Demographischer Wandel und Immobilienwirtschaft

Untersuchungen und Ansätze bei der Entwicklung von demenzgerechten Immobilien


Bachelorarbeit, 2016

63 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

IV. Tabellenverzeichnis

1. Einführung
1.1. Problemstellung
1.2. Aufbau und Inhalt

2. Der demographische Wandel
2.1. Aktuelle und zukünftige Situation
2.1.1. Altersaufbau
2.1.2. Lebenserwartung
2.1.3. Bevölkerungszahl
2.2. Auswirkungen des demographischen Wandels
2.2.1. Auswirkungen auf die Entwicklung der Anzahl an Pflegebedürftigen in Deutschland
2.2.2. Auswirkungen auf den Bedarf und die Entwicklung von altengerechten Wohnkonzepten

3. Wohnen im Alter
3.1. Anforderungen älterer Menschen mit Demenz an das Wohnen im Alter
3.2. Möglichkeiten für das Wohnen demenzkranker Menschen im Alter
3.2.1. Wohnraumanpassung bei Demenz
3.2.2. Betreutes Wohnen für Menschen mit Demenz
3.2.3. Pflegeheime für Menschen mit Demenz
3.3. Planungsgrundlagen altengerechter Wohnformen
3.3.1. Planungsgrundlagen Betreutes Wohnen
3.3.2. Planungsgrundlagen Pflegeheim
3.3.3. Planungsgrundlagen neuer Wohnformen

4. Praxisbeispiel: Demenzdörfer
4.1. Das Konzept
4.2. Kriterienkatalog für ein demenzgerechtes Wohnen
4.2.1. Betreuungskonzept
4.2.2. Barrierefreie Konzeption
4.2.2.1. Lichtgestaltung
4.2.2.2. Farbgestaltung
4.2.2.3. Innenraumgestaltung
4.2.2.4. Außenraumgestaltung
4.2.3. Erschließung
4.2.4. Standortwahl
4.2.5. Kosten und Finanzierung

5. Schlussbetrachtung
5.1. Fazit
5.2. Ausblick

V. Glossar

VI. Literaturverzeichnis

VII. Anlagen

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Altersaufbau 2015/2060

Abbildung 2 Entwicklung der Lebenserwartung

Abbildung 3 Entwicklung der Geburtenrate und Sterbefälle

Abbildung 4 Prognose der Entwicklung der Pflegebedürftigen bis 2050

Abbildung 5 Prognose der Demenzerkrankungen bis 2050

Abbildung 6 Stadien der Demenz

Abbildung 7 Haushalte nach Altersgruppen 2014

Abbildung 8 Pflegebedürftige nach Versorgungsart

Abbildung 9 Anforderungen Demenzkranker

Abbildung 10 Wohnmöglichkeiten mit Demenz

Abbildung 11 Mögliche Anpassungsmaßnahmen

Abbildung 12 Stationskonzept Pflegeheim

Abbildung 13 Hausgemeinschaftskonzept

Abbildung 14 Untergeschosse „De Hogeweyk“

Abbildung 15 Obergeschosse „De Hogeweyk“

Abbildung 16 Grundriss Hausgemeinschaft für 6 Personen

Abbildung 17 Lageplan „De Hogeweyk“

Abbildung 18 Fassade im Innenbereich des Demenzdorfes „De Hogeweyk"

Abbildung 19 Fassade im Außenbereich des Demenzdorfes „De Hogeweyk"

