Die Geschichte der Bewusstseinsforschung in der allgemeinen Psychologie


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Historische Wurzeln der Bewusstseinsforschung
1.1 Begrifflichkeiten des Bewusstseins
1.2 Bedeutung von Bewusstsein in der Philosophie
1.3 Wie kam der Begriff Bewusstsein in die deutsche Sprache?
1.4 Bewusstsein in der Psychologie
1.5 Bewusstsein und Aufmerksamkeit

2 Das Zeitalter der wissenschaftlichen Psychologie beginnt
2.1 Biologische Psychologie
2.2 Psychodynamik
2.3 Behaviorismus
2.4 Kognitionspsychologie
2.5 Evolutionspsychologie

3 Global Workspace Theory
3.1 Global Workspace Theory nach Bernard Baars
3.2 Vergleich der Theorie mit dem Working Memory von Baddeley
3.3 Global Workspace Theory nach Dahaene & Naccache

4 Dual-Aspect Theory
4.1 Schlüsselaspekte des Bewusstseins und empirische Probleme
4.2 Dual-Aspect Theory nach Velmans
4.3 Folgen und Funktionen des Bewusstseins nach der Dual-Aspect Theory

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Geschichte der Bewusstseinsforschung

Beschäftigt man sich mit dem Thema Bewusstsein und insbesondere mit der Geschichte des Bewusstseins, so kann man erkennen, dass dieser Begriff ganze Bücher füllt. Schulz (1978) schreibt hierzu:

„Eine verbindliche Definition von Bewusstsein wie auch Aufmerksamkeit gibt es nicht. Dieser Mangel ist jedoch nicht spezifisch, sondern eine Besonderheit vieler psy- chologischer Begriffe, wie z.B. Intelligenz. Diese Begriffe beschreiben nicht klar ab- grenzbare Gegenstände, sondern sie sind als Werkzeuge zu verstehen, die von Wissen- schaftlern >>gemacht<< wurden um bestimmte Probleme zu verstehen“ (S.831).

Im Folgenden wird die Geschichte des Bewusstseins, beginnend bei den philosophischen Ur- sprüngen und endend bei den modernen Konzeptionen kurz zusammengefasst. Daraufhin werden zwei der ersten empirisch untermauerten Theorien von Bernard Baars und Max Vel- mans genauer vorgestellt.

1 Historische Wurzeln der Bewusstseinsforschung

Im ersten Kapitel werden nach einer Begriffsklärung anhand von zentralen Nachschlagewer- ken die Anschauungen des Rationalismus am Beispiel von Descartes im siebzehnten und Christian Wolff im achtzehnten Jahrhundert skizziert.

1.1 Begrifflichkeiten des Bewusstseins

Obwohl, wie bereits erwähnt, das Bewusstsein sehr schwer zu definieren ist, wurden schon viele Versuche unternommen dies zu tun. In dem Nachschlagewerk der Enzyklopädie von Brockhaus lautet die Beschreibung: „Bewusstsein ist die Beziehung des Ich auf einen äußeren oder inneren Gegenstand; das unmittelbare Wissen des Subjekts um geistige und seelische Zustände, die es erfährt; auch das Aufmerken auf einzelnen Erlebnisse“ (Bewusstsein, zitiert nach Brockhaus, 2006, S.804). Im Duden findet sich die Beschreibung: „Die Gesamtheit aller jener psychischen Vorgänge, durch die sich der Mensch der Außenwelt und seiner selbst be- wusst wird“ (Bewusstsein, zitiert nach Duden, 1993, S. 523). Bewusstsein ist mit Wachheit gleichzusetzen, d.h. ein Organismus hat dann Bewusstsein, wenn er Reize in seiner Umwelt wahrnimmt und unterscheiden kann (Lindsley, 1960, zitiert nach Schulz, 1978). Auf den Handlungsaspekt gerichtet, lässt es sich dann erkennen, wenn Ungewissheit beseitigt wird (Welford, 1958, zitiert nach Schulz, 1978). Dies beschreibt, dass alles was wir wahrnehmen oder erleben einen bestimmten Wie-es-ist-Charakter besitzt (Hübel, 2015).

Bewusstsein ist das, was uns jeden Abend wenn wir einschlafen verlässt und am anderen Morgen, wenn wir aufwachen, wieder in Erscheinung tritt (Edelmann & Tononi, 2002). Es gibt dementsprechend verschiedene Arten um Bewusstsein zu definieren und was dabei gut zu erkennen ist, Bewusstsein kann man nicht von außen beobachten.

