Der perfekte Lehrer für hochbegabte Kinder? Hochbegabung diagnostizieren und fördern

Voraussetzungen und Eigenschaften für einen sicheren Umgang und eine frühe Förderung hochbegabter Kinder


Forschungsarbeit, 2017
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Theorie
2.1. Allgemeine Definitionen und Erklärungen zum Thema Hochbegabung
2.1.1. Theoretische Grundlage zum Thema Hochbegabung
2.1.2. Kriterien zur Bestimmung von Hochbegabung
2.1.3. Intelligenz
2.2. Diagnosemöglichkeiten für hochbegabte Kinder
2.2.1. WISC-IV-Test als Beispiel eines wissenschaftlichen Tests
2.2.2. Lehrer als Diagnosesteller von Hochbegabung
2.3. Vorstellung der Studie von Anna Julia Wittmann mit dem Thema des Umgangs von Lehrern mit hochbegabten Kindern
2.4. Hypothesen

3. Methode
3.1. Stichprobe
3.2. Untersuchungsinstrument
3.3. Durchführung

4. Ergebnisse
4.1. Geschlechterspezifische Unterschiede bei dem wahrgenommenen Wissen über hochbegabte Kinder
4.2 Zusammenhang zwischen dem selbstwahrgenommenen Wissen und dem Wissen zur Diagnose von hochbegabten Personen
4.3. Möglicher Zusammenhang zwischen bisherigem Kontakt mit hochbegabten Personen und dem Wissen über ihre Förderung

5. Diskussion
5.1. Interpretation der Ergebnisse
5.2. Kritik und Ausblick

1. Zusammenfassung

Diese Forschungsarbeit handelt von dem Thema der Hochbegabung diagnostizieren und fördern, sowie einer eher generellen Beschreibung des Wissensstandes von Lehramtsstudierenden in Sachsen-Anhalt. Zunächst werden einige allgemeine Begriffe und Definitionen erläutert, darunter auch der Begriff der Intelligenz. Ebenfalls werden im Theorieteil Diagnosemöglichkeiten aufgezeigt, bevor anhand von Studien, darunter der vorgestellten von Wittmann, Hypothesen gebildet. Anschließend wird die Stichprobe N =159 gezeigt und auf die Online-Befragung über sosci-survey.de hingewiesen, sowie die weitere Verarbeitung durch SPSS erläutert. Die gewonnenen Daten werden im Ergebnis-Teil anhand von Tabellen genauer ausgewertet, bevor anschließend bei dem Thema der Diskussion die Hypothesen auf ihre Richtigkeit überprüft werden und eine Bewertung der ganzen Studie sowie ein kleiner Ausblick vorgenommen wird.

2. Theorie

In den folgenden Abschnitten soll sich mit einigen Erklärungen und Definitionen zum Thema Hochbegabung beschäftig werden. Ebenfalls sollen zwei verschiedene Diagnosemöglichkeiten vorgestellt werden, wovon eine ebenfalls sehr wichtig für die anschließende Hypothesenbildung ist. Davor allerdings soll noch eine weitere Studie zu Rate gezogen werden, um das Thema noch weiter zu verdeutlichen.

2.1. Allgemeine Definitionen und Erklärungen zum Thema Hochbegabung

2.1.1. Theoretische Grundlage zum Thema Hochbegabung

Vorangestellt werden muss die Tatsache, dass es keine allgemeingültige, vollständige und von allen anerkannte Definition zum Thema Hochbegabung gibt, sondern nur verschiedene Ansätze.

Eine Begabung beschreibt im Allgemeinen ein gewisses natürliches Potenzial zur Lösung verschiedener Probleme. Bereits hier lässt sich erkennen, dass Hochbegabung ein sehr breites Feld von möglichen Aktionsfeldern beinhaltet. Einige davon werden im Folgenden bei der Definition von Preckel/Vock auftauchen: „Intellektuelle Hochbegabung kennzeichnet dabei ein extrem hoch ausgeprägtes leistungsbezogenes Informationsverarbeitung,Lernen und Wissensaneignung, abstraktes Denken sowie Problemlösen(entweder generell oder auch in einer bestimmten Domäne).“ (vgl. Preckel/Vock 2013, S.13).

