Das Konkordienwerk und die Pfalz. Warum die Unterzeichnung und Zustimmung des Pfalzgrafen Johann Casimirs zum Konkordienwerk im 16. Jahrhundert für ihn viele Nachteile mit sich gebracht hätte


Hausarbeit, 2018

14 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Der Abendmahlsstreit..

3. Der Internationalismus.

4. Die Frage der Prädestination

5. Kirche und Staat..

6. Aktivitäten gegen das Konkordienwerk

7. Fazit.

8. Quellenverzeichnis.
8.1 Literaturverzeichnis..
8.2 Internetquellen.

1. Einleitung

Auslöser für die Entstehung des Konkordienwerks war der Tod Martin Luthers am 18. Februar 1546 in Eisleben und das Interim, durch das Kaiser Karl der V. den Schmalkaldischen Krieg gewann. Diese beiden Faktoren begünstigten die Streitigkeiten die sich innerhalb des lutherischen Lagers gebildet hatten ungemein. Der deutsche Protestantismus wurde in eine tiefe Krise gestürzt.1 Auch der Tod Melanchthons im Jahre 1560 bestärkte die Ratlosigkeit unter den Evangelischen.2

Zwanzig Jahre dauerten diese Streitigkeiten an bis es letztendlich zu einer mutmaßlichen Lösung, wie es die Lutheraner vermuteten, des ganzen Problems kam. Im Jahre 1577 wurde auf Veranlassung Kurfürst August von Sachsens die Konkordienformel verfasst. Nachdem diese Formel den Kritikern und Befürwortern für eventuelle Kritik vorgelegt wurde und diese ihre strittigen Punkte anbringen konnten, wurde die Formel noch einmal überarbeitet und schließlich das endgültige Konkordienwerk im Jahre 1580 verfasst.

Bedeutende Befürworter waren beispielsweise das Kurfürstentum Sachen, Braunschweig-Wolfenbüttel und auch Würtemberg. Doch es gab durchaus Gebiete und Kurfürsten, die sich gegen die Unterzeichnung des Konkordienbuches entschieden. Grund dafür waren meist die negativen Auswirkungen auf die Interessen derjenigen, die sich durch die Unterstützung ergeben hätten. Somit gehörte Landgraf Wilhelm von Hessen, der in dem Konkordienwerk die melanchthonische Theologie vermisste und Johann Casimir zu einigen, die nicht unterzeichneten.3

In der folgenden Arbeit wird sich mit einigen der Artikel aus dem Konkordienwerk befasst und ein Vergleich und Beispiele aufgeführt, warum es für Johann Casimir hauptsächlich negative Auswirkungen gehabt hätte dem zuzustimmen und letztendlich ein Fazit daraus gezogen.

2. Der Abendmahlsstreit

Die Abendmahlslehre zählt wohl zu den bekanntesten Streitpunkten der Reformation. Hierbei geht es um die Realpräsenz Christi beim Abendmahl. Das Brot und der Wein werden demnach in der christlichen Theologie zum Leib und zum Blut Gottes.

Die Aufnahme eines Abendmahlartikels wurde schon in der Konkordienformel für unverzichtbar gehalten. Man wollte bestehende Irrtümer klarstellen und die rechte Meinung des Wortes Christi und der Augsburger Konfession aufweisen. Demnach findet man sie auch dort im Artikel sieben, dem „de coena domini“.

Während Anhänger des Calvinismus der Ansicht waren, dass das Leib Christi, als Gegenstand beziehungsweise Substanz (in Brot und Wein) auf der Erde nicht möglich wäre, da Christi nur im Himmel existiere, waren die Lutheraner der Auffassung, dass dies den Tatsachen entspreche und führten dies auch in ihrem Konkordienwerk ein. Die Lutheraner gingen von einer realen Präsenz Christis aus, trotzdem sollte das Brot als Substanz weiterhin fortbestehen.

Die Anhänger des Calvinismus waren hingegen von der Prädestination überzeugt. Man lehnte das religiöse Bild ab und ging von einer sinnbildlichen Gegenwart Christi im Abendmahl aus. Es ist demnach vor allem eine Art Gedächtnismahl. Nach Calvin sei Christi hier durch den Heiligen Geist zwar präsent, allerdings nicht in Brot und Wein, sondern vielmehr beim Gedenken in der Gemeinschaft.4

Johann Casimir war der Sohn von Friedrich III. von der Pfalz und Marie von Brandenburg-Kulmbach. Der Tradition seines Vaters folgend, entschied er sich für die gleiche Glaubensrichtung wie sein Vater – dem Calvinismus. Seit 1559 war er Landesherr von Pfalz-Simmern. Sein älterer Bruder, Kurfürst Ludwig VI., der sich entgegen seines Vaters und seines

Bruders für das Luthertum entschied, setzte seine Glaubensrichtung in Kurpfalz durch und machte sie dort verbindlich.

