In dieser Arbeit soll es darum gehen, die beliebte Sportart Fußball in Hinblick auf ihren sportlichen Gegenstand sowie auf das Vermitteln, Lehren und Lernen zu untersuchen.
Dazu soll zunächst geklärt werden, was den sportlichen Gegenstand Fußball ausmacht, um anschließend auf den gewonnenen Erkenntnissen basierend eine Vermittlungskonzeption des Fußballspiels zu entwickeln. Im nächsten Schritt soll geklärt werden, wie sich das Lehren von Fußball gestalten kann und was es dabei zu beachten gilt. Zum Abschluss der vorliegenden Arbeit soll der Blick nun auf den speziellen Kontext der Schule gerichtet und erarbeitet werden, wie sich unterrichtliche Lernsituationen vor dem Hintergrund der vorigen Überlegungen realisieren lassen könnten.
Historisch gesehen war das Fußballspiel ein von Jugendlichen selbst organisiertes Spiel, das sich auf Straßen, Hinterhöfen und Bolzplätzen abspielte. Diese Form der eigenen Spielorganisation nennt man Straßenfußball. Die als früher geschlossen betrachtete Spielkultur mit ihrer Reichweite ist abhandengekommen. Unbebaute Flächen und leere Plätze sind für andere Zwecke genutzt worden, sodass eine Wiederkehr nicht mehr möglich war. Aufgrund dieser Veränderungen haben sich die Spielbedürfnisse der Kinder dementsprechend verändert und individualisiert. Das Kinderleben wird von Institutionen organisiert. Dies wirkt sich beschränkend auf das Fußballspiel aus. Des Weiteren ist der Anteil an Jugendarbeit im Vereinsfußball kaum vorhanden.
Zwar gibt es den Jugendfußball, dieser kann das selbstorganisierte Spielen der Jugend jedoch nicht kompensieren, da die Kinder schon in frühen Jahren anfangen zu trainieren, bevor sie spielen dürfen. Die Jugend ist überfordert und kann derartigen Belastungen langfristig nicht standhalten, sodass sie sich anderen Angeboten widmet, wie dem Streetball, einer Variante des Basketballs, welche von Sportartikelindustrien gesponsert wird. Demnach gibt es auch Versuche Fußballvarianten, wie den Streetsoccer, einzuführen, jedoch ist dieser von den wirtschaftlichen Interessen der Investoren abhängig und somit nicht langfristig haltbar.
Inhaltsverzeichnis
1 Gegenstandanalyse
1.1 Historischer Kontext
1.2 Der Kern des Spiels
1.3 Der Reiz am Fußball
2 Vermittlungskonzeption
2.1 Grundsatzüberlegungen
2.2 Erschließen der Kernidee
2.3 Umfassendere Erfahrungen
3 Wie gestaltet sich das Lehren im Rahmen dieser Vermittlungsstrukturen?
3.1 Wie kann das Erschließen des Gegenstandes durch die Maßnahmen des Lehrens indirekt angeregt, unterstützt und strukturiert werden?
3.2 Welche Überlegungen zum Bewegungslernen liegen dem Lehren zugrunde?
4 Wie kann die jeweilige Vermittlungskonzeption unter den konkreten Bedingungen des Sportunterrichts umgesetzt und der Unterricht gestaltet werden?
4.1 Grundlagenunterricht
4.2 Konfrontation mit der komplexen Spielidee
4.3 Reflexion des Auftaktspiel
4.4 Reduzierung des komplexen Spiels über verschiedene Änderungen
4.5 Reduzierung der Technikanforderung
4.6 Spiel mit vergrößertem Team
4.7 Reflexion der Spiele mit den verschiedenen Änderungen
4.8 lsoliertes Üben der Durchbruchsmöglichkeit mit abschließenden Torschuss
4.9 Die weiteren Schritte
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Fußballspiel unter didaktischen Gesichtspunkten, um eine Vermittlungskonzeption für den Sportunterricht zu entwickeln, die den sportlichen Gegenstand und die individuellen Lernvoraussetzungen von Schülern in Einklang bringt.
- Analyse der sportlichen Struktur und Bedeutung des Fußballspiels.
- Entwicklung eines didaktischen Konzepts unter Berücksichtigung von Heterogenität und Motivation.
- Methodische Ansätze zur Vereinfachung komplexer Spielsituationen für Anfänger.
- Integration von Bewegungslernen und Reflexion in den Unterrichtsprozess.
