Zwangsstörungen. Zwangsgedanken, Zwangshandlungen und ihre verschiedenen Formen


Ausarbeitung, 2012
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Jeder Mensch macht sich ab und an Sorgen, hat quälende Gedanken und Befürchtungen, zweifelt von Zeit zu Zeit an sich selbst und verspürt aufgrund dessen Angst. Das ist normal. Auch, dass man vielleicht einmal mehr als nötig sicher geht, ob der Herd wirklich abgeschaltet oder die Tür tatsächlich abgeschlossen ist, ist nichts außergewöhnliches.

Theoretisch ist eine Zwangsstörung oft nichts anderes, als „normales“ Verhalten in einer extrem gesteigerten und übertriebenen Form. Es handelt sich meistens um alltägliche und durchaus normale Handlungen oder Gedanken, wie zum Beispiel Waschen, Ordnung halten oder bestimmte Dinge kontrollieren, sammeln oder zählen. Forschungen haben ergeben, dass alle Menschen, ob zwanghaft oder nicht, verrückte oder obszöne Gedanken haben, der Unterschied besteht allerdings im Umgang mit diesen Fantasien und welche Bedeutung diesen zugemessen wird (vgl. http://www.focus.de/ge-sundheit/ratgeber/psychologie/krankheitenstoerungen/zwang/zwangsgedanken_aid_25122.html). Ein gesunder Mensch kann solche Gedanken zulassen, ohne dass ihn diese ernsthaft beunruhigen und er kann bewusst an etwas anderes denken, wenn er das will, während Zwangserkrankte von diesen Gedanken sehr beunruhigt sind und regelrecht gequält werden, weil sie sich ihnen aufdrängen und sie an nichts anderes mehr denken können.

Viele „zwanghafte“ Verhaltensweisen, wie zum Beispiel ein penibles Reinigen der Wohnung oder ein wiederholtes Kontrollieren der Elektrogeräte vor Verlassen der Wohnung, sind gesellschaftlich anerkannt und gelten eben als „Spleen“, „Marotte“ oder „Putzfimmel“. Es handelt sich einfach um Gewohnheiten, die niemanden weiter beunruhigen, schon gar nicht die Betroffenen. Es sind viel mehr Einstellungen und Verhaltensweisen, die Ausdruck der persönlichen Vorlieben und des Wesens eines Menschen sein können. So sagt man über eine Person beispielsweise, dass man bei ihr „vom Fußboden essen kann“, weil es so sauber ist (vgl. Fricke/Rufer 2009, S. 26). Viele Zwangssymptome finden sich in abgeschwächter Form in fast jedermanns Alltag. „Viele Menschen setzen sich nicht auf eine öffentliche Toilette, selbst wenn diese gerade gereinigt wurde, weil sie doch befürchten, sich mit einer Krankheit zu infizieren. Andere fühlen sich unbehaglich, wenn sie etwas essen, direkt nachdem sie Geld in der Hand hatten (obwohl das Geld sauber aussieht). Viele Leute macht es „kribbelig“, wenn sie ein Bild schief hängen sehen [...]“ (Fricke/Rufer 2009, S. 26), um nur einige Beispiele zu nennen, in denen sich mit Sicherheit sehr viele Menschen wiedererkennen. Bedeutsam ist, dass bei „normalen“ Personen, im Gegensatz zu Zwangserkrankten, kein Leidensdruck besteht.

In der vorliegenden Ausarbeitung werde ich zunächst die Zwangsstörung definieren und dabei sowohl auf Zwangsgedanken als auch auf Zwangshandlungen eingehen, und einige ihrer verschiedenen Formen an Beispielen ausführen.

Anschließend wird thematisiert, wie Zwangsstörungen entstehen, ich benenne und erläutere hierbei mehrere Kriterien, die als mögliche Ursachen oder begünstigende Faktoren diskutiert werden. Abschließend werde ich auf die Therapiemöglichkeiten eingehen.

Laut der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (kurz ICD-10), sind „Zwangsstörungen […] gekennzeichnet durch sich wiederholende unangenehme Gedanken, Impulse oder Handlungen, die […] wenigstens 2 Wochen lang an den meisten Tagen bestehen müssen, als zur eigenen Person gehörig erlebt werden und gegen die zumindest partiell Widerstand geleistet wird (häufig erfolglos), da der Betroffene sie als sinnlos empfindet“ (Dt. Ges. f. Kinder- und Jugendpsychiatrie 2007, S. 1).

Charakterisierend ist die ständig wiederkehrende gleichartige Wiederholung der Gedanken, Impulse oder Handlungen, was zur Folge hat, dass die Personen oft Angst empfinden und von Leidensdruck gequält werden. Durch die Störung kommt es zu einer Einschränkung des Alltagslebens und der allgemeinen Aktivität der Betroffenen oder es geht sogar so weit, dass viele aufgrund dessen ihren Beruf nicht mehr ausführen können und in privaten Handlungen extrem eingeschränkt sind, da sich ihr ganzes Leben um ihre Zwänge dreht.

Die Symptome dürfen keinesfalls als angenehm erlebt werden, daher werden definitionsgemäß zwanghaftes Essen, Spielen und Sexualverhalten nicht der Zwangsstörung zugerechnet, weil solche Handlungen für die Betroffenen zumindest mit einem gewissen Vergnügen verbunden sind. Personen, die unter Zwangsstörungen leiden, hassen die Gedanken oder Handlungen die ihr Leben oft sehr einschränken und setzen sich gegen diese zur Wehr.

