Die Bedeutung des UNESCO-Welterbestatus für die Motivation zum Besuch einer touristischen Destination am Beispiel Bremen


Bachelorarbeit, 2013
54 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung
1.3 Methodik und Aufbau der Arbeit

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Der Begriff „Touristische Destination“ im Kontext der Problemstellung
2.2 Bremer Welterbe als städtetouristisches Ziel
2.3 Bremer Welterbe als kulturtouristisches Ziel
2.4 Die Auszeichnung von Destinationen zum UNESCO-Welterbe
2.5 UNESCO-Welterbe als potenzieller touristischer Attraktor
2.5.1 Tradierte und produzierbare Attraktoren
2.5.2 UNESCO-Welterbe als tradierter Attraktor

3 Der Bremer Welterbestatus
3.1 Die Kriterien der UNESCO zur Einschreibung in die Welterbeliste
3.2 Die Motivation für die Antragstellung
3.2.1 Die kunst- und architekturhistorische Bedeutung des Rathauses
3.2.2 Die wirtschaftliche Bedeutung der Auszeichnung
3.3 Die Begründung der UNESCO für die Aufnahme auf die Welterbeliste

4 Der Welterbestatus zu Marketingzwecken
4.1 Die Rolle des Rathauses und des Rolands im Marketing
4.2 Die Rolle der Welterbe-Kriterien im Marketing

5 Der Welterbestatus aus Nachfragersicht
5.1 Konzeption eines Fragebogens und Ziele der Umfrage
5.2 Durchführung der Umfrage
5.2.1 Erwartete Ergebnisse
5.2.2 Auswertung der Umfrage
5.2.3 Mögliche Fehlerquellen

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das Logo des UNESCO-Welterbes

Abb. 2: Touristische Produktionsfaktoren

Abb. 3: Touristische Produktionsfaktoren und Reisetypen

Abb. 4: Die Weser-Renaissance-Fassade des Bremer Rathauses

Abb. 5: Anteile befragter Bremen-Besucher aufgrund des Welterbestatus

Abb. 6: Anteile von Rathaus-Besuchern unter Bremen-Besuchern aufgrund des Welterbestatus

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Die Entwicklungen im Reiseverkehr in der Stadt Bremen

Tab. 2: Kategorisierte Assoziationen mit dem Rathaus und der Rolandfigur

1 Einleitung

Im einleitenden Teil dieser Arbeit soll zunächst der Forschungsstand zum zu behandelnden Thema erläutert werden und in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Städtetourismus innerhalb der Tourismusbranche aufgezeigt werden. Auf dieser Grundlage aufbauend, soll im Anschluss eine Problemstellung genannt werden, aus der sich die konkret zu untersuchenden themabezogenen Aspekte ableiten lassen.

Anschließend werden Ziele vorgestellt, die sich aus der Problemstellung ergeben und die mit der Anfertigung der Arbeit verfolgt und erreicht werden sollen. Davon ausgehend, wird der Aufbau der Arbeit beschrieben, mit dessen Hilfe sich, ausgehend von der Problemstellung, der Problemlösung genähert werden soll.

1.1 Ausgangssituation

Innerhalb der Tourismusbranche in Deutschland lässt sich feststellen, dass das Reisen in Städte und insbesondere in Großstädte – wird ein Zeitraum Mitte der 1990er Jahre außer Acht gelassen - im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte stetig an Beliebtheit gewonnen hat und somit zu einem bedeutenden Faktor innerhalb der Branche geworden ist.1 Werden die gesamten Inlandsumsätze des Tourismussektors zu Rate gezogen, entfallen laut Harrer immerhin 43 % auf die Reisen in deutsche Großstädte.2

Dabei lassen sich Städtereisen wiederum weitgehend nach Geschäfts- sowie Freizeitreisen unterscheiden, wobei – bezogen auf die letztgenannte Unterkategorie - das kulturelle Angebot einer Stadt eine wichtige Rolle für die Motivation zum Besuch der jeweiligen Stadt spielt.3

