Soziale Arbeit im Bereich der Drogenhilfe

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit drogenabhängigen Eltern


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Lebensweltorientierung und lebensweltorientierte Soziale Arbeit

3 Definition von Sucht gemäß ICD -10

4 Entstehung von Sucht

5 Auswirkung und Folgen des Drogenkonsums
5.1 Körperlich Folgen
5.2 Psychische Auswirkungen
5.3 Psychosoziale Auswirkungen
5.4 Ressourcen

6 Therapieformen
6.1 Stationäre Therapieform
6.2 Teilstationäre Therapie

7 Zusammenleben mit einem entzügigen Neugeborenen
7.1 Neugeborenen Abstinenzsyndrom
7.2 Psychosoziale Folgen

8 Interkation mit dem Hilfesystem
8.1 Angebote des Hilfesystems ..
8.2 Mögliche Probleme mit dem Hilfesystem

9 Lebensweltorientiertes soziales Handeln in der Familienhilfe

10 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Frage, welche Konzepte und therapeutische Ansätze für die Betreuung und Begleitung drogenabhängiger Eltern adäquat oder passend sind, ist schwer zu beantworten. Jeder Mensch ist individuell, so auch die Intensionen für den Drogengebrauch und die psychosozialen Hin- tergründe.

Der Ansatz der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit ist vielseitig und umfassend. In der folgenden Ausarbeitung möchte ich mich näher mit dem Konzept der Lebensweltorientierung von Hans Thiersch beschäftigen und einen Bezug zu der Arbeit mit drogenabhängigen Eltern herstellen.

Ungefähr ein Drittel der Drogenabhängigen haben ein Kind oder Kinder (Vgl. Klein 2006: 7). Wie viele von diesen Kindern noch bei ihren Eltern oder einem Elternteil leben geht aus der Literatur nicht hervor. Fakt ist jedoch, dass der Staat aufgrund des Wächteramtes für jedes dieser Kinder sorgen muss und für jedes dieser Kinder einen Schutzauftrag hat. Das Prinzip Hilfe vor Eingriff besagt, dass vorerst mögliche Hilfeangebote gemacht werden und erst dann eingegriffen werden soll, wenn es zur akuten Kindeswohlgefährdung kommt.

Während der Recherche für die Ausarbeitung ist mit ein Zitat im Kopf geblieben: „Sucht kommt nicht von Drogen, sondern von betäubten Träumen, verdrängten Sehnsüchten, ver- schluckten Tränen und erfrorenen Gefühlen.“ (Bilstein/ Voigt 1997 : 5). Die Entstehung von Sucht wird nachfolgend noch näher erläutert.

2 Lebensweltorientierung und lebensweltorientierte Soziale Arbeit

Bereits im vorangegangen Modul 1 aus dem ersten Semester konnte ich mich viel mit dem Konzept der Lebensweltorientierung beschäftigen und auseinandersetzen.

Das Konzept der Lebensweltorientierung wurde von Hans Thiersch im Jahre 1970 eingeführt. Er formuliert zwei Lebensweltsichten. Zum einen die Subjektive Sicht oder Perspektive, sie beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Mensch zu dem geworden ist, der er jetzt ist.

Die Subjektive Sicht beschäftigt sich ebenfalls mit dem Charakter und der Bewältigungsstra- tegien der AdressatInnen oder welche Erfahrungen und Handlungsmuster die AdressatInnen haben.

Die zweite Sicht auf die Lebenswelt stellen die gesellschaftlichen Lebensbedingungen dar. Also welche äußeren Faktoren auf die Lebenswelt der AdressatInnen einwirken. Diese Sicht auf die Lebenswelt beinhaltet auch Faktoren wie Geld, Beruf oder Sozialen Status der Adres-satInnen.

Das Vorgehen bei der Lebensweltorientierung beschreibt Thiersch sehr genau. Wichtig ist es zunächst ein Vertrauensverhältnis zu den AdressatInnen aufzubauen und ihnen auf Augenhö-he zu begegnen. Thiersch legt viel Wert darauf, dass in allen Situationen genau hingeschaut werden muss, um das menschliche Handeln und die Denkweisen der AdressatInnen verstehen zu können. Als Sozial Arbeiter muss man die Sichtweise der AdressatInnen verstehen um Handlungsansätze und Hilfepläne entwickeln zu können. Die Gestaltung der Handlungsansät-ze sollte in kleinen Schritten geplant werden, um so einer möglichen Resignierung und Über-forderung seitens der AdressatInnen entgegen zu wirken. Das Handeln der AdressatInnen und der Mensch an sich, sollten laut Thiersch strikt getrennt werden.

Angelegt an den Text von Werner Freigang sind einige weitere Merkmale charakteristisch für das Konzept der Lebensweltorientierung.

