Allgemeines Schulpraktikum an einer Hauptschule

Unterrichtsentwürfe für die Fächer Deutsch und Geschichte


Praktikumsbericht / -arbeit, 2003

38 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Meine Erwartungen an das allgemeine Schulpraktikum

2. Die HS/OS Rhauderfehn
2.1 Allgemeines
2.2 Aktivitäten der Schule
2.3 Initiative: „Stärkung der Hauptschule“
2.4 HS/OS als UNESCO-Projekt Schule

3. Wochenberichte
3.1 Erste und zweite Woche: Erste Eindrücke und gezielte Beobachtungen
3.1.1 Beobachtung: Anzahl von Meldungen
3.1.2 Beobachtung: Unerlaubtes Hereinrufen (ohne Aufzeigen)
3.1.3 Beobachtung: Nicht zielgerichtete Aktivitäten („Tuscheln“)
3.1.4 Gesamtreflexion meiner (gezielten) Beobachtungen
3.2 Dritte und vierte Woche: Meine ersten Unterrichtsversuche
3.3 Fünfte und sechste Woche: Routine und Ausklang
3.4 Kurve des Wohlbefindens und Lernens
3.4.1 Graphische Darstellung
3.4.2 Erläuterung

4. Mentor und Klasse

5. Problemfallanalyse
5.1 Das Verhalten
5.2 Was sagt die Literatur?

6. Durchführung von Unterrichtsstunden
6.1 Stunde 1: Deutschunterricht
6.1.1 Planung, Vorbereitung der Stunde
6.1.2 Ablauf, Durchführung der Stunde
6.1.3 Auswertung der Stunde
6.2 Stunde 2: Geschichtsunterricht
6.2.1 Planung, Vorbereitung der Stunde
6.2.2 Ablauf, Durchführung der Stunde
6.2.3 Auswertung der Stunde
6.3 Stunde 3: Geschichtsunterricht
6.3.1 Planung, Vorbereitung der Stunde
6.3.2 Ablauf, Durchführung der Stunde
6.3.3 Auswertung der Stunde

7 Lernbericht des Auswertungsseminars vom 07./08.10.2003

8 Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Meine Erwartungen an das Allgemeine Schulpraktikum

Vor Beginn meines ersten Praktikums an einer Schule habe ich mir vorgenommen, möglichst unvoreingenommen und ohne Vorurteile an die Schule zu gehen. Entsprechend habe ich versucht, positive und negative Erfahrungen anderer Kommilitonen, die ihr ASP bereits absolviert haben, so gut wie möglich zu ignorieren. Ich wollte mich schlicht und einfach überraschen und alles vorurteilslos auf mich zukommen lassen.

Auf der anderen Seite hatte ich aber durchaus spezielle Erwartungen, die ich durch das ASP erfüllt bekommen wollte.

Allen voran wollte ich in dieser Zeit testen, ob der Beruf des Lehrers etwas für mich ist. Ich wollte in meiner Entscheidung, den Beruf des Lehrers anzustreben, bestätigt werden.

Zum anderen war ich neugierig auf die Hauptschule. Heutzutage gerät die Hauptschule als Schulform immer mehr ins Abseits. Hauptschüler gelten als faul, motivationslos usw. Ich wollte in Erfahrung bringen, ob diese (Vor-) Urteile der breiten Öffentlichkeit wirklich zutreffen.

Außerdem haben mich die Hauptschullehrer interessiert. Ich habe mich gefragt, inwieweit diese (noch) motiviert sind, ihren Beruf auszuüben. Auch zu den Hauptschullehrern gibt es ja zahlreiche Meinungen und Aussagen wie z.B.: „Hauptschullehrer sind nach kurzer Dienstzeit am Ende und haben sehr schnell keine Lust mehr zu unterrichten“, habe ich schon sehr oft gehört, gerade auch von Lehrern selbst. Ich wollte selber einmal sehen, ob diese Meinung berechtigt ist oder einfach nur ein weiteres Vorurteil.

Ich selbst habe mir vor Beginn des Praktikums häufig die Frage gestellt, ob ich später in der Lage und motiviert sein werde, in einer Hauptschule zu unterrichten. Durch das Praktikum an der HS/OS in Rhauderfehn hatte ich die Möglichkeit, der Antwort auf diese Frage ein wenig näher zu kommen.