Früher glaubte man oft, dass die Betroffenen dieser Erkrankung vom Teufel besessen seien und dieser sie zwang, ihre merkwürdigen Rituale auszuführen, und auch noch heute gibt es Patienten, die glauben, besessen zu sein und versuchen, ihre Zwänge durch Exorzismus zu bekämpfen (vgl. Baer 1991, S. 20).

Im Allgemeinen tritt die Störung im jungen Erwachsenenalter, oft während der Pubertät, auf. Es gibt auch bei Kindern zwangähnliche Erscheinungen, die oft unbedenklich sind. Beispielsweise wenn Kinder abends vor dem Schlafengehen kontrollieren ob ihre Spielzeuge am richtigen Platz liegen oder sie immer wieder die gleichen Fragen stellen und sich oft rückversichern wollen. Dies sind häufig nur relativ kurze Phasen im Kindesalter und dieses Verhalten ist unbedenklich (vgl. www.-planet-wissen.de/alltag_gesundheit/krankheiten/zwangsstoerungen/index.jsp).

Die Leitsymptome von Zwangsgedanken sind absurde Ideen, bildhafte Vorstellungen, Assoziationen oder Impulse, die sich dem Patienten aufdrängen und die ihn immer wieder stereotyp beschäftigen (vgl.Dt. Ges. f. Kinder- und Jugendpsychiatrie u.a. 2007, S. 1).

„In allen Kulturen, in denen bislang Untersuchungen zu Zwangsgedanken gemacht wurden, drehten sich diese meist um die Themen Sauberkeit, Ordnung, Aggression, Sexualität und Religion“ (Baer 1991, S. 19f). Sie treten unwillkürlich auf und lösen bei den Betroffenen meist Unruhezustände aus, sie können an nichts anderes denken, auch wenn sie es mit aller Kraft versuchen, die Gedanken drängen sich ihnen immer wieder auf. Oftmals rufen sie bei den Betroffenen Angst, Unbehagen oder auch Ekel hervor (vgl. Fricke/Rufer 2009, S. 12).

Obwohl sie keine Handlungen ausführen, können sie durch ihre Gedanken so stark eingeschränkt sein, dass sie beruflichen und privaten Aktivitäten nicht mehr nachgehen können. Viele Menschen, die beispielsweise unter gewalttätigen oder sexuellen Zwangsgedanken leiden, empfinden eine sehr große Abscheu vor ihren Gedanken, denn es handelt sich meist um perverse oder absurde Ideen, die sie in der Realität niemals ausführen würden und doch quält sie die Angst, dass sie es tun könnten, oder es besteht Panik, vor allem bei sehr religiösen Menschen, dass sie für ihre Gedanken bestraft werden könnten (vgl. Baer 1991, S. 36f).

Zwangshandlungen hingegen sind charakterisiert durch ständig wiederkehrende Handlungsmuster, spezielle übertriebene oder völlig unsinnige zielgerichtete Verhaltensweisen und Rituale werden hierbei immer wieder durchgeführt (vgl Klepsch/Wilcken 1998, S. 16).

„Zwangshandlungen haben oft zum Ziel, Ängste, Unbehagen oder Ekel zu verringern, welche durch Zwangsgedanken ausgelöst worden sind“ (Fricke/Rufer 2009, S. 13), die ausgeführte Handlung soll innere unangenehme Gefühle und Angst mindern, allerdings existiert hierbei kein rationales und sinnvolles Verhältnis zwischen der beabsichtigten Wirkung und der ausgeführten Handlung oder sie ist völlig übertrieben (vgl. Baer 1991, S. 20). Dies erkennen auch die Betroffenen, aber dennoch können sie nicht anders, als ihre Rituale auszuführen.

Zu den häufigsten Formen der Zwangshandlungen gehören Wasch-, Kontroll-, Ordnungs- und Sammelzwänge. Im Folgenden werde ich auf diese vier Formen beispielhaft für die Erkrankung an der Zwangshandlung eingehen.

Personen, die von Waschzwängen und Angst vor Verseuchung betroffen sind, haben Panik davor, mit Schmutz, Bakterien oder Krankheitserregern (besonders häufig dem HI-Virus) in Berührung zu kommen. Ihre Angst geht oft so weit, dass die Betroffenen kein normales Leben mehr führen können. Sie versuchen zum Beispiel, sich von der mutmaßlichen Verkeimung oder Verschmutzung zu befreien, indem sie ihre Hände und oft auch andere Körperteile ausgiebig waschen oder sogar stundenlang duschen oder baden, häufig haben sie dabei festgelegte Reinigungsrituale. Häufig tun sie das solange, bis ihre Haut ernsthafte Schäden davonträgt. Manche Zwangserkrankte benutzen auch starke Desinfektionsmittel, die Folge können schwere Verätzungen sein, die schmerzhafte Hautek

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Details

Titel
Zwangsstörungen. Zwangsgedanken, Zwangshandlungen und ihre verschiedenen Formen
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V456959
ISBN (eBook)
9783668871199
ISBN (Buch)
9783668871205
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zwangsstörungen, zwangsgedanken, zwangshandlungen, formen
Arbeit zitieren
Jennifer Siehms (Autor), 2012, Zwangsstörungen. Zwangsgedanken, Zwangshandlungen und ihre verschiedenen Formen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456959

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