Die Grundidee für eine Neuerung des Verrechnungssystems entstand schon vor mehr als 25 Jahren, wobei die ersten Ansätze, welche die betrieblichen Aktivitäten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellten, kein großes Interesse hervorriefen. Erst 1985 gelang Miller und Vollmann mit dem Artikel „The hidden factory“ der gewünschte Anstoß der wirtschaftlichen Denkweise in der amerikanischen Wirtschaft. Dort wird die große Bedeutung und kostenrechnerische Relevanz der indirekten Leistungsbereiche erstmals in aller Deutlichkeit in den Vordergrund gestellt. Allerdings kann man die Prozesskostenrechnung in diesem frühen Stadium nicht als neuartiges Kostenrechnungssystem bezeichnen. Weiterentwickelt wurde dieser Ansatz von den Amerikanern Cooper, Johnson und Kaplan, welche durch eine Vielzahl individueller und gemeinsamer, zum Teil sehr grundlegender Veröffentlichungen, die Philosophie des Activity-Based Costing (ABC) entwarfen. Auch wenn die wissenschaftliche „Wiege“ der Prozesskostenrechnung in den USA steht, sollte dennoch hevorgehoben werden, dass zeitgleich in Deutschland vor allem auf Seiten der Praxis pozessorientierte Kostenrechnungsansätze entwickelt und eingesetzt wurden.
Horváth und Mayer modifizierten Ende der 80er Jahre das amerikanische Konzept für deutsche Kostenrechnungszwecke und nannten es Prozesskostenrechnung. Activity-Based Costing und Prozesskostenrechnung sind also als zwei unterschiedliche Konzepte zu verstehen.
Als Hauptgrund für die Entwicklung der Prozesskostenrechnung ist zu nennen, dass sich die bekannten Verfahren der Kostenrechnung nicht den betrieblichen Veränderungen angepasst haben. Insbesondere die durch den technologischen Wandel verursachte Änderung der Gemeinkostenstruktur lasse die Beibehaltung der herkömmlichen Methoden der Kostenverrechnung fragwürdig erscheinen. Besonders stark sind die Gemeinkosten in den indirekten Leistungsbereichen gestiegen, in den überwiegend vorbereitende, steuernde und koordinierende Tätigkeiten vollzogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlagen der Prozesskostenrechnung
1.1 Entstehung
1.2 Begriff und grundlegende Charakteristika
1.3 Ziele und Aufgaben der Prozesskostenrechnung
1.4 Einsatzbereiche der Prozesskostenrechnung
2 Die Vorgehensweise der Prozesskostenrechnung
2.1 Strukturelemente
2.1.1 Prozessebenen
2.1.2 Maßgrößen und Kostentreiber
2.2 Das Schema der Prozesskostenrechnung
2.2.1 Überblick über die Einführungs- und Ablaufschritte
2.2.2 Festlegung der Unternehmensbereiche und Zielsetzungen
2.2.3 Ermittlung hypothetischer Hauptprozesse
2.2.4 Tätigkeitsanalyse und Teilprozessbildung
2.2.5 Prozesskostenstellenrechnung
2.2.6 Verdichtung zu Hauptprozessen
3 Kritische Beurteilung der Prozesskostenrechnung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Grundlagen, methodische Vorgehensweise sowie die kritische Würdigung der Prozesskostenrechnung als Instrument des Controllings fundiert darzustellen, um deren Rolle als Ergänzung zur traditionellen Kostenrechnung zu beleuchten.
- Historische Entwicklung und Einordnung der Prozesskostenrechnung
- Methodische Strukturelemente und das prozessorientierte Kostenrechnungsschema
- Praktische Implementierung von der Tätigkeitsanalyse bis zur Hauptprozessverdichtung
- Kritische Analyse des Vollkostencharakters und strategische Vorteile
- Anwendungsbeispiele und Fallstudien aus der industriellen Praxis
Auszug aus dem Buch
1.1 Entstehung
Die Grundidee für eine Neuerung des Verrechnungssystems entstand schon vor mehr als 25 Jahren, wobei die ersten Ansätze, welche die betrieblichen Aktivitäten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellten, kein großes Interesse hervorriefen. Erst 1985 gelang Miller und Vollmann mit dem Artikel „The hidden factory“ der gewünschte Anstoß der wirtschaftlichen Denkweise in der amerikanischen Wirtschaft. Dort wird die große Bedeutung und kostenrechnerische Relevanz der indirekten Leistungsbereiche erstmals in aller Deutlichkeit in den Vordergrund gestellt. Allerdings kann man die Prozesskostenrechnung in diesem frühen Stadium nicht als neuartiges Kostenrechnungssystem bezeichnen. Weiterentwickelt wurde dieser Ansatz von den Amerikanern Cooper, Johnson und Kaplan, welche durch eine Vielzahl individueller und gemeinsamer, zum Teil sehr grundlegender Veröffentlichungen, die Philosophie des Activity-Based Costing (ABC) entwarfen.
