Hinweise zu kriminellen Banden. Mafia wird gerne mit Organisierter Kriminalität gleichgesetzt, doch das erscheint nicht ausreichend und naiv. Mafia ist ein Teil der Organisierten Kriminalität und unterscheidet sich in einigen Kernpunkten doch ganz wesentlich von ihr.

„Unter Organisierter Kriminalität ist eine von (Macht-und) Gewinnstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten (die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind) durch mehrere Beteiligte zu verstehen, die auf längere und unbestimmte Dauer arbeitsteilig unter Verwendung gewerblicher und geschäftsähnlicher Strukturen oder unter Anwendung von Gewalt oder anderen zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder unter dem Bemühen, auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft Einfluss zu nehmen, zusammenwirken.“11

Die Mafia strebt jedoch nicht nur nach Einfluss in der öffentlichen Sphäre, durch beispielsweise Korruption, sondern unterwandert öffentliche Institutionen sowie Medien- und Wirtschaftsunternehmen mit eigenen Mitgliedern. Außerdem kennzeichnet sich eine Mafia durch eine totale Abschottung nach außen.12 Historisch gesehen galt die Mafia als Selbsthilfeorganisationen, um vor allem die mittellose Agrargesellschaft Italiens zu unterstützen13. Zudem bildeten sich die Gruppierungen als Widerstand gegen die Willkür der Fremdherrscher. Erst im Laufe der Jahre entwickelte sich die Mafia zum Verbrechersyndikat. Des Weiteren ist auch die Strukturierung der Mafia einmalig: So besteht der Urtyp aus Familien. Hiermit ist jedoch keine reine Blutverwandtschaft gemeint, sondern vielmehr hierarchisch gegliederte Gruppen. Es gibt Aufnahmerituale, einen unanfechtbaren Kodex und sogar die „Zehn Gebote der Mafia“. Darin gefordert sind absoluter Gehorsam, Treue und ständige Bereitschaft im Namen der Organisation zu handeln. Bei Missachtung der Gebote droht die Blutrache.14 Frauen dürfen kein Mitglied werden, lediglich Männer gehören der elitären Gruppierung an.15 Eine hohe Relevanz hat folglich die traditionelle Wertrationalität, die eng mit der Zweckrationalität der Mafia verknüpft ist.

Der hierarchische Aufbau der Mafia ist streng getrennt: So steht an oberster Stelle der Boss. Er ist der Patron der Familie und sorgt für den Zusammenhalt seiner Mitglieder. Jedes Mafia-Mitglied ist ihm zu absolutem Gehorsam verpflichtet. Durch ein Beitrittsritual schwören sie ihm lebenslange Treue. Er repräsentiert zudem die Gruppe nach außen. Ihm untergeordnet ist nun ein Stellvertreter, mehrere Berater, Kampftruppen und einfache Mitglieder. Die Aufteilung der Hierarchien unterscheidet sich jedoch innerhalb den jeweiligen Gruppen.16 Den Zusammenschluss von mehreren Bossen einer Provinz, nennt man Provinzkommission. Die Kommission vermittelt bei Streitigkeiten der verschiedenen Familien und koordiniert deren Zusammenarbeit.17

Charakteristisch ist zudem, dass die Mafia in ihrer politischen, ökonomischen, ideologischen und militärischen Machtorganisation einem staatlichen Gefüge ähnelt. So kann, glaubt man Max Weber, die Mafia als primär außenwirtschaftlich orientierter politischer Verband betrachtet werden18. Oftmals wird sogar von einem Staat im Staate gesprochen. Der Glaube, die Mafia stelle einen Gegenstaat dar, ist aber ungenau. Nicht staatlich sei das Adjektiv, um die mafiose Macht am besten zu beschreiben, sondern parastaatlich.19 So steht die Mafia dem Staat nicht als Konkurrenz gegenüber, jedoch als Parallelorganisation. Möglich ist dies oftmals aufgrund schwacher Staatlichkeit.

Aktuell werden vor allem die italienischen Gruppierungen Camorra, Cosa Nostra oder 'Ndrangheta als Mafia bezeichnet. Auch die amerikanische Mafia, die ursprünglich einen sizilianischen Ableger darstellte, wird mit der Definition in Verbindung gebracht. Anders sieht es bei anderen kriminellen Banden aus: In Kolumbien, Serbien, Japan oder auch in China steigt die Zahl der kriminellen Bündnisse mafiosen Typs. Nun soll in dieser Hausarbeit das Augenmerk auf die chinesischen Triaden geworfen werden. Können die Triaden tatsächlich als Mafia bezeichnet werden, oder sind sie doch nur eine kriminelle Vereinigung, die durch die Unsicherheit des Mafia-Begriffes falsch betitelt wird?

