Warum ist der Mensch poetisch? ein biologisch-anthropologischer Überblick


Hausarbeit, 2005
21 Seiten, Note: keine Benotung

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 GRUNDLAGEN
2.1 Anthropologie
2.2 Poetik

3 BIOLOGISCHER ANSATZ
3.1 Evolutorische Grundlagen
3.2 BioCulture
3.3 Stress-Lust-Mechanismus

4 ANTHROPOLOGISCHER ANSATZ
4.1 Imitation und Emulation
4.2 Gesellschaftliche Perspektive

5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

6 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Soziale Systeme entstehen durch Kommunikation, aber einmal konstituiert, determinieren sie die Kommunikationsstruktur. Der einzelne […] Kommunikationsvorgang ist somit als Komponente eines sozialen Systems, einer spezifischen Kulturgestalt […]determiniert.

(Reimann 1986: S.96)

Wenn man der Frage nachgehen will, warum der Mensch kreativ oder eben poetisch ist, findet man in der Disziplin der kulturellen Anthropologie einen guten Sparringspartner. Denn in ihr wird multidisziplinär mit den verschiedensten Instanzen ein breites Bild gezeichnet und somit ein mehrdimensionaler Erklärungsversuch dessen geliefert, was den Menschen poetisch sein lässt. Es ist durchaus spannend, die unterschiedlichen Sichtweisen der einzelnen Forschungsrichtungen darauf zu untersuchen, welche Ergebnisse oder Lösungsansätze diese im Hinblick auf die Fragestellung anbieten. Somit kann in dieser Ausarbeitung ein differenziertes Bild dessen gezeichnet werden, was denn nun einen poetischen oder kreativen Menschen ausmacht.

Nachdem als Grundlagen die Stichworte „Anthropologie“ und „Poetik“ definiert wurden, wird zunächst unter dem Begriff „Biologischer Ansatz“ ein Ausblick in die Evolutionstheorie gegeben. Dann wird der Zusammenhang von Biologie und Kultur dargelegt, indem bei Tieren beobachtetes Verhalten und die interpretierten Intentionen auf die Welt des homo sapiens übertragen werden. Dann wird die Basistheorie Eibls herangezogen, dass in gewisser Weise alles menschliche Handeln auf dem Stress-Lust- Prinzip beruht. Im Grunde beschreibt Eibl damit vormals instinktive Mechanismen, die der Reproduktion dienten, welche nun auch als Antrieb zu kreativem Verhalten angesehen werden. Gleichsam ist aber auch die Menschheit daran interessiert, einfach nur um des Genusses willen die Sprache zu nutzen. Ohne realen Nutzen oder andere Nebenabsichten wird also das Benutzen der Sprache zur Lustbefriedigung eingesetzt, wobei es bei demjenigen auch Lust generiert, der dieses Mittel einsetzt.

Im Weiteren wird dann unter dem Begriff „Anthropologischer Ansatz“ die Methode des Imitierens und Emulierens aufgeführt, die zum einen als Grundlage allen Lernens begriffen wird, zum anderen die Basis für die Weiterentwicklung von Bestehendem ist. Sodann wird als gesellschaftliche Perspektive ausgeführt, was die kulturellen Motivatoren für das Entstehen einer poetogenen Struktur sind. Zugleich wird gezeigt, dass das normative Umfeld der Gesellschaft dazu herausfordert, diese Normen zu umgehen. Und wo dies nicht möglich ist, wurde die Poesie als Ventil zur Äußerung der eigenen Meinung installiert.

2 Grundlagen

Die Fragestellung begleitend, scheint die Definition von Anthropologie und Poetik hilfreich, da hiermit eine Basis gelegt wird, um die Thematik einleitend zu erfassen. Daher werden im Folgenden zunächst diese beiden Begriffe, teils in unterschiedlichen Ausprägungen, erläutert.

2.1 Anthropologie

Der Begriff Anthropologie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Lehre vom Menschen“ (o.V., S. 461). Fokussiert auf die Fragestellung scheinen zwei Definitionen, die dort als erweiterte angegeben sind, interessant.

Zunächst die „psychische A.“, die als „Lehre von den geistigen Eigenschaften des Menschen zu verstehen [ist]“ (o.V., S.462) und sich in Teildisziplinen der Psychologie und der Verhaltensforschung integriert sieht.

Weiterhin die „kulturelle A.“, welche „die empirisch fundierte Integration mehrerer Einzelwissenschaften wie Soziologie, Psycholog., Med., Pädag., Rechts- und Religionswissenschaft, Völkerkunde u.a. [beschreibt]“ und daher „als Grundlage zur Bewältigung komplexer Probleme [dient], wie sie sich in der modernen Ges.[ellschaft] stellen“ (o.V., S.462)

2.2 Poetik

Der Begriff Poetik stammt aus dem Griechischen und beschreibt die „Kunst des Dichtens, Lehre von der Dichtkunst, dem Wesen, den Formen und Gattungen der Literatur“ (Nünning, S. 531).

„Die erste und bis heute einflußreichste P. verfaßte Aristoteles um 330 v.Chr. als Polemik gegen Platon mit dem Ziel, die Dichtkunst im allg., ihre Formen und deren Eigenart sowie die Frage der Gestaltung der Stoffe in der Dichtung zu erklären. (...) Dichtung und Lit. sind hier deutlich aufgewertet, da sie im Unterschied zur Geschichtsschreibung, der bloßen Nachzeichnung vergangener Tatsachenwelten, in ihren Fiktionswelten die Grenzen der bestehenden Realität durchbrechen und die Vollendung des in der Natur noch Unvollendeten antizipieren. (...) Das sprachliche Kunstwerk beruht auf einem Akt der Nachahmung (Mimesis), der durch Techniken der Fiktionalisierung (Poiesis) das Material in eine spezifische Struktur und ästhetische Erfahrung verwandelt.“ (Nünning, S. 531).