Die Probleme der AdressatInnen werden eher als Problem der Lebensbewältigung angesehen. Somit liegt das Hauptaugenmerk auf der Problemdefinition seitens der AdressatInnen, als auf den Normvorstellungen unsere Gesellschaft. Ein weiteres Merkmal lebensweltorientierter Sozialer Arbeit ist die Nähe zu den AdressatInnen und dem Entstehungsort der Probleme. Gemeinsame Bezugspunkte zwischen Sozial ArbeiterInnen und AdressatInnen können sich ebenfalls positiv auf das Verhältnis auswirken.

Hilfe zur Selbsthilfe stellt einen weiteren wichtigen Grundpfeiler in der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit da, sie zielt darauf aus, die AdressatInnen durch herausfiltern der eigenen Möglichkeiten zur Problemlösung, aktiv in den Prozess mit einzubinden um selbst eigene Lösungsansätze liefern zu können (Vgl. Freigang 2004: 143).

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Lebensweltorientierung ist das sich einbringen oder nütz-lich machen der Sozial ArbeiterInnen. Eingreifen wo Hilfe notwendig ist und die AdressatIn-nen in ihrer Lebenswelt zu unterstützen. An diesem Punkt wäre es noch wichtig das Doppelte Mandat zu benennen. Es beschreibt das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle. Die Hilfe richtet sich an die AdressatInnen und beinhaltet die Parteilichkeit der Sozial ArbeiterIn-nen ihnen gegenüber.

Das bedeutet Stellung für die AdressatInnen zu beziehen und den Standpunkt vertreten. Die Kontrolle wird durch den Wohlfahrtstaat und die Gesellschaft und deren Anforderungen an die AdressatInnen ausgezeichnet.

3 Definition von Sucht gemäß ICD -10

Der ICD ist eine internationale Klassifikation von Krankheitsbildern und auftretender Ge- sundheitsprobleme. Der ICD-10 befasst sich spezifisch mit der Klassifikation psychischer Störungen. Eine Drogensucht kann diagnostiziert werden, wenn mindestens drei der insge-samt 8 Punkte mit positiv zu beantworten sind. Die Kriterien oder Punkte lauten wie folgt

(Vgl. Kuntz 2007: S. 42-43):

1. Das starke Bedürfnis, der Drang bis hin zum Zwang Drogen zu konsumieren
2. beginnender Kontrollverlust über Zeitpunkt und Menge des Drogenkonsums
3. Drogenkonsum als Mittel um seelische Entzugssymptome zu lindern oder zu vermei- den
4. Körperliche Entzugserscheinungen bei Beendigung oder Reduzierung der Drogenkon- sums
5. Eine Toleranzentwicklung entsteht, das bedeutet dass eine höhere Dosis benötigt wird um die gewünschte Wirkung zu erzielen
6. Andere Tätigkeiten wie z.B. Hobbys werden vernachlässigt, die Sucht rückt immer mehr ins Zentrum
7. Anhaltender Drogenkonsum trotz Folgen wie Müdigkeit, depressive Verstimmungen, Verlust des Arbeitsplatzes o.ä.
8. Umgang mit Drogen bildet strenges Verhaltensmuster

4 Entstehung von Sucht

Die Hintergründe der Entstehung einer Sucht bei den AdressatInnen sind vielfältig und indi- viduell. Es gibt weniger einen bestimmten Grund als ein Zusammenkommen vieler verschie- dener Faktoren (Vgl. Reinl/ Füssenhauer/ Stumpp 2004: 175).

Der Gebrauch von Drogen kann zum Beispiel den AdressatInnen als Mittel dienen, aus einer für sie unerträglichen Lebenslage zu fliehen oder um Ansprüchen, die von außen an die Ad- ressatInnen gestellt werden, gerecht zu werden. Es gibt also intrinsische und extrinsische Fak- toren die eine Sucht entstehen lassen können. Die heutige Gesellschaft lebt einem viele Nor- men und Regeln vor und kann zur großen Belastung für die AdressatInnen werden. Es ent-steht ein zunehmender Druck von außen sich anpassen zu müssen um den Erwartungen und Ansprüchen der Gesellschaft gerecht werde zu können. Die Sucht kann auch aus einer Inten-tion entstehen zu einem sozialen Kontext dazu gehören zu wollen und ist „mit einer Suche nach Kommunikationsmöglichkeiten“ (Reinl/ Füssenhauer/ Stumpp 2004: 175) verbunden. „Drogengebrauch muss folglich als ein soziales Phänomen verstanden werden.“ (Reinl/ Füs-senhauer/ Stumpp 2004: 175).

