Die Leipziger Teilung 1485. Was bewegte Ernst und Albrecht dazu, die wettinischen Länder zu teilen, obwohl sie an der Spitze der Macht waren?


Seminararbeit, 2016

33 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Kommentierte Bibliographie

2. Äußere Quellenkritik:

3. Einleitung

4. Die Vorgeschichte
4.1. Die Teilung zu Chemnitz im Jahre
4.2. Die Altenburger Teilung, der Bruderkrieg und der Prinzenraub
4.3. Egerer Hauptvergleich von

5. Ernst und Albrecht: Die gemeinsame Regierungszeit
5.1. Das Testament von Friedrich II
5.2. Ernst und Albrecht: Auf dem Gipfel der Macht
5.3. Der Streit der Brüder bahnt sich an

6. 1485: Die Leipziger Teilung
6.1. Die Bestimmungen der Teilung
6.2. Die Gründe der Teilung
6.2.1 Hugold von Schleinitz: Seine Rolle
6.2.2. Die Gleichberechtigung zwischen Ernst und Albrecht
6.2.3. Sicherheiten für die nachfolgenden Generationen
6.2.4. Die Simplifizierung der Regierung
6.3. Die Konsequenzen aus der Leipziger Teilung

7. Fazit

8. Anhang
8.1. Abbildungen
8.2. Karte C

1. Kommentierte Bibliographie

Auert, Stefan: „Die Teilungen der Wettiner von 1382 und 1445 unter besonderer Berück-sichtigung der Leipziger Teilung 1485“. In: Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts, Halle/Saale 2006, S. 39-53.

Auert schildert in seinem Aufsatz alle drei größten Teilungen der Wettiner. Zu dem beleuchtet er diverse Aspekte. Dieser Aufsatz wurde vor allem für das Kapitel der Vorgeschichte als Ergänzung verwendet.

Blaschke, Karlheinz: „Die Leipziger Teilung der wettinischen Länder von 1485“. In: Schirmer, Uwe und Thieme, André (Hrsg.): Beiträge zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte Sachsens, Ausgewählte Aufsätze, Leipzig 2002, S. 323-335.

Dieser Aufsatz, der sich auf die Leipziger Teilung konzentriert, diente als Ergänzung zu seinem Text „Von der Leipziger Teilung 1485 bis zum Naumburger Vertrag 1554“.

Blaschke, Karlheinz: „Geschichte Sachsens im Mittelalter“, Berlin 1990.

Wie Gross, beschäftigte sich Blaschke ebenfalls mit der sächsischen Geschichte, jedoch hier im Kontext der mittelalterlichen Epoche. Ergänzende Literatur zu Gross‘ „Geschichte Sachsens“.

Blaschke, Karlheinz: „Von der Leipziger Teilung 1485 bis zum Naumburger Vertrag 1554“. In: Sächsische Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte, Denkmalpflege, Natur und Umwelt, Jahrgang 52, Heft 1, Chemnitz 2006, S. 36-37.

Der Aufsatz Blaschke diente dazu, sich eine grobe Vorstellung über die Leipziger Teilung machen zu können.

Blaschke, Karlheinz: „Atlas zur Geschichte und Landeskunde von Sachsen, Beiheft zur Karte C III 1, Die Wettinischen Länder von der Leipziger Teilung bis zum Naumburger Vertrag 1554“, Leipzig 2010.

Das Beiheft diente lediglich für die äußere Quellenkritik sowie als Erläuterung für die im Anhang befindliche Karte C III 1.

Emig, Joachim und Enke, Wolfgang (Hrsg.): „Der Altenburger Prinzenraub 1455, Strukturen und Mentalitäten eines spätmittelalterlichen Konflikts“, Beucha 2007.

Die Autoren zeigen die Vorgeschichte, alle damit verbundenen Zusammenhänge der Entführung Ernsts und Albrechts auf und gehen intensiv auf alle Gesichtspunkte ein. Diese diente dazu, fehlende Informationen zum Prinzenraub im Kapitel 4.2. zu ergänzen.

Gerlach, Siegfried: Sachsen: „Sachsen - Eine politische Landeskunde“, Stuttgart 1994.

Als Überblicksliteratur parallel zu Gross‘ „Geschichte Sachsens“ verwendet, um ein politisches Bild Sachsens machen zu können.

Gross, Reiner: „Die Wettiner“, Stuttgart 2007.

