Ist es selbstverständlich geworden, medial Menschen und Leben zu zerstören?

Der Fall Kachelmann


Essay, 2018

10 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Qualitative Inhaltsanalyse

Untersuchungsmaterial

Analyseleitfaden

Befunde: Medienhaltung

Befunde: Medienform

Fazit

Literaturverzeichnis.

Einführung

Wer über die Medien von der vierten Gewalt im Staat spricht, irrt. Die Medien sind heute Kläger, Richter und Henker in einem.“1 Diese Aussage des deutschen Journalisten Heinz Kerp macht die enorme Verantwortung, aber auch Beeinflussung der heutigen Massenmedien durch deren Berichterstattung deutlich.

Kein anderer kann einen derart höheren Einfluss auf den Meinungsbildungsprozess der Bevölkerung ausüben, als ein Journalist. Durch dessen Berichterstattungen können Personen in der Öffentlichkeit innerhalb weniger Tage zum Liebling der Nation oder zur Hassfigur des deutschen Staates gekürt werden. Jeder Deutsche nutzt durchschnittlich täglich zehn Stunden Medien, davon achteinhalb Stunden die tagesaktuellen Medien wie Fernsehen, Radio, Zeitung und Internet.2 Zehn Stunden die uns in unserem Denken, Handeln und Tun beeinflussen. Viele Faktoren, wie beispielsweise die Wortwahl, der Ausdruck, Bilder und Karikaturen spielen dabei eine Rolle, welches Bild von einer Person des öffentlichen Lebens uns vermittelt wird. Die Massenmedien bestimmen somit innerhalb weniger Sekunden darüber, ob wir eine Person lieben oder hassen sollen.

Im Jahr 2010 wurde so das Leben eines einstig immer sonnigen, lustigen und sympathisch wirkenden Moderators, Journalisten und Wetterfrosch zerstört (vgl. Schulemann 2014). Die Person Jörg Kachelmann wurde „abgesägt“. Aber ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, Leben und Menschen durch die mediale Arbeit und die gesellschaftlichen Interessen zu zerstören? Der Vorfall „Kachelmann“ zeigt beispielhaft, welche Macht die Massenmedien besitzen und wie die öffentliche Wahrnehmung einer prominenten Persönlichkeit gelenkt wird.

Im Folgenden soll im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse die Berichterstattung über den Fall „Jörg Kachelmann“ anhand von Artikeln aus Tages – und Boulevardzeitungen untersucht werden. Inwiefern hat die mediale Arbeit die Akte Kachelmann beeinflusst und dazu beigetragen, uns das Bild der Hassfigur zu vermitteln. Zudem soll betrachtet werden, wie die Medien heute mit Kachelmann umgehen. Die zentrale Fragestellung leitet hierbei diese Arbeit: Skandalismus und Sensationsgeilheit – Ist es selbstverständlich geworden, Leben und Menschen zu zerstören?

Qualitative Inhaltsanalyse

Die folgende qualitative Inhaltsanalyse wird nach den Schemen von Philipp Mayring analysiert. Mayrings sozialwissenschaftliche Methode ermöglicht „Texte systematisch [zu] analysieren [...] und theoriegeleitet am Material entwickelten Kategoriensystem“ (Mayring 2010, S. 114) zu bearbeiten. Dies meint eine Analyse des Materials auf eine zuvor festgelegte Fragestellung. Der Vorteil einer qualitativen Inhaltsanalyse liegt darin, dass die volle Komplexität der Untersuchungsgegenstände in Betracht gezogen werden können, sie eher induktiv, somit einzelfallorientiert und verstehend aufgebaut ist.3

Diese Arbeit legt ihren Fokus darauf, wie die Massenmedien den Fall Jörg Kachelmann in seiner Hochphase betrachtet haben. Durch diese gegebenen Rahmenbedingungen wird daher von einer quantitativen Inhaltsanalyse, wie auch ergänzenden Diskursanalyse abgesehen.

Untersuchungsmaterial

Da der medialen Berichterstattung im Fall Kachelmann Parteieinnahmen vorgeworfen werden, soll ein möglichst breit gefächertes Spektrum von verschiedenen Zeitungs- beziehungsweise Zeitschriftenartikel als Ausgangsmaterial der Untersuchung dienen. Zum einen die linksliberal orientierte Monatszeitschrift „DER SPIEGEL“ sowie die ebenfalls linksliberale Wochenzeitschrift „Die Zeit“ im Gegensatz zu der Tageszeitung „BILD“ sowie Wochenzeitung „BUNTE“ im Boulevardsektor.

