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Was bedeuten diese vier Buchstaben?
Die folgende Arbeit repräsentiert einen Abschnitt der Schaffensperiode von Hugo Ball. Sie beleuchtet seine schöpferische Suche nach neuen Wegen, die Entstehung der Lautgedichte und seinen Roman „Flametti oder Vom Dandyismus der Armen“. Dabei soll folgende Fragestellung untersucht werden: Vor welchem Hintergrund und welchem politischen Umfeld kommt der Autor zu solchen ungewöhnlichen Ausdrucksformen in seinen Lautgedichten und welchen Zweck erfüllt sein Roman „Flametti“?
Inhaltsverzeichnis
1. Dadaismus und Hugo Ball
2. Literatur und bildende Kunst – Einfluß Kandinskys auf Hugo Ball
3. Lautgedichte
4. „Flametti oder Vom Dandyismus der Armen“
4.1. Der Titel
4.2. Zur Entstehung des Romans
4.3. Flametti und andere Romanfiguren
4.4. Sprachmittel
4.5. Ziele des Romans
5. Zusammenfassung
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Hugo Balls schöpferische Entwicklung, insbesondere die Entstehung seiner Lautgedichte und die Intention seines Romans „Flametti oder Vom Dandyismus der Armen“. Dabei wird analysiert, inwieweit politische Hintergründe und das Milieu des Varieté-Künstlers zu den experimentellen Ausdrucksformen des Autors führten und ob der Roman als Reflexion seiner persönlichen Erfahrungen und als Kritik am zeitgenössischen Dadaismus verstanden werden kann.
- Die Rolle des Dadaismus im Kontext des frühen 20. Jahrhunderts.
- Einfluss der bildenden Kunst, insbesondere durch Wassily Kandinsky, auf Balls Schaffen.
- Die Funktion und Ästhetik der dadaistischen Lautgedichte.
- Autobiographische Hintergründe und Figurenkonstellationen im Roman „Flametti“.
- Die kritische Auseinandersetzung mit bürgerlichen Werten und gesellschaftlicher Degradierung.
Auszug aus dem Buch
Flametti und andere Romanfiguren
Der Autor stellt im Roman eine Vielzahl von Gestalten mit ausgeprägten, eigenartigen Eigenschaften dar. Schon im ersten Satz führt er die zentrale Person ein – Max Flametti. Philip Mann vermutet, der Charakter Flamettis basiere in vielen Hinsichten auf den persönlichen Eigenschaften des Leiters des realen Maxim Ensembles – Ernst Michel „Flamingo“. Beide waren Feuerschlucker, beide hatten einen Hang zum Sadismus.
Seine Lebensgefährtin und spätere Frau Emmi Hennings-Ball erinnert sich an ihre Variete-Zeit: „Flamingo oder Flametti war unser Stamm, unser Direktor, unser Vater, „Feuerschlucker und Magier von Geburt“, wie er sich selbst zu bezeichnen pflegte.“
Der reklameartigen Beschreibung des Flametti kann man Balls Vorstellungen über wahre, magnetische Artistennatur entnehmen. Das deutet auf einige Eigenschaften realer Boheme Künstler der damaligen Zeit hin. Flametti wird im Roman eine „geheimnisvolle Anziehungskraft“ und Toleranz Künstlern gegenüber verliehen.
„Er war ein Kerl sozusagen [...] . Artist von reinstem Wasser. Er hatte ein Auge, verstand seine Leute sich auszusuchen. Er war: eine Persönlichkeit gewissermassen. [...] Fleiss? Verachtete er. Der echte Artist schläft morgens bis gegen elf. [...] Proben? Jawohl! [...] Und wenn schon Proben, dann nicht zuviel Pünktlichkeit [...]. Das ganze blieb mehr der Inspiration, dem persönlichen Einfall und Zufall belassen. [...] Nur kein festes Programm! [...] Sprudeln muss man [...]. Flametti hatte das renommierteste Ensemble. Und doch keinesweges die renommiertestem Kräfte. Im Gegenteil: darin bestand sein Genie, dass er verstand, Kräfte zu entdecken, zu finden, ja aus dem Nichts zu stampfen.
Flamettis Personal war interessant. Er hatte eine Nase für natürliche Begabung. [...] Kerle brauchte er, Personnagen. Talent kam in zweiter Linie. [...] Schicksale muss jemand gehabt haben, um interessant zu sein für Flamettis Ensemble. Schicksal brachte Vielseitigkeit mit sich, Ueberraschungen, Anlagen, Geist. Welt mussten sie haben. Deklassierte Menschen, gerempelte Personnagen sind die geborenen Artisten. Im Druck muss man gewesen sein, um Artist zu werden. [...] Artisten kommen aus einer anderen Welt. Sind keine Bürger. Aus Unterdrückung werden Artisten. Wo keine Defekte sind, sind keine Menschen. Buntheit, Zauber, Exotik: nur aus Verzweiflung.“
Trotz der augenscheinlichen Begeisterung für Flametti verrät uns der Erzähler nebenbei auch die negativen Fakten, die die Armseligkeit und die fehlende Arbeitsdisziplin der Künstler erkennen lassen. „Man war doch nicht auf der Welt, um sich abzustrapazieren!“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Dadaismus und Hugo Ball: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Dadaismus als revolutionäre Kunstrichtung und ordnet Hugo Balls Rolle darin ein.
