Risiken des Leerverkaufs von Aktien


Studienarbeit, 2018

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 . Allgemeines.
1.1 Was sind Leerverkäufe?
1.2 Gedeckte Leerverkäufe
1.3 Ungedeckte Leerverkäufe
1.4 Abwicklung von Leerverkaufstransaktionen .

2 . Regulierung von Leerverkäufen .
2.1 Regulierung in den USA
2.2 Regulierung in Deutschland .

3 . Risiken des Leerverkaufs.
3.1 Short squeeze .
3.2 Undendliche Verluste .
3.3 Bullenmarkt
3.4 Timing
3.5 Buy-in.
3.6 Sonstige Risiken.
3.6.1 Regulatorische Risiken..
3.6.2 Margin Call
3.6.6 Bid-Ask Spread .

4 . Sind Leerverkäufe moralisch verwerflich?.

5 . Fazit.

Anhang

Literaur- und Quellenverzeichnis .

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUN G 1: ABLAUFSCHEMA EINES LEERVERKAUFS

ABBILDUN G 2: KURS UND GEHANDELTES VOLUMEN DER VW-AKTIE

OKTOBE R UND NOVEMBER 2008

ABBILDUN G 3: ENTWICKLUNG DES DAX SEIT 1992

ABBILDUN G 4: BID-ASK-SPREAD AUD/USD

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Allgemeines

1.1 Was sind Leerverkäufe?

Ein Leerverkauf (eng. Short Sale) ist eine Investmentstrategie, bei der vermeintlich überbewertete Wertpapiere in Erwartung fallender Kurse am Markt veräußert werden, jedoch ohne, dass sich diese bestandsmäßig im Besitz des Verkäufers befinden.1 Dabei wird zwischen zwei grundlegenden Varianten unterschieden: dem gedeckten und dem ungedeckten Leerverkauf.

Der Short Seller erhofft sich durch einen Leerverkauf, von einem zwischen- zeitlichen Kursverfall profitieren zu können, indem er die entliehenen Wertpapiere in der Zukunft zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen kann. Die Differenz zwischen dem erzielten Verkaufserlös und den bei Rückkauf anfallenden Kosten verbleibt dem Leerverkäufer als Gewinn.2

Neben dem reinen Spekulationsmotiv werden Leerverkäufe auch regelmäßig zur Absicherung von Risiken eingesetzt. Dadurch sollen die möglichen Verluste, die bei einer unvorteilhaften Preisentwicklung entstehen, auf ein Minimum reduziert werden. In der Praxis sind es vor allem Hedgefonds, die ihre Portfolien mit entsprechenden Hedging-Strategien vor Risiken schützen. Dabei verfolgen die Hedgefonds-Manager einen Absolute Return -Ansatz, der ihnen in jeder Marktlage einen positiven Ertrag einbringen soll.

1.2 Gedeckte Leerverkäufe

Gedeckte Leerverkäufe sind dadurch gekennzeichnet, dass der Investor Wert- papiere verkauft, die er sich mittels eines anderen Marktteilnehemers geliehen hat. Die Transaktion ist somit durch reale Wertpapiere gedeckt.

Im Rahmen einer Wertpapierleihe werden dem Leerverkäufer die gewünschten Wertpapiere von einem gegenwärtigen Besitzer z. B. einer Depotbank oder Broker leihweise zur Verfügung gestellt; mit der Verpflichtung diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückzugeben. Für die Vermittlung zwischen dem Wertpapierinhaber und Leerverkäufer agieren Depotbanken und Broker als Intermediäre. Durch eine vertragliche Vereinbarung hat der Entleiher Sicherheiten bereitzustellen und dem Inhaber jegliche entgangene Dividende und Zinsen, die während der Laufzeit der Wertpapierleihe anfallen, zeitnah zu ersetzen.3 Die soeben beschriebenen Zusammenhänge werden schematisch in der Abbildung 1 gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ablaufschema eines Leerverkaufs 4

Anhand folgendem fiktivem Beispiel soll die Funktionsweise gedeckter Leerverkäufe genauer verstanden werden:

Investor I kommt nach wochenlanger intensiver Recherche zum Schluss, dass der Aktienkurs der X AG aus zahlreichen Gründen nicht gerechtfertigt ist. Er spekuliert auf einen baldigen Kursverfall und möchte daher zehn Aktien leerverkaufen. Der aktuelle Kurs liegt bei 100 Euro pro Aktie. Zu diesem Zweck schließt er mit seinem Broker einen Vertrag über die Wertpapierleihe von 10 Aktien für die festgeschriebene Dauer von drei Monaten ab. Die Leihgebühr beträgt 3% pro Jahr. Nach dem Vertragsabschluss verkauft Investor I umgehen die Aktien am Kassamarkt.

