James Joyce schrieb den Roman „A Portrait of the Artist as a Young Man“ in der Epoche der Moderne. Die Moderne stand für die Zeit des Umbruchs: die Menschen wandten sich ab von der Prüderie und Doppelmoral der viktorianischen Zeit und verlangten anstatt nach sexueller Verdrängung und dem Wahren des „schönen Scheins“ nach Aufklärung und Toleranz. Freuds Entwicklung der Psychoanalyse, von der auch James Joyce nicht unbeeindruckt gewesen sein soll, stellte nun die Entwicklung des Individuums und des menschlichen Bewusstseins in den Mittelpunkt. In der Moderne wurde das althergebrachte Bild der Ehe hinterfragt. Des Weiteren veränderte sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft im Sinne der Emanzipation und auch die Frage der Sexualität erfuhr eine neue Bedeutung, nachdem Sigmund Freud den Sexualtrieb als wesentlich für die Menschheit herausstellte.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Hintergrund
2. Die Frauenfiguren
2.1 Stephens Mutter (Mary Dedalus)
2.2 Dante Riordan
2.3 Eileen Vance
2.4 Mercedes
2.5 Die Prostituierte
2.6 Emma Clery (E-C-)
2.7 Die Frau am Strand
3. Schluss
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung verschiedener Frauengestalten für die Entwicklung des Protagonisten Stephen Dedalus in James Joyces Roman „A Portrait of the Artist as a Young Man“. Dabei wird analysiert, wie diese Figuren sowohl als fördernde als auch als hemmende Instanzen auf seinen Reifeprozess zum Künstler wirken und inwieweit sie sein Verständnis von Religion, Sexualität und Heimat prägen.
- Die Rolle der Weiblichkeit im Prozess der Künstlerwerdung
- Wechselspiel zwischen sinnlicher Erfahrung und religiöser Norm
- Autobiografische Elemente in der Darstellung von Frauenfiguren
- Symbolik und Ambivalenz der Frauenbilder im Roman
- Abnabelungsprozesse von Familie und gesellschaftlichen Konventionen
Auszug aus dem Buch
2.4 Mercedes
James Joyce vertritt die Ansicht, dass der Katholizismus seine Anhänger zur Unterdrückung ihrer Sexualität zwingt. Er glaubt, dass die Jesuiten angefüllt sind mit ihren aufgestauten Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen. Auch in seinem Werk „A Portrait of the Artist as a Young Man“ bringt er seine Meinung darüber unterschwellig zum Ausdruck: so ist es auffällig dass Father Dolan sichtbar Befriedigung erfährt als er Stephen zu Unrecht bestraft, außerdem wird Clongowes als ein Ort der Verklemmung und verlogenen Keuschheit dargestellt, der bewirkt, dass Stephen ein ausgesprochen distanziertes und gehemmte Verhältnis gegenüber Mädchen und Frauen entwickelt. So geschieht es, dass Stephen sich in seine Fantasien zurückzieht und sich fiktive Beziehungen zu Frauen ausmalt, um sich nicht in der Realität mit ihnen auseinandersetzen zu müssen:
die Figur der Mercedes erscheint als die Familie Dedalus bereits nach Blackrock umgezogen ist. Abends liest Stephen den Roman „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas, der seine Vorstellungskraft immens anregt - besonders fasziniert ist er von dem Charakter der Mercedes. Er stellt sich vor, er selbst wäre Dantes, der Held des geliebten Buches und Mercedes wäre seine Gespielin. In Gedanken und Träumen führt er mit ihr eine ideale Liebesbeziehung voller Romantik, Reinheit, Sanftheit und Zärtlichkeit und versucht dadurch die in ihm aufsteigenden sexuellen Bedürfnisse uns Wünsche zu verdrängen, was ihm jedoch nur unzureichend gelingt:
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in den literarischen Kontext der Moderne, die erzähltechnische Neuerung des „stream of consciousness“ und den autobiografischen Hintergrund des Romans.
1. Hintergrund: Erläuterung der Entstehungsgeschichte des Romans vom Essay über „Stephen Hero“ bis zur endgültigen Fassung und Übersicht der fünf Entwicklungsstufen Stephens.
2. Die Frauenfiguren: Detaillierte Analyse der weiblichen Charaktere wie Mary Dedalus, Dante Riordan, Eileen Vance, Mercedes, der Prostituierte, Emma Clery und der Frau am Strand als Spiegelbilder von Stephens innerem und äußerem Kampf.
3. Schluss: Synthese der Erkenntnisse über Stephens Genese als Künstler unter dem Einfluss der ambivalenten Frauenfiguren.
4. Literatur: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen für die Hausarbeit.
Schlüsselwörter
James Joyce, A Portrait of the Artist as a Young Man, Stephen Dedalus, Frauenfiguren, Künstlerwerdung, Katholizismus, Moderne, Sexualität, Sinnlichkeit, Autonomie, Irland, Identität, Symbolik, Literaturanalyse, Entwicklungsroman
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der Frauengestalten in James Joyces Roman „A Portrait of the Artist as a Young Man“ für die persönliche und künstlerische Entwicklung des Protagonisten Stephen Dedalus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen katholischer Erziehung, aufkommender Sexualität, Identitätsfindung und den komplexen, oft widersprüchlichen Beziehungen des Protagonisten zu den ihn umgebenden Frauen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche Frauenfiguren – von der Mutter bis zur „Frau am Strand“ – einerseits als Identifikationsfiguren dienen und andererseits als Symbole gesellschaftlicher und religiöser Zwänge wirken, die Stephen überwinden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Sekundärliteratur und biographischen Kontexten zur Interpretation der Charaktere und Motive.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit sieben spezifischen Frauenfiguren, wobei jede Figur hinsichtlich ihrer symbolischen Funktion für Stephens Reifungsprozess untersucht wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Autor und seinem Werk sind Begriffe wie Künstlerwerdung, Katholizismus, Sinnlichkeit und die psychologische Entwicklung des Protagonisten zentral.
Warum wird Stephens Mutter als Repräsentantin der Kirche gesehen?
Stephen nimmt seine Mutter zunehmend nicht mehr als nahbare Bezugsperson wahr, sondern als Symbol für die einengende Moral und die religiösen Dogmen, von denen er sich lösen muss, um als Künstler unabhängig zu werden.
Inwiefern ist die „Frau am Strand“ ein Wendepunkt für den Protagonisten?
Diese Erscheinung markiert den Moment, in dem Stephen seine Berufung zum Künstler vollends akzeptiert; sie löst die bisherigen hemmenden Frauenbilder ab und versinnbildlicht die Einheit von Geist und Körper.
Warum stellt der Bordellbesuch trotz der Rebellion ein „Selbstverlust“ dar?
Obwohl der Besuch ein Akt gegen die religiöse Moral ist, führt er nicht zur erhofften Integration von Körper und Geist, sondern offenbart eine Entfremdung, die Stephen verdeutlicht, dass wahre Selbstfindung tiefgreifender ist als rein körperliche Erfahrung.
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- Sabine Teichrieb (Author), 2005, Die Bedeutung von Frauengestalten für Stephen in A Portrait of the Artist as a Young Man von James Joyce, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45692