Risiken in der Lageberichterstattung. Darstellungsnotwendigkeiten und Aussagegrenzen


Hausarbeit, 2018
23 Seiten, Note: 1,3
Julian Müller (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Die Stellung des Lageberichts in der Rechnungslegung

III. Darstellungsnotwendigkeiten und Aussagegrenzen
1. Prognosebericht
2. Risikobericht
3. Chancenbericht
4. Wirtschaftsbericht
5. Forschungs- und Entwicklungsbericht
6. Corporate Social Responsibility-Bericht
7. Nachtragsbericht

IV. Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alle übrigen Abkürzungen sind entnommen aus Kirchner, H., Abkürzungsverzeichnis der Rechtssprache, 9. Aufl., Berlin 2015.

Gender Erklärung

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Hausarbeit die Sprachform des generischen Maskulinums angewendet. Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die ausschließliche Verwendung der männlichen Form geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.

I. Einführung

Der Lagebericht, welcher ein funktional und rechtlich eigenständiges Rechnungslegungsinstrument verkörpert, untersteht der jährlichen Pflichtpublizität von bestimmten Unternehmen und steht dabei grundsätzlich neben dem Jahresabschluss.1 Eine Besonderheit der Lageberichterstattung ist, dass der zu veröffentlichende Jahresabschluss um weitere Informationen allgemeiner Art ergänzt wird. Hierdurch entsteht im Ergebnis ein verbessertes Gesamtbild über die Lage der Gesellschaft.

Der Lagebericht hat eine umfassende und ausgewogene Analyse des Geschäftsverlaufs und der Lage des Unternehmens zu enthalten, welche dem Umfang und der Komplexität der Geschäftstätigkeit entspricht.2 Er bildet somit eine „zweite Säule“ innerhalb der Rechnungslegung. Neben einer quantitativen Abbildung der Unternehmung werden publizierte Informationen also um qualitative und prognostische Informationen erweitert.3

Traditionell genießt die Lageberichterstattung in der Bundesrepublik Deutschland einen – insbesondere im europäischen Vergleich – sehr hohen Stellwert.4 Gesetzlich normiert ist der Lagebericht in den §§ 289 HGB5 (Inhalt des Lageberichts) sowie 315 HGB (Inhalt des Konzernlageberichts). Diese Regelungen sind seit der BilMoG-Reform6 von 2009 unverändert.7

Neben den einschlägigen gesetzlichen Normen sind auch die Vorgaben des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) zu beachten. Das DRSC ist der nationale Standardsetzer im Bereich der Rechnungslegung in der Bundesrepublik Deutschland und ist in dieser Funktion auch gesetzlich legitimiert, denn es wurde vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) als privates Rechnungslegungsgremium im Sinne von § 342 HGB anerkannt.8 So wurde im Dezember 2012 der für die weitere Bearbeitung der Thematik relevante DRS20Konzernlagebericht verabschiedet und durch das BMJV bekannt gegeben.

Der DRS 20 reguliert die Lageberichterstattung für sämtliche Mutterunternehmen, welche einen Konzernlagebericht im Sinne des § 315 HGB aufzustellen haben oder freiwillig aufstellen. Ferner empfiehlt er eine entsprechende Anwendung auf den allgemeinen Lagebericht im Sinne des § 289 HGB.9

Hiernach ist das Ziel des DRS 20, Rechenschaft von Unternehmen zu legen, so dass geprüft werden kann, ob anvertraute Ressourcen angemessen verwendet wurden. Ferner soll ein zutreffendes Gesamtbild über den Geschäftsverlauf, der Geschäftslage und von der voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns erstellt werden. So können die Chancen und Risiken des Unternehmens besser durch die Stakeholder analysiert und ausgewertet werden.10

Nach dieser anfänglichen Erfassung des Sinn und Zweckes der Lageberichterstattung soll im Folgenden erörtert werden, welche Stellung der Lagebericht in der Rechnungslegung hat. Anschließend sollen die bestehenden Darstellungsnotwendigkeiten und deren Aussagegrenzen ausgewertet werden. Um dieses Forschungsziel zu erreichen, erfolgt eine umfassende Analyse und kritische Auswertung der bestehenden Fachliteratur.

Hierbei soll ausschließlich die Lageberichterstattung nach dem HGB analysiert und ausgewertet werden. Internationale Rechnungslegungsvorgaben – etwa der der Lageberichterstattung vergleichbare Teil eines Jahresabschlusses gemäß US-GAAP, die so genannte „management’s discussion and analysis“ – kann aus Platzgründen nicht näher behandelt werden und bleibt daher in dieser Hausarbeit unberührt.11

II. Die Stellung des Lageberichts in der Rechnungslegung

Unternehmen sind verpflichtet, eine Vielzahl von unternehmensbezogenen Informationen zu veröffentlichen, um so den Informationsbedürfnissen ihrer Stakeholder gerecht werden zu können. Hierbei kann allerdings nicht jede Information quantitativ abgebildet werden; vielmehr sind zukunftsorientierte und nichtfinanzielle Auskünfte verbalisiert zu veröffentlichen, um so ein möglichst vollständiges Lagebild darstellen zu können. Der Lagebericht ist dabei das wesentliche Instrument, um diesem Bedürfnis gerecht zu werden. Insbesondere bei kapitalmarktorientierten Unternehmen hat dieser in den vergangenen Jahren stark an Relevanz gewonnen.12

