In dieser Hausarbeit soll nun untersucht werden, in welchem Ausmaß die oben genannten Parteien an dem Pogrom in Alexandria beteiligt waren und ob man unter ihnen einen Initiator oder Anstifter für die Geschehnisse rund um die jüdische Bevölkerung ausmachen kann. Weiterhin soll geprüft werden, ob die Gewaltausbrüche in Alexandria negative Auswirkungen für die jüdische Stellung in der Gesellschaft in der Zeit danach zur Folge hatten.
Unter dem Begriff „alexandrinischer Pogrom“ wird in der modernen Geschichtswissenschaft die Verfolgung der Juden in Alexandria 38 n. Chr. verstanden. Die an der Verfolgung beteiligten Personen haben aus unterschiedlichsten Gründen an den Gewaltausbrüchen gegen die Juden teilgenommen.
Eine mitwirkende Gruppe gilt die antijüdische,griechische Fraktion um Lampon, Dionysios und Isidoros, die sich mit Flaccu, dem Präfekt von Ägypten, verbündeten und dessen geschwächte Position durch die Inthronisierung Gaius Caligulas ausnutzten, um die Situation der Juden zu schwächen. Die ägyptische Bevölkerung Alexandrias verband eine tiefe Feinschaft mit den alexandrinischen Juden, die sich mit ihrer unterdrückten Stellung in der alexandrinischen Gesellschaft erklären lässt. Das führte zu der Teilnahme an der jüdischen Verfolgung.
Flaccus Avillius nutzte das Bündnis mit der antijüdischen Fraktion und die Beteiligung an der Judenverfolgung, um seine eigene Stellung gegenüber dem neuen Kaiser Gaius Caligula zu stärken. Gaius Caligula kann nur eine untergeordnete Mitschuld an den Geschehnissen in Alexandria zugesprochen werden, da der Kaiser zu Beginn der Ausschreitungen über die Vorgänge in Alexandria nicht informiert war, sondern erst durch König Agrippa I. davon unterrichtet wurde.Der 1.Pogrom 38 n. Chr. stellt daher eine Ausnahme im jüdischen Leben in Alexandria unter römischer Kontrolle dar, die das bis dahin friedliche und harmonische Leben der Juden unterbrach.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 jüdisches Leben in Alexandria vor 38 n. Chr
2.1 jüdisches Leben in der ptolemäischen Regierungsperiode
2.2 jüdisches Leben in Alexandria unter römischem Einfluss
3 1.Pogrom 38 n. Chr. in Alexandria
3.1 Geschehnisse im Jahre 38n.Chr. in Alexandria
3.2 Gründe und Beteiligte des 1.Pogrom 38 n. Chr. in Alexandria
3.2.1 Flaccus Avillius
3.2.2 Die Ägypter
3.2.3 Die Griechen
3.2.4 Gaius Caligula
4 Die Jahre nach dem Pogrom: Die Gesandtschaft zu Kaiser Claudius
5 Fazit
6 Quellen-und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und Akteure des Pogroms gegen die jüdische Bevölkerung in Alexandria im Jahr 38 n. Chr., um zu klären, inwieweit spezifische Parteien an den Unruhen beteiligt waren und ob ein einzelner Initiator auszumachen ist. Zudem wird analysiert, welche Auswirkungen die Ausschreitungen auf die gesellschaftliche Stellung der Juden in der Folgezeit hatten.
- Analyse des jüdischen Lebens in Alexandria unter ptolemäischer und römischer Herrschaft.
- Untersuchung der Motive der beteiligten Gruppen (Flaccus Avillius, Ägypter, Griechen, Gaius Caligula).
- Kritische Quellenarbeit basierend auf den Werken von Philo von Alexandria.