2.1.2. Kriterien zur Bestimmung von Hochbegabung

Preckel und Vock zeigen in ihrem Werk auch verschiedene Kriterien, die aufzeigen, dass sich Hochbegabung in verschiedenster Weise zeigen kann. So beschreibt das sogenannte Exzellenzkriterium, dass hochbegabte Personen in mindestens einem Gebiet ein weitaus höheres Leistungsniveau besitzen müssen, als andere. (vgl. Preckel/Vock 2013, S.13.) Beispiele hierfür können Bereiche des mathematischen oder informatischen Verständnisses sein.. Das Beweisbarkeitskriterium gibt an, dass hochbegabte Personen ihre Fähigkeiten willentlich in empirisch geprüften Tests nachweisen können müssen, um als hochbegabt zu gelten. (vgl. Preckel/Vock 2013, ebd.) Dies geht ein wenig einher mit dem Seltenheitskriterium, welches angibt, dass Hochbegabte eine Eigenschaft besitzen müssen, welche bei ihnen in einer wesentlich höheren Ausprägung nachzuweisen sein muss, als bei anderen Personen. (vgl. Preckel/Vock 2013, S.14) Ein Beispiel für eine solche Eigenschaft ist die Intelligenz. Da dieser Begriff sehr häufig im Zusammenhang mit Hochbegabung fällt, soll er nun erläutert werden.

2.1.3. Intelligenz

Wie der Begriff der Hochbegabung, ist auch der Begriff der Intelligenz ein schwer eindeutig zu beschreibendes Phänomen des Menschen. Preckel und Vock beschreiben den Begriff wie folgt: „Intelligenz entsteht aus Wechselwirkungen zwischen Individuum und seiner Umwelt“ (vgl. Preckel/Vock 2013, S. 28). Trotz der Vielzahl von weiteren Definitionen und Erklärungen, lassen sich Zusammenhänge zwischen ihnen herstellen. So lässt sich allgemein sagen, dass Intelligenz immer im Zusammenhang mit verschiedenen und komplexen Denkprozessen steht. Außerdem teilen viele Forscher den Begriff der Intelligenz auch in untere Teilgebiete ein (vgl. Preckel/Vock 2013, S.29).

Das Cattel-Horn-Carnoll Modell, kurz CHC, beschreibt Intelligenz als Phänomen, welches aus unterschiedlichen Schichten besteht. Die erste Schicht bildet die generelle Intelligenz. Darunter erarbeitete Cattel 16 weitere Teilfaktoren für die Intelligenz. Auf dieser Grundlage verfeinerte Carnoll das System noch einmal, indem er eine dritte Schicht ergänzte, welche 70 Faktoren umfasst und sich auf die zweite Schicht aufbaut (vgl. Preckel/Vock 2013, S.30).

Intelligenz gilt heute als ein wichtiges Instrument, um Hochbegabung festzustellen. So entwickelte W. Stern bereits 1912 den sogenannten Intelligenzquotienten. Dazu wurden ebenfalls Vergleichswerte geschaffen, welche den ungefähren Stand einer Person innerhalb einer Gesellschaft zeigen sollen. Ab 130 Punkten gilt eine Person als hochbegabt. Dies erreichen allerdings nur rund 2.2 % der Menschen (vgl. Preckel/Vock 2013, S.103 f.)

2.2. Diagnosemöglichkeiten für hochbegabte Kinder

Da nun ein allgemeiner Kenntnisstand zum Thema der Hochbegabung vorliegt, soll nun die mögliche Diagnose von hochbegabten Personen in den Vordergrund gerückt werden. Zunächst soll ein durchaus oft benutzter Test, welcher an das Thema der Intelligenz anknüpft, beschrieben und erläutert werden. Anschließend soll die Lehrerperson genauer betrachtet werden, da diese oftmals Hochbegabung feststellt bzw. es auch in ihrer Aufgabe liegt, genau dies zu tun.

