Essay zu "Evaluating change using patient-reported outcome measures in knee replacement: the complementary nature of the EQ-5D index and VAS scores" von Lin et al. (2013)


Essay, 2016

6 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Julian Torlutter:

Im Rahmen von Knie-Operationen wurde in der analysierten Studie von Lin et al. aus dem Jahr 2013 überprüft, ob es statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Outcome-Messverfahren gibt. Hierfür wurden drei in der Wissenschaft häufig angewandte Outcome-Messverfahren verglichen:

Zunächst wurde der EQ-5D ausgesucht, welcher ein standardisiertes präferenzbasiertes Messinstrument zur Selbsteinschätzung darstellt. Der klassische Aufbau ist eine Version mit drei Antwortausprägungen (EQ-3L). Mit dem Ziel eine höhere Sensitivität bei der Auswertung der Antworten zu erhalten, wurde auch eine fünfstufige Version entwickelt. Durch Gewichtung von Präferenzwerten erhält man nach Umrechnung einen eindimensionalen Index zum Ausdruck des persönlichen Gesundheitszustandes.1

Als weitere Outcome-Messmethode wurde der EQ-VAS gewählt, eine seit vielen Jahren bewährte visuelle Analogskala, bei der Patienten selbstständig beurteilen müssen, wie sie ihren Gesundheitszustand einschätzen würden. Die geschieht über eine vertikale Skala, deren Zahlenstrahl von 100 (bestmöglicher Gesundheitszustand) bis 0 (schlechtester Gesundheitszustand) reicht.2

Der Oxford Knee Score (OKS) wurde als drittes Messinstrument herangezogen. Hierbei handelt es sich um ein Messverfahren, welches sich spezifisch auf Knieoperationen bezieht. Er besteht aus 12 Fragen, die auf die Funktionalität des Kniegelenkes abzielen. Jede Antwort wird mit 0-5 Punkten bewertet, sodass beim OKS ein Rahmen von 0 bis 48 Gesamtpunkten bei den Messungen herauskommen kann.3

Zur Untersuchung ihrer Forschungsfrage analysierten Lin und Kollegen 54.486 Datensätze von Knieoperationen, die vom NHS (National Health Service) zur Verfügung gestellt wurden. Es erfolgte eine retrospektive und überwachende Datenanalyse, wobei bei den Datensätzen nur Alter und Geschlecht als relevant erachtet wurden. Andere Merkmale, wie beispielsweise Komorbiditäten wurden vernachlässigt. Um die Korrelation zwischen den Outcome-Messverfahren herauszufinden wurde der Spearmansche Rangkorrelationskoeffizient aufgestellt.

Weiterhin wurden die prä- und postoperativen Änderungen gegenübergestellt und innerhalb der drei Messverfahren verglichen.4 Nach Auswertung aller Daten kamen Lin und Kollegen zu dem Ergebnis, dass zwischen dem EQ-5D-Index und dem OKS eine hohe Korrelation vorherrscht, sowohl prä- als auch postoperativ, wohingegen die Korrelation zwischen OKS und EQ-VAS als gering eingestuft werden musste. Die Erklärung der Abweichung beim Ergebnis von EQ-VAS und OKS liegt darin, dass der OKS sich, wie bereits anfangs erwähnt, nur auf die Funktionalität des Kniegelenks bezieht und nicht auf den gesundheitlichen Allgemeinzustand. Wurde die Funktionalität des Kniegelenks somit durch die Operation verbessert, konnte es trotzdem sein, dass der Patient seinen Gesundheitszustand aufgrund eventuell vorliegender anderer Krankheiten weiterhin als schlecht einstufte, folglich konnte beim EQ-VAS keine Verbesserung festgestellt werden. Beim EQ-5D, dessen Fragedimensionen sich auf Mobilität, die Fähigkeit für sich selbst zu sorgen, alltägliche Tätigkeiten, Schmerzen und Angst beziehen, konnte ein ähnlicher Ergebnishorizont beobachtet werden, da auch hier die Abzielung der Fragen eher in Richtung Mobilität und somit Funktionalität des Kniegelenks gehen. Insgesamt wurde bei 92% der Patienten eine Verbesserung innerhalb des OKS sichtbar. Allerdings zeigte sich auch, dass Patienten, die präoperativ einen hohen OKS-Wert hatten, nach der Operation nur geringe Verbesserungen aufwiesen oder im schlechtesten Falle sogar eine Verschlechterung des Ergebnisses vorlag. Patienten, die präoperativ schon einen schlechten Allgemeinzustand kund taten, gaben teilweise postoperativ einen noch schlechteren Gesundheitszustand an, das liegt vermutlich daran, dass sie sich durch die Knieoperation eine höhere Mobilität erhofft hatten, dies aber aus diversen weiteren Gründen (eventuell anderer Krankheiten) nicht eintrat.5

Insgesamt lässt sich aus der Studie von Lin und Kollegen resümieren, dass eine hohe Korrelation zwischen den Outcome-Messverfahren OKS und EQ-5D besteht, zwischen OKS und EQ-VAS aber nur eine geringe. Hinsichtlich weiterer Untersuchungen sollten weitere Faktoren bei der Auswahl der Daten mit einbezogen werden.