Als ein Bestandteil des kulturellen Angebotes einer Stadt wird unter anderem ihr Stadtbild angesehen, welches neben Einzelbauwerken aus dem Stadtbild zu einem Besuch der Stadt motivieren kann. Einige dieser Stadtbilder beziehungsweise Bauwerke tragen den Titel „UNESCO-Welterbe“.4

Darunter befinden sich das Rathaus der Stadt Bremen sowie die Rolandfigur, sich auf dem Marktplatz der Stadt befindend, welchen der genannte Titel im Jahr 2004 verliehen wurde.5

1.2 Zielsetzung

Das Innehaben des Welterbetitels war in einer Gästebefragung von Bedeutung, die die Bremer Touristik Zentrale GmbH (BTZ) in Zusammenarbeit mit dem Bremer Senator für Wirtschaft und Häfen im Jahr 2009 in Auftrag gegeben hat. Die Befragung wurde in der Bremer Innenstadt durchgeführt. Von 980 befragten Personen gaben 54,4 % an, das Bremer Welterbe zu kennen beziehungsweise davon gehört zu haben.6 Darüber hinaus wurde bei der Auswertung der Antworten auf diese Frage in Tages- und Übernachtungsbesucher, nach Altersgruppen sowie nach Besuchshäufigkeit unterschieden.7 Aus diesen Umfrageergebnissen geht nicht hervor, ob die Befragten die Stadt Bremen explizit aufgrund des Welterbestatus des Rathauses und der Rolandfigur besuchen würden.

Werden die Tourismuszahlen der Stadt Bremen zugrunde gelegt, so könnte angenommen werden, die Verleihung des Welterbetititels habe zu einem signifikanten Anstieg der Ankunfts- als auch der Übernachtungszahlen der Stadt im Jahr 2004 beigetragen, im Vergleich zu den Zahlen der Vorjahre als auch der Folgejahre. Zugleich würde ein Blick auf die entsprechenden Zahlen, bezogen auf das gesamte Bundesgebiet, welche wesentlich geringer waren, diese Vermutung bestätigen (vgl. nachstehende Tabelle). Auf deutschem beziehungsweise deutsch-polnischem Boden wurden im gleichen Jahr lediglich die „Kulturlandschaft Dresdner Elbtal“ sowie der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau ausgezeichnet und somit kann nicht davon gesprochen werden, dass Deutschland im Vergleich zum Jahr 2003 eine wesentlich größere Zahl an Welterbe vorzuweisen hätte8, die zu einem Anstieg hätte beitragen können.

Tab. 1: Entwicklungen im Reiseverkehr in der Stadt Bremen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an Statistisches Landesamt Bremen (StaLa Bremen), 2012. Darstellung und Prognose BTZ, 21.02.2012

Daraus ergibt sich die Fragestellung, inwieweit sich der Titel des UNESCO-Welterbes möglicherweise positiv auf Besucherzahlen eines Reiseziels – in diesem Fall der Stadt Bremen - auswirkt beziehungsweise auswirken kann. Das Ziel ist es, hierauf Antworten zu finden unter Einbezug von relevanten Aspekten und den damit verbundenen, sich ergebenden Fragen. Die entsprechenden Antworten sollen als Grundlage zur Beantwortung der oben genannten zentralen Fragestellung dienen.

1.3 Methodik und Aufbau der Arbeit

Im ersten Teil der Arbeit soll es darum gehen, die Begrifflichkeiten „UNESCO-Welterbe“ sowie „touristische Destination“, deren Verständnis für die Nachvollziehbarkeit und Beantwortung der Fragestellung von essentieller Bedeutung ist, zu veranschaulichen und in einen Zusammenhang zu integrieren, der es ermöglicht, die Gründe für eine anziehende Wirkung des Welterbetitels auf potenzielle Besucher zu verstehen.