Schließlich waren meinerseits die ersten Unterrichtsversuche von großem Interesse. Ich war gespannt darauf wie es ist, alleine vor der Klasse zu stehen, eigenständig Unterricht vorzubereiten und eigenverantwortlich für diesen zu sein.

2. Die HS/OS Rhauderfehn

2.1 Allgemeines

Die Schülerinnen und Schüler kommen aus folgenden acht Grundschulen der Gemeinde Rhauderfehn in den 5. Jahrgang der Orientierungsstufe.[1]

- Grundschule Burlage
- Grundschule Collinghorst
- Grundschule Klostermoor
- Konke-Oltmanns-Schule
- Grundschule Langholt
- Grundschule Rajen
- Grundschule Rhaudermoor
- Sundermannschule

Nach der Orientierungsstufenzeit wechseln sie zur Hauptschule, zur benachbarten Kreisrealschule Overledingerland oder zu den Gymnasien nach Leer bzw. Papenburg. Die HauptschülerInnen aus der Nachbargemeinde Ostrhauderfehn besuchen ebenfalls die Hauptschule in Rhauderfehn. Im Schuljahr 2003/2004 werden 877 Schülerinnen und Schüler von 55 Lehrkräften unterrichtet.

Die folgende Tabelle zeigt die Anzahl der Klassen in den entsprechenden Jahrgängen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Aktivitäten der Schule

Die HS/OSRhauderfehn legt viel Wert auf außerunterrichtliche/schulische Aktionen. Dazu gehören u.a. die Teilnahme an Lesewettbewerben, Veranstaltung von Basaren, deren Erlöse an die Partnerschule in Mirantao gehen, Spiel- und Sportfeste sowie Schüleraustausche mit der Parnterschule in Leek/Niederlande.

2.3 Initiative: „Stärkung der Hauptschule“

Im Rahmen des Projekts "Stärkung der Hauptschule" werden den Schülerinnen und Schülern der Klassen 7-10 verschiedene Arbeitsgemeinschaften aus den Bereichen künstlerisches Gestalten, Sport, Fitness und Meditation angeboten. Diese Kurse werden überwiegend von Fachleuten unterrichtet, die nicht zum Kollegium der Schule gehören. Es sind Künstler aus dem Kunstkreis Rhauderfehn, Sportler und andere Experten, die sich bereit erklärt haben, mit den Kindern nachmittags zu arbeiten.

Ziel dieser zusätzlichen und freiwilligen Angebote ist die Stärkung der Persönlichkeit und des Selbstbewusstseins der Kinder und die Schulung ihrer visuellen, auditiven und psychomotorischen Fähigkeiten. Außerdem soll es ihnen ermöglicht werden, individuelle Schwerpunkte in ihrem Freizeitbereich zu bilden.

2.4 HS/OS als UNESCO-Projekt Schule

Unter dem Aspekt einer gesundheitsfördernden Schule engagiert sich die HS/OS Rhauderfehn als Partnerschule der UNESCO.

In mehr als 100 Städten verteilt über die gesamte Bundesrepublik findet man sie: die etwa 160 UNESCO-Projektschulen zwischen Flensburg und Überlingen am Bodensee, zwischen Heinsberg und Frankfurt an der Oder. Weltweit sind es etwa 7000 in fast allen 190 Mitgliedstaaten der UNESCO. Sie sind ganz "normale" Schulen mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Auf dem Stundenplan stehen die Einhaltung der Menschenrechte, kulturelle und Umweltbildung und der gerechte Ausgleich zwischen Arm und Reich. Ob Grund- oder berufsbildende Schule, Gymnasium oder progressiver Schulversuch, staatliche Regelschule oder Privatschule - jeder Schultyp des deutschen Bildungssystems ist als UNESCO-Projektschule vertreten. Die Aktionen, Projekte und Ideen sind bunt und vielfältig.