Der Lagebericht ist dabei kein Bestandteil des Jahresabschlusses (§§ 264 Abs. 1 und 290 Abs. 1 HGB). Vielmehr stellt er ein eigenständiges Informationsinstrument dar. Als Besonderheit des Lageberichtes kann erkannt werden, dass die Erläuterungen des Lageberichtes grundsätzlich nicht durch die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführungen eingeschränkt werden. So greift etwa das im Jahresabschluss wichtige Stichtagsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB) bei der Lageberichterstattung nicht.13

Durch den Lagebericht soll ein umfassendes Gesamtbild der Unternehmung abgebildet werden, dass die tatsächlichen Verhältnisse des Geschäftsverlaufes und der Lage der Gesellschaft (§§ 289 Abs. 1 S.1 und 315 Abs. 1 S. 1 HGB) sowie deren Chancen und Risiken vermittelt (§§ 289 Abs. 1 S. 4 und 315 Abs. 1 S. 5 HGB). Im Ergebnis soll also ein gesamtwirtschaftliches Bild vermittelt werden, das neben betriebswirtschaftlichen Aspekten auch volkswirtschaftliche, rechtliche, sozialpolitische und technische Gesichtspunkte berücksichtigt. Hierbei geben die gesetzlichen Vertreter auch ein persönliches Fazit ab.14 Der Lagebericht hat daher ein erhebliches subjektives Element immanent, was in der Praxis nicht immer unproblematisch ist, da hierdurch eine effiziente Bilanzanalyse durch externe Analysten mitunter erschwert werden kann.

Nach der h.M. geben §§ 289 und 315 HGB nur den Mindestumfang des Lageberichts an;15 sein Inhalt ist daher grundsätzlich nicht begrenzt.16 Aus § 289 Abs. 1 HGB lassen sich mehrere Grundsätze für die Lageberichterstattung ableiten. Vornehmlich sind hier die Grundsätze der Wesentlichkeit, Vollständigkeit, Verlässlichkeit, Ausgewogenheit, Klarheit, Übersichtlichkeit, Informationsabstufung sowie der Grundsatz der Vermittlung der Sicht der Unternehmensleitung zu benennen.17

Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass der Lagebericht ein nicht unerhebliches Instrument darstellt, um die Lage der Gesellschaft so darzustellen, damit ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird. Dem Ziel des §289 Abs. 1 S. 1 HGB wird daher in hinreichendem Maße Rechnung getragen. Allerdings muss die Lageberichterstattung aufgrund unterschiedlicher Aspekte auch teilweise kritisch betrachtet werden. Im Folgenden sollen daher die Darstellungsnotwendigkeiten und die Aussagegrenzen der Lageberichterstattung erörtert werden.

III. Darstellungsnotwendigkeiten und Aussagegrenzen

Es gilt, die Darstellungsnotwendigkeiten und deren Aussagegrenzen in der Lageberichterstattung zu kontemplieren. Hierzu muss zwischen den einzelnen Teilberichtsarten unterschieden werden, um so ein differenziertes und gesamtheitliches Bild zeichnen zu können. Die verschiedenen Berichtsarten werden nun differenziert und berichtsadäquat kritisch beleuchtet.

1. Prognosebericht

Aufgrund der vergangenheitsorientierten Darstellung im Jahresabschluss und bestehender Informationsasymmetrien zwischen den externen Adressaten der Rechnungslegung und dem Management kommt dem Prognosebericht (§289Abs.1 HGB) eine wesentliche Bedeutung als integraler Bestandteil des Lageberichts zu.18 So hat die Geschäftsführung im Prognosebericht ihre Einschätzungen und Erwartungen über die „voraussichtliche[n] Entwicklungen und Ereignisse“19 zu prognostizieren. Insgesamt ist im Prognosebericht auf bestehende Chancen und Risiken20 des Unternehmens Bezug zu nehmen, zumindest dann, wenn diese Zusammenhänge nicht ohnehin für einen verständigen Adressaten offensichtlich sind.21

Der Prognosezeitraum ist dabei in der Regel mit mindestens einem Jahr – ausgehend vom letzten Konzernabschlussstichtag – anzusetzen.22 Zu erwartende Sondereinflüsse auf die ökonomische Lage des Unternehmens sind zusätzlich anzugeben und zu beurteilen, auch wenn diese nach Ablauf dieser Zeitspanne liegen.23 Der verpflichtende Prognosezeitraum muss allerdings kritisch gesehen werden. So beträgt etwa die maximale Offenlegungsfrist nicht kapitalmarktorientierter Unternehmen gleichwohl ein Jahr (vgl. § 325 HGB). Hieraus kann gefolgert werden, dass im Falle einer weitgehenden Ausschöpfung der Fristen die Möglichkeit besteht, dass die veröffentlichten prognostischen Informationen zum Zeitpunkt der Offenlegung keine relevanten Informationen beinhalten.24 Diese Problematik wurde zwar vom DSRC erkannt und in DRS 20.127 durch die Vorschreibung der Darstellung absehbarer Sondereinflüsse nach dem Prognosezeitraum zu begegnen versucht, allerdings schafft es diese Regelung nicht, den Verzicht auf einen grundsätzlich länger gelagerten Prognosezeitraum zu kompensieren.