Hätte Casimir mit seiner Unterschrift der Konkordienformel und dem Konkordienwerk zugestimmt, hätte er sich gegen seine religiöse Auffassung der Dinge entschieden. Seine calvinistische Sichtweise vom Abendmahl, wie sie oben aufgeführt wurde, wurde in beiden Werken nicht aufgenommen, demnach entspreche sie laut Lutheranern nicht dem wahren Glauben und ist somit als falsch ausgelegt. Wäre das Konkordienwerk verabschiedet und verbindlich erklärt worden, würden alle Calvinisten nicht mehr unter dem Augsburger Religionsfrieden stehen und hätten sich folglich eventuellen Vertreibungen aussetzen müssen. Um dem entgegenzuwirken, unterzeichnete er die Werke nicht und wurde fortan ein aktiver Gegner der Concordia.

Es ist auch anzuführen, dass es nicht bekannt ist, inwieweit Casimir von seinen Beratern beeinflusst worden ist. Er behielt zwar die gleichen Räte wie sein calvinistisch geprägter Vater, aber während seiner Zeit als Pfalzgraf in Neustadt kamen zwei Berater hinzu – Peter Beutterich und Fabian von Dohna. 5

3. Der Internationalismus

Der Internationalismus der Pfalz und vor allem Johann Casimirs Engagement auf internationaler Ebene verschärfte seine Ablehnung gegen das Konkordienwerk noch mehr. Er war, wie Friedrich der III. (Kurfürst von der Pfalz 1559-1576), davon überzeugt, dass der Kampf gegen die Evangelischen in Westeuropa nur der Anfang war und man folglich auch in Deutschland diese Unterdrückung spüren würde. Wie Friedrich, nahm auch Casimir zahlreiche Flüchtlinge in der Pfalz auf. Zudem wurden die internationalen Beziehungen genutzt, um das eigene Gewicht zu stärken. Ein besonderes Interesse galt dabei Frankreich. Es galt als das Gegengewicht zu Spanien, aber man betrieb trotzdem auf beiden Ebenen Politik. Ebenso kam es zu Finanzhilfen und direkte

Militärhilfe Casimirs. So beteiligte er sich 1567/68 und 1575/76 in Frankreich, 1578/79 in den Niederlanden und 1583 in Köln an militärischen Auseinandersetzungen. Das Jahr 1567 ist besonders hervorzuheben. Hier schickte Casimir, gegen den Widerstand des fast gesamten Reiches, 10.000 Männer, darunter 8000 Reiter6, zu den Hugenotten.7 Die Feldzüge wurden, trotz des Scheiterns, von ihm verteidigt. Glaubensschutz und Solidarität waren das vorrangige Ziel Casimirs. Nichtsdestotrotz waren beispielsweise auch versprochene Hochstifte Condés für den Frankreichfeldzug 1575/76 ein Grund für seine Unterstützung.8 Ebenso suchte Frankreich die Unterstützung der Hugenotten in der Pfalz und sahen diese als befreundete Nachbarn an.9

Man kann dennoch nicht genau sagen, warum Casimir den Franzosen half. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten. Es wäre möglich, dass er, wie bereits sein Vater vor ihm, ein großes protestantisches Mitgefühl gegenüber den Hugenotten verspürte und ihnen deshalb zur Seite stand, dass er es als seine Verpflichtung ansah den Hugenotten zu helfen, oder er tat es nur zum Selbstzweck um sein eigenes Reich und seine Glaubensrichtung zu stärken.