Die Grundsätze:

Nicht jede Schule erhält die Bezeichnung "UNESCO-Projektschule". Die Voraussetzung hierfür ist die Verpflichtung zur kontinuierlichen Mitarbeit im UNESCO-Schulnetz. Die Schule muss glaubhaft machen, dass sie das Ziel der UNESCO - die Erziehung zu internationaler Verständigung und Zusammenarbeit - in all ihren schulischen und außerschulischen Bereichen - aktiv unterstützt.

Die UNESCO-Projektschulen orientieren sich an folgenden Grundsätzen:

- Sie schaffen ein grenzüberwindendes Netzwerk von Schulen aller Schulstufen, -arten und -formen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Schul- und Kultusbehörden.
- Das Schulleben gestalten sie im Sinne der internationalen Verständigung und des interkulturellen Lernens.
- Sie sind offen für neue Ideen und vernachlässigte Themen und nehmen innovative Impulse von Schülern, Lehrern und Eltern auf. Sie kooperieren mit anderen Schulen, Bildungseinrichtungen, Kommunen und interessierten Personen oder Organisationen in der Region.
- Sie versuchen die Ziele der UNESCO mit ihren Mitteln zu verwirklichen. Im Bewusstsein der Einen Welt setzen sie sich für eine Kultur des Friedens ein: Umsetzung der Menschenrechte, Bekämpfung der Armut und des Elends, Schutz der Umwelt und Toleranz gegenüber Anderen.
- Sie beteiligen sich am internationalen Netzwerk, indem sie Verbindungen herstellen und Begegnungen ermöglichen - zum Beispiel durch Schulpartnerschaften und fächerübergreifenden Unterricht oder durch internationale Seminare, Camps und Austauschprogramme.
- Diese Ziele möchte auch die HS/OS Rhauderfehn verstärkt in den Unterricht einbringen. Seit Februar 1991 hat die Schule ihre Anerkennung und arbeitet seitdem auch offiziell im Netzwerk der UNESCO-Projekt-Schulen mit.

Die HS/OS Rhauderfehn konnte in diese Zusammenarbeit besonders ihre Arbeit mit Partnern in Mirantao (Brasilien) und in Leek (Niederlande) einbringen. Besondere Anerkennung fand auch das einmalige Konzept der Kulturwerkstatt. Künstler aus vielen Ländern und aus verschiedenen Stilrichtungen traten nicht nur bei uns auf, sondern arbeiteten vielfach auch in Workshops mit Schülerinnen und Schülern.

In letzter Zeit ist als wichtige Aufgabe die verstärkte Förderung der Integration von ausländischen bzw. Aussiedlerkindern hinzugekommen, „die Neuen betreuen". Die Schule hat sich wie gesagt zur Aufgabe gemacht, die oben genannten Ziele mit Leben zu füllen. Wir veranstalteten eine Vielzahl von Aktionen, wobei wir uns stets bemühten, „offene Schule" zu sein - offen für neue Ideen und Impulse von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Partnern in nicht-schulischen Organisationen.

3. Wochenberichte

Im Folgenden möchte ich auf den gesamten Verlauf meines Praktikums eingehen. Dabei werde ich jede Woche unter einem speziellen Aspekt betrachten und beschreiben.

Die Reflexion meines eigenen Rollenverständnisses wird dabei u.a. zur Sprache kommen. Im Anschluss daran werde ich mein gesamtes Praktikum durch eine Verlaufskurve (Kurve des Wohlbefindens und Lernens) noch einmal Revue passieren lassen.

3.1 Erste und zweite Woche: Erste Eindrücke und gezielte Beobachtungen

Bereits am Anfang meines Allgemeinen Schulpraktikums hatte ich ein gutes Gefühl, was meine Praktikumstelle, die HS/OS Rhauderfehn, betraf. Denn gleich vom ersten Praktikumstag an hatte man den Eindruck gewonnen, dass man erwartet und entsprechend geplant wurde. So wurden wir gleich zu Beginn vom Schulleiter Herrn Buchholz in seinem Büro erwartet. Nach einem kurzen Gespräch[2] erhielten wir alle notwendigen Unterlagen (Stundenpläne der einzelnen Lehrer, Raumverteilungsplan etc.), um unseren Stundenplan organisieren zu können. Ich empfand die Möglichkeit der Mitgestaltung des Praktikums als sehr positiv, da man so noch die Möglichkeit hatte, neben der Klasse des Mentors, auch andere Lehrer, Lehrerinnen, Klassen, SchülerInnen und Schulformen erleben zu können. An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass ich von jeder Lehrperson, in dessen Klasse ich hospitieren wollte, herzlich empfangen wurde. Mir ist es nicht einmal passiert, dass ein Lehrer oder eine Lehrerin meine Anwesenheit ablehnte; entsprechend empfand ich das Kollegium als sehr offen und hilfsbereit.

