War Schiller ein Idol für Hölderlin? Gemeinsamkeiten von "Hymne an den Genius Griechenlands" und "Die Götter Griechenlands"


Hausarbeit, 2016

13 Seiten, Note: 3,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Friedrich Schillers Gedicht "Die Götter Griechenlands“
2.1 Aufbau des Gedichts
2.2 Inhaltsangabe
2.3 Schillers Antikebild
2.4 Die zweite Fassung der Götter Griechenlands

3. Friedrich Hölderlins "Hymne an den Genius Griechenlands"
3.1 Aufbau des Gedichts
3.2 Inhaltsangabe
3.3 Hölderlins Antikebild

4. Beziehung der beiden Autoren zueinander

5. Gegenüberstellung der beiden Werke

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1 Buchquellen
7.1.1 Primärliteratur
7.1.2 Sekundärliteratur
7.2 Internetquellen

1. Einleitung

„„Ich liebe dieses Griechenland überall.Es trägt die Farbe meines Herzens.“

―Friedrich Hölderlin

Schon viele Autoren beschäftigten sich mit dem Thema des antiken Griechenlands und bauten es in ihre Werke mit ein. In dieser Hausarbeit wird speziell auf zwei Autoren und deren Werke eingegangen. Zum einen Friedrich Hölderlin mit seiner Hymne an den Genius Griechenlands, zum anderen Friedrich Schiller mit seinem Gedicht die Götter Griechenlands.

Zunächst wird das Werk Schillers genauer untersucht. Es wird auf den Aufbau und den genauen Inhalt eingegangen. Zudem wird das Antikenbild Schillers mit aufgegriffen. Da Schillers 1. Fassung der Götter Griechenlands viel Kritik bekam, wird auch die 2. Fassung dieses Werks mit analysiert und Unterschiede der beiden gezeigt.

Danach wird auf Hölderlins Werk die "Hymne an den Genius Griechenlands" eingegangen. Ebenso wie bei dem Gedicht zuvor, wird auch hier zunächst der Aufbau und danach der Inhalt analysiert. Danach wird kurz dessen Antikenbild aufgezeigt.

Letztendlich wird in dieser Untersuchung bewiesen, dass Hölderlin sich ein Beispiel an Schillers Werk genommen hat. Schiller wird oftmals als Vorbild Hölderlins genannt, darum werde ich ebenso kurz auf die Begegnung der beiden und auf die Entwicklung ihrer Beziehung zueinander eingehen.

2. Friedrich Schillers Gedicht "Die Götter Griechenlands“

Das Gedicht "Die Götter Griechenlands" wurde im März 1788 von Friedrich Schiller verfasst, wodurch er die Arbeit an der „G eschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande“ unterbrach. Dies war sein erster Band seiner Abhandlung über den Spanisch-Niederländischen Krieg, welche 1788 veröffentlicht wurde. Erstmals wurde "Die Götter Griechenlands“ in Wielands Zeitschrift „ Der Teutsche Merkur“ erschienen. Diese Zeitschrift wurde von 1773 bis 1789 als Literaturzeitschrift und Rezensionsorgan in Weimar herausgegeben.

Das Gedicht wurde in der Zeit der Weimarer Klassik geschrieben. Während andere Dichter wie beispielsweise Goethe sich mit der Natur als Modell für den universalen Zusammenhang aller Erscheinungen befasste, war für Schiller hingegen die Auseinandersetzung mit der Geschichte bedeutsam. Man zentralisierte sich in der Weimarer Klassik auf Weimar und teils auch auf Jena. Die Autoren setzten sich mit der Französischen Revolution und der Erziehung der Menschen durch Kunst und Literatur zu Humanität auseinander. Man strebte nach Harmonie in der Gesellschaft.

