Die Schlacht von Plataiai. Herodot im Vergleich mit Plutarch und Diodor


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Schlacht von Plataiai in der antiken Geschichtsschreibung

2. Die Überlieferung nach Herodot
2.1 Phase 1
2.2 Phase 2
2.3 Phase 3

3. Andere antike Überlieferungen
3.1 nach Diodor
3.2 nach Plutarch

4. Herodot, Diodor und Plutarch im Vergleich

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Die Schlacht von Plataiai in der antiken Geschichtsschreibung

„Die Geschichte Griechenlands oder – korrekt – die Geschichte der griechischen Städte, […] ist in der Blütezeit von der Mitte des 6. bis zur späten Mitte des 4. Jahrhunderts immer auch eine Geschichte des persischen Reiches. Kulturell, politisch und militärisch erlebten die griechischen Poleis Aufstieg und Niedergang in der Auseinandersetzung mit den (klein)asiatischen Nachbarn.“1

Die Schlacht von Plataiai (etwa 479 v. Chr.) gilt als eine der wichtigsten und prägendsten Ereignisse des antiken Griechenlands. Der endgültige Sieg der vereinten Hellenen gegen die Barbaren, kann als große militärische Errungenschaft gesehen werden, die zudem eine Veränderung der innergriechischen Verhältnisse zur Folge hatte.

Die enorme Überzahl des persischen Heeres, machte die Möglichkeit eines Sieges auf Seiten der anti-persischen Griechen sehr unwahrscheinlich. Der Verlauf der Schlacht zeigte jedoch, dass es den unterworfenen und mit den Persern verbündeten Völkern ge- lang, sich einer Kampfhandlung zu entziehen, wodurch die Größe des persischen Heeres bedeutungslos wurde. Zudem spitze sich das zuvor bereits angespannte Verhältnis zwi- schen Athen und Sparta zu, sodass der Konflikt etwa 431 v. Chr. im peloponnesischen Krieg gipfelte.

Die wohl wichtigsten und am besten erhaltenen Quellen über die Perserkriege, sind die „Historien“ des Herodots von Halikarnassos, der etwa 484 – 430 v. Chr. lebte. In neun Büchern stellte er in detaillierten Berichten die Perserkriege, sowie die verschiedenen Völker, Kulturen und Traditionen der Griechen und ihrer Nachbarn dar.

Auch andere antike Historiker berichteten über diese Zeit. So beispielsweise Plutarch, der etwa von 45 bis 120 n. Chr. lebte und Diodor, der etwa in der ersten Hälfte des 1. Jahr- hunderts v. Chr. lebte.

Bei Plutarchs Werk, die „Vitae parallelae“, handelt es sich um Doppelbiographien, wobei er die Lebensbeschreibungen bedeutender Griechen und Römer gegenüberstellte. Sein Werk entstand in einer Zeit, als Griechenland bereits zum Imperium Romanum gehörte. Diodors Werk, die „Bibliotheca Historica“, behandelt dagegen, als eine Art Bibliothek im Umfang von 13 Büchern, die Geschichte Griechenlands und Sizilien.

Bei der Suche nach Sekundärliteratur zu den drei antiken Historikern, im Zusammenhang mit der Schlacht von Plataiai, wurde deutlich, dass die Forschungslage ganz unterschied- lich ist. Während es viele kontroverse Meinungen und wissenschaftliche Texte zu Hero- dot und seinen Schilderungen gibt, werden Plutarch und Diodor sehr selten bis gar nicht herangezogen. Dies kann daher rühren, dass beide sich sehr stark an Herodot anlehnen und im Grunde (bis auf wenige Details) das selbe berichteten. Zudem sind einige der existieren Texte, bereits über 100 Jahre alt.

In diesem Zusammenhang bietet es sich an, einige Fragen zu stellen: Wodurch ließen sich Herodots Darstellungen beeinflussen? Wer waren seine Protagonisten und Antagonisten? Und wo liegen Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zu den Schilderungen der anderen antiken Geschichtsschreiber wie Plutarch oder Diodor?

Zunächst werde ich die Darstellung der Schlacht von Plataiai, im Hinblick auf die wich- tigsten Passagen bei Herodot und ihren möglichen Wahrheitsgehalt, kritisch untersuchen. Im Weiteren werde ich dann auf die Darstellungen der Schlacht bei Diodor und Plutarch eingehen und diese miteinander vergleichen.

2. Die Überlieferung der Schlacht von Plataiai nach Herodot

In Herodots Historien beginnt die Schlacht von Plataiai in Buch XI und reicht etwa von Abschnitt 1 bis 79. Die Schilderungen beginnen mit der Ankunft des persischen Heeres unter Mardonios in Boiotien und enden mit dem Sieg des griechischen Heeres über die Perser und der Beratung darüber, wie mit dem Leichnam des persischen Feldherren Mar- donios verfahren werden soll.