Drogengebrauch und Sucht ist schon lange ein Teil unserer Gesellschaft und ist kein Phäno- men was nur am Rande der Gesellschaft auftritt. Eine Sucht entsteht langsam und oft schlei- chend. Zunächst stellt die Droge für die AdressatInnen ein Mittel um dem Alltag für einen Moment zu entfliehen und bietet eine Bewältigungsstrategie. Nach und nach wird der Dro-gengebrauch zum Drogenmissbrauch und die Sucht beeinflusst immer mehr die Lebenswelt der AdressatInnen. Die Drogensucht dominiert nun die AdressatInnen und beherrscht ihre Existenz. (Vgl. Reinl/ Füssenhauer/ Stumpp 2004: 175)

5 Auswirkung und Folgen des Drogenkonsums

5.1 Körperlich Folgen

Die Häufigste somatische Folge eines anhaltenden Drogenkonsums ist die Erkrankung an Hepatitis C. Beispielsweise sind in München etwas 65% der Drogenabhängigen an Hepatitis C erkrankt (Vgl. Landeshauptstadt München 2007: 14). Weitere körperliche Folgen des Dro-genkonsums sind Mangelernährung, Hautirritationen (Vgl. Gölz: 1999: 83) erhöhte Müdig-keit, Kopfschmerzen oder Taubheitsgefühle in den Extremitäten (Vgl. Klein 2006: 35). Eben-falls kann es zu Entzugssymptomen wie Atemnot, Herzrasen, Durchfall oder Verstopfung, sowie zu schmerzende und tränende Augen kommen (Vgl. Elsesser/ Sartory 2001: 15).

5.2 Psychische Auswirkungen

Drogenkonsum kann nicht nur somatische Folgen sondern auch Auswirkungen auf die Psyche haben. Beispielsweise leiden Drogenabhängige häufig unter Angststörungen. Ebenfalls kann es zu Depressionen und Reizbarkeit kommen sowie zu einer verlangsamten Sprache und Ge- dächtnisstörungen (Vgl. Elsesser/ Sartory 2001: 15).

5.3 Psychosoziale Auswirkungen

Die psychosozialen Auswirkungen durch Drogenkonsum lassen sich schwer definieren. Dadurch dass die Lebenswelt der AdressatInnen immer unterschiedlich ist und jeder auf eine andere Art auf sein äußeres Umfeld reagiert. Allgemein kann man jedoch sagen, dass Drogen- abhängige häufig in einer sozialen Isolation leben. Häufig geht ein Drogenkonsum auch mit mehrfachen Gewalterfahrungen und einer allgemeinen Lebensangst und Schuldgefühlen ein-her. Die AdressatInnen leugnen oder verdrängen Sachverhalte und leiden an einer verminder-ten Affektkontrolle. Bei drogenabhängigen Eltern dominiert die Angst, dass Ihnen das Kind weggenommen werden könnte und sie sich nicht ausreichend um ihr Kind kümmern können. Auch finanzielle Probleme bis hin zur Verarmung gehören zu den psychosozialen Auswir-kungen von Drogenkonsum. Das vorhandene Geld wird in die Beschaffung für Drogen ver-wendet, da die Droge das Leben der AdressatInnen dominiert. (Vgl. Landeshauptstadt Mün-chen 2007: 19)

5.4 Ressourcen

Bei der Begleitung und Beratung drogenabhängiger Eltern ist eine ressourcenorientierte Sozi- ale Arbeit elementar wichtig. Durch intensive Gespräche mit den Eltern kann heraufgefiltert werden wo Ressourcen vorhanden sind. Eventuell kann das familiäre Umfeld der Eltern mit in den Hilfeprozess eingebunden werden (Vgl. Landeshauptstadt München 2007: 19).

6 Therapieformen

Welche Therapieform für die jeweiligen AdressatInnen zutreffend ist, muss unter intensiver Betrachtung der Lebenswelt und der individuellen Erfahrungen geschehen.

Für eine Mutter mit Kind oder Eltern mit Kind kommt meiner Meinung nach eine stationäre Therapieform nur in Frage, wenn das Kind mit aufgenommen werden kann, um die Eltern- Kind-Bindung zu stärken oder nicht verkommen zu lassen. Bei größeren Kindern, beispiels- weise Schulkindern, stellt eine stationäre Aufnahme im Rahmen des elterlichen Drogenentzu- ges jedoch einen zu großen Einschnitt in die eigene Lebenswelt dar. Bei drogenabhängigen Eltern mit größeren Kindern wäre meiner Meinung nach dann das Angebot einer Teilstationä- ren oder ambulanten Therapieform zutreffender.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Soziale Arbeit im Bereich der Drogenhilfe
Untertitel
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit drogenabhängigen Eltern
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V458003
ISBN (eBook)
9783668899865
ISBN (Buch)
9783668899872
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Thiersch, Drogen, Eltern, Lebensweltorientierung, Familie, Drogenhilfe
Arbeit zitieren
Saskia Blüm (Autor), 2016, Soziale Arbeit im Bereich der Drogenhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458003

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