Psychotherapieforschung. Historie, Methoden, aktuelle Entwicklungen


Hausarbeit, 2016
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Historie der Psychotherapieforschung

1.1Klassische Phase
1.2Legitimations- oder Rechtfertigungsphase
1.3Phase der differentiellen Psychotherapieforschung
1.4Praxisbezogene Psychotherapieforschung

2 Methoden der Psychotherapieforschung

2.1Evaluationsstudien
2.2Sekundärforschung mittels Metaanalysen
2.3Prozessforschung

3 Aktuelle Ergebnisse, Schlussfolgerung und Ausblick

Literatur 12

Abstract

Psychotherapieforschung schreitet kontinuierlich heran und bringt fast minütlich neue Ergebnisse. Diese Arbeit schafft einen generellen Überblick über die Geschichte der Psychotherapieforschung in ihren einzelnen Phasen, ihren Forschungsmethoden und zu guter Letzt über aktuelle Ergebnisse und Fragestellungen der Psychotherapieforschung.

Research in Psychotherapy advances continuously and brings new solutions almost minutely. This Paper gives a general conspectus about the history of Psychotherapy research in its different chapters, its methods of research and at last actual outcomes and questions of the current research.

Psychotherapieforschung

Bereits von Beginn der Psychotherapieforschung an wurde ihre Entwicklung durch verschiedene Wissenschaftsparadigmata und Forschungsmethoden, welche sich über die Zeit hinweg in diversen Phasen ausdrückten, geleitet. Die jeweils zeitgemäß genutzten Forschungsmethoden trugen wesentlich zur Begründung von Theorien und Annahmen über die psychotherapeutische Praxis, wie auch den ihr zugrunde liegenden Störungsbildern und deren Symptomen bei. Zu jeder Epoche wurden bereits gewonnene Erkenntnisse bestätigt, revidiert, überarbeitet, verworfen, repliziert und generalisiert, sowie neue Errungenschaften der Forschung publiziert (Löffler-Stastka, 2012). Inzwischen existiert ein hoch komplexes Gebilde von unterschiedlichen therapeutischen Ausrichtungen und deren enormer Diversität an Störungsmodellen, Gesundheitsbildern, anthropologischen Überzeugungen, ethischen Grundhaltungen und nicht zuletzt der Subjektivität jedes Einzelnen.Dies führt dazu, dass für weitere Forschung eine sorgfältige Planung des Studiendesigns berücksichtigt und somit neueste forschungsmethodische und wissenschaftstheoretische Erkenntnisse genutzt werden müssen.

Wie es zu dieser breiten Fläche an Ausrichtungen und Theorien gekommen ist, soll im Folgenden durch einen Rückblick auf die Historie der Psychotherapieforschung beleuchtet werden. Darauf folgend wird gezeigt, mit welchen Methoden die moderne Psychotherapieforschung arbeitet und zu welchen Ergebnissen neueste Untersuchungen kommen und was zukünftig von Bedeutung sein wird. Im Ganzen soll diese Arbeit einen groben Überblick über die wichtigsten Aspekte der Psychotherapieforschung aufzeigen.

1 Historie der Psychotherapieforschung

Die Geschichte der Psychotherapieforschung lässt sich grob in vier Phasen einteilen und geht quasi von den ersten Anfängen der Psychotherapie mit Sigmund Freud und seinen Zeitgenossen zum Ende des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit der vielen verschiedenen Psychotherapierichtungen mit ihren ganz unterschiedlichen Ausprägungen und Ansätzen. Zu Beginn standen ganz grundlegende Fragen nach Symptomen und Verhaltensweisen und wie man diese durch vermehrtes Auftreten bei gewissen Menschen, oder in bestimmten sozialen Gegebenheiten oder ähnlichem strukturieren und benennen könnte. Gefolgt von Jahren intensiver Forschung und Diskussionen, bis hin zur heutigen digitalisierten Zeit voller Antworten und umso mehr Fragen, die daraus entstehen. Gleichzeitig aber auch modernster Technik und Möglichkeiten der Forschung.Im Folgenden sollen die einzelnen Phasen der Psychotherapieforschung separat dargestellt werden, um einen Eindruck von der Entwicklung über die Jahre bekommen zu können.