Beispielsweise ist es sehr schwer möglich einen 70-jährigen unsportlichen und adipösen Patienten mit Zustand nach Apoplex (oder einer anderen Krankheit, die den Gesundheitszustand sehr negativ beeinflusst), der ein neues Kniegelenk erhält, mit einem 70-jährigen ehemaligen Sportler ohne Komorbiditäten zu vergleichen, der ebenfalls aufgrund von Abnutzungen des Knorpels ein neues Kniegelenk erhält. Dieses Beispiel ist willkürlich gewählt, allerdings kann bei 54.486 Datensätzen, die nur anhand von Alter und Geschlecht unterschieden werden, genau ein solcher Vergleich auftreten, was dazu führt, dass die Ergebnisse verzerrt werden. Folglich besteht hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Verbesserung des Gesamtgesundheitszustandes und Verbesserung der Funktionalität des Kniegelenks weiterer Forschungsbedarf. Bei diesen Untersuchungen wird es wichtig sein, weitere Faktoren, wie beispielsweise Komorbiditäten oder Berufszweig mit einzuschließen, sodass der Grund der Knieoperation oder auch die Beurteilung des Gesundheitszustandes ersichtlicher wird.

Für weitere Untersuchungen bezüglich des Zusammenhangs von Outcome-Messverfahren könnten auch weitere bereits existierende Messverfahren mit einbezogen und verglichen werden. Ein weiteres mögliches Messverfahren hierfür wäre der CASI (Cardiff Arthroplasty Satisfaction Index). Der CASI ist eines der simpelsten Messverfahren bei der Ergebnisanalyse von Knieoperationen. Er besteht nur aus der Frage, wie zufrieden der Patient mit der Kniegelenksoperation war. Die Antwortmöglichkeiten reichen von 1 („Never happy“) bis 5 („Always happy“). Mit diesem simplen Fragebogen besteht die Chance, das Resultat der OP über viele Jahre hinweg abzufragen und somit auch die Zufriedenheit der Patienten.6 Eine weitere Variante ist der Knee Society Score (KSS), der im Jahr 1989 entwickelt und dessen Konzeption und Aufbau im Jahr 2011 noch einmal überarbeitet wurde. Der KSS besteht aus 5 Faktoren, die in die Bewertung miteinbezogen werden. Zunächst werden demographische Fakten zum Patienten in der Bewertung berücksichtigt. Als zweites wird eine Punktetabelle zur Funktionalität des Knies aus Sicht des operierenden Chirurgen aufgestellt. Anschließend werden noch drei Komponenten aus Sicht des Patienten berücksichtigt. Einerseits werden dessen präoperative Erwartungen anhand einer Skala dargestellt und diese auch noch einmal postoperativ erhoben.

Postoperativ werden ebenso die Zufriedenheit sowie die Funktionalität des Kniegelenks in Punkten dargestellt. Insgesamt hebt sich der KSS gegenüber allen anderen erwähnten Outcome-Messverfahren dahingehend ab, indem er auch die Sicht des Arztes mit einbezieht.7

[...]


1 Vgl. Golicki et al. (2014), S.1555

2 Vgl. Feng et al. (2013), S.979

3 Vgl. Dakin et al. (2013), S.684

4 Vgl. Lin et al. (2013), S.490 f.

5 Vgl. Lin et al. (2013), S.491 ff.

6 Vgl. Kempshall et al. (2012), S.580 f.

7 Vgl. Scuderi et al. (2011), S. 3 f.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Essay zu "Evaluating change using patient-reported outcome measures in knee replacement: the complementary nature of the EQ-5D index and VAS scores" von Lin et al. (2013)
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
6
Katalognummer
V457990
ISBN (eBook)
9783668873575
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Outcomemessung, EQ-VAS, Oxford-Knee-Score, knee replacement, EQ-5D, patient-reported, Knee-Society-Score, Cardiff Arthroplasty Satisfaction Index
Arbeit zitieren
Julian Torlutter (Autor), 2016, Essay zu "Evaluating change using patient-reported outcome measures in knee replacement: the complementary nature of the EQ-5D index and VAS scores" von Lin et al. (2013), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457990

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