Ähnlich wie Rogges „Die Wettiner, Aufstieg einer Dynastie im Mittelalter“. Parallel als ergänzende Überblicksliteratur verwendet.

Gross, Reiner: „Geschichte Sachsens“, Leipzig 2001.

Diese Literatur diente, um eine erste grobe Übersicht der sächsischen Geschichte im Allgemeinen zu verschaffen. Sie diente ebenfalls als ergänzende Überblickliteratur an vereinzelten Stellen der Seminararbeit.

Hänsch, Ernst: „Die wettinische Hauptteilung von 1485 und die aus ihr folgenden Streitigkeiten bis 1491“, Dissertation, Leipzig 1909.

Die Dissertation wurde als ergänzende Grundlage zu Thiemes Aufsatz hinzugefügt, jedoch nicht als Hauptgrundlage. Hänsch setzte sich zwar mit der Leipziger Teilung auseinander, beleuchtet diese lediglich aus der politischen Perspektive und beschäftigte sich nicht mit personen-geschichtlichen Fragen. Zudem geht er nicht auf die Folgen der Leipziger Teilung ein.

Koch, Herbert: „Der sächsische Bruderkrieg (1446-1451), Erster Teil: Bis zum Erfurter Frieden. 1445 bis 25. IX. 1447“, Dissertation, Halle a. S. 1909.

Sehr ausführlich beschreibt Koch in seiner Dissertation von 1909 den sächsischen Bruderkrieg und wurde deshalb als Ergänzung zur Hauptliteratur hinzugenommen.

Kund, Claudia und Thieme, André mit Schlösserland Sachsen (Hrsg.): Im Zentrum der Macht, Meißner Burgberg und Wettiner im Mittelalter, Dresden 2011, S. 64-66.

In erster Linie wurden lediglich die Seiten 64 bis 66 als grobe Übersicht verwendet, um sich ein Bild über Ernst und Albrecht zu ermöglichen. Vor allem war es sehr hilfreich, dass zumindest ein Teil der Urkunde der Leipziger Teilung in Farbe auf S. 66 abgebildet ist.

Rogge, Jörg: „Herrschaftsweitergabe, Konfliktregelung und Familienorganisation im fürstlichen Hochadel, Das Beispiel der Wettiner von der Mitte des 13. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts“. In: Prinz, Friedrich (Hrsg.): Monographien zur Geschichte des Mittelalters, Bd. 49, Stuttgart 2002.

Rogge zeigt am Beispiel der Wettiner – wie es bereits am Titel zu erkennen ist – auf, unter welchen Gesichtspunkten die Herrschaft weitergegeben und die damit verbundenen Konflikte geregelt wurden. Rogge zeigt ebenso auf, unter welchen Vorstellungen und Werten die »Familienorganisation« geschah. Rogge untersuchte zudem, an Hand von Verträgen, Briefen, etc., die „Kommunikationspraxis der Wettiner“ (siehe hierzu Rezension von Mathias Kälble: http://www.sehepunkte.de/2004/02/3393.html, aufgerufen am 02.03.2017).

Rogge, Jörg: „Die Wettiner, Aufstieg einer Dynastie im Mittelalter“, Ostfildern 2009.

In diesem Werk befasst sich Rogge mit dem Aufstieg der Wettiner, über deren Herkunft und Etablierung bis hin zur Leipziger Teilung und der Übertragung der Kurwürde auf die Albertiner. Hier gibt Rogge im »Kompaktformat« Punkte der Wettiner wieder, um sich damit einen wirtschaftspolitischen, kultur- und kirchengeschichtlichen Gesamtüberblick verschaffen zu können.

Schwarz, Hilmar: „Die Wettiner des Mittelalters und ihre Bedeutung für Thüringen“. In: Kleine Schriftenreihe der Wartburgstiftung, Band 7, Leipzig 1994.

Ähnlich wie Rogges „Die Wettiner, Aufstieg einer Dynastie im Mittelalter“. Allerdings zeigt Schwarz die Bedeutung für Thüringen auf. Fehlende Informationen wurden damit ergänzt.

Streich, Brigitte: „..., uf das des marschalks … schrift und beger nicht veracht werden dorfft...“ Der »Fall« des Obermarschalls Hugold von Schleinitz. In: Hirschbiegel, Jan und Paravicini, Werner (Hrsg.): „Der Fall des Günstlings. Hofparteien in Europa vom 13. bis zum 17. Jahrhundert“, Residenzforschung, Bd. 17, Ostfildern 2004, S.329-364.