Anschließend geht es darum, in einem Experteninterview mit einer zuständigen Mitarbeiterin beziehungsweise einem zuständigen Mitarbeiter des Landes Bremen die Frage zu erörtern, mit welcher Motivation und mit welchem Ziel der Antrag zur Ernennung des Bremer Rathauses und des Rolands zum UNESCO-Weltkulturerbe gestellt wurde. Es werden Aspekte herausgearbeitet, die entscheidend waren, dem Antrag des Landes Bremen stattzugeben und die Anforderungen der UNESCO als erfüllt anzusehen.

Die Ergebnisse aus jenem Gespräch sollen im Anschluss mithilfe eines zweiten Experteninterviews hinsichtlich ihrer möglichen Korrelation mit den Marketingzielen und dem Marketingkonzept der Bremer Touristik Zentrale (BTZ) verglichen werden. Es wird in Erfahrung gebracht, inwieweit der UNESCO-Welterbetitel und die damit in Verbindung stehenden Eigenschaften des Bremer Welterbes genutzt werden beziehungsweise genutzt werden können, um die Stadt und die ausgezeichneten Bauwerke als solche touristisch attraktiv zu gestalten. Zugleich wird an dieser Stelle die Frage untersucht, ob der Welterbetitel im Bezug auf die Stadt Bremen die Funktion eines Gütesiegels erfüllt und ob in dieser Hinsicht das Potenzial gegeben ist, die Motivation von Personen bezüglich des Besuchs der Stadt, des Rathauses und des Rolands beeinflussen zu können.

Im Zusammenhang mit der Vermarktung des Welterbetitels soll in den angeführten Interviews die Frage nach einer möglichen Zielgruppe für den Besuch von Reisezielen mit dem Titel des Welterbes diskutiert werden. Dabei ist von besonderem Interesse, ob womöglich eine Besuchergruppe, wie die in diversen Fachpublikationen definierten „Welterbetouristen“, ausgemacht werden kann, die sich speziell für den Besuch von Welterbe interessiert.9 Falls dem so ist, dürfte es leichter fallen, letzteres zielgruppengerecht zu vermarkten und zugleich die Chancen für die Ausschöpfung seines Attraktivitätspotenzials zu erhöhen.

Nachdem der Bremer Welterbestatus aus kultureller Sicht, als auch dessen Instrumentalisierungspotenzial zu Marketingzwecken untersucht wurde, soll er im weiteren Verlauf aus Sicht der Nachfrager beleuchtet werden. Dazu wird eine Gästebefragung in der Bremer Innenstadt durchgeführt. Es ist das Ziel, herauszufinden, ob dem jeweiligen Gast der UNESCO-Welterbestatus des Bremer Rathauses und des Rolands bekannt ist und, sofern dies zutrifft, er eher die Stadt Bremen explizit aufgrund der Auszeichnung besuchen würde als ohne den Titel des Welterbes. Ebenso wird erfahren, ob beide Welterbe-Denkmäler als solche (ergo: das Bremer Rathaus und die Rolandfigur) für Besucher der Stadt attraktiver sind als vor ihrer Auszeichnung und ob sie beispielsweise nun eher bereit sind, eine Rathausführung zu buchen und die Rolandfigur auf dem Marktplatz zu besichtigen. Letztere Annahme ließe vermuten, der Welterbestatus trage zur Wirtschaftlichkeit der Stadt beziehungsweise deren Einrichtungen bei, sofern der Gast beispielsweise Geld für eine Rathausführung bezahlen würde.

Darüber hinaus wird untersucht, was der Besucher mit dem UNESCO-Welterbestatus verbindet und ob seine Assoziationen sowohl mit den Kriterien der UNESCO für die Aufnahme von Kulturerbe auf die Welterbeliste als auch mit den Marketingzielen der BTZ bezüglich des Status konform sind. Aus den gewonnenen Erkenntnissen soll eine Bewertung der Nutzung der möglichen Strahlungs- beziehungsweise Anziehungskraft des Welterbetitels zu Marketingzwecken erfolgen. Die Ergebnisse könnten wiederum Ansätze für eine wissenschaftliche Untersuchung der Vermarktungsmöglichkeiten der BTZ an anderer Stelle bieten, sofern es das Ziel des Destinationsmanagements ist, nicht vorhandene Assoziationen bezüglich des Welterbes im Gedächtnis der möglichen Besucher hervorzurufen.