In der deutschen Geistesgeschichte gilt es als wichtiges Beispiel der Antikenbegeisterung. Allerdings wurde es damals schon nach kurzer Zeit als Angriff auf das Christentum kritisiert.1 „Ein Geist aber, welcher die Tugend verächtlich zu machen sucht, ist kein guter Geist. Ich sehe wohl das poetische Verdienst dieses Gedichtes ein, aber der wahren Poesie letzter Zweck ist nicht sie selbst.“ hieß es von Stolberg im August 1788 in der Zeitschrift "Deutsches Museum". Diese Zeitschrift wurde von Heinrich Christian Boies im Zeitraum von 1776-1788 mit jeweils zwei Bänden pro Jahr veröffentlicht. Ebenso wurde das Gedicht als "Lästerung" oder auch "Missbrauch der Poesie" beschimpft.2

2.1 Aufbau des Gedichts

Das Gedicht besteht aus 25 Strophen mit je acht fünfhebigen Versen. Als Reimschema werden durchgängig vier Kreuzreime pro Strophe verwendet. So reimt sich beispielsweise in der ersten Strophe Zeile eins „regieret“ mit Zeile drei „führet“, Zeile zwei Gängelband mit dem „Fabelland“ in Zeile 4 ebenso „glänzte“ (Vgl. Z. 5) mit „bekränzte“ (Vgl. Z. 7) und „da“ mit „Anathusia“ (Zeile 6, 8). Die Form der Reime ist also eindeutig a – b – a – b / c – d – c – d.

Das Gedicht besitzt eine antithetische Struktur. Es schildert das christliche Zeitalter als eine Zeit des Verlusts, der Freudlosigkeit, der Entfremdung und Entzweiung. Im Gegensatz dazu steht die Auffassung der Natur als glückliches Zeitalter.3

Es wird die "entgötterte Natur“ (Vgl. Z. 168) gegen die imaginäre "schöne Welt" (Vgl. Z. 1, 145) in der "Sterbliche mit Göttern und Heroen“ (Vgl. Z. 37) in einer Gemeinschaft zusammen leben und in der Schönheit und Wahrheit eine Einheit bilden. Die Antithetik erkennt man auch im tektonischen Aufbau des Gedichts. Zum einen wird entweder die schöne Antike besungen (Vgl. Strophe 4-10, 12, 16, 18), zum anderen die schreckliche Gegenwart beklagt (Vgl. Strophe 17, 19-25).

Als Ursache dafür wir die Ablösung Schillers von der Vielfalt der antiken Götterwelt, durch einen einzigen christlichen Gott genannt, welcher für ihn sehr weit entfernt und unnahbar ist. Dies lässt sich auch in Zeile 191 bis 192 in welchen es heißt: Da die Götter menschlicher noch waren, waren Menschen göttlicher. erkennen.4

2.2 Inhaltsangabe

Es geht in dem Gedicht um die Trauer, ausgelöst durch den Verlust der Lebensfülle und das Wehklagen über den gegenwärtigen Zustand, die Leere und die Verlassenheit. Hierbei entwickelt er auch die These, dass die griechische Antike durch ein ursprüngliches poetisches Weltverhältnis geprägt war.

Diese soll aber im Fortlaufen der Rationalisierung verloren gegangen sein. Es entsteht ein idealisiertes Bild der Antike, wodurch auf das Programm der Autonomieästhetik hingewiesen wird. Das Programm der Autonomieästhetik erteilt der Kunst die Aufgabe zu, die damalige Einheit von Sinnlichkeit und Verstand wieder herzustellen. Die Kunst könne dies allerdings nur erreichen, wenn sie sich auf sich selbst besinnt.

Im Gedicht geht es einmal um den Abschluss des antiken Polytheismus durch den einen monogamen Gott des Christentums. Zum anderen geht es um das Ende des einzig wahren Götterglaubens durch das Voranschreiten der modernen Naturwissenschaft. Laut dieser Wissenschaft sollen sich nur tote Körper ihrer Schwerkraft gemäß am Himmel drehen.