2.2.1. WISC-IV-Test als Beispiel eines wissenschaftlichen Tests

Die Wechsler Intelligence Scale for Childen, kurz WISC, ist eine Art wissenschaftlicher Test, mit dem Ziel, besonders die Intelligenz von Kindern und damit eine mögliche Hochbegabung zu erkennen. Er orientiert sich am bereits erläuterten CHC-Modell Außerdem kann man mit Hilfe von wissenschaftlichen Intelligenztests eine mögliche frühzeitige Einschulung, also generell die Entwicklung des Kindes genauer verfolgen. Auch mögliche Leistungsabfälle können durch die Ausführung von diesen Tests besser erklärt werden (vgl. Preckel/Vock 2013, S.99). Preckel und Vock weisen allerdings auch auf die Gefahr und die Grenzen von wissenschaftlichen Tests, indem sie sagen: „Es ist unbedingt erforderlich, den Messgegenstand des Tests genau zu kennen und zu prüfen, ob der Test zur Fragestellung passt.“ (vgl. Preckel/Vock 2013, S.101). Es ist davon auszugehen, dass ansonsten sog. Boden-bzw. Deckeneffekte auftreten.

Der WISC-IV, ehemals auch Hawik-IV, besteht aus 15 Einzeltests, welche sowohl die allgemeine Intelligenz, als auch vier sog. Subindizes erforscht. Allerdings wurden zwischen diesen vier Subindizes massive Leistungsunterschiede festgestellt, welche das Ergebnis natürlich verändert bis verfälscht. Da dieser Test zu den meist genutzten Tests zählt, ist eine weitere Forschung unabdingbar (vgl. Preckel/Vock 2013, S.114)

2.2.2. Lehrer als Diagnosesteller von Hochbegabung

Neben wissenschaftlichen Tests gelten Lehrerurteile als die am häufigsten eingesetzte Quelle, ob ein Kind möglicherweise hochbegabt ist. Schaut man sich allerdings die Erfolgsquote an, so spricht diese nicht unbedingt für sie. Nicht einmal die Hälfte (45%) aller als hochbegabt eingeschätzten Schüler wiesen diese Eigenschaft auf. Im Gegenzug nominierten die Lehrer auch eine relativ große Anzahl von nicht hochbegabten Schülern als solche (zwischen 50 und 70 %). Dies ist weder besonders effizient, noch ökonomisch, noch effektiv. Dies liegt meist persönlichen implizierten Theorien der LehrerInnen zugrunde. Anhand der folgenden Studie soll nun gezeigt werden, wie hochbegabte Kinder von Lehrkräften nominiert werden und wie sie mit ihnen umgehen.

2.3. Vorstellung der Studie von Anna Julia Wittmann mit dem Thema des Umgangs von Lehrern mit hochbegabten Kindern

Wittmann stellte im Rahmen ihrer Studie vier Hypothesen auf. Die erste besagte, dass LehrerInnen, die sich bisher kaum mit dem Thema der Hochbegabung beschäftigt haben, den Anteil ihrer Schüler mit Hochbegabung niedriger einschätzen, als andere KollegInnen. Diese Hypothese konnte falsifiziert werden (vgl. Wittmann 2002, S.167). Dagegen konnte die zweite Hypothese bestätigt werden, welche besagt, dass Lehrer mehr Verhaltensauffällige unter hochbegabte Kinder, als unter nicht hochbegabten SchülerInnen. (vgl. Wittmann 2002, S.80). Ebenfalls verifiziert wurde die dritte Hypothese, welche angibt, dass LehrerInnen, die schätzen, weniger hochbegabte Kinder bisher unterrichtet zu haben, auch ein höheres Ausmaß an auffallendem Verhalten glauben zu beobachten. Falsifiziert wurde dagegen wieder Hypothese vier, welche vermutete, dass LehrerInnen mit weniger bis keiner Fortbildung den Anteil verhaltensauffälliger Kinder bei Hochbegabten höher einschätzen würde, als KollgeInnen mit mehr Fortbildung. Insgesamt zeigte die Studie, dass die LehrerInnen nur unzureichend auf das Thema Hochbegabung vorbereitet wurden und legt den Schluss nahe, gerade unerfahrene KollegInnen mehr zu beraten.