Damit in Verbindung stehend, stellt sich die Frage des Differenzierungs- und Profilierungspotenzials des Städtereiseziels Bremen im Vergleich zu Städten wie beispielsweise der Hansestadt Hamburg, deren Entfernung zu Bremen ca. 120 Straßenkilometer beträgt und die im Gegensatz zu Bremen kein UNESCO-Weltkulturerbe aufzuweisen hat. Erkenntnisse zu diesem Aspekt sollen mithilfe der Experteninterviews erlangt werden, um diese anschließend, mit den Ergebnissen aus der Gästebefragung vergleichen zu können. Die entsprechenden Ergebnisse sollen dabei helfen, das oben dargestellte Ziel der Arbeit zu erreichen und die zu treffenden Aussage zur Wirkung des Bremer Welterbetitels zu stützen.

Im Schlussteil der Arbeit soll ein Fazit gezogen werden. Dazu werden die gewonnenen Erkenntnisse kritisch überprüft und mit den im Vorfeld geäußerten Vermutungen über mögliche Ergebnisse, die sich aus den Experteninterviews und der Gästebefragung ergeben, verglichen. Aufgrund der damit verbundenen Überlegungen könnten Grundlagen für neue Untersuchungen gelegt werden, die direkt oder indirekt mit dem Thema dieser Arbeit in Verbindung stehen. Diese Ansätze werden abschließend vorgestellt und erläutert und könnten in Zukunft an anderer Stelle beleuchtet werden.

2 Begriffsbestimmungen

Im anschließenden Kapitel werden mithilfe von Begriffserklärungen theoretische Grundlagen erarbeitet, die dazu dienen, den Besuch von UNESCO-Welterbe und speziell den Besuch von Bremer Welterbe in einen touristischen Kontext einordnen zu können. Des Weiteren werden Ursachen für die Relevanz des Themas innerhalb der Tourismusbranche erläutert.

Im Anschluss werden Gründe nachvollzogen, warum der UNESCO-Welterbestatus ein Attraktivitätspotenzial in touristischem Sinne aufweist und welche Grundsätze und Motive die UNESCO mit seiner Verleihung verbindet, bevor schließlich Zusammenhänge der UNESCO-Auszeichnung mit Erscheinungen und Faktoren, die in der Branche des Tourismus bezüglich des touristischen Angebotes eine wichtige Rolle spielen, dargestellt werden. An diesen Aspekten soll das Potenzial der mit dem Welterbestatus ausgezeichneten Bauwerke der Stadt Bremen und des Welterbetitels Bremens aufgezeigt werden, attraktiv auf Besucher beziehungsweise potenzielle Besucher wirken zu können.

2.1 Der Begriff „Touristische Destination“ im Kontext der Problemstellung

Soll der Begriff „touristische Destination“ geklärt werden, ist es zunächst sinnvoll, „touristisch“ und „Destination“ getrennt voneinander zu betrachten. „Touristisch“ ist dabei gleichzusetzen mit „den Tourismus betreffend“ oder auch „für den Tourismus charakteristisch“,10 was wiederum bedeutet, dass eine nähere Betrachtung des Wortes „Tourismus“ von Bedeutung ist.