Streichs „Fall des Günstlings“ dienste als Grundlage für das Kapitel 6.2.1., weil sie alle möglichen Aspekte des Hugold von Schleinitz beleuchtet, somit auch die Rolle, die er am wettinischen Hof inne hatte. Streich skizziert ebenfalls das Geschlecht des Schleinitz‘.

Thieme André: „1485. Die Leipziger Teilung der wettinischen Lande“. In: Eigenwill, Reinhardt (Hrsg.): Zäsuren sächsischer Geschichte, Markleeberg 2010, S.69-93.

In seinem Aufsatz stellt Thieme nicht nur die Teilung selbst und deren Folgen eindrücklich dar, sondern schildert ebenfalls klar und detailliert die Vorgeschichte. Hier werden von ihm alle Aspekte und diverse Perspektiven über diese Thematik beleuchtet, ohne dass die behandelten Punkte »zu kurz« gekommen sind. Thiemes Text diente als Hauptgrundlage der Seminararbeit.1

2. Äußere Quellenkritik

„Es sind zwei Ausfertigungen der Urkunden der Leipziger Teilung von 1485 bekannt. Die Ausfertigungen für Kurfürst Ernst befindet sich Thüringischen Hauptstaatsarchiv in Weimar, jene für Herzog Albrecht im Hauptstaatsarchiv in Dresden. Jede Ausfertigung besteht aus zwei Teilzetteln, die jeweils den Meißnischen und den Weimarer Teil der Teilung umfassen.“2 Im Hauptstaatsarchiv Dresden sind die Urkunden (Teilzettel) mit folgenden Signaturen bewahrt: OU 8578, Meißnischer Teil und OU 8579, Weimarer Teil.3

„Aufgeschlagene erste Seite der Urkunde des Meißnischen Teils (Papier in Pergament eingebunden) mit dem Siegel des ernestinischen Kurfürsten in der Ausfertigung des Haupt- staatsarchivs Dresden (OU 8578, 2r. Reproduziert aus: Otto Posse, Die Hausgesetze der Wettiner bis zum Jahre 1486. Leipzig 1889, Tafel 93)“4.

„Kleines Hauptsiegel des Kurfürsten Ernst unter dem Meißnischen Teil der Urkunde. Originalgröße: Außendurchmesser 70 mm; Siegelfarbe: Rot; Umschrift: s : ernesti : ducs : saxonie : electors : lantg‘ : Theurgie · et · marschier : misnensis : (fehlende Stellen ergänzt durch Otto Posse, Die Siegel der Wettiner 2, 1893, S. 59 zu Tafel XXV, 3); Wappen: Rautenkranz des Herzogtums Sachsen (Mittelschild), darüber die Kurschwerter, unten der Adler für die Pfalzgrafschaft Sachsen, beiderseits des Mittelschildes der thüringische und der meißnische Löwe. Reproduktion nach ThHStA Weimar, EGA: Urkunde Nr. 1051/1, Siegel.“5

„Siegel Herzog Albrechts unter dem Thüringischen Teil der Urkunde. Originalgröße: Außendurchmesser 70 mm; Siegelfarbe: Rot; Umschrift: s · alberti · ducs · saxonie · lantgraffii · turingie · marchionis · misnensis (siehe auch Otto Posse, Die Siegel der Wettiner 2, 1893, S. 60 zu Tafel XXV, 9); Wappen: Rautenkranz des Herzogtums Sachsen (Mittelschild), dazu der Adler der Pfalzgrafschaft Sachsen, der thüringische sowie der meißnische Löwe. Reproduktion nach ThHStA Weimar, EGA: Urkunde Nr. 1051/2, Siegel.“6

3. Einleitung

„Die Wettiner gehörten zu den wichtigsten Fürstenfamilien im deutschen Reich während des späten Mittelalters“7, nebst „der kaiserlichen Hausmacht der Habsburger“8. Jedoch war die Geschichte der Wettiner von „Herrschaftsteilungen“9 geprägt. Besonders die Leipziger Teilung im Jahre 1485 war für die Wettiner ein einschneidendes Ereignis.