Nachdem wir unsere Stundenpläne erstellt hatten, wurden wir durch den Schulleiter offiziell dem Lehrerkollegium vorgestellt. Daher konnte jeder Lehrer, jede Lehrerin mit unseren Gesichtern etwas anfangen und man fühlte sich entsprechend zugehörig.

Danach hatten wir die Möglichkeit, uns mit unseren Betreuungslehrern zusammenzusetzen, um uns ein wenig kennen zu lernen, über meine Klasse (HS, 7. Klasse) und das Praktikum an sich zu sprechen.

Bereits zur dritten Schulstunde hatte ich dann die Gelegenheit, schon im Unterricht hospitieren zu können.

Entsprechend prasselten viele neue und interessante Impressionen gleich am ersten Tag meines Praktikums auf mich ein. Ich nahm mir vor, diese einfach erst mal wirken zu lassen ohne mir gezielt Gedanken über bestimmte Aspekte zu machen.

Für meine Beobachtungsaufgaben in der ersten und zweiten Woche hatte ich mir bereits im Vorfeld Gedanken gemacht. So wollte ich z.B. das Aufrufverhalten des Lehrers untersuchen. Die Frage sollte unter anderem sein, ob die Lehrperson mehr Jungen oder Mädchen aufruft, ob der Lehrer mehr die Schüler an der Fensterseite oder an der Wandseite aufruft und Ähnliches mehr. Diese Beobachtungsaufgaben habe ich dann auch durchgeführt, muss aber gleich dazu sagen, dass sämtliche Ergebnisse nicht wirklich ergiebig waren. So konnte ich bezüglich des Aufrufsverhaltens zu den genannten Aspekten (s.o.) des Lehrers keine Besonderheiten entdecken. Ohnehin erschien mir diese Form der Beobachtung eher unsinnig. Meiner Meinung nach müssten sinnvolle Beobachtungen, die das Lehrerverhalten (Aufrufen etc.) betrachten sollen, über einen langen Zeitraum erfolgen, um ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten. Bei einzelnen Beobachtungen spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle, die das Ergebnis verfälschen (Stimmung des Lehrers/der Schüler; Zufall etc.). Auch inhaltlich bemerkte ich schnell, dass diese Beobachtungen für mich weniger interessant sind und mir persönlich nichts bringen.

Gleich zu Beginn des Praktikums hatte ich aber sehr schnell eine Idee, was ich stattdessen beobachten könnte. Da ich in der günstigen Lage war, Klassen verschiedener Schularten beobachten zu können (Orientierungsstufe-Hauptschule), wurde mir sehr schnell bewusst, wie unterschiedlich doch Unterricht und Schulalltag aufgrund unterschiedlicher Schülerklientel ablaufen. (bzgl. Lautstärke in der Klasse, Motivation etc.).

Diesen Gesichtspunkt wollte ich genauer unter die Lupe nehmen und beobachtete und verglich einen Englisch A-Kurs (28 Schülerinnen und Schüler; viele potentielle Gymnasiasten) mit einer neunten Klasse der Hauptschule (24 Schülerinnen und Schüler; kaum jemand mit Chance auf Realschulabschluss[3] ) unter bestimmten Aspekten.