Daher kann für den Prognosebericht konstatiert werden, dass aufgrund des relativ zu kurzen Prognosezeitraumes und der reinen Berücksichtigung von Sondereinflüssen über diesen Prognosezeitraum hinaus eine regelmäßig nur geringe Prognosedichte zukommt. Ferner kann die reine Beachtung von Sondereinflüssen über den Prognosezeitraum hinaus insgesamt zu einer reduzierten Prognosequalität führen.25

2. Risikobericht

In der Vergangenheit war stets eine Trennung von Chancen und Risiken in der Berichterstattung vorgesehen. Dies wurde zwischenzeitlich durch das DRSC aufgehoben und kann daher nun auch zusammenfassend erfolgen. Dies hat den Vorteil einer Reduktion von doppelten Angaben.26 Unverändert ist indessen die gleichwerte Stellung von Chancen und Risiken nebeneinander. Diese hat stets ohne Saldierung zu erfolgen, sodass ein etwaig verzerrtes Bild von der tatsächlichen Gesellschaftslage vermieden wird.27 In dieser Hausarbeit soll aus Gründen der besseren Übersicht dennoch eine getrennte Betrachtung erfolgen.

[...]


1 Böcking, Lagebericht, Internetquelle.

2 Ebd.

3 Fink/Kajüter/Winkeljohann, Lageberichterstattung, S. 3.

4 Rabe, DRS 20 – Umsetzungsanalyse DAX 30 mit Best Practice-Beispielen, S. 3.

5 Handelsgesetzbuch (HGB) v. 10.05.1897 (RGBl. I S. 219), zuletzt geändert durch Gesetz v. 18.07.2017 (BGBl.IS. 2745) m.W.v. 29.07.2017.

6 Das BilMoG diente der Deregulierung und Kostensenkung, der Verbesserung der Aussagekraft des Jahresabschlusses sowie der Umsetzung europarechtlicher Vorgaben. Es stellte die größte Bilanzrechtsreform seit 25 Jahren dar. (vgl. Petersen/Zwirner, BilMoG. Das neue Bilanzrecht. Das ändert sich – handeln Sie jetzt!).

7 Rabe, DRS 20 – Umsetzungsanalyse DAX 30 mit Best Practice-Beispielen, S. 3.

8 Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e.V., Profil, Internetquelle.

9 Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e.V., DSR 20, S. 6.

10 Ebd.

11 Vgl. zur Lageberichterstattung nach US-GAAP: Fülbier/Pellens, in: MüKoHGB § 315, Rn. 75-94.

12 Fink/Kajüter/Winkeljohann, Lageberichterstattung, S. 3.

13 Ebd.

14 Elrott, in: Beck Bil-Komm HGB § 289, Rn. 4.

15 Lange, ZIP 2004, 983; Kajüter, DB 2004, 197.

16 Elrott, in: Beck Bil-Komm HGB § 289, Rn. 5.

17 v. Kanitz/Hoffmann, in: BeckOK HGB § 289, Rn. 8-10; Kleindiek, in: MüKoBilanzR HGB § 289, Rn. 30-42.

18 v. Kanitz/Hoffmann, in: BeckOK HGB § 289 Rn. 28; Böcking/Stein, Der Konzern 2007, S. 51 f.

19 Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e.V., DSR 20.11.

20 Vgl. III. 2. Risikobericht und III. 3 Chancenbericht.

21 Grottel, in: Beck Bil-Komm HGB § 315, Rn. 115.

22 Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e.V., DSR 20.127.

23 Schubert/Senger, IFRS-Handbuch § 38, Rn. 56.

24 Schubert/Senger, IFRS-Handbuch § 38, Rn. 56.

25 Ebd.

26 Vgl. Withus, DB 2010, 71; Thomas, in: Heidel/Schall, Handelsgesetzbuch § 289, Rn. 29.

27 Thomas, in: Heidel/Schall, Handelsgesetzbuch § 289, Rn. 29.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Risiken in der Lageberichterstattung. Darstellungsnotwendigkeiten und Aussagegrenzen
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Bilanzanalyse und Bilanzpolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V457800
ISBN (eBook)
9783668873452
ISBN (Buch)
9783668873469
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechnungswesen, BWL, Rechnungslegung, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsrecht, Bilanz, Lagebericht, HGB, Prognosebericht, Risikobericht, Chancenbericht, Wirtschaftsbericht, Nachtragsbericht, Jura, Bilanzrecht
Arbeit zitieren
Julian Müller (Autor), 2018, Risiken in der Lageberichterstattung. Darstellungsnotwendigkeiten und Aussagegrenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457800

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