1.1 Klassische Phase

Eingeläutet wurde die Entwicklung der Psychotherapieforschung durch die sogenannte klassische Phase um 1895 (Berking & Rief, 2012). Es war die Zeit der großen Psychoanalytiker wie Freud und Jung und klinische Theorien wurden insbesondere anhand von Einzelfallstudien entworfen und diskutiert. So sind von Sigmund Freud viele Fallbeispiele und ihre psychoanalytische Interpretation bekannt, wie z.B. die Geschichte des kleinen Hans, der Rattenmann (Freud, 1909), oder auch der Fall Dora (Freud, 2014).Methodisch könnte man hier von einem intra- und individuellem Vorher- Nachher – Vergleich sprechen. Im Vordergrund stand die Frage nach dem Phänomen. Wie sich dieses beschreiben und zu einem Krankheitsbild verdichten lasse. Wann und unter welchen Umständen es auftrete und auch wie es sich behandeln lasse. Die Ergebnisse aus diesen Diskursen dienten als Basis für weitere Theorienbildung.

1.2 Legitimations- oder Rechtfertigungsphase

Eine neue Epoche der Psychotherapieforschung wurde eingeleitet von Hans Jürgen Eysenck. Dieser postulierte 1952, dass jegliche Form von Psychotherapie nicht unbedingt besser wirke als eine unspezifische, oder gar keine Behandlung (Eysenck, 1952). Diese Aussage führte zu einer neuen Auseinandersetzung mit der Erforschung der Psychotherapie. Es wurden eine große Anzahl experimenteller, empirischer Studien zur Wirksamkeit von Psychotherapie durchgeführt und ein Großteil konnte die These Eysencks widerlegen (Löffler-Stastka, 2012).

Die Erhebungen fanden mit objektiven, validierten Instrumenten statt und es handelte sich in den meisten Fällen um inter-individuelle Kontrollgruppendesigns. Dies war eine deutliche Veränderung in den Methoden der Forschung im Vergleich zu den genutzten Möglichkeiten der klassischen Phase. Allerdings wurden zu diesem Zeitpunkt noch keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Therapieformen erforscht und auch keinerlei Aussagen über die tatsächlichen Wirkfaktoren einer Psychotherapie getroffen (Löffler-Stastka, 2012).

1.3 Phase der differentiellen Psychotherapieforschung

In dieser Phase der Psychotherapieforschung kam es nun zu Wirksamkeitsforschung als solches und des Weiteren auch zu Prozessforschung. Die Wirksamkeitsforschung behandelte im Grunde die Fragestellungen welche Therapieform bei welcher Gruppe von Patienten und Problemen in welchem Zeitrahmen unter welchen Bedingungen welche Effekte erzielen kann.Hingegen die Prozessforschung beschäftigte sich mit den spezifischen Wirkfaktoren in der Psychotherapie.

Ein wichtiger Vertreter dieser Zeit, der hier nicht ungenannt bleiben darf ist Klaus Grawe, der von 1943 bis 2005 lebte.Er wurde sein gesamtes Berufsleben als Psychologe von der Frage getrieben, was die beste psychotherapeutische Form sei und wie sich diese zusammensetzt. Obwohl seine Publikationen nicht unumstritten waren und manchmal den vorschnellen Schluss zuließen er bevorzuge die Verhaltenstherapie gegenüber anderen therapeutischen Ausrichtungen war es sein höchstes Bestreben eine Psychotherapieform zu eruieren, welche das Beste aus allen Richtungen in sich vereinen könnte (Hellhammer, 2017). Mit etlichen Publikationen leistete er einen beträchtlichen Anteil für die moderne Psychotherapieforschung.Unter anderem entwickelte er das Modell der fünf Wirkfaktoren in der Psychotherapie, welchem in der aktuellen Psychotherapeutenausbildung in Deutschland eine zentrale Rolle zukommt (Grawe, Donati & Bemauer, 1994; Grawe & Grawe-Gerper, 1999).