Abbildung 20 Bauliche Maßnahmen zur Unterstützung der Orientierung

Abbildung 21 Anordnung Wohn- und Essbereich in „De Hogeweyk“

Abbildung 22 Anordnung der Sanitäranlagen in „De Hogeweyk“

Abbildung 23 Übersicht Außenzonen „De Hogeweyk“

Abbildung 24 gebogener Flur

Abbildung 25 räumliche Wahrnehmung gebogener Flur

Abbildung 26 abknickender Flur

Abbildung 27 räumliche Wahrnehmung abknickender Flur

Abbildung 28 gerader Flur

Abbildung 29 Flur mit Umlenkstelle

Abbildung 30 räumliche Wahrnehmung Flur mit Umlenkstelle

Abbildung 31 Flurkonzept in „De Hogeweyk“

Abbildung 32 Ausschnitt Erschließung 1. OG „De Hogeweyk“

Abbildung 33 Nettoeinkommen und verfügbares Nettoeinkommen ausgewählter Haushalte in Deutschland

IV. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Vorausberechneter Bevölkerungsstand 2015-2060 12

Tabelle 2 Pflegestufen mit zugehörigen Leistungsansprüchen 51

Tabelle 3 Beispielberechnung Eigenanteile ohne Staffelung 51

Tabelle 4 Übersicht Pflegesätze ausgewählter Pflegeeinrichtungen 52

Tabelle 5 Beispielberechnung möglicher Eigenanteile mit Staffelung 52

1. Einführung

Aufgrund des demographischen Wandels, der sowohl durch eine deutliche Veränderung der Altersstruktur als auch durch eine Bevölkerungsabnahme gekennzeichnet ist, spielt die rechtzeitige Vorsorge für das Wohnen und Leben im Alter eine immer größere gesellschaftliche Rolle. Dies betrifft in naher Zukunft vor allem die geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer-Generation“ der 50er und 60er Jahre, die in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen werden. Auch die aktuelle Entwicklung der Zuwanderungsströme aus herkunftsunsicheren Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak wird sich in den nächsten Jahren deutlich stärker auf die Bevölkerungsstruktur Deutschlands auswirken. Gleichzeitig stellt der stattfindende Bevölkerungswandel neue Anforderungen an den Bedarf und die Entwicklung neuer Wohnkonzepte.

Angesichts dieser zentralen gesellschaftlichen Herausforderung beschäftigt sich das Thema dieser Arbeit mit den Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Projektentwicklung von altengerechten Wohnimmobilien.

Schwerpunktmäßig wird hierbei eine der wesentlichen Aufgaben sein, dem stetig steigenden Anteil pflegebedürftiger Menschen mit Demenz, welcher mit den kommenden älteren Generationen deutlich zunehmen wird, ein möglichst langes, selbstbestimmtes und selbstständiges Leben und somit Normalität im Alter zu ermöglichen, um die künftigen Herausforderungen des demographischen Wandels zu bewältigen.

Deshalb gilt es schon heute festzustellen, welche Anforderungen die kommenden älteren Generationen an altengerechte Wohnimmobilien stellen und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um insbesondere den Erhalt der eigenen Lebensführung bei einer Demenzerkrankung zu gewährleisten.

Unter dem Aspekt des selbstbestimmten und selbstständigen Leben im Alter gelten die barrierefreie Ausgestaltung der Wohnumgebung sowie die Entwicklung von neuen alternativen Versorgungs- und Wohnstrukturen für ältere Menschen daher umso mehr als wichtige Voraussetzungen, um dem zunehmenden Anteil demenzkranker Menschen, trotz geistiger und körperlicher Einschränkungen, die Teilnahme und Teilhabe am täglichen Leben zu gewährleisten und deren Lebensqualität trotz fortschreitender Krankheit dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Um den Anforderungen demenziell erkrankter Menschen gerecht zu werden gilt es die aktuellen sowie künftigen Gegebenheiten zu analysieren und daraufhin Strategien und Handlungsempfehlungen für den Umgang mit dem Alterungsprozess zu entwickeln, die sich an den spezifischen Gegebenheiten dieser Zielgruppe orientieren.

