Beratungsansätze in der Sozialen Arbeit. Motivierende Gesprächsführung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
19 Seiten, Note: 5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DEFINITION DER MOTIVIERENDEN GESPRACHSFUHRUNG

3. BERATERVARIABELN NACH ROGERS
3.1 Kongruenz
3.2 Empathie
3.3 Akzeptanz

4. ZUGRUNDELIEGENDES MENSCHENBILD

5. GRUNDHALTUNGEN DER MOTIVIERENDEN GESPRACHSFUHRUNG
5.1 Partnerschaftlichkeit
5.2 Akzeptanz
5.3 Mitgefuhl
5.4 Evokation

6. PROZESSE DER MOTIVIERENDEN GESPRACHSFUHRUNG
6.1 Beziehungsaufbau
6.2 Fokussierung
6.3 Evokation
6.4 Planung

7. TECHNIKEN DER MOTIVIERENDEN GESPRACHSFUHRUNG
7.1 Offene Fragen
7.2 Affirmation
7.3 Reflexion
7.4 Resumee

8. REFLEXION

9. alternative beratungsansAtze
9.1 Der losungsorientierte Beratungsansatz

10. FAZIT

11. LITERATUR

12. ANHANG

1. Einleitung

Im Rahmen des englischsprachigen Moduls Beratungsansatze in der Sozialen Arbeit (in English) erarbeiteten die Autorinnen selbststandig ein Skript zur motivierenden Gesprachsfuhrung, welches in dieser Arbeit reflektierend bearbeitet wird. In einem ersten Schritt wird hierzu die Theorie der Motivierenden Gesprachsfuhrung genauer erlautert, in einem letzten Schritt soll das Skript durh eine einen weiteren Ansatz der Gesprachsfuhrung betrachtet werden.

2. Definition der Motivierenden Gesprachsfuhrung

Miller und Rollnick, welche die Motivierende Gesprachsfuhrung entwickelt haben, definieren sie als eine klientenzentrierte und direktive Methode, die zur Verbesserung der intrinsischen Motivation fur eine Veranderung beitragen soll, indem Ambivalenz erforscht und aufgelost wird1.

Die Motivierende Gesprachsfuhrung wurde aus dem klientenzentrierten Ansatz von Carl Rogers weiterentwickelt. Rogers kam nach langjahriger Tatigkeit in verschiedenen Beratungsgebieten zum Schluss, dass eine bestimmte Form der Gesprachsgestaltung in beratenden oder therapeutischen Situationen am ehesten Erfolg verspricht. Nach ihm sollen die drei Variabeln Empahtie, Kongruenz und Akeptanz im Sinne einer positiven Wertschatzung fur den Klienten oder die Klientin, unterstutzend wirken, eine Beratung erfolgreich zu gestalten2. Die drei Beratervariabeln werden im nachsten Abschnitt noch genauer betrachtet, um ein detaillierteres Verstandnis zu erhalten.

Es geht in der Motivierenden Gesprachsfuhrung darum, mit dem Klienten zu gehen, mit dem Klienten zu sein, nicht um eine blosse Beratungsanleitung fur eine Beratung3. Die Motivierende Gesprachsfuhrung ist insofern eine klientenzentrierte Methode, als dass die gegenwartigen Probleme des Klientels und das subjektive Erleben dieser Probleme im Mittelpunkt stehen. Ihr klarer Fokus liegt beim Aufdecken von Ambivalenz und der Veranderung.

Direktiv ist die Motivierende Gesprachsfuhrung im Sinne von der bewussten Ausrichtung der Auflosung von Ambivalenz, wozu der Ansatz in eine bestimmte Richtung, in die Richtung der Veranderung lenken soll.

Die Motivierende Gesprachsfuhrung findet Anwendung in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel bei schadlichem Alkohol- oder Drogenkonsum, Erziehungsfragen, Beziehungsberatungen und in anderen Bereichen der Beratung. Es handelt sich bei der Motivierenden Gesprachsfuhrung um einen relativ neuen Beratungsansatz, dessen Gebrauch in den letzten Jahren signifikant angestiegen ist und wegen seiner positiven Auswirkungen popular geworden ist4.

3. Beratervariabeln nach Rogers

3.1 Kongruenz

Darunter wird die Echtheit des Beraters verstanden. Er tauscht nichts vor, was nicht tatsachlich in ihm vorgeht. Die Empfindung und die Gefuhlslage bestimmen die Handlung, was grundlegend ist fur den Beziehungsaufbau und den Beziehungserhalt der beratenden Person und des Klienten oder der Klientin. Durch die Echtheit der Gefuhle und Empfindungen des Beraters fuhlt sich der Klient, die Klientin der beratenden Person nicht unterlegen, sondern ihr gleichwertig. Auf diese Weise ist die Basis gegeben, dass Vertrauen in die Beratungsperson entstehen und wachsen kann, was wiederum fur die Beratung und deren Verlauf und Erfolg von grosser Wichtigkeit ist. Nimmt der Klient oder die Klientin Inkongruenz bei der Beratungsperson wahr, beispielsweise in Form von Widerspruchlichkeiten von verbalem zu nonverbalem Verhalten, kann dies der Beratungsbeziehung und auch dem Vertrauen in die Beratungsperson schaden, was sich negativ auf die Beratung und deren Erfolg auswirken kann und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch wird.