Weitere Forschungsfelder der Phase der differentiellen Psychotherapieforschung waren beispielsweise der Entwurf von Modellen zur Prognose individueller Therapieverläufe durch die Definition bestimmter Prozessphasen. Die Entwicklung von mathematischen Formeln zur Berechnung eines möglichen Therapieverlaufes wie zum Beispiel das sogenannte patient profiling von Howard und Kollegen (1996), in welchem festgelegte Patientendaten einem log-linearen Modell unterworfen werden und somit eine Aussage über einen errechneten durchschnittlichen Gesundheitsverlauf und den potentiellen Therapieverlauf getätigt werden kann. Die Untersuchung von Feedbackmodellen während der Psychotherapie zur Verbesserung der Ergebnisse, oder auch klassische Kosten-Nutzen-Analysen zur Untersuchung der Effektivität von psychotherapeutischen Interventionen (Lutz & Grawe, 2005). Der Übergang von dieser Entwicklungsphase der Psychotherapieforschung zum aktuellen Stand verliefbeinahe nahtlos und überschneidet sich inhaltlich in einigen Teilen.

1.4 Praxisbezogene Psychotherapieforschung

Aktuell herrscht eine empirische Überprüfung von Theorien durch das Forschen direkt am Patienten, also vorzugsweise in der Therapie, vor. Diese Art der Forschung wird auf verschiedenen Ebenen betrieben. So wird unterschieden in Efficacy-Forschung und Effectiveness-Forschung. Die Efficacy-Forschung prüft die Wirksamkeit von Psychotherapieunter Idealbedingungen. Somit ist hier vor allem die interne Validität von Bedeutung und es ist zu zeigen, ob eine Besserung der Symptomatik tatsächlich auf die Therapie zurückzuführen ist. Bei der Effectiveness-Forschung soll die Wirksamkeit von Psychotherapie unter Realbedingungen geprüft werden. Hier ist also die externe Validität von entscheidender Bedeutung und es soll gezeigt werden, inwieweit therapeutische Maßnahmen unter den Bedingungen der Regelversorgung effektiv sind (Lambert, 2013; Howard et al, 1996).

Des Weiteren findet nach wie vor eine effizienzorientierte Forschung statt, welche nun statt klassisch als Kosten-Nutzen-Analyse, durch das englische cost-effectiveness-research beschrieben wird. Hier werden die Effekte der Intervention auf direkte oder indirekte Krankheitskosten in Bezug gesetzt zu den Kosten, welche durch die Intervention selbst entstehen.

Zu guter Letzt findet momentan auch vertieft eine Prozessforschung statt, in welcher Wirkmechanismen in der Psychotherapie im Detail identifiziert und benannt werden sollen (Wittchen & Hoyer, 2011).

Insgesamt zielten Psychologen seit Beginn der Psychotherapieforschung darauf ab, klinische Praxis, Technik und Theorie wissenschaftlich zu ergründen und zu optimieren. Heutzutage ist es zudem Aufgabe der sogenannten Versorgungsforschung zu überprüfen, ob eine bedarfsgerechte Wirksamkeit der konkreten Patientenversorgung mit Psychotherapie vorhanden ist (Wittchen & Hoyer, 2011).

2 Methoden der Psychotherapieforschung

Im Folgenden sollen die aktuell angewandten Methoden der eben vorgestellten Felder der Psychotherapieforschung kurz erläutert werden. Man hat sich in Forscherkreisen darauf geeinigt zur Messung der Effekte von Psychotherapieforschung einige Messebenen als bedeutsam für einen Therapieerfolg anzuerkennen. Hierzu werden nundie von Dietmar Schulte 1993 entwickelten vier relevanten Messebenen für einen Therapieerfolg angewandt. Diese gliedern sich in eine erste Ebene aus Ursache, Defekt und Prozess, eine zweite Ebene der Symptomatik, eine dritte Ebene der Krankheitsfolgen und eine vierte Ebene der Nebenwirkungen, womit die Begleiterscheinungen und auch Folgen einer therapeutischen Intervention gemeint sind (Schulte, 1993).

