Ausgehend von einem Referat über den mexikanischen Autor Octavio Paz und sein schriftstellerisches Werk befasst sich die vorliegende Arbeit mit den sich kontrastierenden Kulturräumen Mexiko und der USA. Für Paz wie für viele andere lateinamerikanische Autoren und Intellektuelle war die Auseinandersetzung mit der nordamerikanischen Kultur und Politik zur Beantwortung der Frage nach der kulturellen und nationalen Identität der in Mexiko (bzw. in Lateinamerika) und den Vereinigten Staaten lebenden Mexikaner (bzw. ´Latinos`) unumgänglich. Die kulturellen Unterschiede, die Paz in seinen Essays anhand der unterschiedlichen historischen, religiösen, politischen und ökonomischen Voraussetzungen der beiden Staaten herausarbeitet, sind verbunden mit der Frage nach der ‚mexicanidad’ – der Identitätssuche des in der mexikanischen Kultur verwurzelten Individuums als Ausdruck der Suche eines Konzepts für die Zukunft des mexikanischen Volkes und Staates. Die Abgrenzung zum Anderen, zur otro lado, in diesem Fall die USA, ist für Mexiko besonders relevant, da hier zwei völlig verschiedene Kulturräume aufeinandertreffen.
Im Verlaufe dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie Paz mit Hilfe dieser Spiegelung, sprich dem Vergleich, sein Konzept der mexikanischen Identität entwickelt. Daran anschließend soll dargestellt werden wie sein Freund und Kollege, Carlos Fuentes, diese Thematik in seinen literarischen und essayistischen Werken verarbeitet und welche Position er hinsichtlich der gegenwärtigen Beziehung Mexikos zu den USA bezieht. Beide Autoren zählen zu den wichtigsten und innovativsten der mexikanischen Gegenwartsliteratur. „Desde la década de los 50, Fuentes y Paz han encabezado las corrientes literarias más fuertes y innovadores en México.”1 In Lateinamerika und speziell in Mexiko besaßen Literaten bis in die sechziger Jahre großen Einfluss auf die Konstruktion und Definition der nationalen und kulturellen Identitäten. Denn im 19. Jh. waren Schriftsteller gleichzeitig Staatsmänner, Politiker, Militärs und Diplomaten und damit intellektuelle und politische Elite in einem. Es gab kaum eine Differenzierung von Disziplinen, was dazu führte, dass die politischen und literarischen Diskurse zusammenfielen2. Diese literarische Tradition zeichnet sich bei Paz und Fuentes ab. Beide standen im diplomatischen Dienst Mexikos und haben sich stets politisch engagiert. Bei Fuentes ist es glücklicherweise noch heute der Fall.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Octavio Paz
2.1 La mexicanidad por el espejo indiscreto
2.1.1 Reforma y Contrarreforma
2.1.2 Colonización – sociedad inclusiva vs. exclusiva – la dimensión india
2.1.3 La Independencia
2.1.4 Las diferencias actuales
2.2 Los Pachucos y los Chicanos
3. Carlos Fuentes
3.1 ´Lo mexicano`
3.2 Bordercrossers / Chicanos
3.3 La frontera de cristal
4. Forderungen von Paz und Fuentes
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kontrastierenden Kulturräume Mexikos und der USA anhand ausgewählter literarischer und essayistischer Werke von Octavio Paz und Carlos Fuentes, um zu analysieren, wie diese Autoren Identitätskonzepte entwickeln und die gegenseitigen Beziehungen sowie die Situation von Mexikanern bzw. Latinos in den USA reflektieren.
- Kulturelle Identitätssuche von Mexikanern und Latinos
- Historische und soziokulturelle Unterschiede zwischen Mexiko und den USA
- Die Figur des Bordercrossers und die Lebensrealität von Chicanos
- Die Rolle von Literatur als politisches Sprachrohr und Vermittler
Auszug aus dem Buch
3.3 La frontera de cristal
Mit diesem abgeänderten Zitat des Diktators Díaz („Pobre México, tan lejos de Dios y tan cerca de los Estados Unidos.“) endet die Kurzgeschichtensammlung. Anhand der Schicksale der jeweiligen Protagonisten der Erzählungen führt Fuentes die sich seit zwei Jahrhunderten hinziehende Trennung von Mexiko und der USA vor. Die letzte der neun Erzählungen ist nach den Grenzflüssen Río Grande, Río Bravo benannt. In ihr werden durch das Überqueren der Grenze die Schicksale so zusammengeführt, dass sich die unterschiedlichen Erfahrungen der Kulturkonfrontation zu einer „Grenzerfahrungen“ verbinden. Der Grenzbegriff bezieht sich natürlich nicht nur auf die physisch-geographische Grenze. Er beinhaltet alle Formen der menschlich-kulturellen Abgrenzungen, die sich in Ablehnung und ihren Extremen, nämlich der Diskriminierung und dem Rassismus äußert.
Für die Protagonistin Margarita Barroso ist der einzige Weg der Diskriminierung zu entgehen, ihre mexikanische Herkunft und Sprache zu verheimlichen.