3.2 Empathie

Empathie meint das einfuhlende Verstehen des Klienten und dessen, was in ihm vorgeht.

Jeder Mensch nimmt sich selbst und seine Umwelt auf eine einzigartige Weise wahr, die nur er selbst so empfindet. So kann nur eine Person selbst sagen, was und wie sie sich fuhlt und was sie wahrnimmt. So sind alle unsere Erlebniswelten unterschiedlich, selbst wenn Ahnliches oder Gleiches erlebt wird, so wird es dennoch einzigartig wahrgenommen von jedem Individuum.

Die Aufgabe der Beratungsperson besteht darin, diese innere Realitat des Klienten, der Klientin wahrzunehmen und zu verstehen. Wichtig ist auch, dass dieses Verstandnis kommuniziert wird, dass das Gegenuber eine Ruckmeldung bekommt, dass es verstanden wird. So betrachtet besteht Empathie aus drei Teilen: Wahrnehmen, Verstehen und Mitteilen5.

3.3 Akzeptanz

Beschreibt die emotionale Wertschatzung und Sorge fur den Klienten oder fur die Klientin. Wertschatzung und Anerkennung, die ein Klient, eine Klientin durch seine Beratungsperson erfahrt, schaffen die Rahmenbedingungen beim Klientel, dass es sich besser selbst akzeptieren kann und mehr Achtung hat vor sich selbst, als bis zu diesem Zeitpunkt. Die Atmosphare, die Akzeptanz und Wertschatzung entsteht, bewirkt, dass Angst und Spannungen abgebaut werden konnen. Auch konnen weniger positive Aspekte des Selbst wie Selbstverachtung oder Aggression vermindert werden und der Klient bekommt die Moglichkeit, diese besser integrieren und akzeptieren zu konnen, wo er diese Aspekte bis dahin vielleicht verleugnet oder auch verzerrt wahrgenommen hat wegen ihrer Bedrohlichkeit6.

4. Zugrundeliegendes Menschenbild

Da die Motivierende Gesprachsfuhrung aus dem klientenzentrierten Beratungsansatz nach Carl Rogers weiterentwickelt wurde, liegt auch ihr das humanistische Menschenbild zugrunde. Rogers war einer der profiliertesten Vertreter der Humanistischen Psychologie, welche auch die ,dritte Kraft’ genannt wurde nebst der Psychoanalyse und dem Behaviorismus7.

Im humanistischen Menschenbild ist der Mensch von Natur aus gut und besitzt die Fahigkeit, sich zu entwickeln. Entwicklung geschieht aufgrund von Erfahrungen und des Selbstkonzepts des Menschen. Im Zentrum steht das die Sichtweise des Einzelnen und das Individuum wird als ganzheitliches betrachtet.

5. Grundhaltungen der Motivierenden Gesprachsfuhrung

5.1 Partnerschaftlichkeit

Als eine zentrale Grundhaltung wird die Partnerschaftlichkeit genannt. Es soll stets prasent sein, dass sich Professionelle der Motivierenden Gesprachsfuhrung und die Klientel auf einer gleichrangingen Ebene befinden und es keine hierarchische Abstufung in Form des Experten und passiven Rezipienten gibt. Das Gemeinschaftliche steht in der Motivierenden Gesprachsfuhrung im Vordergrund, denn die Klientel kennt sich selbst am besten. Somit ergibt sich aus der Partnerschaftlichkeit eine interdependente Beziehung zwischen Sozialarbeitenden und Klientel; sie sind beide abhangig voneinander. (Miller & Rollnick, 2012. S. 30 - 31)

5.2 Akzeptanz

Als weitere Grundhaltung fuhren Miller und Rollnick die Akzeptanz auf - die Klientel muss so geschatzt und gewurdigt werden, wie sie sich vor uns prasentiert. Unsere eigene Einstellung bezuglich des Status quo oder die Handlungen der Klientel durfen dabei nicht von Bedeutung sein. Die Akzeptanz steht hier in einem engen Zusammenhang mit der bedingungsfreien Wertschatzung, Unterstutzung der Autonomie, Empathie und der Wurdigung nach Rogers. (Miller & Rollnick, 2012, S. 32)

5.3 Mitgefuhl

8 „Mitgefuhl zeigt sich darin, dass wir das Wohlbefinden des anderen aktiv fordern und seinen Bedurfnissen Prioritat einraumen.“9 Somit geht es beim Mitgefuhl weniger um das „mitleiden“ der Sozialarbeiterin, als vielmehr ihre Handlungen auf der Basis des Mitfuhlens auszufuhren. (Miller & Rollnick, 2012, S. 36)

