Achtsamkeit beschreibt eine wertschätzende, vorurteilsfreie Lebensweise, die sich von der Fixierung auf Ziele bewusst abgrenzt und sich auf die Gegenwart konzentriert. Sie erlangt in unserer Leistungsgesellschaft zunehmend an Wichtigkeit.
Wirkt sich eine solche Lebensweise auch auf unser soziales Verhalten aus? Kann sie nicht nur unser Wohlbefinden, sondern zugleich zwischenmenschliche Beziehungen positiv beeinflussen?
Dieses Buch widmet sich einem bisher in der Forschung kaum behandeltem Thema. Es untersucht in einer Studie die Zusammenhänge zwischen Achtsamkeit und prosozialem Handeln und fördert dabei einige überraschende Ergebnisse zutage.
Aus dem Inhalt:
- Achtsamkeit;
- Bewusstsein;
- Prosozialität;
- Verhalten
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Hintergründe
2.1 Achtsamkeit
2.2 Prosozialität
2.3 Fragestellung & Hypothesen
3 Methode
3.1 Stichprobe & Rekrutierung
3.2 Erfassung der Variablen
3.3 Ablauf
3.4 Statistische Auswertung
4 Ergebnisse
4.1 Positiver Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Prosozialität
4.2 Auswirkungen von Achtsamkeit auf kurzfristige und langfristige Prosozialität
4.3 Positiver Zusammenhang der Facetten Beschreiben, Achtsames Handeln und Nichturteilen und Prosozialität
4.4 Negativer Zusammenhang der Facetten Beobachten und Nicht-Reagieren und Prosozialität
5 Diskussion
5.1 Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und prosozialem Verhalten
5.2 Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und langfristiger versus kurzfristiger Prosozialität
5.3 Zusammenhang zwischen einzelnen Facetten der Achtsamkeit und prosozialem Verhalten
5.4 Limitationen der Studie und Ausblick
6 Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Achtsamkeit sowie deren spezifischer Facetten auf das kurzfristige und langfristige prosoziale Verhalten von Menschen. Dabei wird insbesondere erforscht, ob Achtsamkeit als mehrdimensionales Konstrukt unterschiedlich auf das soziale Verhalten einwirkt und ob eine Unterscheidung zwischen aktiven und nicht-aktiven Facetten der Achtsamkeit empirisch begründete Zusammenhänge zur Prosozialität aufweist.
- Analyse der Zusammenhänge zwischen allgemeiner Achtsamkeit und Prosozialität
- Differenzierung der Auswirkungen auf kurzfristiges versus langfristiges prosoziales Verhalten
- Untersuchung der fünf Facetten der Achtsamkeit (FFMQ) in Bezug auf prosoziale Handlungen
- Methodische Erfassung von Prosozialität mittels objektiver Verhaltensbeobachtung in einer Realsituation
Auszug aus dem Buch
2.1 Achtsamkeit
Achtsamkeit als Konzept zur Selbstschulung ist schon aus alten buddhistischen Lehren bekannt. Die Erkenntnisse des legendären Buddha sind in detaillierten Übungswegen dokumentiert und in umfassen Methoden und Praktiken zur Erforschung und Schulung des Geistes mit dem Ziel, alles Leid der Welt zu überwinden, überliefert. Buddha sagte, dass alles Leid durch Unwissenheit entstehe und daher diese beendet werden müsse (Pischel, 2015). An diesem Punkt setzt das Konzept der Achtsamkeit an.
Ein zeitgenössischer Vertreter der buddhistischen Lehren, Thich Nhat Hanh, schreibt in einem seiner Bücher über Achtsamkeit, dass der gegenwärtige Augenblick das Einzige sei über das wir verfügen könnten und deshalb die Kunst nicht darin bestehe, über Wasser laufen zu können, sondern auf der Erde (1992). Diese poetisch anmutende Beschreibung der Achtsamkeit wird von Jon Kabat-Zinn in einer Art Arbeitsdefinition als „absichtsvolle und nicht urteilende Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment“ bezeichnet (Kabat-Zinn, 2014, S. 29). Jon Kabat-Zinn ist Begründer der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), ein Achtsamkeits-Trainingsprogramm, welches inzwischen in zahlreichen Therapien erfolgreich eingesetzt wird.