1.1. Problemstellung

Durch die aktuelle Entwicklung der Demografie in Deutschland wird sich die Altersstruktur der Bevölkerung in den nächsten Jahren stark verschieben. Auslöser sind zum einen die steigende Lebenserwartung und zum anderen die sinkende Geburtenrate. Dies führt zu einem deutlichen Anstieg der Gruppe von alten Menschen und gleichzeitig zu einer Abnahme des Anteils von jüngeren Menschen. Parallel dazu erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass mit steigendem Alter insbesondere geistige oder körperliche Einschränkungen auftreten, die immer häufiger zur Pflegebedürftigkeit führen und die eigenständige Haushaltsführung deutlich einschränken.

Dieser Wandel stellt die Projektentwicklung von altengerechten Wohnformen, insbesondere im Hinblick auf die Zielgruppe der an Demenz erkrankten Menschen, vor neue Herausforderungen.

Um dieser Entwicklung in Zukunft gerecht zu werden, kommt daher folgenden Fragestellungen im Verlauf dieser Arbeit eine besonders starke Bedeutung zu:

- Wie kann im Rahmen der Projektentwicklung von Wohnimmobilien neben der zunehmend älter werdenden Bevölkerung auch auf den deutlichen Anstieg der Zahl Demenzkranker und deren Bedürfnisse reagiert werden?
- Welche Möglichkeiten gibt es bereits heute für diese Zielgruppe?
- Welche Anforderungen sollten zukünftig neu entwickelte Wohnformen, gerade in Bezug auf die Barrierefreiheit und das damit verbundene Wohnumfeld, erfüllen?

Ziel der Arbeit wird es sein, sowohl Handlungsempfehlungen für die Bauwirtschaft allgemein, als auch für die Projektentwicklung von altengerechten Wohnimmobilien zu geben, sodass diese durch bauliche Maßnahmen den Bedürfnissen älterer Menschen mit Demenz gerecht werden, deren Defizite kompensieren und es ermöglichen, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes und überwiegend selbstständiges und zufriedenes Leben zu führen.

1.2. Aufbau und Inhalt

Der erste Teil der Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Auswertung wissenschaftlicher Literatur, aktueller wissenschaftlicher Studien sowie den Daten des Statistischen Bundesamtes zum Thema „Demographischer Wandel“. Anhand dieser werden einerseits die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der Bevölkerungs- und Altersstruktur in Deutschland dargestellt und andererseits Entwicklungstendenzen der aktuellen Zuwanderungsraten und deren Effekte auf die demografische Entwicklung aufgezeigt. Hieran anschließend werden die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Entwicklung der Pflegebedürftigen in Deutschland, insbesondere auf die Anzahl der Demenzerkrankungen, erläutert. Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Bedarf an altengerechten Wohnkonzepten sowie deren Entwicklung für Menschen mit Demenz bilden den Schluss dieses Teils.

Im zweiten Teil werden zu Beginn Anforderungen älterer Menschen mit Demenz an das Wohnen im Alter erläutert sowie exemplarisch ausgewählte Wohnmöglichkeiten für demenzkranke Menschen vorgestellt. Anschließend werden die maßgeblichen gesetzlichen Regelungen, die einschlägigen Normen und Bestimmungen der jeweiligen Wohnmöglichkeit und aktuelle Schwierigkeiten bei der Einordnung neuer Wohnformen aufgezeigt.

Der dritte Teil beinhaltet den Hauptteil dieser Arbeit. In diesem wird das kürzlich neu realisierte und bisher weltweit einzigartige Wohnkonzept für Menschen mit Demenz, das sogenannte niederländische Demenzdorf „De Hogeweyk“, vorgestellt. Basierend hierauf und den zuvor theoretisch gewonnenen Erkenntnissen wird im Anschluss ein Kriterienkatalog entworfen, anhand dessen auch die Qualifikationen des Demenzdorfes analysiert und aufgezeigt sowie dessen Umsetzbarkeit in Deutschland geprüft wird.