Nach einigen Wochen verkündet der Vorstand einen Gewinneinbruch und die Aktie verliert 20% ihres Wertes. Der Leerverkäufer kann die Aktien nun für 80 Euro zurückkaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Ankaufspreis abzüglich der Leihgebühren ist sein Gewinn:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In diesem Fall hat der Investor I einen Gewinn von 192,5 Euro erwirtschaftet.

1.3 Ungedeckte Leerverkäufe

Ungedeckte Leerverkäufe (engl. „ naked short selling “) sind dadurch gekenn- zeichnet, dass der Leerverkäufer vor der Abwicklung seiner Transaktion nicht auf das Instrument der Wertpapierleihe zurückgreift und selbige mitunter gar nicht beabsichtigt. Bei dieser Form des Leerverkaufs liegt demnach zum Zeitpunkt der Veräußerung kein entsprechendes Eigentum, so dass der Leerverkäufer den von der Börse eingeräumten Erfüllungszeitraum in Anspruch nehmen muss.5 Da die Transaktion folglich nicht durch reale Wertpapiere gesichert ist, besteht ein hohes Ausfallrisiko, d.h. es kann zu einer Nichtlieferung innerhalb der marktüblichen Erfüllungsfrist kommen. Die marktübliche Erfüllungsfrist beträgt in der Regel zwei Börsentage. Für eine solche Lieferverzögerung können Uhrsachen sein wie z. B. dass es keine Verkäufer mehr gibt oder die Aktie womöglich aus dem Handel genommen wurde.

1.4 Abwicklung von Leerverkaufstransaktionen

Der Leerverkauf von ausgewählten Wertpapieren bedeutet im Umkehrschluss das gleichzeitige Entstehen einer Lieferverpflichtung gegenüber dem Käufer. Der Leerverkäufer kann dabei direkt mit dem verleihwilligen Inhaber in Kontakt treten oder auf die Vermittlerfunktion von Brokern und Banken zurückgreifen. Direktgeschäfte werden auch als Over the Counter (OTC)-Geschäfte bezeichnet und werden individuell ausgehandelt. Intermediäre nutzten standardisierte Wert- papierleihsysteme die von erstklassigen Finanzinstituten organisiert werden.

Der Vorgang eines Leerverkaufs erfolgt dabei für den Anleger meist automatisch und anonym. Der Kunde erteilt seinem Broker einen gewünschten Leerverkaufs- auftrag und dieser muss für ihn die Wertpapierleihe in die Wege leiten. Dafür bekommt der Broker eine Provision vom Kunden.

Die Abwicklung einer Leerverkaufstransaktion erfordert die Einrichtung und eines gesonderten Verrechnungskontos (M argin Account). Auf diesem Konto hat der Leerverkäufer vor Eröffnung einer neuen Short Position eine erste Sicherheits- leistung (Initial Margin) zu hinterlegen. Die Initial Margin kann zwischen 30 und 100 Prozent betragen und ist abhängig von Broker und der Risikoklasse der anvisierten Wertpapiere.

Neben der Initial Margin ist der Leerverkäufer zu weiteren Sicherheitsleistungen verpflichtet, sollten sich aufgrund steigender Kurse Buchverluste einstellen, die zu einer Unterschreitung der Mindesthöhe führen.6 In diesem Fall kann der Broker von dem Leerverkäufer nachträgliche Einschusszahlungen fordern

(M a r g i n Call).7

2. Regulierung von Leerverkäufen

Im Zuge der Finanzkrise 2008 standen ungedeckte Leerverkäufe unter heftiger Kritik. Nach den massiven Kursverlusten und dem Kollaps der US- amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers haben viele Aufsichts- behörden von ihrer Notfallmacht Gebrauch gemacht, indem sie einschlägige Leerverkaufsverbote ausgesprochen haben. Diese zielten in erster Linie auf die ungedeckten Leerverkäufe ab. Interessanterweise haben sich die west- europäischen Länder wie auch die USA auf den Finanzsektor und mitunter sogar auf einzelne klar definierte Finanzdienstleister (Banken, Versicherungen) beschränkt8, um weiteren Kursverlusten aufgrund von Gerüchten oder Panikverkäufen entgegenzuwirken.