Ich musste mir bei meinen Vorüberlegungen wieder vor Augen führen, dass sich wissenschaftliches Beobachten doch erheblich von Alltagsbeobachtungen unterscheidet. So sollten in meinen (wissenschaftlichen) Beobachtungen bestimmte Elemente isoliert beobachtet werden; außerdem sollten die jeweiligen Beobachtungen zielgerichtet (eine Fragestellung), methodisch reflektiert, planmäßig (Beobachtungsplan) und deskriptiv ablaufen. Nur so konnte ich möglichst objektiv vorgehen, allerdings wurde dadurch auch der Beobachtungsausschnitt sehr stark eingegrenzt.[4]

Um höchst mögliche Objektivität zu erreichen habe ich zudem meine einzelnen Beobachtungen nach den Aspekten Objekt der Beobachtung, Grad der Lenkung, zeitliche Organisation, Grad der Beteiligung und Art der Deskription strukturiert.[5]

Es handelte sich bei all meinen durchgeführten Beobachtungen um Fremdbeobachtung, sie wurden jeweils auf eine eng begrenzte Verhaltensform gelenkt, sie fanden intervalliert statt (pro Aspekt u. Klasse> 2 Beobachtungen), es handelte sich immer um jeweils eine nicht teilnehmende Beobachtung und schließlich habe ich anhaltend eine formalisierte Deskriptionsform verwendet.

Unterm Strich habe ich bei allen Beobachtungen meinen Fokus auf einen ganz speziellen Aspekt ausgerichtet und diesen stark verengt; außerdem musste ich vieles ausklammern und nicht weiter beachten, um dem Anspruch wissenschaftlicher Beobachtung so gut es geht gerecht zu werden.[6]

Auf organisatorisch-pragmatischer Ebene habe ich speziell darauf geachtet, dass ich bei den jeweiligen Beobachtungen einen geeigneten Sitzplatz einnehmen konnte, um alle Schüler so gut es geht in den Blick nehmen zu können. Auf der anderen Seite wollte ich mich so platzieren, dass kein Schüler von mir abgelenkt war oder gar bemerkte, dass er Teil meiner Beobachtung ist. Dies gelang mir meiner Einschätzung nach ganz gut, so dass meine Anwesenheit wohl keinen Einfluss auf die Beobachtungsergebnisse hatte.

Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass es sich um die gleiche Lehrperson in beiden Klassen handelte. Dies war insofern ideal, da dadurch das Resultat noch objektiver gesehen werden konnte; unterschiedliche Lehrerpersönlichkeiten, unterschiedliche Erziehungsstile etc. konnten somit keinen unterschiedlichen Einfluss auf die Beobachtungsergebnisse einnehmen. Die Frage, inwieweit der jeweilige Lehrer Einfluss auf das jeweilige Ergebnis genommen hatte, entfiel.

Was die Lehrperson und den Unterricht anging hatten also beide Klassen die gleichen Voraussetzungen.

Die Deskriptionsform war immer eine ähnliche. Vor jeder Beobachtungsstunde habe ich mir eine Tabelle in folgender (so oder so ähnlicher) Form angefertigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach den jeweiligen Beobachtungsstunden habe ich die Tabellen wenn möglich direkt ausgewertet, um zeitlich und gedanklich noch möglichst nah bei den Beobachtungen und Eindrücken zu sein. So hatte ich auch noch die Chance, mögliche unklare Notierungen innerhalb der Tabelle richtig einordnen und entsprechend verbessern zu können.

Im Folgenden möchte ich noch jetzt genauer auf die Inhalte der einzelnen Beobachtungen eingehen.

3.1.1 Beobachtung: Anzahl von Meldungen

Durch diesen Aspekt wollte ich einen Vergleich bezüglich der Motivation der Schüler beider Klassen/Schulformen anstellen. Dabei war ich mir bewusst, dass die Anzahl von Meldungen nicht hundertprozentig gleichzusetzen ist mit Motivation der Schüler und Schülerinnen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man hierdurch zumindest einen Trend bezüglich der Motivation bei Schülerinnen und Schülern ablesen kann.

Zur Durchführung:

Ich habe nur die Meldungen gezählt, die von der Lehrerin zum Unterrichtsthema gestellt wurden (also keine allgemeinen oder organisatorischen Fragen), da ich ja ausschließlich die Lernmotivation untersuchen wollte. Sobald die Lehrperson also eine Frage gestellt hatte, beobachtete ich, wie viele Schülerinnen und Schüler sich daraufhin meldeten. Die jeweilige Anzahl notierte ich dann in meiner Tabelle per Eintragung von Strichen.

Im Anschluss an die Beobachtungsstunden wertete ich diese so aus, indem ich einen Durchschnittswert an Meldungen ermittelte.