Kurfürst Ernst und sein Bruder Albrecht weisen eine zwanzigjährige, „gemeinschaftliche Regierung“10 auf, welche durchaus erfolgreich war, wie im entsprechenden Kapitel geschildert wird. Das wirft verständlicherweise die Frage auf: Was bewegte die Brüder dazu, die wettinischen Länder zu teilen, obwohl sie an der Spitze der Macht waren?

In der vorliegenden Seminararbeit gilt es, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Dazu wird zunächst die Vorgeschichte skizziert, denn diese enthält signifikante Ereignisse, welche die Politik der Brüder tiefgreifend beeinflusst haben, um anschließend die gemeinsame Regierungszeit Ernsts und Albrechts zu erläutern. Schließlich werden im Kern der Arbeit die Gründe für die Leipziger Teilung präzisiert.

Diese Thematik und die Gründe, welche Ernst und Albrecht zur Teilung bewegt haben, wurden in der Historiographie zureichend erforscht. Insbesondere Thiemes eingehender Text diente hierbei als Hauptgrundlage. Ernst Hänschs Dissertation, in der er sich intensiv mit der Leipziger Teilung auseinandersetzte, wurde als ergänzende Grundlage für den Kernbereich der Arbeit hinzugefügt. Diese Seminararbeit wurde mit Rogges Monographie und verschiedenen Überblicksliteraturen sowie diversen Aufsätzen abgerundet.

Die Motivation diese Seminararbeit über die Leipziger Teilung von 1485 zu schreiben, hat diverse Gründe11. Zum einem ist es als ‚Außenstehende‘ unbegreiflich, weshalb zwei erfolgreich regierende Brüder, die wettinischen Lande dennoch teilten. Zum anderen hat mich jene Unbegreiflichkeit dazu veranlasst, mich mit diesem Thema intensiver zu beschäftigen. Des Weiteren möchte ich durch diese Arbeit die Gelegenheit wahrnehmen, diese Unbegreiflichkeit zu ‚verarbeiten‘ und die Hintergründe, warum sich die Ernestinische und Albertinische Linie gebildet hat, verstehen.

4. Die Vorgeschichte

Die Leipziger Teilung von 1485 kann man nur verstehen, wenn man das Verständnis aufbringt, dass Landesteilungen in der Geschichte der Wettiner keine Seltenheit darstellten. Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass „eine Primogenitur, bei dem der älteste Sohn, oder doch wenigstens einem der Söhne, fast die gesamte Herrschaftsmacht allein in die Hände gelegt wurde, […] zunächst ganz außerhalb der mittelalterlichen Vorstellungswelt“12 lag. Der Erblasser musste somit jedem einzelnen Sohn eine adäquate Ausstattung an Herrschaftsterritorien garantieren bzw. vererben13. Dabei ging es nicht nur darum ein „rein finanziell bestimmtes Lebensniveau [zu führen], sondern die Ausübung von Macht und Herrschaft“14.

4.1. Die Teilung zu Chemnitz im Jahre 1382

„Markgraf Friedrich III. hatte sich kurz vor seinem Tod (25/26. Mai 1381) zusammen mit seiner Frau Katharina [von Henneberg-Schleusingen15 ] von seinen noch unmündigen Söhnen Friedrich IV. (*1370) [den Streitbaren16 ] und Wilhelm II. [den Reichen17 ] (*1371) versprechen lassen“18, dass sie der Mutter unterstehen „und deren Teil des wettinischen Herrschaftsbereichs, das Osterland, nicht teilen [sollten], solange sie lebte“19. Friedrich III. wollte mit diesem Versprechen verhindern, dass Erbstreitigkeiten zwischen den Söhnen ausbrachen und die wettinischen Lande dadurch geteilt werden könnten20. „Friedrich III. hatte gute Erfahrungen mit der Brüdergemeinschaft gemacht und wußte [sic!], daß [sic!] es sich vorteilhaft auswirkte, wenn die Teilung des Landes vermieden wurde“21. Allerdings wurde die Frage der Familienorganisation nach Friedrichs III. Tod neu gestellt, „denn seine Brüder, Balthasar und Wilhelm I., die zu diesem Zeitpunkt noch keinen Erben hatten, sahen sich mit drei erbberechtigten Neffen konfrontiert“22. Durch die Anzahl der Erb- und Herrschaftsberechtigten, entstand „ein generativer Druck […], dem man nur noch mit einer Herrschaftsteilung bei-zukommen glaubte“23. „Im Dezember 1381 waren Grundzüge der Teilung festgelegt [worden]“24, doch erst deutlich später wurde die Teilung beurkundet: Am 13. November 1382 in Chemnitz25. „Es war eine sogenannte Totteilung, d.h. die gesamten wettinischen Länder wurden in drei Teile geteilt“26: „Wilhelm I. behielt die Markgrafschaft Meißen, Balthasar die Landgrafschaft Thüringen, […] Friedrich IV. und Wilhelm II. unter der Vormundschaft ihrer Mutter Katharina das Osterland“27. Trotz dieser Totteilung, sollte der Familienzusammenhalt erhalten und „die Hoheitsrechte durch eine enge Gebietsverzahnung beibehalten werden“28 sollten. Konkret äußerte sich dies dadurch, dass im gemeinsamen Besitz die Bergwerke blieben, ebenso die Münz- und Zehntwesen und die gemeinsam ernannten Amtleute, welche dafür notwendig waren29. „Das in der Goldenen Bulle von 1356 enthaltene Teilungsverbot für Kurfürstentümer galt nicht für das wettinische Territorium, da es nicht in den Rang eines Kurfürstentums von Kaiser Karl IV. erhoben worden war“30.