3. Die chinesischen Triaden

3.1. Historische Entwicklungen

Die Gründungslegende der Triaden besagt, dass die erste Triade in Form eines Geheimbundes im 17. Jahrhundert entstand. So sollen Shaolin-Mönche dem damaligen Kaiser Tien chi beim Sieg gegen mongolische Invasionstruppen zur Seite gestanden sein. Aus Dankbarkeit erhielten sie viele Privilegien. Dadurch entstanden Neider in der kaiserlichen Beamtenschaft, welche den Kaiser letztendlich davon überzeugen konnten, dass die Mönche einen Aufstand planten. So kam es, dass der Kaiser die Zerstörung des Klosters und die Ermordung der Mönche anordnete. Lediglich fünf Mönche überlebten das Massaker und schworen Rache gegen die Qing-Dynastie.20

Historisch gesehen gab es jedoch wohl schon im 2. Jahrhundert nach Christus erste Geheimbruderschaften als Protest gegen die traditionelle Obrigkeit. Es ist schwer, genaue Daten und Fakten zu finden, da die Organisationen im Untergrund agierten und Schweigepflicht als oberste Regel verstanden. Somit kann über Entstehungszeiträume lediglich spekuliert werden. Die historische Entwicklung der heutigen Triaden kann der Qing-Dynastie zugeordnet werden. Als Protest gegen die Fremdherrschaft gründeten sich zwei Lager: Auf der einen Seite die Jiaomen, auf der anderen Seite die Banghui. Während die Jiaomen auf friedliche, meist religiöse Art und Weise protestierten, schlugen die Banghui einen radikaleren Kurs ein. Sie sind als Urvater der heutigen Triaden zu bezeichnen. Zwei Banghui-Gruppierungen müssen besonders hervorgehoben werden: So stand auf der einen Seite die „Weiße Lotus Sekte“, welche vor allem im Norden Chinas agierte, und auf der andere Seite die „Vereinigung der Drei Harmonien“, die auch unter dem Namen „Hung-Gesellschaft“ sowie „Himmel-und-Erde-Gesellschaft“ bekannt ist.21 Im Volksmund wurde letztere auch als Triade bezeichnet. Aus dem Lateinischen hergeleitet, kann Triade mit „Dreiheit“ übersetzt werden. So glaubte die Gruppe, der Mensch stelle eine Brücke zwischen Himmel und Erde dar. Das chinesische Hung-Zeichen, welches in der Übersetzung auch als „Regenbogen“ aufgeführt wird, ist bis heute das Kennzeichen der chinesischen Triaden.22 Die „Vereinigung der Drei Harmonien“ stellte nun nicht nur eine Gegenorganisation dar, sondern auch eine Gegenideologie. So widersprach die Triade der konfuzianischen Vorstellung der traditionellen, dreifachen Hierarchie. Im Konfuzianismus untersteht der Junge dem Alten, die Frau dem Mann, und die Basis der Führung. In den Geheimgesellschaften konnten nun beispielsweise auch Frauen in Führungspositionen agieren. Weiterhin wurde das traditionelle Senioritätsprinzip durch die Gleichheit der Brüder ersetzt.23

Im 18. Jahrhundert finanzierten sich die Triaden durch den britischen Opiumhandel. Da der Kaiser den Drogenhandel 1729 verboten hatte, konnten lediglich die Geheimgesellschaften im Untergrund davon profitieren.24 Bis dato hatten die Triaden trotz Illegalität eine Robin-Hood-Rolle inne, ihr Motto war „Schlage die Reichen, helfe den Armen“25. Auch zu Zeiten des Kolonialismus galten die Triaden als einzige Protestmöglichkeit. Der Höhepunkt des Widerstandes wurde 1899 in Form des Boxeraufstandes erreicht. Ein Ableger der „Weißen Lotus Sekte“, die „Fäuste der Gerechtigkeit und Eintracht“ kämpfte gehen die „fremden Teufel“26 und das Ende der Mandschu-Herrschaft. Das primäre Ziel der chinesischen Triaden war immer noch die Wiederherstellung der Ming-Dynastie. Nach der Zerschlagung des Boxeraufstandes kam es zur extremen finanziellen Schwächung der Triaden. Während sich einige Mitglieder der Triaden bald in der Kommunistischen Partei Chinas wiederfanden, flüchteten weitere Triadenmitglieder immer tiefer in die Kriminalität. Als erste rein kriminell agierende Triade gilt die „Grüne Bande“, die im illegalen Salzhandel, das schnelle Geld suchte. Zudem unterwanderten sie zunächst die Shanghaier Elite. So waren Mitglieder der „Grünen Bande“ schnell im Militär- und Polizeidienst, im Politikgeschehen oder auch in Unternehmen und Medien zu finden. Sie unterwanderten die öffentliche Sphäre, so dass 1970 schätzungsweise jeder dritte chinesische Polizist Triadenmitglied war. Schnell waren auch Menschenhandel, Waffenschieberei, Opiumhandel oder Prostitution ein Alltagsgeschäft der „Grünen Bande“.27 Immer mehr Triaden folgten ihnen in die Kriminalität - die einst rein politischen Bündnisse hatten sich endgültig zu einem Verbrechersyndikat entwickelt. In den 1990ern kam es schließlich zu einer Internationalisierung der Triaden. Nach Ernennung der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkongs zur Sonderverwaltungszone, waren die Auswanderungsbedingungen für chinesische Bürger deutlich erleichtert worden.28 Die Triadenmitglieder zog es in die USA, nach Großbritannien oder in die Niederlande. Heute ist das Chinesische Organisierte Verbrechen in vielen Orten der Welt zu finden und bestimmt dort das kriminelle Geschehen stark mit. Im Wesentlichen muss jedoch verstanden werden, dass die Triaden für die Gesamtheit der Chinesischen Organisierten Kriminalität stehen, jedoch keine einzelne Gruppierung beim Namen nennt.

