Großbritannien und der Koreakrieg


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Karte

1. Einleitung

2. Die Teilung Koreas

3. Die Beteiligung Großbritanniens am Koreakrieg

4. Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Allianz

5. Der Verlauf des Koreakrieges

6. Waffenstillstand oder Eskalation?

7. Schlußbemerkung

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. EINLEITUNG

Der Koreakrieg stellt den ersten bewaffneten Konflikt zwischen den sich nach dem Zweiten Weltkrieg herausbildenden Machtblöcken dar. Er bedeutet den Übergang von der subversiv-politischen Auseinandersetzung zur heißen Phase des Kalten Krieges. Zugleich hat er eine symbolische Bedeutung als die erste militärische Expansion seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Es ist der erste Krieg, in dem eine internationale Armee unter einem Mandat der Vereinten Nationen einem Staat zu Hilfe kommt. Dabei stellen die USA die meisten Soldaten, doch auch die Briten leisten einen enormen Beitrag im Kampf für ein Land, dessen Bedeutung mehr symbolisch ist.

In der vorliegenden Arbeit sollen die Gründe für die britische Beteiligung am Koreakrieg aufgezeigt werden. Schnell fällt in London die Entscheidung, einen militärischen Beitrag zu leisten und Großbritannien findet sich plötzlich wieder in einem Krieg im weit entfernten Korea, in dem es weder strategische oder wirtschaftliche Interessen, noch historische Bindungen hat. Warum beteiligt sich Großbritannien dennoch in diesem Ausmaß an dem Krieg? Diese Frage soll auch beleuchtet werden vor dem Hintergrund der Situation in Großbritannien, die durch den Koreakrieg große Veränderungen erfährt.

Eine wichtige Rolle dabei spielt die amerikanisch-englische Zusammenarbeit, die sich seit dem Zweiten Weltkrieg herausbildet und der in London große Bedeutung zukommt. Es soll gezeigt werden, warum die Allianz mit den USA als so wichtig angesehen wird und wie sich vor dem Hintergrund des Koreakrieges das Verhältnis der beiden Staaten zueinander darstellt. Wie sehen die Machtverhältnisse innerhalb der Allianz aus? Und was sind in Zeiten des zusehenden Zerfalls des Empire die Möglichkeiten der britischen Politik gegenüber der neuen Weltmacht USA? Bezüglich ihrer Außenpolitik werden die USA im britischen Außenministerium gerne als „naiver Riese“ gesehen, mit der britischen Erfahrung in Sachen Weltpolitik könne man auf diesen lenkend einwirken und so das Kräfteungleichgewicht innerhalb der Allianz ausgleichen.[1]

Wie weit gelingt es Großbritannien, diese Beeinflussung auszuüben?

2. DIE TEILUNG KOREAS

Nach dem Sieg Japans im russisch-japanischen Krieg 1904/05 wird Korea japanisches Protektorat und 1910 als Generalgouvernement annektiert. Nach der Befreiung des Landes von den Japanern durch die ab August 1945 vom Norden her vorrückenden Sowjettruppen und die vom Süden kommende amerikanische Armee wird der 38. Breitengrad als Grenzlinie zwischen beiden Besatzungsmächten vorgeschlagen. Mit der Besetzung beider Landesteile gehen die ehemals japanischen Souveränitätsrechte auf die sowjetischen und amerikanischen Militärbefehlshaber über. Der 38. Breitengrad erhält damit auch eine administrative und politische Bedeutung. Der auf der Moskauer Außenministerkonferenz im Dezember 1945 gefasste Beschluss, das koreanische Volk bis zur Konstituierung einer eigenen Regierung unter eine von vier Mächten (den USA, der UdSSR, China und Großbritannien) verwaltete Treuhandschaft zu stellen, scheitert bald an den sich verschärfenden Gegensätzen zwischen den USA und der UdSSR.[2]

Im Norden fördert Moskau die Kommunisten unter Kim Il Sung, dem Führer der Partisanen gegen die japanische Besetzung, im Süden unterstützen die USA die Rechte um Syngman Rhee, die im Ruf der Kollaboration mit den japanischen Besatzern steht. Angesichts bürgerkriegsähnlicher Zustände beschließt die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) im November 1947, Wahlen unter der Aufsicht einer UN-Kommission schon vor einem Abzug der ausländischen Streitkräfte abhalten zu lassen. Wegen Uneinigkeiten zwischen den USA und der Sowjetunion werden im Mai 1948 nur in Südkorea Wahlen durchgeführt, aus denen Rhee als Sieger hervorgeht.[3] Wegen der brutalen Verfolgung der Opposition muss aber bezweifelt werden, ob das Wahlergebnis den Volkswillen wiedergibt. Rhee proklamiert im Juli 1948 die Republik Korea. Sein Regime ist gekennzeichnet durch diktatorische Politik, Meutereien in der Armee und Guerillakämpfe. Im Herbst 1949 ziehen die USA ihre Besatzungstruppen ab, hinterlassen aber Militärberater in Südkorea.

In der Zwischenzeit finden im Norden ebenfalls Wahlen statt, Kim Il Sung wird Chef der Regierung. Am 9. September 1948 wird die Koreanische Demokratische Volksrepublik ausgerufen. Im Dezember 1948 verlassen die sowjetischen Besatzungstruppen Nordkorea.[4]

Die Führer des Nordens und des Südens erheben beide den Anspruch, die Interessen des ganzen Landes zu vertreten. Rhee warnt vor einem Angriff aus der Volksrepublik und droht gleichzeitig den eigenen Marsch nach Norden an. Dagegen behauptet Nordkorea, dass der Süden unter Einfluss der USA eine friedliche Vereinigung Koreas verhindere.