Die Psychologinnen Shapiro und Carlson schreiben in ihrem Buch zur Integration der Achtsamkeit in die psychologische Praxis von Achtsamkeit als Bewusstheit, Umsicht und Einsicht (2009). Sie teilen Achtsamkeit in zwei Bereiche: das achtsame Bewusstsein (mindful awareness), welches ein dauerhaftes und wandelbares Wissen über den aktuellen Zustand des Geistes beinhaltet und zu einer Art innerem Frieden führen kann, sowie die achtsame Praxis (mindful practice), welche eine bewusste, offene, mitfühlende und beobachtende Anteilnahme am augenblicklichen Geschehen voraussetzt (Shapiro & Carlson, 2009). Man könnte also sagen, sie unterscheiden Achtsamkeit in das achtsame Sein und das achtsame Handeln. Beide interagieren miteinander und bedingen sich gegenseitig.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Achtsamkeit als soziales Konstrukt ein und leitet das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse der Arbeit ab.
2 Theoretische Hintergründe: Hier werden die Konzepte Achtsamkeit und Prosozialität definiert und der aktuelle Forschungsstand zur Ableitung der Hypothesen zusammengefasst.
3 Methode: Dieses Kapitel beschreibt das Studiendesign, die Stichprobe von 72 Probanden sowie die eingesetzten Erhebungsinstrumente (FFMQ, MAAS) und das experimentelle Vorgehen zur Messung von Prosozialität.
4 Ergebnisse: Die statistische Auswertung der Daten wird präsentiert, wobei die Korrelationen zwischen den Achtsamkeitsfacetten und dem prosozialen Verhalten untersucht und auf Signifikanz geprüft werden.
5 Diskussion: Die Befunde werden kritisch eingeordnet, die Diskrepanzen zu den Hypothesen interpretiert sowie Limitationen und Anregungen für zukünftige Forschungsarbeiten aufgezeigt.
6 Literatur: Umfassendes Verzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen und verwendeten Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Achtsamkeit, Facetten der Achtsamkeit, Prosozialität, Hilfeverhalten, prosoziales Verhalten, FFMQ, MAAS, kurzfristige Prosozialität, langfristige Prosozialität, psychologische Grundlagen, Verhaltensbeobachtung, psychologische Forschung, Achtsamkeitstraining, soziale Interaktion, Selbstbelohnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und wie die Eigenschaft der Achtsamkeit das soziale Verhalten von Menschen beeinflusst, insbesondere ob achtsamere Personen eher zu prosozialem Verhalten neigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das psychologische Konstrukt der Achtsamkeit (mit seinen fünf Facetten), verschiedene Definitionen und Erscheinungsformen prosozialen Verhaltens sowie die empirische Schnittmenge beider Bereiche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Achtsamkeit auf das tatsächliche prosoziale Handeln in einer realen Situation zu erforschen und zu überprüfen, ob einzelne Facetten der Achtsamkeit unterschiedliche Auswirkungen auf das Verhalten haben.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Es wurde eine Kombination aus Fragebögen (FFMQ, MAAS) zur Erhebung der Achtsamkeit und eine objektive Verhaltensbeobachtung (Unterschrift unter eine Petition) zur Erfassung von kurzfristiger und langfristiger Prosozialität eingesetzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Methodenbeschreibung, die Auswertung der erhobenen Daten mittels statistischer Verfahren wie der logistischen Regression sowie die fachliche Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Achtsamkeit, Prosozialität, das Five Facet Mindfulness Questionnaire (FFMQ), die Mindful Attention Awareness Scale (MAAS) und die Differenzierung in kurzfristiges und langfristiges Hilfeverhalten.
Warum wurde eine "Cover-Story" für die Untersuchung verwendet?
Die Cover-Story diente dazu, das Wissen über die Messung der Prosozialität zu verschleiern, um den "Social Desirability Bias" (soziale Erwünschtheit) zu vermeiden und eine unverfälschte Reaktion der Teilnehmer zu erhalten.
Welche Erkenntnisse wurden zu den einzelnen Achtsamkeitsfacetten gewonnen?
Die Ergebnisse zeigten keine signifikanten Bestätigungen der Hypothesen, deuteten jedoch darauf hin, dass insbesondere die Facette des Nichturteils einen positiven Einfluss auf prosoziales Verhalten haben kann, während andere Facetten eher hemmende Tendenzen aufwiesen.
Wie bewertet die Autorin die Limitationen der Studie?
Die Autorin kritisiert die fehlende Interpretationsobjektivität des FFMQ, die Schwierigkeit der Einteilung in "hoch" vs. "niedrig" achtsam sowie den Einfluss unkontrollierter situativer Variablen wie die Tagesstimmung der Probanden.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Macht uns Achtsamkeit sozial? Der Einfluss von Achtsamkeit auf Prosozialität und zwischenmenschliche Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457212