- Betrachtung der Rolle der kaiserlichen Gesandtschaften nach dem Pogrom.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Flaccus Avillius
Philo von Alexandria stellt in seinem Werk „In Flaccum“ Flaccus als Begründer der Judenverfolgung dar. 40 Im Verlauf des Textes gibt er immer wieder detaillierte Beschreibungen und Erzählungen, in denen er berichtet, wie die Verfolgung der Juden durch Flaccus aussah. 41 Allerdings lassen diese Erzählungen auch die Annahme zu, dass Flaccus nicht allein aus Judenhass handelte, sondern lediglich die Ausschreitungen zuließ, weil sein Verhältnis zu Gaius Caligula als angespannt galt. Diese Annahme wird Philos Anmerkung untermauert, dass Flaccus Handlungen und Erlasse dazu dienten, dass Vertrauen des Gaius Caligulas zurückzugewinnen. 42 Der reine Hass und die Abneigung gegen die Juden scheinen ihn also nicht allein zu seinen Verfügungen bewogen zu haben. Ebenfalls dafür spricht, dass Flaccus so verunsichert schien, dass er sich mit seinen erklärten Feinden verbündet und sich von ihnen lenken ließ.43 Daher ist es fraglich, ob Flaccus mental fähig dazu fähig war, die Anfeindungen und den Hass gegen die Juden allein voranzutreiben oder ihn doch die Angst um die eigene Machtposition aufgrund der Machtübernahme durch Gaius Caligula antrieb.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definition des Begriffs „alexandrinischer Pogrom“ und Darstellung der Forschungsfrage sowie der verwendeten Quellenbasis.
2 jüdisches Leben in Alexandria vor 38 n. Chr: Überblick über die rechtliche und soziale Stellung der Juden in Alexandria unter ptolemäischer und römischer Regentschaft.
3 1.Pogrom 38 n. Chr. in Alexandria: Chronologische Rekonstruktion der Ereignisse des Pogroms sowie detaillierte Untersuchung der beteiligten Akteure und deren Motive.
4 Die Jahre nach dem Pogrom: Die Gesandtschaft zu Kaiser Claudius: Analyse der politischen Bemühungen der jüdischen und griechischen Parteien nach dem Tod Caligulas und die daraus resultierenden Anordnungen Kaiser Claudius’.
5 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass der Pogrom ein unglückliches Zusammenspiel verschiedener Faktoren war und keine einzelne Gruppe als alleiniger Initiator bestimmt werden kann.
6 Quellen-und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Alexandria, Pogrom, Judentum, Antike, Flaccus Avillius, Philo von Alexandria, Gaius Caligula, römische Herrschaft, Bürgerrecht, Antisemitismus, Ägypter, Griechen, Kaiser Claudius, Judenverfolgung, soziale Konflikte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Verfolgung der Juden in Alexandria im Jahr 38 n. Chr. und analysiert die Ursachen sowie die Akteure dieses historischen Ereignisses.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind das jüdische Leben in der hellenistischen und römischen Zeit, die sozialen Spannungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen in Alexandria und das politische Verhalten von Präfekten und Kaisern gegenüber religiösen Minderheiten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wer für das Pogrom verantwortlich gemacht werden kann, ob ein gezielter Initiator existierte und welche Folgen die Unruhen für die jüdische Gemeinschaft hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die primär die Werke des Zeitgenossen Philo von Alexandria („In Flaccum“ und „legatio ad gaium“) unter Einbeziehung moderner Forschungsliteratur kritisch auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der jüdischen Lebensbedingungen vor den Ausschreitungen, die detaillierte Beschreibung des Pogroms und die Prüfung der Motive der beteiligten Gruppen wie Flaccus, der griechischen Bevölkerung und Kaiser Caligula.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Alexandrinischer Pogrom, Judentum, Flaccus Avillius, Philo, Kaiser Claudius und Bürgerrecht.
Warum wird Flaccus Avillius in der Analyse als ambivalent dargestellt?
Obwohl er laut Philo die Verfolgung begann, deutet die Forschung darauf hin, dass seine Handlungen weniger aus tiefem Judenhass resultierten, sondern aus einer unsicheren Machtposition unter Kaiser Caligula.
Welche Rolle spielt die griechische Bevölkerung bei den Unruhen?
Die griechische Fraktion unter Führung von Dionysios, Isidoros und Lampon nutzte das Bündnis mit Flaccus, um ihre Unzufriedenheit über die jüdischen Privilegien und die römische Vorherrschaft an den Juden auszulassen.
Warum ist die Quellenlage laut der Autorin kritisch zu betrachten?
Da Philo von Alexandria selbst Jude war, fehlt seinen Schriften teilweise die notwendige Objektivität und Distanz, was bei der Rekonstruktion des Pogroms berücksichtigt werden muss.
- Quote paper
- Anna-Maria Kögler (Author), 2015, Judenverfolgung im Alexandria. Das alexandrinische Pogrom 38 n. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457585