2.3 Schillers Antikebild

Schillers Denkmuster über sein Bild der Antike sind Winckelmanns Schriften, Lessings Abhandlung "Wie die Alten den Tod gebildet", Goethes Drama "Iphigenie auf Tauris" und Wielands Schriften maßgebend.

Das sich Schiller am klassizistischen Antikebild orientiert, zeigt sich vor allem an der neuen Art des Gedichts. Es scheint, als ob das Pathos der Begeisterung und der Klage gebändigt wird.5

Durch sein Gedicht "Die Götter Griechenlands" wurde das Ansehen der antiken Mythologie geschmackvoller. Doch immer froh gesonnen waren die Götter keineswegs und das erkannte auch Schiller. So nimmt er in Strophe vier Bezug auf Tantals Tochter (Niobe), welcher Apollo und Artemis alle Kinder töteten und sie deshalb vor Schmerz zu Stein wurde. Dies lässt sich auch an den darauffolgenden Zeilen erkennen: " Syrinx Klage tönt aus jenem Schilfe, Philomeles Schmerz aus diesem Hain.“6

2.4 Die zweite Fassung der Götter Griechenlands

Da Schiller nach der Veröffentlichung seiner ersten Fassung als u.a. Gotteslästerer beschimpft wurde, erschien (vermutlich) 1793 die zweite Fassung des Gedichts. Und dies, obwohl Schiller der Meinung war, dass dieses Werk das wohl Beste das er neuerdings hervorgebracht hatte war. Hier drosselt er die Kritik am Christentum etwas. Er streicht viele anstößige Stellen. Aus den erstmals 25 Strophen werden nur noch 16. Zudem wird die antithetische Struktur mehr hervorgehoben. Die griechische Religion der Antike wird nun vollständig durch Schönheit bestimmt.

In der zweiten Fassung wird deutlich, dass es unmöglich ist die "schöne Welt" wiederherzustellen. Denn auch wenn das Schöne in der Literatur eine Zuflucht findet, handelt es sich hierbei nicht um die einstmals schöne Welt. Nur in der bereits verlorenen Antike war der Dichter kein dissoziiertes Individuum. Die Götter Griechenlands reflektieren also die modernen Bedingungen des eigenen lyrischen Sprechens. Ebenso verdeutlicht er durch die schöne Sentenz der neuen Strophe am Ende des Gedichts eine poetische Absicht: "Was unsterblich im Gesang soll leben, Muß im Leben untergehn.“

Die ersten fünf Strophen unterscheiden sich in beiden Fassungen kaum voneinander. In der ersten Strophe des Gedichts erkennt man eine Wiederkehr des Wortes "noch" in jeder zweiten Zeile, wodurch der Entzug der schönen und guten alten Zeit betont wird. So heißt es beispielsweise: " Da ihr noch die schöne Welt regieret/ An der Freude leichtem Gängelband/ Selige Geschlechter noch geführet,/ Schöne Wesen aus dem Fabelland! ". So geht der Rhythmus auch in der zweiten Strophe weiter, denn auch hier steht in der zweiten Zeile ein "noch".

Die dritte Strophe beinhaltet den Gedanken der mit dem Gedicht ausgedrückt werden soll. Sie fasst den Gegensatz von damals und heute anhand eines Beispiels: " Wo jetzt nur, wir unsere Weise sagen,/ Seelenlos ein Feuerball sich dreht,/ lenkte damals seinen goldenen Wagen/ Helios in stiller Majestät. ".

Danach folgt eine ausführliche Darstellung dieser Äußerung. Es werden in den folgenden Strophen die zahlreichen Götter Griechenlands vorgestellt. Es folgen einprägsame und erstaunliche Namen und Taten der Figuren der griechischen Mythologie. Dabei geht Schiller allerdings von den insgesamt zwölf Göttern des Olymp, nur auf drei ein.