3 Biologischer Ansatz

Die Darwinsche Evolution beschrieb, welche Umwelteinflüsse sich darauf ausgewirkt haben, dass sich bestimmte Merkmale durchgesetzt haben. Das von ihm als survival-of- the-fittest Prinzip beschriebene Überleben des Stärkeren kann durchaus auf andere Bereiche übertragen werden. Im hier zu untersuchenden Kontext können die in der Evolution liegenden Ursachen für poetogene Strukturen beim Menschen herangezogen werden. Zymmer beschreibt etwa die „Zeige- und Schaulust“ der Menschen, welche auch in der Tierwelt, etwa durch das Angeben des sich spreizenden Pfaus repräsentiert ist. Dort wird auch davon gesprochen, dass die Imitation der äffischen Angeber- Verhaltens als „Initialzündung unserer heutigen Kultur angesehen werden müsse“ (Zymmer, S.21).

Unter dem Oberbegriff des biologischen Ansatzes soll hier zunächst ein kurzer Ausflug in die evolutorischen Grundlagen unternommen werden. Dort wird gezeigt, inwieweit die Darwinsche Evolutionstheorie die Entwicklung eines poetogenen Menschen begünstigt haben könnte.

Dann wird unter dem Stichwort der Bio Culture beschrieben, was von Baudy als „BioCulture-Debatte“ bezeichnet wird. Die Darstellung aus Sicht der Biologen nämlich, die tierische Verhaltensweisen auf den Menschen übertragen und beispielsweise zu dem Imponiergehabe von Haubentauchern in der Balz eine Analogie zum menschlichen Verhalten in Diskotheken zu ziehen. Dadurch wird die Funktion des Imponierens erklärt, die dort als eine mögliche Ursache für die differenzierte Kommunikation bzw. die Entwicklung der Poesie gesehen werden kann.

Letztlich wird noch der Stress-Lust-Mechanismus beschrieben, welcher nach Eibl die zentrale Motivation für ein künstlerisches Handeln darstellt. Denn hier wird die zunächst auf die Reproduktion angelegte Funktion der Lust auf eine Metaebene erhoben, in der der Mensch auch Lust erzeugen kann, indem er sich künstlerisch betätigt. Hierdurch würde ein Gleichgewicht erzeugt, um dem Stress zu begegnen. Wobei die verbale, kommunikative Streßbewältigung letztlich auch zu einer tendenziell besseren Reproduktion beitragen kann, da ein stressfreies Umfeld die Fortpflanzungsfähigkeit positiv beeinflusse. Insgesamt werde durch den Stress-Lust- Mechanismus die gesamte kulturelle Entwicklung beschleunigt, wie Eibl aufzeigt.

3.1 Evolutorische Grundlagen

Vieles in der Biologie kann durch Kreisläufe, Regelkreise oder Zyklen beschrieben werden. Wenn man die Systematik der Kreisläufe auf die Begriffe Natur und Kultur überträgt, wie es Vowinckel tut, so lässt sich darstellen, dass diese eng miteinander verbunden sind. Hier zeigt der Autor auf, dass Natur und Kultur auf einer Ebene stehen. Sämtliche kulturellen Leistungen einer Gesellschaft entspringen der Natur. Die menschliche Natur erklärte gleichwohl nicht menschliche Kultur - ebenso wenig, wie Biochemie biotische Evolution erklärte. Dennoch breiteten sich Kulturformen menschlichen Zusammenlebens aus oder würden verdrängt in einer Umwelt natürlicher Menschen (Vowinckel S.7). Eine Kultur ohne Natur ist nicht denkbar, da die beiden einander bedingen, zumindest was die Menschen angeht. Es ist davon auszugehen, dass die Menschen die einzigen Wesen auf der Erde sind, welche „zur kognitiven Selbstorganisation ihrer Antriebe und ihres Verhaltens“ fähig sind. Diese gehöre zu den „biotischen Auslesefaktoren der kulturellen Evolution“ (Vowinckel S.8). Diese Eigenschaft hat den Menschen dazu ermutigt, sich stetig zu verbessern und Methoden zu entwickeln, um die eigene Stellung in der Gesellschaft bzw. dem kulturellen Kontext zu verbessern. Hierzu haben insbesondere die Sprache und deren Verwendung beigetragen, da Sprache ein Kommunikationsinstrument und schließlich ein Medium der Beeinflussung anderer Individuen darstellt.

Eine Hauptaussage Vowinckels ist die Tatsache, dass man den Menschen stets in Zusammenhang mit seinem Naturell sehen muss. Kein Verhalten sei losgelöst von der Natur des Menschen, also dessen instinktivem Verhalten. Ferner sei auch die Natur eine Grenze dessen, das kulturell möglich sei. Diese Aussagen werden bekräftigt durch die These, „dass unser Großhirn uns seine Arbeitsweise ihre Entstehung nicht in der kulturellen, sondern der biotischen Evolution verdanken.

[...]

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Details

Titel
Warum ist der Mensch poetisch? ein biologisch-anthropologischer Überblick
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Anthropologie der Literatur
Note
keine Benotung
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V45752
ISBN (eBook)
9783638431019
ISBN (Buch)
9783638763745
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es wird die Frage geklärt, warum ein Mensch poetisch ist unter biologischen und anthropologischen Gesichtspunkten!
Schlagworte
Warum, Mensch, Anthropologie, Literatur
Arbeit zitieren
Jessica Scheffold (Autor), 2005, Warum ist der Mensch poetisch? ein biologisch-anthropologischer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45752

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