Auch hier wäre es für Casimir von Nachteil gewesen, das Konkordienwerk der Lutheraner zu unterstützen. Diese verfolgten nämlich seit 1555 grundsätzlich dem außenpolitischen Konservativismus. Casimir sah, vermutlich wie sein Vater, in den Hugenotten die „ (…) wahrhaftigen Christen, die positiv mit jener Selbstgefälligkeit kontrastierten, die er bei den deutschen Lutheranern zu erkennen glaubte.“ (Vgl. Axmacher, Elke: Belehrter Glaube. S. 392). Hätte er sich für eine Unterzeichnung des Werkes entschieden, hätte er folglich seinen Verbündeten, wie den

Protestanten in Frankreich, nicht mehr militärisch unterstützen können.10 Das Luthertum agierte größtenteils im territorialen Raum. Die Theologen der Lutheraner oder die lutherischen Gemeinden wirkten nur in Ausnahmefällen, unter besonderen Bedingungen politisch selbstständig und über Landesgrenzen, wie beispielsweise die zu Frankreich, hinweg. Dem entgegen stand der Internationalismus Casimirs. Dies war durch die Kirchenverfassung des Calvinismus, sowie die geographische Verteilung der Glaubensgenossen gerechtfertigt. Man war sich bewusst, dass man zu einer internationalen Schicksalsgemeinschaft verbunden war.11

[...]


1 Vgl. Wenz, Gunther: Theologie der Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche. Eine historische und systematische Einführung in das Konkordienbuch. 2. Band. Walter de Gruyter, Berlin 1998. S. 467.

2 Vgl. Dingel, Irene: Concordia controversa. Die öffentlichen Diskussionen um das lutherische Konkordienwerk am Ende des 16. Jahrhunderts. Gütersloher Verlagshaus, Heidelberg 1996. S. 15.

3 Vgl. Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands: Unser Glaube. Die Bekenntnisschriftender evagelisch-lutherischen Kirche. 6. Auflage. Gütersloher Verlagshaus, München 2013. S. 671.

4 Wenz, Gunther: Theologie der Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche. Eine historische und systematische Einführung in das Konkordienbuch. 2. Band. Walter de Gruyter, Berlin 1998. S. 645-711.

5 Wolgast, Eike: Konfessionsbestimmte Faktoren der Politik der Kurpfalz, in: Schilling, Heinz (Hrsg.): Konfessioneller Fundamentalismus. Religion als politischer Faktor im europäischen Mächtesystem um 1600. R. Oldenburg Verlag, München 2007. S. 173.

6 Schilling, Heinz: Konfessionalisierung und Staatsinteressen. Internationale Beziehungen 1559- 1660. Ferdinand Schöningh GmbH, Paderborn 2007. S. 429.

7 Vgl. Wirsching, Andreas: „Ob ich gleych eyn armer eynfeltiger lay bin“. Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz und das konfessionelle Zeitalter, in: Axmacher, Elke: Belehrter Glaube. Festschrift für Johannes Wirsching zum 65. Geburtstag. Peter Lang GmbH, Berlin 1994. S. 393.

8 Hierbei handelt es sich um dem Reich verloren gegangene Hochstifte wie Metz, Toul und Verdun. Diese lies sich Casimir als Erbeigentum zusichern. Er ging allerdings durch den Frieden von Beaulieu 1576 leer aus (Vgl. Wolgast, Eike: Konfessionsbestimmte Faktoren der Politik der Kurpfalz).

9 Vgl. Koch, Ernst: Das konfessionelle Zeitalter – Katholizismus, Luthertum, Calvinismus (1563-1675). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2000. S.133.

10 Vgl. Wirsching, Andreas: „Ob ich gleych eyn armer eynfeltiger lay bin“. Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz und das konfessionelle Zeitalter, in: Axmacher, Elke: Belehrter Glaube. Festschrift für Johannes Wirsching zum 65. Geburtstag. Peter Lang GmbH, Berlin 1994. S. 392f.

11 Vgl. Schilling, Heinz: Konfessionalisierung und Staatsinteressen. Internationale Beziehungen 1559-1660. Ferdinand Schöningh GmbH, Paderborn 2007. S. 114f.

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Details

Titel
Das Konkordienwerk und die Pfalz. Warum die Unterzeichnung und Zustimmung des Pfalzgrafen Johann Casimirs zum Konkordienwerk im 16. Jahrhundert für ihn viele Nachteile mit sich gebracht hätte
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V457537
ISBN (eBook)
9783668890190
ISBN (Buch)
9783668890206
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konkordienwerk, pfalz, warum, unterzeichnung, zustimmung, pfalzgrafen, johann, casimirs, jahrhundert, nachteile
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Das Konkordienwerk und die Pfalz. Warum die Unterzeichnung und Zustimmung des Pfalzgrafen Johann Casimirs zum Konkordienwerk im 16. Jahrhundert für ihn viele Nachteile mit sich gebracht hätte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457537

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