Die Schlacht lässt sich, nach Herodots Erzählung, in drei Phasen einteilen. Die erste Phase umfasst die Ankunft des persischen Heeres in Boiotien und die Besetzung und Verwüs- tung Athens durch Mardonios Truppen, bis zum ersten militärischen Aufeinandertreffen zwischen dem griechischen Heer und der persischen Reiterei unter Masistios.2 Die zweite Phase bildet das Ausharren und Neuformieren beider Heere, sowie verschiedene Streitig- keiten innerhalb des griechischen Heeres.3 Die dritte und letzte Phase besteht aus dem Beginn der eigentlichen Kampfhandlungen, der Niederlage und Flucht des persischen Heeres, gefolgt von dem Tod des Mardonios. Der Abschnitt endet mit weiteren Schilde- rungen Herodots, wer sich wodurch in der Schlacht ausgezeichnet habe. Zudem wird wei- terhin darüber diskutiert, wie mit dem Leichnam des Mardonios zu verfahren sei.4 Im Folgenden werde ich nun auf die wichtigsten Passagen eingehen.

2.1 Phase 1

Nachdem das persische Heer in Boiotien angekommen war, wollte Mardonios Athen er- neut einnehmen. Der Makedone Alexandros, hatte den Athenern zuvor das persische An- gebot unterbreitet, ein Waffenbündnis zu schließen und sich den Persern zu unterwerfen, dafür aber ihre Souveränität weitgehend zu behalten. Die Athener lehnten jedoch ab.

Die Thebaner rieten Mardonios einen anderen Weg. Er solle nicht ausrücken, sondern sein Heer in Boiotien belassen, um die strategisch vorteilhafte Stellung beizubehalten und von dort aus mit Hilfe von Bestechungen „ganz Griechenland ohne Schwertstreich unter- werfen“ zu können.5 Mardonios lehnte diesen Vorschlag ab und ließ noch einmal einen Boten zu den Athenern schicken, die bereits nach Salamis ausgeflogen waren. Auch da- rauf erhielt er eine Absage und zerstörte ganz Athen samt seiner Heiligtümer.

Daraufhin zog sich Mardonios mit dem persischen Heer nach Theben zurück und schlug dort ein gewaltiges Lager auf. Die befreundete Polis sollte als Rückzugspunkt dienen. Zudem eignete sich das thebanische Gebiet besser für die Reiterei und die Entfaltung des Heeres, weshalb Mardonios von dort aus den Kampf aufnehmen wollte. 6

Hier schiebt Herodot nun ein narratives Element ein: das Gastmahl des Attaginos. Nach Herodot habe der Thebaner Attaginos 50 vornehme Perser und 50 Thebaner zu einem Gastmahl in Theben eingeladen, während die übrigen Barbaren damit beschäftigt gewe- sen seien, das Lager zu befestigen.

Dabei habe der Grieche Thersandros aus Orchomenos neben einem Perser gelegen, der ihm von der Niederlage des persischen Heeres aufgrund des göttlichen Willens erzählt habe: „Freund, was der Wille der Gottheit ist, kann kein Mensch abwenden.“

Herodot weist hier ausdrücklich auf den Wahrheitsgehalt hin: „Das hat mir Thersandros aus Orchomenos erzählt und hinzugefügt, er habe das anderen Leuten auch gesagt, schon vor der Schlacht von Plataiai.“7

Sowohl die Aussage, als auch die Anekdote sind wissenschaftlich nicht belegbar. Jedoch nutzt Herodot sie, um den späteren Sieg der Griechen und die Niederlage der Perser als vorbestimmt darstellen zu können.

Im Weiteren Schildert Herodot das erste Aufeinandertreffen der persischen Reiterei unter Masistios, mit dem griechischen Heer, das gerade in die Ebene am Fuße des Kithairon abgestiegen war. Die Reiterei sollte auch das übrige griechische Heer zum Abstieg bewe- gen und griff deshalb an. Besonders die Megarer gerieten in schwere Bedrängnis und schickten daher einen Boten zum griechischen Feldherrn Pausanias, mit der Bitte um Hilfe. Nur die Athener meldeten sich freiwillig den Megarern zu Hilfe zu kommen. Sie bezwangen die Reiterei und Töteten Masistios.8

Hier zeigt sich deutlich die Absicht Herodots, die Rolle der Athener im Besonderen her- vorzuheben. Nach Winter war es jedoch wahrscheinlicher, dass die Athener aufgrund Ih- rer Position im Heer den Megarern zu Hilfe kamen und nicht aus Tapferkeit, wie es He- rodot darstellt.9

Trotz Masistios starker Rüstung, gelang es den Athenern ihn zu töten. Es entstand ein Kampf um den Leichnam, den jedoch auch die Griechen gewannen.10 Dies stärkte den Mut der Griechen sehr und brachte für die Perser tiefe Trauer, was den Griechen einen Vorteil verschaffte.