Das Untersuchungsmaterial umfasst dabei nur exemplarisch ausgewählte Artikel und keinesfalls die komplette mediale Aufbereitung des Falls Kachelmann. Die Auswahl der Artikel richtet sich nach den Verkaufserfolgen der gedruckten Storys und demnach nach dem Interessengehalt der Bevölkerung. Der Analysezeitraum beginnt bei Bekanntwerden der Verhaftung Kachelmanns im März 2010 und endet im Dezember 2010.

Analyseleitfaden

Im nächsten Schritt sollen nun die bereits erhobenen Daten systematisch ausgewertet werden. Das Ziel besteht darin, fixierte Kommunikation zu analysieren, um infolgedessen Rückschlüsse zur Beantwortung der Forschungsfrage ziehen zu können.4 Dies soll mithilfe von Kategorien erreicht werden. Bei der hier angewendeten induktiven (qualitativen) Vorgehensweise werden die Kategorien nicht vor der Sichtung des Materials erstellt, sondern direkt aus dem Material selbst abgeleitet.5

Nach Sichtung der definierten Materialbasis sind folgende Kategorien gebildet worden, welche auf die Forschungsfrage abzielen:

1. Sprache:

Hier gilt es die genaue Wortwahl näher zu analysieren. Natürlich ist es hierbei wichtig, die Schlagzeilen beziehungsweise Über- und Unterschriften des Ausgangsmaterials zu deuten. Wird Kachelmann durch die falsche Wortwahl vorverurteilt? Welche Wirkung hat dies auf den Leser?

2. Medienform:

Diese Kategorie bezieht sich auf das Ausmaß der Berichterstattung. Wird Kachelmann die Titelseite zugesprochen? Wie viel Platz nimmt der Trubel um ihn und seine Story ein? Die Medienform kann somit einen entscheidenden Aufschluss darüber geben, welch großes mediale Interesse hinter Kachelmann steckt.

3. Personendarstellung:

Ist ausschließlich die Person „Jörg Kachelmann“ gemeint. Wie wurde er vor den Vorwürfen medial repräsentiert? Wie wird mit ihm nun umgegangen? Warum wird sein Privatleben gerade jetzt nahezu ausgeschlachtet?

4. Medienhaltung:

In dieser Analysedimension soll betrachtet werden, inwiefern eine Haltung zum Fall Kachelmann eingenommen wird. Bleiben sie in ihrer Berichterstattung neutral oder beziehen sie Stellung für eine Partei?

Im Folgenden sollen im Hinblick auf die Forschungsfrage die Befunde beispielgebend für die zwei stärksten Analysedimensionen aufgestellt werden.

Befunde: Medienhaltung

Die Haltung eines Mediums gegenüber einem Ereignis kann die Wahrnehmung der Gesellschaft prägen. Logisch ist, dass die Berichterstattung unterschiedlich von Medium zu Medium wahrgenommen wird. Doch schon in der Ausbildung eines jeden Journalisten wird klar gemacht, dass die Grundsätze der Neutralität und Unparteilichkeit oberstes Gebot sein sollen. Zentral für diese Analyse ist, wie Jörg Kachelmann durch Schlagzeilen und Worte in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

[...]


1 Heinz Kerp (*1963), deutscher Journalist: https://www.aphorismen.de/zitat/208627 (23.10.2018)

2 Baumann, Keller, Maurer, Quandt, Schweiger (2011): https://www.bpb.de/izpb/7543/wie-medien-genutzt-werden-und-was-sie-bewirken?p=all (23.10.2018)

3 Vgl. Müller (2003): http://www.psychologie.uni-oldenburg.de/veranstaltungen/ReferatQIA.pdf (23.10.2018)

4 Meier (2014): https://blogs.uni-paderborn.de/fips/2014/11/26/qualitative-inhaltsanalyse/

5 Vgl. ders.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Ist es selbstverständlich geworden, medial Menschen und Leben zu zerstören?
Untertitel
Der Fall Kachelmann
Hochschule
Dekra Hochschule für Medien
Note
1
Autor
Jahr
2018
Seiten
10
Katalognummer
V457229
ISBN (eBook)
9783668888104
ISBN (Buch)
9783668888111
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kachelmann, jörg, wettermann, tv, boulevard, medien, zerstörung
Arbeit zitieren
Tobias Haas (Autor), 2018, Ist es selbstverständlich geworden, medial Menschen und Leben zu zerstören?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457229

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