(Wie vorher schon einmal erwähnt, führte ich jede Beobachtung pro Klasse, auch die folgenden, zweimal durch, um ein noch repräsentativeres Ergebnis zu erhalten).

Das Ergebnis:

- Englisch A-Kurs, 6. Klasse: 11.8 Meldungen auf eine Frage
- Hauptschule, 9. Klasse: 2.6 Meldungen auf eine Frage

Zur Relativierung und besseren Einschätzung des Ergebnisses muss ich noch mal erwähnen, dass der Englisch-Kurs 4 Schülerinnen und Schüler mehr hatte als die 9. Klasse der Hauptschule. Außerdem muss auf jeden Fall das Alter ins Blickfeld genommen werden. Diverse Untersuchungen haben ergeben, dass Schülerinnen und Schüler mit 15 Jahren häufig ein absolutes Motivationstief erleben (diese beiden Aspekte sind ebenfalls für die weiteren von mir durchgeführten Beobachtungen und deren Auswertungen relevant, zumindest im Auge zu behalten).

Trotzdem wird meiner Meinung nach allein an diesen Zahlen doch sehr viel deutlich. In dem Englisch-Kurs habe ich fast ausschließlich motivierte Schülerinnen und Schüler erlebt. Fast jeder war bemüht, sein Können der Lehrerin zeigen zu wollen. Und wenn sie einen guten Beitrag zum Unterricht leisten konnten war der Stolz in ihren Augen förmlich abzulesen.

Einen erheblichen Gegensatz erlebte ich in der 9. Klasse der Hauptschule. Von den oben beschriebenen Einstellungen, war hier kaum etwas zu spüren. Der Unterricht und die Unterrichtsinhalte waren für die HauptschülerInnen völlig nebensächlich, obwohl sich die Klassenlehrerin sehr viel Mühe gab, den Unterrichtsstoff interessant darzubieten. Motivierte Meldungen etwas zum Unterricht beitragen zu wollen, waren meist die Ausnahme.

3.1.2 Beobachtung: Unerlaubtes Hereinrufen (ohne Aufzeigen)

Sehr auffällig waren auch die Unterschiede der beiden Klassen/Schulstufen bezüglich der Disziplin im Unterricht. Das Einhalten von Regeln fiel den Hauptschülern,-innen besonders schwer, sie mussten immer wieder an Regeln und an die Einhaltung dieser erinnert werden. Auf der anderen Seite verstießen die Schülerinnen und Schüler des Englisch-A-Kurses kaum einmal gegen allgemeingültige Klassenregeln.

[...]


[1] Diesen Punkt des Praktikumberichtes habe ich zusammen mit Volker Gerdes ausgearbeitet, da wir zusammen an der HS/OS Rhauderfehn unser ASP absolvierten.

[2] Ein ausführliches Gespräch mit dem Schulleiter konnten wir bereits bei der ersten Kontaktaufnahme zur Vorstellung führen.

[3] Die Einschätzungen zum Leistungsstand der beiden Klassen beruhen nicht auf meiner Meinung sondern ausschließlich auf die des Klassenlehrers.

[4] Vgl. Kiper, Hanna; Meyer; Topsch: Einführung in die Schulpädagogik. Berlin: Cornelsen Scriptor 2002. S. 99f.

[5] Ebd. S. 100f.

[6] Die Begrenzung des Beobachtungsausschnittes in Bezug auf komplexen Unterricht ist jedoch auch als Schwachpunkt anzusehen, da vieles nur aus der Gesamtsituation heraus richtig eingeschätzt und beurteilt werden kann.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Allgemeines Schulpraktikum an einer Hauptschule
Untertitel
Unterrichtsentwürfe für die Fächer Deutsch und Geschichte
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
38
Katalognummer
V45708
ISBN (eBook)
9783638430647
ISBN (Buch)
9783638732420
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Allgemeines, Schulpraktikum, Hauptschule, Unterrichtsentwürfe, Fächer, Deutsch, Geschichte
Arbeit zitieren
Gunnar Norda (Autor), 2003, Allgemeines Schulpraktikum an einer Hauptschule , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45708

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Allgemeines Schulpraktikum an einer Hauptschule