3.2. Dominanz des Drogenmarktes

Derzeit werden alleine in Hong Kong 55 unterschiedliche Triaden mit rund 160.000 Mitgliedern vermutet. Weltweit soll es bis zu 1.500 Triaden geben. 450.000 Menschen sollen als Mitglieder integriert sein, Sympathisanten oder Inaktive sind in der Berechnung nicht aufgeführt. Die Dunkelziffer dürfte also weit höher liegen. So wird geschätzt, dass drei Prozent der gesamten Erdbevölkerung in Triaden organisiert ist, davon jedoch lediglich ein Zehntel auch aktiv ist.29 Berechnungen zufolge, konnten die Triaden schon 1991 rund 100 Milliarden US-Dollar umsetzen30. In den letzten zehn Jahren wurde ein Anstieg von bis zu 800 Milliarden US-Dollar verzeichnet.31

Als führende Triaden gelten aktuell „14K“ und „Sun Yee On“. „14K“ gilt als weltweit einflussreichste Triade. Sie wurde 1947 als Widerstandsorganisation gegen Mao Zedongs Armee in Guangdong gegründet. Rund 20.000 Mitglieder sollen nicht nur in China, sondern vor allem auch in Europa ihr Unwesen treiben. So hat sich beispielsweise London zur Drachenstadt, also zum neuen Machtzentrum der, „14K“ entwickelt. In Deutschland, unter anderem in München, wurden ebenfalls Aktivitäten der „14K“ festgestellt. Auch „Sun Yee On“, die Triade, die mit bis zu 50.000 Mitgliedern weltweit, die mitgliederstärkste chinesische kriminelle Organisation stellt, hat ihren Einflussradius vergrößert. Sie operieren von Hong Kong ausgehend nach ganz Europa und in die USA32

[...]


1 Thamm, Berndt Georg, Drachen bedrohen die Welt. Chinesische Organisierte Kriminalität (Triaden), Hilfen, Deutsche Polizeiliteratur, 1996, S.9

2 Vgl. Gambetta, Diego, The Sicilian Mafia: the Business of Private Protection, Cambridge, Harvard University Press, 1996, S. 260

3 Encyclopædia Universalis, Corpus 14 Lyophilisation – Météorites, Encyclopædia Universalis, Paris, Société d’édition Encyclopædia Universalis S.A 2002, S.94

4 Vgl. Schwind, Hans-Dieter, Kriminologie. Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen, Heidelberg,Kriminalistik Verlag, 2005, S.596

5 Vgl. Hess, Herner, Mafia. Zentrale Herrschaft und lokale Gegenmacht, Tübingen, J.C.B. Mohr, 19883 , S.1

6 Vgl. Gambetta, Diego, The Sicilian Mafia: the Business of Private Protection, Cambridge, Harvard University Press, 1996, S. 260

7 Harras, Gisela, Haß, Ulrike, Strauß, Gerhard, Wortbedeutungen und ihre Darstellung im Wörterbuch, Berlin, Walter de Gruyter & Co., 1991, S.200