Die Schlussbetrachtung bildet den letzten Teil dieser Arbeit. In dieser werden zu Beginn die wichtigsten im Verlauf der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse in einem Fazit zusammengefasst und kritisch reflektiert. Anschließend folgt ein Ausblick darauf, welche Bedeutung der Entwicklung von Demenzdörfern in Zukunft zukommen könnte. Zum Schluss werden konkrete Handlungsempfehlungen an die Bauwirtschaft gegeben, die es allen älteren Menschen mit Demenz ermöglichen könnten, auch im Alter trotz kognitiven Einschränkungen möglichst lange ein selbstbestimmtes, selbstständiges und sicheres Leben zu führen.

2. Der demographische Wandel

Geburtenrückgang, Bevölkerungsschrumpfung, Alterung: Der demographische Wandel in Deutschland sorgt für einen Strukturumbruch innerhalb der Bevölkerung, der sich vor allem in den nächsten Jahren immer deutlicher zeigen wird. Doch was versteht man unter dem demographischen Wandel? Und wodurch drückt er sich aus?

Unter dem demographischen Wandel sind strukturelle Veränderungen innerhalb der Bevölkerung zu verstehen. Beispiele für solche Veränderungen sind sowohl Verschiebungen innerhalb der Altersstruktur, Bevölkerungszu- und -abnahmen sowie Veränderungen in der Bevölkerungszusammensetzung (vgl. Vornholz 2014, S.81).

2.1. Aktuelle und zukünftige Situation

Wie die Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes zeigen (vgl. StBA 2015b), wird die Bevölkerungsentwicklung Deutschlands in den kommenden Jahren vor allem durch zwei wesentliche Veränderungen geprägt sein: Auf der einen Seite wird sich die Altersstruktur durch den Eintritt der sogenannten „Babyboomer-Generation“, d.h. den geburtenstarken Jahrgängen der 50er und 60er Jahre, in das Rentenalter gravierend verändern. Auf der anderen Seite wird die Bevölkerung langfristig immer weiter abnehmen. Ursachen für diese Entwicklungen sind sowohl die niedrige Geburtenrate der auf die Babyboomer-Generation folgenden Jahrgänge, als auch die kontinuierlich zunehmende Lebenserwartung.

2.1.1. Altersaufbau

Die Veränderung der Alterststruktur kann am deutlichsten mittels der Bevölkerungspyramide des Statistischen Bundesamtes dargestellt werden. Anhand dieser wird deutlich: Der demographische Wandel wird in den kommenden Jahrzehnten starke Spuren am Altersaufbau der Bevölkerung hinterlassen. Auf die geburtenstarken Jahrgänge, die sich momentan in einem Lebensalter zwischen Mitte vierzig und Ende fünfzig befinden und in den nächsten Jahrzehnten ein höheres Alter als frühere Generationen erreichen werden, folgen deutlich geringer besetzte Jahrgänge. Dies führt dazu, dass vor allem die durch die ansteigende Lebenserwartung und das fortschreitende Alter der Babyboomer ausgelöste steigende Anzahl an älteren Menschen, die derzeitige Demographie in Deutschland deutlich nach oben verschiebt und die Bevölkerung stärker altern lässt als bisher (vgl. Abb. 1, S.11).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Altersaufbau 2015/20601

Folglich werden in Deutschland in Zukunft deutlich mehr Menschen im Alter von 65 und älter leben, als Kinder und Jugendliche im Alter unter 20, denn die Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren wird sich zukünftig von rund 17,3 Millionen (21% der Gesamtbevölkerung) im Jahr 2015 auf 23,2 Millionen (32% der Gesamtbevölkerung) im Jahr 2060 erhöhen. Dies entspricht einer Steigerung von circa 34%. Daraus folgt, dass im Jahr 2060 längst jeder dritte Bürger 65 Jahre oder älter sein wird. Gleichzeitig wird die Anzahl der unter 20-Jährigen von 14,6 Millionen (18%) auf 12 Millionen (16%) im Jahr 2060, sowie der Anteil der Bevölkerung der 20 bis 65-Jährigen von 49,4 Millionen (61%) auf 37,5 Millionen (52%) sinken (vgl. StBA 2015c und StBA 2015d).

