Funktionsweise und Anwendbarkeit des Effectuation-Ansatzes. Handelt es sich um eine Theorie?


Seminararbeit, 2017
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Einordnung von Effectuation

3. 3E-Theorie-Bewertungskonzept
3.1 Experience
3.2 Explain
3.3 Establish

4. Diskussion und Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Effectuation is a proposed new theory of entrepreneurship, with insufficient empirical testing and critical analysis.“ - mit dieser Aussage verdeutlichen Arend, Sarooghi und Burkemper (2015, S. 630) die bisher unzureichende Betrachtung des Effectuation-Ansatzes als eine Theorie des Entrepreneurships und äußern gleichzeitig die Notwendigkeit einer konkreten Überprüfung und Belegbarkeit desselbigen. Wesentlicher Gegenstand dieser Ausarbeitung ist die Analyse der Funktionsweise und Anwendbarkeit des Effectuation-Ansatzes und der kritischen Untersuchung, ob es sich hierbei um eine veritable Theorie handelt.

Damit jedoch sinnvoll und angemessen mit diesem Ansatz gearbeitet werden kann, bedarf es zunächst seiner Definition: In Kapitel 2 wird betrachtet, was genau unter Effectuation zu verstehen ist, welche Annahmen zugrunde liegen und welche Bedeutung dieser Ansatz im entrepreneurialen Kontext hat.

In Kapitel 3 folgt sodann eine differenzierte Betrachtung anhand des 3E-Theorie- Bewertungskonzepts von Arend, Sarooghi und Burkemper (2015), welcher universal anwendbare Merkmale zur Verfügung stellt, die es erlauben, zu evaluieren, ob Effectuation als gültige ökonomische Theorie Bestand hat und somit den notwendigen Kriterien genügt, um das Phänomen eines entrepreneurialen Vorgangs wissenschaftlich und praxisrelevant erklären zu können. Dazu werden die Schritte Experience, Explain und Establish untersucht, welche die chronologischen Bestandteile der Theoriefindung (Input, Throughput, Output) darstellen. Diese werden generell sowie in Bezug auf Effectuation erläutert.

Abschließend erfolgt in Kapitel 4 eine kritische Betrachtung der zuvor vorgestellten theoretischen Erkenntnisse, in der auch Pro- und Contra-Haltungen diverser Autoren gegenübergestellt werden. Final wird dokumentiert werden, ob Effectuation als eine Entrepreneurship-Theorie dienlich ist. Zudem werden die Limitationen dieser Ausarbeitung sowie potentielle Anknüpfungspunkte für die weitere Forschung dargestellt.

2. Definition und Einordnung von Effectuation

Um sämtliche Bestandteile des Effectuation-Ansatzes überblickend darzustellen, wird nachfolgend auf eine modifizierte Graphik von Arend, Sarooghi und Burkemper (2015) zurückgegriffen. Diese illustriert die Zusammenhänge der Elemente und stellt den Ablauf dieses Vorgehens fließend (mit Rückkopplungen) dar; durch vorgenommene Vereinfachungen ist es möglich, dies deutlicher und übersichtlicher abzubilden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Spricht man von Effectuation, so bezieht man sich auf einen neueren Begriff aus dem Bereich des Entrepreneurships, welcher Erklärungen geben soll, die bestehende Theorien nicht erbringen können. Dabei findet dieser Ansatz meist durch erfahrene Gründer Anwendung, wenn Ressourcenlimitierung und Unsicherheit (linke Pfeile) bezüglich der Zukunft als Ausgangspunkte bei beispielsweise einer Unternehmensgründung vorliegen (Sarasvathy 2001; Arend/Sarooghi/Burkemper 2015); diese Einflüsse sind den kaum beeinflussbaren Umweltbedingungen zuzuordnen.

Zudem lassen sich fünf zu berücksichtigende Prinzipien herausarbeiten (Sarasvathy 2008; Grichnik/Gassmann 2013): Das erste zu nennende Prinzip folgt der Ausrichtung an den vorhandenen, persönlichen Mitteln (Bird-in-Hand). Dies wird in der Abbildung in der linken Box als erstes Element dargestellt und besteht aus dem sogenannten Set of Means, welches sich aus den zu betrachtenden Fragen Who am I?, What do I know? und Whom do I know? zusammensetzt. Weitere Bestandteile dieses Elements sind die Vorstellungskraft und das Bestreben des Entrepreneurs sowie seine Fähigkeit, das Unvorhergesehene für seine Zwecke zu nutzen. Letzteres wird durch das zweite Prinzip Lemonade beschrieben, welches den Vorteil von Zufällen - die hier nicht vermieden werden müssen - für das eigene Vorhaben betont. Die Bedeutung der unvorhergesehenen Einflüsse ist sogar derart wichtig, dass sie ein eigener Bestandteil der ersten Box (Element drei) ist.

Dieser hier beschriebene Ansatz wird auch mittelorientiert genannt, da der Fokus auf Ressourcen und Kontrolle liegt und die Zukunft nicht als gegeben, sondern als gestaltbar betrachtet wird - diese Denkweise lehnt Entscheidungen aufgrund von Vorhersagen ab und beschränkt sich auf das Überblicken des Möglichen (Pilot-in-the-Plane).

Das mittlere Element dieser Box stellt das Prinzip des Patchwork Quilt dar, das auf die Relevanz von Partnerschaften und Stakeholdern abstellt, welche entsprechende Unterstützung im Gründungsprozess offerieren und so Ressourcen zur Verfügung stellen können, über die Gründer selbst nicht verfügen.