8 Vgl. Hess, Herner, Mafia, Zentrale Herrschaft und lokale Gegenmacht,Tübingen, J.C.B. Mohr, 19883 , S.10-11

9 Arlacchi, Pino, Mafiose Ethik und der Geist des Kapitalismus, Rom, Cooperative-Verlag, 1989, S.29

10 Ebenda, S.31, zitiert nach Pitré Guiseppe, Usi, costumi e pregiudizi del popolo siciliano, Vol. II., Bologna, Lauriel di C.Clausen, 1969, S.292

11 Gemeinsame Arbeitsgruppe Justiz/Polizei, 1990/RiStBV 1991, Richtlinien für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren (RiStBV) in der ab 01.05.1991 bundeseinheitlich geltenden Fassung, Anlage E

12 Vgl. Schwind, Hans-Dieter, Kriminologie. Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen, Heidelberg, Kriminalistik Verlag, 2005, S.594

13 Vgl. Ebenda, S.596

14 Vgl. Langer, Anette Polizei entdeckt die zehn Gebote der Mafia
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fund-bei-verhaftung-polizei-entdeckt-die-zehn-gebote-der-mafia-a-516480.html, vom 09.11.2007, aufgerufen am 16.01.2013

15 Vgl. Freiberg, Konrad, Thamm, Berndt Georg, Das Mafia Syndrom, Hilden, Verlag Deutsche Polizeiliteratur, 1992, S.42-43

16 Vgl. Freiberg, Konrad, Thamm, Berndt Georg, Das Mafia Syndrom, Hilden, Verlag Deutsche Polizeiliteratur, 1992, S.48

17 Vgl. Arlacchi, Pino, Mafia von innen, Frankfurt am Main, Fischer Verlag, 1993, S.327-328

18 Vgl. Weber, Max, Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie, Tübingen, Mohr Siebeck, 19805,, S.114

19 Vgl. Krauthausen, Ciro, Moderne Gewalten. Organisierte Kriminalistik in Kolumbien und Italien, Frankfurt am Main, Campus Verlag, 1997, S. 52

20 Vgl. Thamm, Berndt Georg, Drachen bedrohen die Welt. Chinesische Organisierte Kriminalität (Triaden), Hilfen, Deutsche Polizeiliteratur, 1996, S.31

21 Vgl. Lange, Klaus, Die internationale Dimension des organisierten Verbrechens, Oberhaching, Hanns-Seidel-Stiftung e.V., 1994, S.34-35

22 Vgl. Ebenda, S.36

23 Vgl. Lange, Klaus, Die internationale Dimension des organisierten Verbrechens, Oberhaching, Hanns-Seidel-Stiftung e.V., 1994,S.39-40

24 Vgl. Thamm, Berndt Georg, Drachen bedrohen die Welt. Chinesische Organisierte Kriminalität (Triaden), Hilfen, Deutsche Polizeiliteratur, 1996, S.99

25 Paetsch, Martin, Shanghai, in: Geo Epoche, Magazin für Geschichte, Mafia. Die Geschichte des Organisierten Verbrechens, Nr. 48, 28. März 2011, S. 54

26 Lange, Klaus, Die internationale Dimension des organisierten Verbrechens, Oberhaching, Hanns-Seidel-Stiftung e.V., 1994, S.53

27 Vgl. Paetsch, Martin, Shanghai, in: Geo Epoche, Magazin für Geschichte, Mafia. Die Geschichte des Organisierten Verbrechens, Nr. 48, 28. März 2011, S. 55-56

28 Vgl. Lange, Klaus, Die internationale Dimension des organisierten Verbrechens, Oberhaching, Hanns-Seidel-Stiftung e.V., 1994, S.91-95

29 Vgl. Harnischmacher, Robert F.J, Weltweit auf leisen Sohlen: Chinas Triaden http://www.kriminalpolizei.de/articles,weltweit_auf_leisen_sohlen_chinas_triaden,1,185.htm, vom März 2008, aufgerufen am 08.01.2013

30 Vgl. Thamm, Berndt Georg, Drachen bedrohen die Welt. Chinesische Organisierte Kriminalität (Triaden), Hilfen, Deutsche Polizeiliteratur, 1996, S.213

31 Vgl. Harnischmacher, Robert F.J, Asiatische Mafiastrukturen, in: W&S, 07/2001, S.23

32 Vgl. Ebenda, S. 21

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die chinesischen Triaden als "gelbe Mafia"? Untersuchung des Mafia-Begriffes und dessen Übertragbarkeit auf die Triaden
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V456852
ISBN (eBook)
9783668886353
ISBN (Buch)
9783668886360
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mafia, Organisierte Kriminalität, Triaden, China
Arbeit zitieren
Cornelia Kauruff (Autor), 2013, Die chinesischen Triaden als "gelbe Mafia"? Untersuchung des Mafia-Begriffes und dessen Übertragbarkeit auf die Triaden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456852

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