In diesem Abschnitt wird deutlich, dass Herodot die Geschehnisse sehr detailliert und vermutlich auch wahrheitsgetreu wiedergibt. Er nutzt jedoch jede Gelegenheit, um aus- gewählte Akteure positiv hervorzuheben und göttliche Weisungen einzufügen, die schon auf den Ausgang der Geschichte hinweisen.

2.2 Phase 2

Die zweite Phase beginnt mit den Streitigkeiten der Athener und Tegeaten, wer von ihnen die Ehre haben dürfe, den linken Flügel des Heeres zu besetzen. An dieser Stelle schiebt

Herodot beinahe schon poetische Reden ein, die die großen Taten der Athener und Tegea- ten beinhalten. Auch hier stellt er die Wichtigkeit der Athener heraus, indem die Sparta- ner, die als besonders tapfer gelten und hoch angesehen waren, den Athenern den linken Flügel zusprechen.11

Im Weiteren stellt Herodot den Katalog der Hellenen dar. Nach Bichler ergibt sich insge- samt eine Mannschaft von etwa 110.000 Mann, was weniger als ein Drittel des persischen Heeres sei.12 Diese ungleiche Darstellung lässt den Sieg des griechischen Heeres noch größer erscheinen. So gelingt es Herodot, den Griechen mehr Mut und Tapferkeit zuzu- schreiben und sie als Helden darzustellen. Zu vermuten ist jedoch, dass die Zahlen, die Herodot in seinen Erzählungen nennt, deutlich höher angesetzt sind, als sie wirklich wa- ren, um die Bedeutung der Schlacht und den griechischen Sieg noch zu unterstreichen. Darauf folgt ebenfalls die Aufstellung und detaillierte Beschreibung des persischen Hee- res. „Es waren die größten, berühmtesten und angesehensten Völker, die Mardonios hier in Schlachtordnung aufstellte.“13 Auch mit dieser Bemerkung deutet Herodot auf die be- sondere Leistung des griechischen Heeres hin, diese „berühmtesten und angesehensten Völker“ besiegt zu haben. Zudem wird hier die geographische Reichweite des persischen Imperiums in Erinnerung gerufen, was noch einmal die enorme Größe des Heeres unter- streicht.14

Nachdem nun beide Heere zum Kampf bereitstanden, wurde auf beiden Seiten geopfert. Die Opfer fielen jedoch ungünstig aus, sodass ein offensiver Angriff für beide Parteien nicht ratsam war. Das Opfer fiel aber für den Fall günstig aus, sollten sie sich verteidigen und nicht als Angreifer den Asopos überschreiten. Mardonios beschäftigte einen „helle- nischen Opferspezialisten“, den Eleier Hegesistratos, der aus Abneigung gegen Sparta und aufgrund des Lohnes, auf die Seite der Perser übergegangen war.15 Auf Seiten der Griechen fungierte Tisamenos aus Elis als Hellseher.16

So kam es, dass beide Heere zehn Tage lang ausharrten. Am elften Tag beschloss Mardo- nios jedoch entgegen jeder Warnung, mit dem Angriff zu beginnen, denn „ihr Heer sei dem der Griechen weit überlegen, und man müsse sie sobald als möglich schlagen, damit die Griechen nicht noch mehr Verstärkung an sich zögen; um das Opfer des Hegesistratos ber dürfe man sich nicht kümmern und keine günstigeren erzwingen, sondern nach per- sischer Sitte dem Feinde zu Leibe gehen.“17

[...]


1 Will, Wolfgang: Herodot und Thukydides. Die Geburt der Geschichte, München 2015, S. 11.

2 Hdt. 9, 1-25.

3 Hdt. 9, 26-58.

4 Hdt. 9, 59-79.

5 Hdt. 9, 2.

6 Hdt. 9, 13.

7 Hdt. 9, 16.

8 Hdt. 9, 19-22.

9 Vgl. Winter, Ludwig: Die Schlacht von Platää, Berlin 1909, S. 33.

11 Hdt. 9, 26-28.

12 Bichler, Reinhold: Herodots Welt, Berlin 200, S. 351.

13 Hdt. 9, 32.

14 Vgl. Bichler, Herodots Welt, S. 352.

15 Vgl. Ebd.

16 Hdt. 9, 33-37.

17 Hdt. 9, 41.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht von Plataiai. Herodot im Vergleich mit Plutarch und Diodor
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V457427
ISBN (eBook)
9783668890077
ISBN (Buch)
9783668890084
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herodo, Diodor, Plutarch, Schlacht von Plataiai, Schlacht von Platäa, Perserkriege, Griechische Geschichte, Antikes Griechenland, Antikes Persien, Antike Geschichte
Arbeit zitieren
Lisa Schubert (Autor), 2017, Die Schlacht von Plataiai. Herodot im Vergleich mit Plutarch und Diodor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457427

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