Auszug aus dem Buch
1.2 Der Kern des Spiels
Der Kern des Fußballspiels basiert auf einer dynamischen Wechselseitigkeit von Angriffs- und Abwehraktionen. Angriff und Abwehr sind zwei voneinander untrennbare Aspekte, die sich in drei unterscheidbaren Situationen widerspiegeln. Diese lassen sich in unterteilen in Torschuss und Torabwehr, Herausspielen von Torgelegenheiten und das Abschirmen des Tores sowie dem Aufbauen des Angriffs und dem Stören des Angriffs. Diese stellen die Grundcharakteristika des Spiels dar. Das eigentliche Spiel mit seinen besonderen technischen und taktischen Anforderungen entsteht jedoch erst durch Regularien wie Spielgerät, Spielerzahl, Ziel- und Feldgröße (vgl. Böcker & Dirks, 2013, S. 2). Da das Spielfeld im Verhältnis der Spielerzahl relativ groß ist, spielt auch die Raumnutzung eine entscheidende Rolle. Es geht darum, einen räumlichen Vorteil zu schaffen, welcher gezielt herbeigeführt wird, indem man beispielsweise den Raum bzw. das Spiel breit macht, um die Abstände zwischen den Abwehrspieler/innen des gegnerischen Teams zu vergrößern, und so einen Pass durch die Abwehrreihen spielen zu können. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, das Spiel auf eine bestimmte Seite zu verlagern, um so die gegenüber liegende Seite frei zu machen und einen Pass in diesen Raum zu spielen. Der Pass kann wiederum nur gespielt werden, wenn der/die Mitspieler/in diesen Raum erkennt und sich dementsprechend frei läuft. Das Passspiel ist somit von den/der Spieler/in ohne Ball abhängig. Damit der Pass gelingen kann, sind funktionale Techniken erforderlich. Ein/eine Spieler/in muss also komplexe Situationen durch Ballannahme und Ballmitnahme vorbereiten und diese einschätzen können. Er/Sie muss kalkulieren können, wie weit der/die Gegenspieler/in entfernt ist und wie viel Platz benötigt wird, um beispielsweise einen Pass spielen zu können. Demgegenüber muss das gegnerische Team versuchen Räume geschlossen zu halten, indem es die Abstände zwischen seinen eigenen Spielern/Spielerinnen möglichst gering hält, um so einen Pass oder einen Schuss zu unterbinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Gegenstandanalyse: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund des Fußballs und definiert den Kern des Spiels als dynamisches Wechselspiel von Angriff und Abwehr.
2 Vermittlungskonzeption: Hier werden grundsätzliche Überlegungen angestellt, wie Fußball im Sportunterricht vermittelt werden kann, wobei der Fokus auf dem Erschließen der Kernidee und der Berücksichtigung unterschiedlicher Leistungsniveaus liegt.
3 Wie gestaltet sich das Lehren im Rahmen dieser Vermittlungsstrukturen?: Dieser Abschnitt beleuchtet die Rolle des Lehrenden und die Bedeutung des Inszenierens sowie des Bewegungslernens innerhalb des Vermittlungsprozesses.
4 Wie kann die jeweilige Vermittlungskonzeption unter den konkreten Bedingungen des Sportunterrichts umgesetzt und der Unterricht gestaltet werden?: Das abschließende Kapitel liefert konkrete methodische Schritte und Strategien zur unterrichtlichen Umsetzung, von Grundlagenübungen bis hin zur schrittweisen Erhöhung der Komplexität.
Schlüsselwörter
Fußball, Vermittlungskonzeption, Sportunterricht, Spielidee, Bewegungslernen, Taktik-Spielkonzept, Leistungsheterogenität, Motivation, Spielform, Technikschulung, Passspiel, Raumaufteilung, Spielorganisation, Schulsport, Ballbehandlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Vermittlung der Sportart Fußball im Kontext des Schulsports und entwickelt Konzepte, wie Schüler unterschiedlicher Vorerfahrung den Gegenstand Fußball sinnvoll erschließen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Spielanalyse, der Entwicklung einer schülergerechten Vermittlungskonzeption und der methodischen Gestaltung von Lernarrangements unter Berücksichtigung von Heterogenität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für das Wesen des Fußballs zu vermitteln und konkrete Wege aufzuzeigen, wie Schüler durch aktives Spielen und Reflexion zu taktischem Verständnis gelangen können, ohne durch zu frühe Technikfixierung demotiviert zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit sportdidaktischer Fachliteratur sowie auf Reflexionen aus der sportpraktischen Erfahrung der Seminargruppe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird erörtert, wie man Fußball durch gezielte Spielvereinfachungen und problemorientierte Aufgabenstellungen für Anfänger zugänglich macht und wie man das Lehren methodisch strukturiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Fußball, Vermittlungskonzeption, Spielidee, Bewegungslernen, Leistungsheterogenität und spielgemäße Vermittlung.
Warum ist die Heterogenität in einer Fußballklasse ein zentrales Problem?
Durch die hohe Popularität des Fußballs treffen oft langjährige Vereinsspieler auf komplette Anfänger, was zu großen Leistungs- und Motivationsunterschieden führt, die in der Unterrichtsplanung aktiv moderiert werden müssen.
Warum rät der Autor von starren Technik-Parcours ab?
Solche Übungen isolieren die Bewegung vom eigentlichen Spielsinn, führen zu Transferproblemen in die Spielsituation und fördern die Demotivation der Schüler, da sie keine spielerischen Lösungen oder taktisches Verständnis erfordern.
- Arbeit zitieren
- Sang Can Güclü (Autor:in), 2017, Fußball im Sportunterricht. Eine Analyse unterschiedlicher Vermittlungskonzepte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457992