1.2 Bedeutung von Bewusstsein in der Philosophie

Einen großen Einfluss hatte hier insbesondere Descartes (1596-1650), der das Denken (lat.: „cogitatio“) mit dem von ihm genannten „conscientia“ gleichsetzt. Mit Ich denke, also bin ich (lat.: „Cogito, ergo sum“) beschreibt er, dass die einzige Tätigkeit, die man nicht bezweifeln kann, das Zweifeln selbst ist. Descartes fängt also, indem er zunächst einmal alles bezweifelt, die Gewissheitsfrage ganz von vorn an: Es gibt keine Garantie dafür, dass das, was mittels der Sinne wahrgenommen wird, auch wirklich existiert (Keil, 1987). Doch auch im größten Zwei- fel über das Wahrgenommene gibt es Gewissheit:

„Selbst wenn alle Wahrnehmung nur erdachte Träumerei sei, so gibt es doch einen Träumenden. Und eins ist gewiss und zweifelsfrei, dass ich bin, unabhängig davon, ob meine Vorstellungen wahr oder falsch sind, denn wäre ich nicht, dann könnte ich ja keine Vorstellung, auch keine falsche Vorstellung haben“(Keil, 1987, S. 17).

Descartes wollte hier mit Argumenten, die von seiner zentralen Erkenntnis ausgingen zeigen, dass „Gott existiert und dass dieser als Vollkommener nicht zulassen könne, dass wir ge- täuscht werden, wenn wir klare Vorstellungen oder Wahrnehmungen haben.“ (Popper & Eccles, 1977, S.221). Descartes vertrat den Standpunkt, dass zwischen Geist und Materie eine vollkommene Trennung bestehe. Materie soll eine Ausdehnung erhalten, Raum einnehmen und physikalisch zugänglich sein. Merkmale des Geistes stattdessen sind bewusst zu sein und zu denken. Er führte auf diese Weise den Dualismus ein, der zwar wissenschaftlich unbefrie- digend, intuitiv jedoch einleuchtend und anziehend erscheint – bis man versucht, die Ver- knüpfung zwischen dem materiellen Körper und dem immateriellen Geist zu erklären (Edel- mann & Tononi, 2002).

1.3 Wie kam der Begriff Bewusstsein in die deutsche Sprache?

Hatte Descartes mit dem Begriff „conscientia“ das Denken verbunden, so setzte Christian Wolff (1679 – 1754) diesen Begriff in Bezug zum Bewusstsein (Pongratz, 1984). Wolff schrieb gegen die bisherigen Gewohnheiten der Philosophen in deutscher Sprache. Einer sei- ner Grundgedanken ist die universale Herrschaft der Vernunft (lat.: „ratio“). Hier spricht man auch vom Wolffschen Rationalismus, der daran erkennbar ist, dass fast alle Titel seiner Schrift mit den Worten „Vernünftige Gedanken…“ beginnen. Wolf der den Satz Bacons Wissen ist Macht (lat.: „scientia est potentia“) aufgriff, betrachtet Wissen unter dem Aspekt der Nütz- lichkeit. Wolff spricht daher sogar von nützlicher Philosophie (Keil, 1987).

1.4 Bewusstsein in der Psychologie

In der Philosophie entspricht das Bewusstsein also häufig der Summe der Meinungen, dem Glauben oder der Theorie, die ein Mensch hat (Möller, 2015). Nachdem nun skizziert wurde, wie zwei Denker des Rationalismus sich mit dem Bewusstsein auseinandergesetzt haben, soll gefragt werden, wie das Bewusstsein in die Psychologie kam. Die Geisteswissenschaften hat- ten hier stets ihre Probleme, ihr zentrales Thema – das Bewusstsein – mit einem akzeptablen theoretischen Rahmen zu umgeben (Edelmann & Tononi, 2002, McGinn, 2001).

Williams James (1824-1910) gelang mit seinem Werk „The Principles of Psychology“ eine umfassende Darstellung der Eigenschaften bewussten Denkens, bezeichnet als Strom des Bewusstseins (engl.: „stream of consciousness“). Für James ist Bewusstsein ein Geschehen, ein kontinuierlicher, sich aber dennoch permanent verändernder Prozess. Bewusstseinszustän- de gehen im Allgemeinen fließend ineinander über und bewahren dabei ein hohes Maß an Kohärenz (Edelmann & Tononi, 2002). Dieser Gedankenstrom, den Williams James meint, lässt sich mit folgender Metapher sehr gut beschreiben.

