Einleitung
Das jiddische Lied und die Klezmer-Musik üben einen besonderen Reiz aus, der gerade in der heutigen Zeit sehr stark wirkt. Viele Menschen fühlen sich fasziniert angezogen von der Melodie und Harmonik, die dieser Musik zugrunde liegt.
Aber was ist das Besondere an diesen Harmonien und Melodien? Was reizt uns daran?
Diesem Phänomen soll mit dieser Arbeit auf den Grund gegangen werden. Neben einer analytischen Betrachtung der harmonischen und melodischen Strukturen werden die geschichtlichen und sozialen Ursprünge des jiddischen Liedes, die im Chassidismus und in der jüdischen Erziehung liegen, dargestellt. Des weiteren soll versucht werden, durch Beschreibung einiger Lieder (im Anhang auch als Noten zu finden) und biographischer Notizen zu einigen bedeutenden Schöpfern jiddischer Musik, diese bekannter zu machen.
In seiner Einfachheit und stets überschaubarer Struktur (jiddische Lieder sind ohne Noten schnell lernbar und meist einfach und in beliebiger Besetzung zu begleiten) bemüht sich das jiddische Lied um die Vermittlung von Bildern und Szenen aus dem jüdischen Alltag. Ähnlich wie in den deutschen Volksliedern tragen die vertonten Texte immer eine Moral, die durch das häufige Singen das Volk erziehen soll. Das faszinierende an dem jüdischen Humor ist die Fähigkeit, in tiefster Not über das eigene Leid zu lachen, um in der Fröhlichkeit die Trauer zu überwinden. Dies stellt – besonders im Bewusstsein des zweiten Weltkriegs – das jiddische Lied und das jiddische Theater in ein besonderes Licht.
Somit bekommt das jiddische Lied für unsere Zeit eine immer aktuellere Bedeutung und Wichtigkeit. Durch seine Verbreitung gelangt man zu einem besseren Verständnis der jüdischen Tradition und Denkweise. Darüber hinaus erzieht sie – mehr denn je – den Sänger wie den Zuhörer durch seinen Charme zu einer gelassenen Lebenshaltung.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Ursprünge des jiddischen Liedes – die Musik der Chassidim
Das jiddische Lied
Einbindung der Musik in das Theater in Rumänien
Komponisten und Dichter jiddischer Lieder
• Abraham Goldfaden
• Itzik Manger
• Mordechaj Gebirtig
Nachwort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die geschichtlichen, sozialen und musikalischen Wurzeln des jiddischen Liedes, wobei ein besonderer Fokus auf der analytischen Betrachtung der harmonischen Strukturen sowie dem Einfluss des Chassidismus und der jiddischen Theaterkultur liegt. Dabei wird der Frage nachgegangen, was das Wesen dieser Musik ausmacht, welche Rolle sie in der jüdischen Tradition einnimmt und wie sie zur Vermittlung alltäglicher Lebensbilder und existenzieller Hoffnung beiträgt.
- Analytische Betrachtung harmonischer und melodischer Strukturen in der jiddischen Musik
- Die historische Bedeutung des Chassidismus als Ursprung für Musik und Liedkultur
- Die Entwicklung des jiddischen Theaters und seine Einbindung in den jüdischen Alltag
- Biographische und künstlerische Porträts bedeutender Schöpfer wie Abraham Goldfaden, Itzik Manger und Mordechaj Gebirtig
- Die Verknüpfung von Volksliedern, Humor und Widerstand als Ausdruck jüdischer Identität
Auszug aus dem Buch
Das jiddische Lied
Die jiddische Musik hat ihre Wurzeln in der Musik, die in der Synagoge gesungen wird. Es gibt verschiedene Skalen, die der Klezmer-Musik zugeordnet sind. Sie benennen sich nach den Gebetsanfängen der Synagoge und werden in ihrer Einteilung zurückgeführt auf den Wiener Hasan Josef Singer (Illinik, Ungarn, 1841- Wien, 1911), der sie 1886 erstmalig zusammengefasst und beschrieben hat. Hier sei zuerst auf seine Darstellung der 6 Modi eingegangen.
Der erste „Schtejger“ oder (Modus, auch „Gustn“ genannt) heißt bei ihm „Adoschem Malach“, was so viel heißt wie „Der Herr regiert“. Er ähnelt dem mixolydischen Modus, eine Dur-Tonleiter mit erniedrigter 7. Tonstufe.