Anschließend an diese Studie werden nun Hypothesen aufgestellt, die sich um das Thema unterschiedlichen Wissens und Erwartungen bei LehramtsstudentInnen mit unterschiedlichen prägnanten Eigenschaften drehen.

2.4. Hypothesen

In der pädagogischen Zeitschrift von Gerhard Schümer mit dem Titel „Unterschiede in der Berufsausübung von Lehrern und Lehrerinnen“ kommt eine Studie zu dem Schluss, dass ein signifikanter Unterschied bei der Anzahl der unterrichteten Fächer zwischen Frauen und Männer in Grundschulen besteht. So unterrichten Frauen durchschnittlich 4.4 Fächer, Männer dagegen nur 3.8 Fächer. Frauen haben laut der Studie den Wunsch nach einer intensiveren Betreuung ihrer Hauptklasse. (vgl. Schümer 1992, S.664). Dieser Wunsch nach einem intensiven Wissensbedarf über die Schüler mündet zwangsläufig auch darin, sic mit Phänomenen der Schüchternheit oder eben auch der Hochbegabung zu befassen. Folglich lässt sich ableiten, dass Frauen ein höheres wahrgenommenes Wissen über Hochbegabung haben, als ihre männlichen Kollegen und dass sich dieses bereits in der Zeit des Studierens zeigt, da hier eine große Bandbreite an möglichen Informationsveranstaltungen zum Thema Hochbegabung stattfinden. Also lässt sich die Hypothese ableiten, dass bereits weibliche Lehramtsstudentinnen mehr wahrgenommenes Wissen über Hochbegabung besitzen, als männliche Lehramtsstudenten.

Wittmanns Studie kommt wiederrum zu dem Schluss, dass gerade unerfahrene LehrerInnen ein großes Missverständnis besitzen, was hochbegabte Kinder angeht. Sie rät abschließend genau diese Personen zu fördern, was den Umgang mit Hochbegabten angeht (vgl. Wittmann 2002, S.168). Eine bessere Vorbereitung bzw. ein besseres Wissen über Hochbegabung steht im Zusammenhang mit dem Wissen zur Diagnose bzw. zur Förderung. Lehramtsstudierende, die also bereits Wissen zur Hochbegabung denken zu haben, werden ihre Behauptung hauptsächlich auf das Wissen von einer möglichst frühzeitigen Erkennung und der Förderung von hochbegabten Kindern stützen. Es lässt sich die Hypothese schlussfolgern, dass ein positiver Zusammenhang zwischen dem generell wahrgenommen Wissen und dem Wissen zur Diagnose von hochbegabten Personen besteht.

Führt man die Gedanken von Wittmann fort, so lässt sich sagen, dass gerade Studierende weitaus mehr Gelegenheiten geboten bekommen müssen, um sich über das

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der perfekte Lehrer für hochbegabte Kinder? Hochbegabung diagnostizieren und fördern
Untertitel
Voraussetzungen und Eigenschaften für einen sicheren Umgang und eine frühe Förderung hochbegabter Kinder
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V457315
ISBN (eBook)
9783668872837
ISBN (Buch)
9783668872844
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lehrer, kinder, hochbegabung, voraussetzungen, eigenschaften, umgang, förderung
Arbeit zitieren
Erik Wießner (Autor), 2017, Der perfekte Lehrer für hochbegabte Kinder? Hochbegabung diagnostizieren und fördern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457315

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