Das letzte Prinzip, welches den gesamten Gründungsprozess überlagert, folgt der Orientierung am leistbaren Verlust (Affordable Loss) und offenbart somit eine bodenständige Risikodenkweise, die jedoch Rückschläge einschließt, welche jedoch verträglich sein müssen und nicht das gesamte Gründungsgeschehen gefährden dürfen.

Die zuvor dargestellten Einflüsse (Pfeile links und erste Box) ergeben die Konsequenzen in der zweiten Box: Entscheidungen, welche sich aus dem Gegebenen anbieten, sind gefolgt von Handlungen, die diese umsetzen. Die Effekte daraus haben einen rückkoppelnden Einfluss (Feedback-Pfeil) auf die Bestandteile der ersten Box und somit auf die weitere Vorgehensweise. Jedoch ist auch die Beziehung der Elemente der zweiten Box nicht linear (Pfeile innerhalb): Die drei Bestandteile nehmen auch Einfluss aufeinander: So wirken sich Effekte wiederum auf die nächsten Entscheidungen aus und bedürfen einer Evaluation. Entscheidungen zielen somit einerseits auf Handlungen, andererseits auf Auswertung der eingetretenen Effekte ab.

Sofern das Ergebnis dieses Prozesses den Erwartungen und Kriterien des Entrepreneurs genügt, ist dieser abgeschlossen. Das Resultat ist ein Artefakt, welches sich als Entstehung eines neuen Unternehmens oder aber auch durch Einführung eines neuen Produkts darstellen kann (Arend/Sarooghi/Burkemper 2015).

Effectuation beschreibt also die ganzheitliche Handlungs- und Denkweise eines meist erfahrenen Entrepreneurs und nimmt somit eine zentrale, grundlegende Rolle bei dem Prozess der Unternehmensgründung sowie bei unternehmerischen Entscheidungen ein.

3. 3E-Theorie-Bewertungskonzept

3.1 Experience

Der erste Schritt zur Bewertung eines theoretischen Ansatzes - und somit der Input - unterteilt sich nach Arend, Sarooghi und Burkemper (2015) in zwei Sichtweisen.

Wissenschaftliche Sichtweise. Diese Perspektive fokussiert sich auf die bereits vorhandene Literatur und überprüft, inwiefern die vermeintliche Theorie dort Unterstützung, beispielsweise durch Modelle, findet oder Bezug zu bewährten Konzepten nimmt. Wendet man dies nun auf den Effectuation-Ansatz an, so ergibt sich, dass dieser bisher nicht ausreichend gewürdigt wurde. Vor allem fehlt es an der Herausstellung des Nutzens und der Neuartigkeit von Effectuation sowie dem Zusammenwirken mit bestehenden Annahmen. Es existieren zwar Ausarbeitungen zu diesem Thema, jedoch sind diese bisher wenig verbreitet respektive akzeptiert. Die vorhandenen Studien betrachten meist nur einige Dimensionen, sodass Bündelungen, ebenso wie widerlegende Studien und kritische Bewertungen, fehlen. Praxisorientierte Sichtweise. Bei dem Praxisbezug hingegen liegt der Schwerpunkt auf der tatsächlichen Beobachtbarkeit und somit der Realitätsnähe des durch den Ansatz beschriebenen Phänomens. Diesbezüglich sind meist nur Erprobungen an hypothetischen Start-ups erfolgt, die zudem andere Erklärungsansätze für das Verhalten von Entrepreneuren außenvorlassen und sogar fehlerhaft waren. Zudem ist auch die zugrundeliegende Beschreibung des Entrepreneurs nicht unbedingt realitätsnah.

3.2 Explain

Sofern nun eine Basis bezüglich bereits vorhandener oder beobachtbarer Erkenntnisse geschaffen ist, beginnt der Hauptbestandteil der Theoriefindung (Throughtput). Arend, Sarooghi und Burkemper (2015) schlagen hier die Verwendung von Dubins (1969) Fünf- Phasen-Bewertung, ergänzt um zwei weitere Kriterien, vor.

Units. Die einzelnen Bestandteile, aus denen sich eine Theorie zusammensetzt, werden anhand ihres Umfangs und ihrer Redundanzarmut beurteilt - so lassen sich passende Elemente und Inhalte extrahieren. Bezüglich Effectuation (siehe Abbildung 2.1) ergibt sich, dass dieser als ein schlanker Ansatz ohne überflüssige Elemente bezeichnet werden kann. Jedoch fehlen auch entscheidende Bestandteile (Umweltfaktoren) oder werden nicht gebührend berücksichtigt (Konkurrenzsituation). Dies ist als Schwäche des Konstrukts auszulegen, da gerade die Wettbewerbsdynamik stets, beispielsweise bei einer neuen Produkteinführung, zu berücksichtigen ist.

Laws. Das Zusammenwirken der Theoriebestandteile und deren Verbindungen untereinander ist ebenfalls zu betrachten. Dieses sollte möglichst effektiv und in eine Richtung weisend sein. Effectuation beschreibt dabei vor allem, wie die Einheiten interagieren, jedoch nicht, warum dies so ist. Zudem sind die Deutungsrichtungen zweiseitig auslegbar: So kann einerseits argumentiert werden, dass die Erhöhung eines Faktors sich positiv auswirkt, jedoch kann ebenso das Gegenteil nachgewiesen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Funktionsweise und Anwendbarkeit des Effectuation-Ansatzes. Handelt es sich um eine Theorie?
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V457832
ISBN (eBook)
9783668892057
ISBN (Buch)
9783668892064
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
funktionsweise, anwendbarkeit, effectuation-ansatzes, handelt, theorie
Arbeit zitieren
Daniel Bieder (Autor), 2017, Funktionsweise und Anwendbarkeit des Effectuation-Ansatzes. Handelt es sich um eine Theorie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457832

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