4.2. Die Altenburger Teilung, der Bruderkrieg und der Prinzenraub

„Die politische Entwicklung im Kurfürstentum Sachsen wurde zwischen 1423 und 1485 durch drei Ereignisse beeinflusst“31:

Friedrich, der Streitbare, hinterließ bei seinem Tod die Söhne Friedrich, den Sanft-mütigen, Sigmund und Wilhelm, den Tapferen. Sigmund allerdings fiel 1436 in der Erbfolge aus, denn er trat in jenem Jahr in den geistlichen Stand ein. Als dann Friedrich, der Friedfertige, Sohn von Balthasar, 1440 kinderlos verstarb, ging der komplette Besitz an die Brüder Friedrich, den Sanftmütigen, und Wilhelm, den Tapferen. Dadurch war die Teilung zu Chemnitz von 1382 aufgehoben32. Friedrich und Wilhelm regierten zunächst gemeinsam, doch „schon 1437 ver-ständigten sich die Brüder auf eine Landesteilung“33. Trotz der Verträge in Jena 1437, Coburg 1439 und Weißenfels 1444, kam es zu keiner Lösung zwischen den Brüdern. Überdies bestand ein beträchtlicher Schuldenberg, der durch Friedrichs II. Krieg gegen die Hussiten verursacht wurde34. „Der Rückfall Thüringens, der Ablauf der Verträge zur gemeinsamen Verwaltung der Herrschaften 1440 und der Verzicht seiner Ansprüche auf Luxemburg wurden für Wilhelm III. entscheidend: Er drängte auf eine Teilung […]“35. Jedoch standen die Verhandlungen zur Teilung zwischen den Brüdern „unter keinem guten Stern“36, denn Friedrich, der Sanftmütige, lehnte 1444 einen ersten Verhandlungsentwurf ab, die damit beschäftigten Ratgeber wurden zudem von ihm entlassen37. Am 26. September 1445, jenes Datum, welches als die Altenburger Teilung in die Historiographie einging, kam es „entgegen den Bestimmungen“38 zu einem Rollentausch: Wilhelm, der jünger war als Friedrich, sollte den Teilungsplan aufstellen, bei dem Friedrich wider dem Erwarten zunächst den thüringischen Teil, in der Wilhelm etabliert war, auswählte39. „Es kam zu einem Streit, den erst die Stände der wettinischen Lande und eine Ermahnung des Königs schlichten konnten“40. Die Schlichtung „erfolgte im Hallischen Machtanspruch vom 11. Dezember 1445“41, in der Friedrich II. die meißnischen, Wilhelm III. stattdessen die thürin-gischen Territorien „zu übernehmen hatten“42. Der Streit der Brüder wurde durch die Räte Wilhelms III., „Apel III. Vitzthum [und Bernhard von Kochberg43 ], noch geschürt“44. Des Weiteren wollte Wilhelm III. „Thüringen eine Sonderstellung im wettinischen Herrschaftsgebiet zusichern und so einen Bruch mit dem Bruder […] Friedrich II. herbeiführen“45.