2. Literatur und bildende Kunst – Einfluß Kandinskys auf Hugo Ball: Hier wird der künstlerische Einfluss Kandinskys auf Balls Verständnis von abstrakter Lyrik und der Befreiung der Sprache dargestellt.
3. Lautgedichte: Das Kapitel analysiert die Funktion der Lautgedichte als radikale Gegenposition zur traditionellen Lyrik und bürgerlichen Gesellschaft.
4. „Flametti oder Vom Dandyismus der Armen“: Dieser zentrale Abschnitt beleuchtet den gleichnamigen Roman, seine Entstehungsgeschichte, die Charakterzeichnung der Figuren und die Bedeutung des Titels.
4.1. Der Titel: Eine Analyse des Begriffs „Dandyismus“ und dessen Übertragung auf die Lebenswelt der „kleinen Leute“ im Roman.
4.2. Zur Entstehung des Romans: Dieses Kapitel untersucht die autobiographischen Parallelen zwischen dem Leben des Autors im Varieté-Milieu und den Ereignissen im Buch.
4.3. Flametti und andere Romanfiguren: Es wird analysiert, wie reale Vorbilder und das Künstler-Milieu in die Romanfiguren einflossen und welche Eigenschaften sie auszeichnen.
4.4. Sprachmittel: Darstellung der sprachlichen Eigenheiten Hugo Balls, wie Jargon, Anaphern und die ironische Distanz des Erzählers.
4.5. Ziele des Romans: Abschließende Betrachtung der Intention des Romans als Kritik an gesellschaftlichen Normen und als Ausdruck des Scheiterns von Balls idealisiertem Boheme-Bild.
5. Zusammenfassung: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über Hugo Ball als Zeitkritiker und bewertet den Stellenwert des Romans für seine persönliche Entwicklung.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Hugo Ball, Dadaismus, Flametti, Lautgedichte, Varieté, Wassily Kandinsky, Boheme, Dandyismus, Literaturkritik, Avantgarde, Gesellschaftskritik, Cabaret Voltaire, Autobiographie, Expressionismus, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und künstlerischen Tätigkeit von Hugo Ball, mit besonderem Fokus auf seinen Roman „Flametti oder Vom Dandyismus der Armen“ und seine avantgardistischen Lautgedichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Dadaismus, der Einfluss der bildenden Kunst auf die Literatur, das Varieté-Milieu der damaligen Zeit sowie Hugo Balls kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, unter welchem politischen und sozialen Hintergrund Ball seine ungewöhnlichen Ausdrucksformen entwickelte und welchen Zweck er mit seinem Roman „Flametti“ verfolgte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der Textanalyse mit biografischen Hintergründen und dem historischen Kontext der Dada-Bewegung verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Struktur des Romans, die Charakterisierung der Figuren, die verwendete Sprache sowie die Verbindung zwischen Balls eigener Varieté-Erfahrung und seinem späteren Bruch mit dem Dadaismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Hugo Ball, Dadaismus, Flametti, Lautgedichte, Boheme, Gesellschaftskritik und Avantgarde.
Inwiefern beeinflusste Wassily Kandinsky die Dichtung von Hugo Ball?
Kandinskys Konzepte über die „Farbklänge“ und die Abkehr von der Gegenständlichkeit in der Malerei dienten Ball als theoretische Grundlage, um eine „reine“ Sprache in Form von Lautgedichten zu entwickeln.
Was versteht man unter dem „Dandyismus der Armen“ im Roman?
Es bezeichnet ein Lebensgefühl von Menschen am Rande der Gesellschaft, die trotz Armut versuchen, bürgerliche Ideale wie Distanz, Stolz und Selbstinszenierung zu imitieren, wobei sie oft an den harten Realitäten scheitern.
Ist der Roman „Flametti“ als dadaistisches Werk zu verstehen?
Der Autor zeigt im Roman eine zunehmende Distanz zum Dadaismus auf; der Roman ist eher eine kritische Reflexion über die Boheme und ein Abschied von der dadaistischen Ästhetik.
- Arbeit zitieren
- Ekaterina Klaer (Autor:in), 2006, Hugo Ball und die bildende Kunst. Sein Roman "Flametti oder Vom Dandyismus der Armen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457907