5.4 Evokation

Die motivierende Gesprachsfuhrung dient dazu, die Kompetenzen, Starken und schliesslich auch Losungen fur das Defizit des Klienten aus ihm heraus an die Oberflache zu bringen. Man geht also davon aus, dass die Klientel das in sich hat, was fehlt. Demnach muss nach Ressourcen und Starken gesucht werden und nicht nach Defiziten. (Miller & Rollnick, 2012, S. 36 - 37)

6. Prozesse der motivierenden Gesprachsfuhrung

6.1 Beziehungsaufbau

Der Beziehungsaufbau ist in der Motivierenden Gesprachsfuhrung ein unerlasslicher Prozess. Ohne eine gelingende Beziehung ist es nicht moglich, die Defizite der Klientel aufzudecken und daran und damit zu arbeiten. Die Beziehung, die sich in den Gesprachen gestaltet, soll sowohl eine Arbeitsbeziehung wie auch eine hilfreiche Verbindung zueinander sein.

(Miller & Rollnick, 2012, S. 44 - 45)

6.2 Fokussierung

Das primare Ziel der Fokussierung ist die Herausfilterung eines Themenkatalogs. Wahrend den Gesprachen muss ersichtlich werden, was die Klienten in die Beratung bringen; mit welchen Themen setzen sie sich auseinander? Was beschaftigt sie oder moglicherweise auch ihre Mitmenschen? Erst auf der Basis eines solchen Themenkataloges kann die Motivierende Gesprachsfuhrung in den Prozess der Evokation ubergehen.

(Miller & Rollnick, 2012, S. 45)

6.3 Evokation

In diesem Prozess wird die Selbstmotivation der Klientel hervorgerufen. Dementsprechend unterscheidet sich die Motivierende Gesprachsfuhrung von anderen Ansatzen dadurch, dass Klienten als Experten ihrer selbst angesehen werden. Mit der Unterstutzung von Sozialarbeitenden sollen sie sich selbst den Zugang zu ihren Ressourcen und Fahigkeiten erschaffen, um damit ihr Ziel zu erreichen. In der Evokation enthalten ist auch der Change- Talk, unter welchem jegliche Arten von Ausserungen zugunsten einer Veranderung verstanden werden.10 (Miller & Rollnick, 2012, S. 46 - 47)

6.4 Planung

Die Planung befasst sich mit dem Wann und Wie der Veranderungsbereitschaft der Klienten. In diesem Prozess inbegriffen ist die Entstehung des Handlungsplans sowie der Aufbau der Selbstverpflichtung zur Veranderung.

(Miller & Rollnick, 2012, S. 48 - 49)

7. Techniken der Motivierenden Gesprachsfuhrung

7.1 Offene Fragen

Offene Fragen sollen die Klientel dazu ermutigen, viel von sich selbst zu erzahlen und nicht durch reine Ja oder Nein Antwortmoglichkeiten eingeschrankt zu werden. Oft beginnen offene Fragen mit Wie, was oder erzahlen Sie mir mehr davon.

(Misscariage Management Training Initiative MM-TI, n.d., PDF)

7.2 Affirmation

Affirmation soll dazu beitragen, dass die Klientel vom Interviewer Wertschatzung fur ihre positiven Verhaltensweisen oder Eigenschaften erfahrt.

(Miller & Rollnick, 2012, S. 467)

7.3 Reflexion

Mit der Reflexion versucht der Interviewer das vom Klientel implizit oder explizit Gesagte zu wiederholen und dadurch auch auf seine Richtigkeit zu uberprufen. Die Reflexion kann unterteilt werden in komplexe Reflexion (weitere Bedeutungsaspekte durch den Interviewer werden hinzugefugt11 ) und einfache Reflexion. Ausserdem kann sie sich in ihrer Tiefe unterscheiden.

[...]


1 Miller&Rollnick, 2015, S.47

2 Rechtien, 2004, S. 41

3 Miller&Rollnick 1991, S.37, 129-140

4 Frain, 2017, S.7

5 Rechtien, 2004, S. 51

6 Rechtien, 2004, S. 41,49 - 50

7 Rechtien, 2004 S.40

8 Das Mitgefuhl befindet sich erst seit dieser Ausgabe in den Grundhaltungen

9 Miller & Rollnick, 2012, S. 36

10 Miller & Rollnick, 2012, S. 189

11 Miller & Rollnick, 2012, S. 469

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Beratungsansätze in der Sozialen Arbeit. Motivierende Gesprächsführung
Hochschule
Berner Fachhochschule
Note
5
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V457387
ISBN (eBook)
9783668889996
ISBN (Buch)
9783668890008
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motivierende Gesprächsführung Psychologie Soziale Arbeit Beratung
Arbeit zitieren
Vera Schmid (Autor), 2017, Beratungsansätze in der Sozialen Arbeit. Motivierende Gesprächsführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457387

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