Auf Grund der „latente[n] Feindschaft“46 zwischen Friedrich II. und Wilhelm III., brach 1446 „der sächsische Bruderkrieg“47 aus: Dieser Streit eskalierte zunächst am 09. Januar 1446 als „Wilhelm III. in Weißensee eine Landesordnung für Thüringen veröffentlichte“48. Deutlich dagegen sprach sich Friedrich II. aus. Er warf Wilhelm III. vor, dass er eine „Entfremdung dieses Fürstentums von der [wettinischen] Dynastie [voran treibe], während Wilhelm III. die Vorhaltungen seines Bruders als unerträgliche Einmischung in seine Rechte“49 bezeichnete. Es dauerte nicht mehr lange und „die glimmende Flamme des Krieges loderte“50. Zwar gab es auch einen Waffenstillstand, welcher am 08. Februar 1447 in Naumburg verhandelt wurde51, doch der Krieg zog sich für insgesamt fünf Jahre52 dahin, welcher von „Verhandlungen und Blutvergießen“53 geprägt war. Ein Krieg in der verschiedene Fehden nicht mehr zu kontrollieren waren, „Wettiner gegeneinander, gegen gegnerische Adlige, oder verschiedene Adlige gegeneinander“54 kämpften. Der Höhepunkt dieses Krieges fand seinen verheerenden Höhepunkt, als die böhmischen Soldaten, die zuvor von Wilhelm III. angeworben wurden, Gera einnahmen, diese dann plünderten und niedergebrannt hatten55. Im Frieden von Naumburg 1451 – „vom 6. bis 27. Januar 1451 dauerte der Tag“56 – konnten sich die Brüder auf das Ende des blutigen Konfliktes, in der das Land schwer beschädigt wurde, einigen57. Was die Herrschaftsverteilung allerdings anging, „kehrte man zu dem Dezember 1445 erreichten Status quo zurück: Die Aufteilung der beiden Herrschaftsgebiete wurde nicht verändert“58.

[...]


1 Im privaten Emailverkehr hatte Herr Dr. Eckhart Leisering, Referent des Hauptstaatsarchivs Dresden, darauf hingewiesen, dass der Zugang zum Original der Urkunden aus Erhaltungsgründen gesperrt und online noch nicht verfügbar ist. Aus diesem Grund beruht die äußere Quellenkritik ausschließlich auf den mir vorliegenden Literaturen und Abbildungen. Es ist ebenfalls darauf hinzuweisen, dass die Qualität der Kopien der Abbildungen nicht hinreichend ist.

2 Blaschke, Karlheinz: „Atlas zur Geschichte und Landeskunde von Sachsen, Beiheft zur Karte C III 1, Die Wettinischen Länder von der Leipziger Teilung bis zum Naumburger Vertrag 1554“, Leipzig 2010, S. 17.

3 Vgl. ebd., S. 19

4 Ebd., S. 19 und vgl. Abb. 1 im Anhang

5 Ebd., S. 20 und vgl. Abb. 2 im Anhang

6 Ebd. und vgl. Abb. 3 im Anhang

7 Rogge, Jörg: „Die Wettiner, Aufstieg einer Dynastie im Mittelalter“, Ostfildern 2005, S. 10.

8 Gerlach, Siegfried: „Sachsen – Eine politische Landeskunde“, unveränderter Nachdruck, Stuttgart 1994, S. 85.

9 Thieme, André: „1485 – Die Leipziger Teilung der wettinischen Lande“. In: In: Eigenwill, Reinhardt: Zäsuren sächsischer Geschichte, Merkkleeberg 2010, S. 69.

10 Groß, Reiner: „Die Wettiner“, Stuttgart 2007, S. 83.

11 Es ist sehr unüblich, eine Danksagung in eine Seminararbeit mit einzubringen. Dennoch möchte diese Möglichkeit nutzen und meinen Dank an eine Freundin aussprechen, die Kunstgeschichte studiert. Sie ist ein weiterer Grund, diese Seminararbeit zu verfassen, denn durch ihr besonderes Interesse für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Kunst, hat sie meine Neugier für diese Epoche auf historiographischer Ebene geweckt.

12 Thieme, André: 1485, S. 70.

13 Vgl. ebd.

14 Ebd.

15 Groß, Reiner: Die Wettiner, S. 68, Stammtafel.

16 Auert, Stefan: „Die Teilungen der Wettiner von 1382 und 1445 unter besonderer Berücksichtigung der Leipziger Teilung 1485“. In: Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts, Heft 43, Haale/Saale 2006, S. 39.