Auch wenn die wissenschaftliche „Wiege“ der Prozesskostenrechnung in den USA steht, sollte dennoch hevorgehoben werden, dass zeitgleich in Deutschland vor allem auf Seiten der Praxis pozessorientierte Kostenrechnungsansätze entwickelt und eingesetzt wurden. Horváth und Mayer modifizierten Ende der 80er Jahre das amerikanische Konzept für deutsche Kostenrechnungszwecke und nannten es Prozesskostenrechnung. Activity-Based Costing und Prozesskostenrechnung sind also als zwei unterschiedliche Konzepte zu verstehen.
Als Hauptgrund für die Entwicklung der Prozesskostenrechnung ist zu nennen, dass sich die bekannten Verfahren der Kostenrechnung nicht den betrieblichen Veränderungen angepasst haben. Insbesondere die durch den technologischen Wandel verursachte Änderung der Gemeinkostenstruktur lasse die Beibehaltung der herkömmlichen Methoden der Kostenverrechnung fragwürdig erscheinen. Besonders stark sind die Gemeinkosten in den indirekten Leistungsbereichen gestiegen, in den überwiegend vorbereitende, steuernde und koordinierende Tätigkeiten vollzogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Grundlagen der Prozesskostenrechnung: Dieses Kapitel erläutert die historische Genese und die theoretische Abgrenzung der Prozesskostenrechnung von anderen Kostenrechnungsverfahren.
2 Die Vorgehensweise der Prozesskostenrechnung: Hier wird der systematische Aufbau des Prozessmodells beschrieben, inklusive der Bestimmung von Prozessen, Teilprozessen und der Verdichtung zu Hauptprozessen.
3 Kritische Beurteilung der Prozesskostenrechnung: Dieses Kapitel analysiert Stärken und Schwächen des Verfahrens, insbesondere hinsichtlich des Vollkostencharakters und der praktischen Anwendbarkeit im Controlling.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, Gemeinkostenmanagement, Activity-Based Costing, Prozessorientierung, Kostentreiber, Teilprozess, Hauptprozess, Tätigkeitsanalyse, Kostenstellenrechnung, Strategisches Controlling, Produktkalkulation, Leistungsmenge, Prozesshierarchie, indirekte Leistungsbereiche, Kostentransparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Prozesskostenrechnung als Instrument zur Verbesserung der Gemeinkostenverrechnung und der Steuerung indirekter Unternehmensbereiche.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung, die methodische Durchführung der Prozesskostenrechnung, die Verdichtung zu Hauptprozessen sowie die kritische Reflexion des Verfahrens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Nutzen und die methodische Umsetzung der Prozesskostenrechnung als Ergänzung zu bestehenden Kostenrechnungssystemen darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Aufarbeitung der Literatur sowie eine exemplarische Veranschaulichung der methodischen Schritte anhand eines Rechenbeispiels.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die detaillierte Beschreibung der Vorgehensweise bei der Prozessidentifikation und -bewertung sowie eine kritische Beurteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Prozesskostenrechnung, Kostentreiber, Hauptprozessverdichtung und Gemeinkostenmanagement.
Wie unterscheidet sich die deutsche Prozesskostenrechnung vom amerikanischen Activity-Based Costing?
Obwohl eng verwandt, werden beide Begriffe in der Literatur differenziert betrachtet; die deutsche Variante wurde spezifisch für hiesige Kostenrechnungszwecke durch Horváth und Mayer modifiziert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen lmi- und lmn-Prozessen wichtig?
Lmi-Prozesse (leistungsmengeninduziert) erlauben eine verursachungsgerechte Zurechnung über Kostentreiber, während lmn-Prozesse (leistungsmengenneutral) eine fixe Grundlast darstellen.
Warum wird die Prozesskostenrechnung als Vollkostenrechnung kritisiert?
Da sie sämtliche Gemeinkosten proportionalisiert, fehlt die Trennung zwischen fixen und variablen Kosten, was sie für kurzfristige dispositive Entscheidungen im Vergleich zur Grenzplankostenrechnung weniger geeignet macht.
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- Bianca Bauer (Author), 2003, Die Prozesskostenrechnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45698