Das Gedicht scheint einer vormodernen Auffassung von Poesie verpflichtet. Und nur wenn man dies akzeptiere, kann man ein gerechtes Urteil darüber abgeben. Dadurch, dass die Strophen nur lose aneinander gereiht waren, war es auch relativ einfach das Gedicht zu kürzen. Wie gesagt behielt er die ersten fünf Strophen bei. Die 6, 7, 8 und 9. Gedichtabschnitte wurden, wie die 11, 13, 15 und 17, gestrichen. Strophe 23, 24 und 25 hat Schiller dagegen neu formuliert.

In Strophe 12 (1. Fassung Strophe 19) wird die Aneinanderreihung von Bildern beendet und zusammengefasst: " Schöne Welt wo bist du? Kehre wieder,/ Holdes Blütenalter der Natur!/ Ach nur in dem Feenland der Lieder/ Lebt noch deine fabelhafte Spur/ Ausgestorben trauert das Gefilde,/ Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick, Ach! Von jenem lebenswarmen Bilde/ Bleibt nur der Schatten mit zurück." Die alten Götter sind verloren und mit ihnen gingen scheinbar alle anderen Gottheiten.7

3. Friedrich Hölderlins "Hymne an den Genius Griechenlands"

Die Hymne an den Genius Griechenlands wurde in das Jahr 1790 eingeordnet, wobei es viele Gegenmeinungen gibt die besagen, dass es erst im Herbst 1791 entworfen wurde. Zu dieser Zeit studierte er gerade mit Hegel und Schellin im Tübinger Stift. Georg Wilhelm Friedrich Hegel gilt als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Idealismus. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, ab 1812 Ritter von Schelling, war einer der Hauptvertreter des deutschen Idealismus.8

Der Entwurf ist nicht zu Ende geführt und er wurde auf die Rückseite eines ebenfalls unvollendeten Entwurfs des „Abschieds von Lydia“ geschrieben. Es wird vermutet, dass Hölderlin, nachdem er in der Rezeption "Musenalmanachs" 1792 von Schubarts als eintönig beschimpft worden war, einen Rückgriff auf die freie Form der Stolbergschen Hymne plante. Christian Schubart war ein Dichter, Organist, Komponist und Journalist. Bedeutung bekam er durch seine bissig formulierten sozialkritischen Schriften.9

Die Hymne lässt sich schwer in eine Literaturepoche einordnen. Er ist ein Dichter des Überganges, er gehört also weder voll und ganz zur Weimarer Klassik, noch zur Romantik. Unbestritten ist jedoch, dass Schiller einen gewaltigen Einfluss auf ihn ausübte. Es ist bekannt, dass Hölderlin Schillers Schrift "Über das Erhabene" kannte und dadurch von klassischen Gedanken beeinflusst wurde.10

[...]


1 Vgl. Literaturverzeichnis, Sekundärliteratur, Quelle 2

2 Vgl. Literaturverzeichnis, Internetquellen, Quelle 2

3 Vgl. Literaturverzeichnis, Primärliteratur, Quelle 3

4 Vgl. Literaturverzeichnis, Primärliteratur, Quelle 4

5 Vgl. Literaturverzeichnis, Sekundärliteratur, Quelle 5

6 Vgl. Literaturverzeichnis, Sekundärliteratur, Quelle 8

7 Vgl. Literaturverzeichnis, Sekundärliteratur, Quelle 2

8 Vgl. Literaturverzeichnis, Internetquellen, Quelle 3

9 Vgl. Literaturverzeichnis, Sekundärliteratur, Quelle 3

10 Vgl. Literaturverzeichnis, Sekundärliteratur, Quelle 3

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
War Schiller ein Idol für Hölderlin? Gemeinsamkeiten von "Hymne an den Genius Griechenlands" und "Die Götter Griechenlands"
Note
3,0
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V457536
ISBN (eBook)
9783346071170
ISBN (Buch)
9783346071200
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schiller, idol, hölderlin, gemeinsamkeiten, hymne, genius, griechenlands, götter
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, War Schiller ein Idol für Hölderlin? Gemeinsamkeiten von "Hymne an den Genius Griechenlands" und "Die Götter Griechenlands", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457536

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