2.1.2. Lebenserwartung

Die zukünftige Alterung der Bevölkerung wird zusätzlich durch die stetig steigende Lebenserwartung verstärkt. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Entwicklung der Lebenserwartung von 1871/81 bis in das Jahr 2060.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Entwicklung der Lebenserwartung2

1871/81 betrug die statistische Lebenserwartung bei der Geburt für Frauen 38,4 Jahre und für Männer 35,6 Jahre (vgl. Just 2013, S.18). Seitdem steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an. Heute beträgt die Lebenserwartung von Neugeborenen im Durchschnitt für Jungen 78,1 Jahre sowie für Mädchen 83,1 Jahre (vgl. Statista 2016). 2060 wird diese für Jungen 84,8 Jahre und für Mädchen 88,8 Jahre betragen (vgl. StBA 2015b, S.5). Anhand dieser Entwicklung wird deutlich, dass immer mehr Menschen ein höheres Alter erreichen. Auslöser dieses stetigen Anstiegs sind die rasanten Fortschritte der Medizin, Pharmazie, Ernährung und Hygiene, die die Lebensbedingungen der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten stark verbessert haben und in den folgenden Jahren immer weiter verbessern werden (vgl. Meuser 2013, S.11f).

2.1.3. Bevölkerungszahl

Neben der Zunahme der Lebenserwartung stagniert die Geburtenrate seit einigen Jahren auf einem deutlich erkennbar niedrigen Niveau. Dies führt dazu, dass die Bevölkerung langfristig immer weiter zurückgehen wird. Wie bereits anhand der Bevölkerungspyramide veranschaulicht wurde, zeigt sich die Bevölkerungsschrumpfung am deutlichsten an der Altersgruppe der unter 20-Jährigen (vgl. StBA 2011, S.8). Bis zum Jahr 2060 werden voraussichtlich 18% weniger Kinder und Jugendliche in Deutschland leben als heute.

Zusätzlich verdeutlicht die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes: Die Anzahl der Neugeborenen reicht seit den 80er Jahren nicht mehr aus, um die Elterngeneration ersetzen zu können, da die Geburtenrate deutlich niedriger ist als die Sterberate und die Anzahl der Neugeborenen auch zukünftig voraussichtlich immer weiter sinken wird. Dies führt dazu, dass es im Jahr 2060 rund doppelt so viele Sterbefälle wie Geburten geben wird (vgl. Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Entwicklung der Geburtenrate und Sterbefälle3

Diese Bevölkerungsentwicklung kann durch Zuwanderungen zwar verlangsamt, jedoch nicht vermieden werden.

Gegenwärtig erlebt Deutschland eine deutliche Zunahme der Nettozuwanderung (Zuwanderung – Abwanderung) aus Kriegs- und Krisengebieten, die vor allem durch Asylsuchende aus Afghanistan, Syrien und dem Irak geprägt ist. Die Bevölkerung dieser Länder ist meist sehr jung und sieht sich aufgrund der herrschenden Kriegszustände, der Terrorgefahr und der katastrophalen Wirtschaftslage gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen. Im Jahr 2015 kamen aus diesem Grund rund 1,14 Millionen Asylsuchende nach Deutschland (vgl. StBA 2016). Infolgedessen wird der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund in den kommenden Jahren weiter ansteigen und die Internationalisierung der Bevölkerung weiter zunehmen.

Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht die Entwicklung der Bevölkerungszahl ab dem Jahr 2015 (vgl. Tab. 1, S,14). Dabei geht das Statistische Bundesamt von einem langfristigen Wanderungssaldo von 100.000 bei schwächerer Zuwanderung sowie 200.000 bei stärkerer Zuwanderung aus (vgl. StBa 2015a, S.8).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Vorausberechneter Bevölkerungsstand 2015-20604

Da sich die Lage sowie die Bedingungen in diesen Herkunftsländern auch in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht wesentlich ändern werden, ist damit zu rechnen, dass die Bevölkerungszahl Deutschlands von heute 81,3 Millionen Menschen je nach Entwicklung der Zuwanderungsrate voraussichtlich noch bis 2020 ansteigen wird (vgl. StBA 2015a, S.15). Ab dem Jahr 2020 wird die Bevölkerung dann trotz eines konstanten jährlichen Wanderungssaldos von 200.000 Personen wahrscheinlich kontinuierlich abnehmen, sodass auch das anhaltende Geburtendefizit durch eine fortwährende Nettozuwanderung nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Ist dies der Fall werden in Deutschland im Jahr 2060 nur noch zwischen 67,5 Millionen (bei schwächerer Zuwanderung) und 73,1 Millionen (bei stärkerer Zuwanderung) Menschen leben (vgl. StBA 2015a, S.53f). Dies entspricht einem Rückgang der Gesamtbevölkerung von 10% bis 17%. Anhand dieser Entwicklung wird deutlich, dass die Einwohnerzahl Deutschlands ohne die anhaltende Zuwanderung aus dem Ausland bereits seit langer Zeit rasant schrumpfen würde.

Insgesamt werden sowohl der Bevölkerungsrückgang, als auch die durch den demographischen Wandel bedingten Veränderungen mit einer spürbar strukturellen Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerung einhergehen und sich auf die verschiedensten Bereiche der Gesellschaft auswirken.

2.2. Auswirkungen des demographischen Wandels

Durch die absehbaren demografischen Entwicklungen stellen sich zukünftig auch neue Anforderungen an den Wohnungsmarkt und die Projektentwicklung von altengerechten Wohnkonzepten, denn die Alterung der Bevölkerung hat unmittelbar Einfluss auf die Anzahl und den Bedarf an geeigneten Wohnungen für ältere Menschen. Parallel hierzu steigt auch die Wahrscheinlichkeit mit steigendem Alter dem Verfall der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit ausgeliefert zu sein. Aufgrund der erwarteten demografischen Veränderungen wird auch die Anzahl der Demenzerkrankungen in Deutschland deutlich zunehmen.

Heute befinden sich im Wohnungsbestand allerdings zum größten Teil Wohnungen, die auf die Bedürfnisse jüngerer Menschen ausgerichtet sind. Diese halten für ältere Menschen mit körperlichen, insbesondere aber für Menschen mit kognitiven Einschränkungen eine Vielzahl an Hindernissen bereit. Folglich macht der demographische Wandel die Bedeutung des Themas Wohnen im Alter unübersehbar, sodass sich das Wohnangebot in den kommenden Jahren verstärkt auch auf die Wünsche und Bedürfnisse der vorrückenden Generationen älterer Menschen auszurichten hat.

2.2.1. Auswirkungen auf die Entwicklung der Anzahl an Pflegebedürftigen in Deutschland

Mit der Veränderung der Altersstruktur hin zu einer immer älter werdenden Bevölkerung wird sich auch die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen mit Pflegebedarf immer weiter erhöhen, denn mit zunehmendem Alter erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit in Zukunft Pflege in Anspruch nehmen zu müssen. Abbildung 4 gibt eine Prognose zur Entwicklung der Anzahl an pflegebedürftigen Menschen in Deutschland bis in das Jahr 2050.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Prognose der Entwicklung der Pflegebedürftigen bis 20505

Wie die obige Abbildung zeigt, waren im Jahr 2010 2,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. 2030 werden es voraussichtlich 3,4 Millionen und im Jahr 2050 sogar 4,5 Millionen sein (vgl. StBA 2010, S.30). Dies entspricht einer Steigerung von 87,5 % im Vergleich zur heutigen Zeit. Mit der Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen geht auch eine Erhöhung der Zahl der Menschen mit Demenz einher, die sich in den nächsten Jahren noch deutlich zeigen wird.