2.1 Regulierung in den USA

In den USA dürfen beispielsweise jene Wertpapiere nicht leerverkauft werden, deren Name auf einer täglich aktualisierten Liste der SEC veröffentlicht werden. Grundsätzlich sind das Aktien an den US-Börsen die unter einem Wert von fünf Dollar gehandelt werden (sogenannte Pennystocks). 9

Die SEC hat im Herbst 2008 die bereits bestehenden Regularien für ungedeckte Leerverkäufe durch eine dauerhafte Ergänzung zusätzlich verschärft. Nach der Rule 204 müssen nun alle Leerverkäufe spätestens einen Tag nach dem Erfüllungstermin zwingend durch eine Wertpapierleihe oder einen Eindeckungskauf geschlossen werden.10

2.2 Regulierung in Deutschland

In Deutschland ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für den Wertpapierhandel zuständig. Diese kann gemäß §4 Abs. 1 WpHG Leerverkäufe in inländischen Finanzinstrumenten untersagen, wenn eine erhebliche Störung für den Finanzmarkt droht. Anfang August 2008 erließ die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erstmals ein Verbot für ungedeckte Leerverkäufe in Form einer Allgemeinverfügung. So sind in Deutschland ungedeckte Leerverkäufe von elf großen Finanzinstituten bis zum 31. Januar 2010 untersagt worden. Die BaFin begründete diesen Schritt damit, dass ein „Einwirken auf die Marktpreise von Aktien bestimmter (...) Unternehmen der Finanzbranche“ durch ungedeckte Leerverkäufe zu „exzessiven Preisbewegungen“ führen würde, die die Stabilisierung des Finanzsystems gefährden könnten. Das Verbot ungedeckter Leerverkäufe solle das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes erhalten und stärken.11

[...]


1 Vgl. Kaiser, D.: Hedgefonds: Entmystifizierung einer Anlageklasse, 2004, S.28.

2 Transaktionskosten und Steuern bleiben aus Vereinfachungsgründen unberücksichtigt.

3 Hergt, A.: Short Selling. Grundlagen, Strategien und Implikationen für den Kapitalmarkt, 2009, S. 4.

4 Eigene Darstellung in Anlehnung an Kaiser, D.: Hedgefonds: Entmystifizierung einer Anlageklasse, 2004, S. 28.

5 Hergt, A.: Short Selling. Grundlagen, Strategien und Implikationen für den Kapitalmarkt, 2009, S. 13 f.

6 Hergt, A.: Short Selling. Grundlagen, Strategien und Implikationen für den Kapitalmarkt, 2009, S. 13 f.

7 Mehr dazu im Kapitel 3.6 Sonstige Risiken unter 3.6.1 Margin Call.

8 Vgl. Gruenewald, S.: Short Selling Regulation after the Financial Crisis – First Principles Revisited, SSRN Working Paper, 2009.

9 Hergt, A.: Short Selling. Grundlagen, Strategien und Implikationen für den Kapitalmarkt, 2009, S. 58.

10 SEC Startseite, https://www.sec.gov/divisions/marketreg/tmcompliance/34-60388-secg.htm vom 15.3.2018.

11 Deutscher Anwaltspiegel: Das „Verbot“ von Leerverkäufen, http://www.deutscheranwaltspiegel.de/dasverbot- von-leerverkaeufen/ vom 13.3.2018.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Risiken des Leerverkaufs von Aktien
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V457824
ISBN (eBook)
9783668874626
ISBN (Buch)
9783668874633
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leerverkauf, Risiken, Leerverkäufe, Aktien, Investitionen, Finanzen, Geld
Arbeit zitieren
Dorian Gabric (Autor), 2018, Risiken des Leerverkaufs von Aktien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457824

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