„Unsere Sinneseindrücke verbinden sich nicht nur zu einem Bewusstseinsfeld, sie ver- ändern sich ständig, von Moment zu Moment und das normalerweise fließend und lü- ckenlos. Was gerade noch im Bewusstsein weilte, wandert im nächsten Augenblick schon ins Gedächtnis, Anders geht für immer verloren.“ (Hübel, 2015, S. 51).

1.5 Bewusstsein und Aufmerksamkeit

Zwei Begriffe, die immer wieder zur Charakterisierung des wachen Organismus herangezo- gen werden, sind Bewusstsein und Aufmerksamkeit (Schulz, 1978). Bewusstsein kann passiv sein, aber auch aktiv und anstrengend. Beim Spazierengehen den Anblick einer Stadt zu ge- nießen, wird als eine natürliche und anstrengungslose Selbstverständlichkeit empfunden.

Wird Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes gelenkt, so wird Wahrnehmung handlungsorientiert. Wenn ein Mensch also seine Aufmerksamkeit auf etwas richten – sich konzentriert, in seiner Erinnerung forscht, tief in Gedanken versunken ist, plant, willkürlich zwischen mehreren Al- ternativen entscheidet, seinen Willen durchsetzt oder mit einem Problem kämpft – dann ist Bewusstsein aktiv und anstrengend (Edelmann & Tononi, 2002). Hermann L.F. von Helm- holtz und Williams James, zwei Begründer der experimentellen Psychologie, sprachen hier von einer aktiven und passiven Aufmerksamkeit. Aktiv ist die Aufmerksamkeit wenn man sie selbst kontrolliert und auf etwas lenkt. Passiv, wenn sie von einem Stimulus angezogen wird. Dies bedeutet aber nicht, dass es zwei Aufmerksamkeiten gibt. Der Mechanismus ist immer derselbe nur die Auslöser unterscheiden sich. Aktiv bedeutet, man schaltet den Mechanismus willentlich ein, passiv beginnt er automatisch (Hübl, 2015).

Die Epoche bevor die Psychologie sich als eigenständige Wissenschaft etablierte, lässt sich knapp in einem Zitat von William James zusammenfassen: „Jeder weiß, was Aufmerk- samkeit ist: Wenn der Geist von einem der vielen, offenbar gleichzeitig möglichen Gegen- stände oder Gedankengänge in klarer und lebendiger Weise Besitz ergreift“ (James, 1890).

Zudem schlägt er mit seinem Werk „The Principles of Psychology“ die Brücke zur modernen Psychologie.

2 Das Zeitalter der wissenschaftlichen Psychologie beginnt

Ende des 19. Jahrhunderts etabliert sich die Psychologie als eigenständiges wissenschaftliches Forschungsgebiet. Wegweisend für diese Neuentwicklung waren in erster Linie Wilhelm Wundt, der bereits erwähnte William James und Hermann Ebbinghaus.

Fundamentale Fragen wie: Beschaffenheit von Bewusstsein und Beeinträchtigungen von Bewusstsein (wie beispielsweise bei psychischen Erkrankungen) waren seit Beginn an Gegenstand der Psychologie. Ende des 19. Jahrhunderts kam es durch W. Wundt (Einführung der Experimentalpsychologie und Gründung der Leipziger Schule), E.B. Titchener (Vergleich von Introspektion und chemische Elemente aus denen höhere Einheiten (Moleküle) entstehen, Strukturalismus) und W. James (erstmals Verbindung von Bewusstsein und Gehirnzuständen, Funktionalismus) zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema Bewusstsein (Müsseler, 2011).

Danach entwickelten sich in den verschiedenen Strömungen der Psychologie jeweils eigene Perspektiven über die Entstehung und Beschaffenheit von Bewusstsein: Biologische Psychologie, Psychodynamik, Behaviorismus, Kognitive Psychologie und Evolutionspsycho- logie.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Bewusstseinsforschung in der allgemeinen Psychologie
Hochschule
Universität Ulm
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V457213
ISBN (eBook)
9783668924901
ISBN (Buch)
9783668924918
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichte, bewusstseinsforschung, psychologie
Arbeit zitieren
Maria Schmidt-Deiss (Autor), 2016, Die Geschichte der Bewusstseinsforschung in der allgemeinen Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457213

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