„[…], no quería ser vista como mexicana, ni como chicana, ella era gringa, vivía en el Paso, le decían Margarita en Chihuahua, pero en Texas era Margie, desde la escuela en el Paso le decían, oye, tú eres blanca, no te dejes llamar Margarita, hazte Margie y pasa por blanca, ni quién se entere: no hables español, no dejes que te traten de mexicana, pocha o chicana.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die kontrastierenden Kulturräume Mexiko und USA ein und erläutert die zentrale Bedeutung der Identitätssuche für Paz und Fuentes.
2. Octavio Paz: Dieses Kapitel analysiert Paz' essayistische Auseinandersetzung mit der mexikanischen Identität und seine Reflexion über die unterschiedlichen historischen Grundlagen von Mexiko und den USA.
2.1 La mexicanidad por el espejo indiscreto: Hier werden die tieferen kulturellen und historischen Unterschiede, einschließlich der Folgen von Reformation und Gegenreformation, detailliert untersucht.
2.1.1 Reforma y Contrarreforma: Der Abschnitt beleuchtet, wie religiöse Traditionen die Ideologien und gesellschaftlichen Werte beider Länder grundlegend geprägt haben.
2.1.2 Colonización – sociedad inclusiva vs. exclusiva – la dimensión india: Dieser Teil kontrastiert die spanische „sociedad inclusiva“ mit der angelsächsischen „sociedad exclusiva“ im Hinblick auf den Umgang mit der Urbevölkerung.
2.1.3 La Independencia: Hier wird analysiert, wie die verschiedenen Wege in die Unabhängigkeit die heutige politische und soziale Situation der beiden Staaten beeinflusst haben.
2.1.4 Las diferencias actuales: Dieser Abschnitt beschreibt die heutigen Unterschiede in der Mentalität und Lebensweise von Mexikanern und Nordamerikanern.
2.2 Los Pachucos y los Chicanos: Das Kapitel betrachtet die Identität von Mexikanern in den USA, insbesondere am Beispiel der Pachucos, als Extremform des „ser mexicano“.
3. Carlos Fuentes: Die biographische und literarische Einordnung von Fuentes steht hier im Vordergrund, ebenso wie sein gedanklicher Austausch mit Octavio Paz.
3.1 ´Lo mexicano`: Dieser Abschnitt zeigt, wie Fuentes Paz' Identitätskonzepte in seinen eigenen literarischen Werken aufgreift und weiterentwickelt.
3.2 Bordercrossers / Chicanos: Hier wird die konflikthafte Beziehung zwischen Mexiko und den USA thematisiert und die prekäre Situation von Migranten beleuchtet.
3.3 La frontera de cristal: Das Kapitel analysiert anhand von Fuentes’ Erzählungen die metaphorische „gläserne Grenze“, die eine wahre kulturelle Annäherung verhindert.
4. Forderungen von Paz und Fuentes: Zusammenfassung der von den Autoren erhobenen Forderungen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen durch Akzeptanz und Dialog.
5. Schlusswort: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Sicht der beiden Autoren auf den mexikanisch-amerikanischen Grenzraum und die Bedeutung ihrer Literatur zusammen.
Schlüsselwörter
Mexiko, USA, Octavio Paz, Carlos Fuentes, Identität, Mexicanidad, Chicanos, Kulturraum, Migration, Grenzerfahrungen, Literatur, Identidad chicana, Interkulturalität, Gesellschaft, Grenzkonflikt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die kontrastierenden Kulturräume Mexikos und der USA und untersucht, wie die Autoren Octavio Paz und Carlos Fuentes diese Differenzen in ihren Werken reflektieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kulturelle Identitätssuche, die historische Entwicklung der beiden Länder, die Situation von Migranten (Chicanos/Pachucos) sowie die Rolle von Literatur als gesellschaftliches Vermittlungsmedium.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Paz und Fuentes Konzepte der mexikanischen Identität entwickeln und welche Positionen sie zur Beziehung zwischen Mexiko und den USA beziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Texte von Paz und Fuentes kontrastiv vergleicht und in den historischen sowie soziokulturellen Kontext stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt Paz' Essays zum Wesen des Mexikaners, die soziokulturellen Unterschiede zwischen beiden Ländern sowie die literarische Umsetzung der Migrationsproblematik und Identitätssuche bei Carlos Fuentes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Mexicanidad, Identidad chicana, Grenzräume, Kulturkontakt, Migration und transkulturelle Literatur charakterisiert.
Wie unterscheiden Paz und Fuentes die beiden Kulturen im Hinblick auf den Tod?
Für die Mexikaner ist der Tod laut Paz und Fuentes ein natürlicher, sichtbarer Teil des Lebens, während er in der nordamerikanischen Kultur ausgegrenzt und als Abwesenheit bzw. Abstraktion wahrgenommen wird.
Was bedeutet die „gläserne Grenze“ bei Fuentes?
Die gläserne Grenze ist eine Metapher für die unüberwindbaren kulturellen Gegensätze, die eine echte Annäherung trotz geographischer Nähe und physischer Interaktion erschwert.
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- Cora Scholz (Author), 2005, Kultur Mexiko – USA, Paz - Fuentes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45705