„Magen Avoth“ (Der Schutz unserer Vorfahren) heißt der nun folgende Schtejger. Er ist einer der ältesten synagogalen Modi und ähnelt dem natürlichen Moll. Er wird in Liedern und Weisen zum Thema Begrüßung und Abschied eingesetzt.
Der am weitesten verbreitete Modus ist der „Ahava Rabah-Schtejger“, was so viel heißt wie „Modus der großen Liebe (Gottes)“. Er heißt im allgemein üblichen Sprachgebrauch der Klezmorim auch „Frejgisch“, was man mit „Phrygisch“ übersetzen könnte, doch funktioniert Frejgisch noch anders: Es hat im Gegensatz zum normalen „Ahava Rabah-Schtejger“ nur manchmal einen Halbtonschritt zwischen der 1.und 2. Tonstufe, dafür aber einen übermäßigen Sekundschritt zwischen der 2.und 3.Tonstufe.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den besonderen Reiz jiddischer Musik, formuliert die Forschungsfragen zur musikalischen Struktur und den sozialen Ursprüngen und hebt die Bedeutung des jiddischen Liedes für das Verständnis jüdischer Tradition und Lebenshaltung hervor.
Die Ursprünge des jiddischen Liedes – die Musik der Chassidim: Dieses Kapitel erläutert, wie der Chassidismus das Gebet durch Musik und Tanz im Alltag verankerte und somit die Voraussetzung für die Entstehung der jiddischen Liedkultur schuf.
Das jiddische Lied: Hier werden die musikalischen Grundlagen und die spezifischen Skalen (Schtejger) der jiddischen Musik detailliert beschrieben und analysiert.
Einbindung der Musik in das Theater in Rumänien: Das Kapitel behandelt die Entwicklung des jiddischen Theaters aus der Badchn-Tradition heraus und wie Musik zum zentralen Bestandteil des dargestellten jüdischen Alltags wurde.
Komponisten und Dichter jiddischer Lieder: Dieser Hauptteil stellt das Leben und Wirken von Abraham Goldfaden, Itzik Manger und Mordechaj Gebirtig vor und analysiert ihre bedeutendsten Liedschöpfungen vor dem historischen Hintergrund.
Nachwort: Das Nachwort reflektiert die Komplexität des Themas und betont, dass die Arbeit lediglich einen einführenden Überblick in die jiddische Musikkultur Osteuropas geben möchte.
Schlüsselwörter
Jiddisches Lied, Klezmer-Musik, Chassidismus, Abraham Goldfaden, Itzik Manger, Mordechaj Gebirtig, Jiddisches Theater, Schtejger, Badchonim, Synagogale Musik, Osteuropäisches Judentum, Volkslied, Tradition, Ahava Rabah, Roschinkes mit Mandeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Ursprüngen und der Entwicklung des jiddischen Liedes sowie dessen Einbettung in die jüdische Kultur und das jiddische Theater in Osteuropa.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören die Musiktheorie (synagogale Modi), die soziale Bewegung des Chassidismus, die Entstehung des Theaters in Rumänien sowie Biographien bekannter Komponisten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser einen Einblick in die musikalischen Strukturen und die historische sowie soziale Bedeutung des jiddischen Liedes als Ausdruck einer traditionsreichen Kultur zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine analytische Betrachtung der harmonischen Strukturen vorgenommen, ergänzt durch eine historische Einordnung und biographische Notizen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der musikalischen Skalen, die Bedeutung des Theaters und detaillierte Porträts von Goldfaden, Manger und Gebirtig samt einer Analyse ausgewählter Lieder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Jiddisches Lied, Klezmer-Musik, Chassidismus, Jiddisches Theater und die genannten Schöpfer der Lieder.
Welche Rolle spielt die Mutterfigur in Itzik Mangers Lied "Oyfn vejg schtejt a bojm"?
Die Mutterfigur verkörpert die beschützende, aber auch einschränkende Liebe, die den Wunsch des Sohnes, als freier Vogel in die Welt zu ziehen, aufgrund von Sorge vor Leid und Kälte unterbindet.
Warum wird das Lied "S'brennt" von Mordechaj Gebirtig als ein Aufruf zum Widerstand gewertet?
Es ist ein eindringlicher Appell, das Schicksal nicht passiv zu erdulden, sondern durch eigenes Handeln – symbolisiert durch das Löschen des Feuers – gegen Antisemitismus und Verfolgung vorzugehen.
- Quote paper
- Friederike v. Moellendorff (Author), 2005, Das Jiddische Lied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45722