So können nun die Therapieeffekte in unterschiedlichen Studien auf einer ähnlichen Basis erforscht werden. Die Stabilität dieser Effekte wird überwiegend durch Katamnesen und Follow-Up-Studien erfasst. Ein dauerhaftes Problem sind hierbei nach wie vor Drop-Outs und Missing Values. Es wird versucht den Umgang mit diesen in Längsschnittstudien zu reflektieren (Berking & Rief, 2012).

2.1 Evaluationsstudien

Das Studiendesign von Evaluationsstudien orientiert sich in der Regel an der Phase des Forschungsstandes. So werden für verschiedene Zielsetzungen der Forschung, vier unterschiedliche Phasen definiert. In der Entwicklungsphase geht es um Wirksamkeitsbeobachtung, wozu Einzelfallstudien nötig sind. In der Erkundungsphase sollen überwiegend Haupteffekte sowie potentielle Nebenwirkungen identifiziert werden, was sich durch prä-post-Studien ohne Kontrollgruppe gut machen lässt.In der sogenannten Testphase wird die Therapieeffektivität bei maximal hoher interner Validität untersucht, welches in erster Linie durch RCT-Studien ( randomised controlled trials) erfolgt. In einer letzten Phase der Praxiskontrolle handelt es sich überwiegend um Versorgungsstudien zur Evaluation im natürlichen Setting und unter Routinebedingungen bei maximal hoher externer Validität (Berking & Rief, 2012).

Als Goldstandard der Evaluationsstudien gelten seit einiger Zeit die RCT- Studien, welche wie oben beschrieben überwiegend in der Testphase eingesetzt werden. Dies ist eine doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Studie.Durch die Kontrolle der systematischen Unterschiede zwischen den Gruppen kommt es zu einer Maximierung der internen Validität. Die Folge daraus ist, dass die Stichprobe streng homogenisiert und klar definiert ist und eine Intervention nachvollziehbar realisiert wird (Windeler et al., 2008). Ein möglicher Nachteil daran ist, dass diese stringente Form der Kontrolle nicht unbedingt die tatsächliche Versorgungspraxis widerspiegelt. Daher werden neben RCT-Studien noch Gruppen- oder Clusterrandomisierungen durchgeführt, welches jedoch wieder die Gefahr der Störvariablen erhöht (Wittchen & Hoyer, 2011).

2.2 Sekundärforschung mittels Metaanalysen

Metaanalysen können durch ein Aggregat von Befunden aus Originalstudien einen Überblick über den Stand der Forschung schaffen und somit wichtige Ergebnisse übersichtlich zusammenfassen. Allerdings sind sie durch die Auswahl der Studien determiniert und bergen einige potentielle Fehlerquellen, wie Publikations-Bias, Selektions-Bias, Variablenvermischung und unterschiedliche Drop-Out-Raten (Berking & Rief, 2012).

Dennoch sind Metaanalysen ein geeignetes Mittel, um den Forschungsstand zu überblicken. Fehlerquellen können durch die konsequente Anwendung von entsprechenden

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Details

Titel
Psychotherapieforschung. Historie, Methoden, aktuelle Entwicklungen
Hochschule
Universität Ulm
Veranstaltung
Seminar- Grundlagen der Verhaltenstherapie
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V457215
ISBN (eBook)
9783668872776
ISBN (Buch)
9783668872783
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychotherapieforschung, historie, methoden, entwicklungen
Arbeit zitieren
Maria Schmidt-Deiss (Autor), 2016, Psychotherapieforschung. Historie, Methoden, aktuelle Entwicklungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457215

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