17 Ebd.

18 Rogge, Jörg: „Herrschaftsweitergabe, Konfliktregelung und Familienorganisation im fürstlichen Hochadel, Das Beispiel der Wettiner von der Mitte des 13. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts“, Stuttgart 2002, S. 87.
Hier ist zu bemerken, dass Friedrich III. einen dritten unmündigen Sohn hinterließ: Georg, welcher 1380 geboren wurde (vgl. Rogge, Jörg: Die Wettiner, Aufstieg einer Dynastie im Mittelalter, Ostfildern 2005, S. 120).

19 Rogge, Jörg: Die Wettiner, S. 120.

20 Vgl. Rogge, Jörg: Herrschaftsweitergabe, S. 87.

21 Eda.

22 Rogge, Jörg: Die Wettiner, S. 120.

23 Thieme, André: 1485, S. 72.

24 Groß, Reiner: Die Wettiner, S. 61. Bemerkung: Rogge erwähnt, dass die Vorbereitungen bereits im Herbst 1381 gelaufen seien (Vgl. Rogge, Jörg: Die Wettiner, S. 120).

25 Vgl. Rogge, Jörg: Die Wettiner, S. 120 und Groß, Reiner: Die Wettiner, S. 61.

26 Groß, Reiner: Die Wettiner, S. 61.

27 Rogge, Jörg: Die Wettiner, S. 121.

28 Auert, Stefan: Die Teilungen der Wettiner, S. 40.

29 Vgl. Groß, Reiner: Die Wettiner, S. 64.

30 Ebd.

31 Groß, Reiner: „Geschichte Sachsens“, Leipzig 2012, S. 27.

32 Vgl. Groß, Reiner: Geschichte Sachsens, S. 27 und vgl. Auert, Stefan: Die Teilungen der Wettiner, S. 40.

33 Auert, Stefan: Die Teilungen der Wettiner, S. 40.

34 Ebd., S. 40f.

35 Auert, Stefan: Die Teilungen der Wettiner, S. 41.

36 Thieme, André: 1485, S. 75.

37 Vgl. ebd.

38 Auert, Stefan: Die Teilungen der Wettiner, S. 41.

39 Vgl. ebd. und vgl. Thieme, André: 1485, S. 75.

40 Thieme, André: 1485, S. 75.

41 Groß, Reiner: Die Wettiner, S. 78

42 Vgl. ebd.

43 Auert, Stefan: Die Teilungen der Wettiner, S. 42.

44 Thieme, André: 1485, S. 75

45 Auert, Stefan: Die Teilungen der Wettiner, S. 42.

46 Thieme, André: 1485, S 75.

47 Auert, Stefan: Die Teilungen der Wettinger, S. 42 (Gleichnamiger Titel der Dissertation Kochs. Er beschäftigte sich intensiv mit dieser Thematik, Vgl. dazu Koch, Herbert: „Der sächsische Bruderkrieg 1445 – 1451, Erster Teil: Bis zum Erfurter Frieden, 1445 bis 25. IX. 1447“, Dissertation, Halle a. S. 1909).

48 Rogge, Jörg: Die Wettiner, S. 161.

49 Ebd., S. 162

50 Koch, Herbert: Der sächsische Bruderkrieg, S. 70.

51 Vgl. ebd., S. 79.

52 Vgl. Thieme, André: 1485, S. 75.

53 Koch, Herbert: Der sächsische Bruderkrieg, S. 99.

54 Thieme, André: 1485, S. 75.

55 Vgl. ebd. und vgl. Groß, Reiner: Die Wettiner, S. 78.

56 Rogge, Jörg: Herrschaftsweitergabe, S. 204.

57 Vgl. Thieme, André: 1485, S. 75.

58 Rogge, Jörg: Die Wettiner, S. 163.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Leipziger Teilung 1485. Was bewegte Ernst und Albrecht dazu, die wettinischen Länder zu teilen, obwohl sie an der Spitze der Macht waren?
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,5
Autor
Jahr
2016
Seiten
33
Katalognummer
V456904
ISBN (eBook)
9783668874084
ISBN (Buch)
9783668874091
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wettiner, Haus Wettin, Leipziger Teilung, 1485, Ernst und Albrecht
Arbeit zitieren
Daniela Di Pinto (Autor:in), 2016, Die Leipziger Teilung 1485. Was bewegte Ernst und Albrecht dazu, die wettinischen Länder zu teilen, obwohl sie an der Spitze der Macht waren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456904

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