3. DIE BETEILIGUNG GROSSBRITANNIENS AM KOREAKRIEG

Der Koreakrieg bricht aus, als Nordkorea am 25. Juni 1950 eine überraschende Invasion in die Republik Korea startet. Kim Il Sung will das Land vereinen und ist ermutigt durch die labile Situation im Süden und die Bemerkungen von amerikanischer Seite, Korea läge nicht in ihrem Interessenbereich.[5] Innerhalb von drei Tagen wird die Hauptstadt Seoul erobert und die – vor allem materiell – hoffnungslos unterlegene südkoreanische Armee wird mehr und mehr zurückgedrängt.

Als Reaktion auf diesen Angriff tritt bereits am 25. Juni der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zusammen. Er beschuldigt Nordkorea der Aggression und fordert in einer Resolution dessen Rückzug hinter den 38. Breitengrad.

Am 27. Juni bewirkt US-Präsident Harry S. Truman ein UN-Mandat für eine Militäraktion unter amerikanischer Federführung. Der Sicherheitsrat empfiehlt allen Mitgliedsstaaten der UN, Südkorea zur Hilfe zu kommen. (Das Vetorecht der UdSSR kommt nicht zur Geltung, da diese den Sicherheitsrat wegen seiner Weigerung, die Kommunisten als die Vertreter Chinas zuzulassen, boykottiert. Die USA sind dadurch in der Lage, den Sicherheitsrat für ihre politischen Ziele zu instrumentalisieren.) Am gleichen Tag kündigt Truman die Entsendung von Luft- und Marinesoldaten zur Unterstützung Südkoreas an, wenig später werden auch Bodentruppen zugesagt.[6]

Die britische Regierung unterstützt die amerikanische Initiative und verkündet am 28. Juni die sofortige Entsendung von Marineeinheiten. Diese unmittelbare Unterstützung ist zu einem Teil ein Ausdruck des ungebrochenen britischen Selbstverständnisses als Großmacht und gilt im britischen Außenministerium als eine Demonstration der Fähigkeit, „wie eine Weltmacht zu handeln […] wenn Taten eher notwendig sind als Worte“.[7]

Ein anderer und mehr realpolitischer Grund für den schnellen Beistand ist der Wunsch, die Position Großbritanniens innerhalb seiner „special relationship“ mit den USA zu stärken. Nach 1940 gilt die amerikanisch-englische Zusammenarbeit als wichtiger Faktor britischer Außenpolitik. Der britische Außenminister Ernest Bevin spielt eine entscheidende Rolle bei der Etablierung dieser Zusammenarbeit, von der Verkündung des Marshall-Plans 1947 bis zur Nato-Allianz von 1949.[8]

Seit Verkündung der Truman-Doktrin im März 1947 wird die Eindämmung des Kommunismus zum Hauptanliegen der anglo-amerikanischen Allianz.[9] Der Koreakrieg verstärkt die Angst vor einem weiteren Krieg in Europa durch einen Angriff der Sowjetunion. Ohne die Unterstützung der USA sieht man sich einer möglichen russischen Expansion wehrlos ausgesetzt, eine Gewährleistung der Sicherheit in Westeuropa scheint durch die Bemühungen der westeuropäischen Staaten allein nicht zu erreichen. Diese Einschätzung wird durch den Koreakrieg bestätigt. Ein Ziel der Außenpolitik Großbritanniens ist daher vor allem, die Allianz mit den USA zur Grundlage einer Verteidigung Westeuropas zu machen und die USA militärisch, wirtschaftlich und politisch auf Dauer an Europa zu binden.

Die größte Sorge Englands ist dabei die Rückkehr der USA zu einer isolationistischen Politik mit einem militärischen Rückzug aus Europa. Um dies nicht zu provozieren, will man keine Kontroversen mit dem Partner riskieren, sondern vielmehr durch seinen moralischen und materiellen Beistand die Wichtigkeit der Allianz auch in den USA verdeutlichen. Auch erhofft man sich dadurch ein noch stärkeres Engagement der USA in Europa. Den Briten bleibt also keine andere Wahl, als sich im Koreakrieg den USA anzuschließen.

[...]


[1] Callum A. MacDonald, The Diplomacy of Restraint: the Attlee Government and the Korean War, in: Anthony Gorst / Lewis Johnman / W. Scott Lucas (Hg.), Contemporary British History 1931- 1961. Politics and the Limits of Policy, London 1991, S.219

[2] Callum A. MacDonald, Britain and the Korean War, Oxford 1990, S. 7

[3] Peter Lowe, Containing the Cold War in East Asia. British Policies towards Japan, China and Korea 1948-1953, Manchester 1997, S. 178

[4] Callum A. MacDonald, Britain and the Korean War, Oxford 1990, S. 10

[5] Anthony H. Farrar-Hockley, The British Part in the Korean War: Official history, London 1990, S. 38

[6] Callum A MacDonald, Britain and the Korean War, Oxford 1990, S. 18

[7] Ritchie Ovendale, Britain and the Cold War in Asia, in: Ders. (Hg.), The Foreign Policy of British Labour Governments 1945-1951, Leicester 1984, S. 131

[8] Callum A. MacDonald, The Diplomacy of Restraint: the Attlee Government and the Korean War, in: Anthony Gorst / Lewis Johnman / W. Scott Lucas (Hg.), Contemporary British History 1931- 1961. Politics and the Limits of Policy, London 1991, S.218

[9] David Sanders, Losing an Empire, Finding a Role. British Foreign Policy since 1945, London 1990, S. 60

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Großbritannien und der Koreakrieg
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V45784
ISBN (eBook)
9783638431309
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Großbritannien, Koreakrieg
Arbeit zitieren
Daniel Lehmann (Autor), 2003, Großbritannien und der Koreakrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45784

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