Gegenwärtig leben in Deutschland etwa 1,6 Millionen Demenzkranke, wovon circa zwei Drittel zu Hause versorgt und gepflegt werden (vgl. Feddersen u.a. 2009, S.30). Laut einer Studie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) bekommen jährlich mehr als 300.000 Menschen die Diagnose einer Demenz, Tendenz steigend (vgl. DIb 2014,S.3).

Wie die nachfolgende Grafik zeigt, werden bis 2050 über 3 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen sein (vgl. Abb. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Prognose der Demenzerkrankungen bis 20506

Demenz ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die zwar mittels der heute verfügbaren Medikamente verzögert, jedoch bislang nicht geheilt werden kann. Im Verlauf dieser Krankheit treten mehrheitlich kognitive, aber auch körperliche Einschränkungen auf, die dazu führen, dass sich die Leistungsfähigkeit der Betroffenen mit fortschreitendem Krankheitsstadium drastisch vermindert (vgl. Kaiser 2014, S.20). Unter kognitiven Einschränkungen wird hierbei der zunehmende Verlust der sozialen, räumlichen und zeitlichen Orientierung verstanden, welcher dazu führt, dass grundlegende, alltägliche Dinge wie Kochen oder Anziehen im Verlauf der Krankheit immer mehr verlernt oder vergessen werden. Auch Gedächtnisverfall, Orientierungslosigkeit, Erkennungsstörungen und Persönlichkeitsverluste sind typische Symptome kognitiver Einschränkungen (vgl. Feddersen u.a. 2009, S.30).

Allgemein kann der Krankheitsverlauf einer Demenzerkrankung in vier Phasen unterteilt werden:

- Frühstadium (Anfangsstadium)
- mittleres Stadium
- fortgeschrittenes Stadium
- Endstadium (schwere Demenz)

Abbildung 6 gibt einen Überblick über die verschiedenen Stadien innerhalb der einzelnen Phasen, deren Dauer sowie die in den einzelnen Stadien auftretenden Einschränkungen (vgl. Abb. 6, S.17).

In den ersten Jahren der Erkrankung tritt vornehmlich der Verlust der Orientierung und des Erinnerns in den Vordergrund, wodurch komplexe Aufgaben des Alltags immer mehr zum Problem werden. Anhand dieser Entwicklung wird deutlich: Eine Demenz „beginnt meist schleichend [.] schreitet allmählich fort“ (Gatterer u.a. 2005, S.17) und führt im Endstadium zur vollständigen Unselbstständigkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Stadien der Demenz[7]

[...]


1 Quelle: StBA (2015f); leicht modifiziert

2 Quelle: Eigene Darstellung auf der Basis des StBA (2015a, S.13) und Statista (2016)

3 Quelle: Eigene Darstellung auf der Basis des StBA (2015b, S. 34ff) und StBA (2014b)

4 Quelle: Eigene Darstellung auf der Basis des StBA (2015b, S.45ff)

5 Quelle: Eigene Darstellung auf der Basis des StBA (2010, S. 28ff)

6 Quelle: Eigene Darstellung auf der Basis der DalzG (2014, S. 4)

7 Quelle: Eigene Darstellung auf der Basis von Gatterer (2005, S.18f)

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Demographischer Wandel und Immobilienwirtschaft
Untertitel
Untersuchungen und Ansätze bei der Entwicklung von demenzgerechten Immobilien
Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
1,2
Autor
Jahr
2016
Seiten
63
Katalognummer
V457358
ISBN (eBook)
9783668911598
ISBN (Buch)
9783668911604
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Auszeichnung als beste Bachelorarbeit des Abschlussjahrgangs Immobilienmanagement 2016 (Absolventenförderpreis)
Schlagworte
demographischer, wandel, immobilienwirtschaft, untersuchungen, ansätze, entwicklung, immobilien
Arbeit zitieren
Alina Steppich (Autor), 2016, Demographischer Wandel und Immobilienwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457358

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