Die World Tourism Organization (UNWTO) beschreibt „Tourismus“ dabei als „Aktivitäten von Personen, die zu Orten außerhalb ihres gewöhnlichen Umfeldes reisen und sich dort für nicht mehr als ein Jahr aufhalten aus Freizeit- oder geschäftlichen Motiven, die nicht mit der Ausübung einer bezahlten Aktivität am besuchten Ort verbunden sind“11. Eine „Destination“ wiederum oder auch „Hauptdestination“ ist nach ihrer Definition „der besuchte Ort, der für die Reiseentscheidung von zentraler Bedeutung ist“12. Freyer hingegen definiert eine Destination als „geografische, landschaftliche, sozio-kulturelle oder organisatorische Einheit mit ihren Attraktionen, für die sich Touristen interessieren“, wobei „oftmals erst von einer Destination gesprochen wird, wenn ein Mindestmaß an touristischer Infrastruktur vorhanden ist, um den Aufenthalt von Besuchern zu ermöglichen“13.

In dem zu untersuchenden Beispiel der Stadt Bremen ist diese somit als Destination anzusehen, in der sich Personen aufhalten können und die von diesen Personen besucht werden kann. Das Rathaus der Stadt sowie die sich auf dem Marktplatz befindende Rolandfigur können nach der Definition der UNWTO ebenso als Destinationen fungieren, sofern diesen eine zentrale Bedeutung vom jeweiligen Besucher für dessen Entscheidung zum Besuch der Stadt Bremen beigemessen wird. Die Rolandfigur kann dabei naturgemäß ausschließlich von außen besichtigt werden, während der Gast bezüglich des Rathauses vor die Entscheidung gestellt wird, ob er es lediglich von außen oder gar von innen besuchen möchte, wobei letzteres in Form einer Führung möglich ist.

2.2 Bremer Welterbe als städtetouristisches Ziel

Wie in Kapitel 1.1 erwähnt, spielt das Reisen in Städte eine bedeutende Rolle im Kontext der Tourismusbranche. Die Wissenschaft tut sich jedoch bis heute schwer, den Begriff „Städtetourismus“, der als Grundlage für die Erklärung und die weitere Erforschung der Motive für das vermehrte Reisen in Städte dienen könnte, prägnant zu definieren.

Trotz dessen kann der Begriff in einzelne Elemente aufgegliedert werden. Zunächst wird darin unterschieden, ob es sich um Tages- oder Übernachtungstourismus handelt. Im weiteren Verlauf ist es von Bedeutung, ob der jeweilige Besucher das Reiseziel zu privaten oder beruflichen Zwecken besucht. Letztendlich ergibt sich eine Einordnung von Begriffen wie beispielsweise „Städtereiseverkehr“, welcher in die Rubrik „privatbedingter Übernachtungstourismus“ fällt, „Dienstreiseverkehr“ als „beruflich bedingter Übernachtungstourismus“, „Tagesgeschäftsreiseverkehr“ als „beruflich bedingter Tagestourismus“ oder „Sightseeingtourismus“ als „privat bedingter Tagestourismus“.14

Vor dem Hintergrund dieser Betrachtungsweise wird deutlich, dass der Besuch von Reisezielen, die mit dem UNESCO-Welterbetitel ausgezeichnet wurden, im Kontext des Städtetourismus in vielerlei Hinsicht motiviert sein kann. Wird explizit das zu untersuchende Beispiel der Bremer Welterbe-Destinationen herangezogen, lässt sich die Motivation zum Besuch derselben im Zuge von „Städtereiseverkehr“ oder „Sightseeingtourismus“ erklären. Beide genannten Begriffe fallen unter die Kategorie „privatbedingter Tourismus“, der nach dem dargestellten Modell im Fall von „Städtereiseverkehr“ eine oder mehrere Übernachtungen beinhalten kann und im Fall von „Sightseeingtourismus“ ohne Übernachtung auskommt.15 In gleicher Weise ist nicht auszuschließen, dass Tourismus, der im Zusammenhang mit dem Besuch von Welterbedestinationen steht, beruflich bedingt sein kann, sofern eine Dienstreise – mit oder ohne Übernachtung – den Besuch von denselben, wie im zu behandelnden Beispiel Rathaus und Roland, einschließt.

Maschke dagegen wählt einen anderen Ansatz, wenn er versucht, „Städtetourismus“ einzuordnen, indem er jenen knapp als „Tourismus in Städten“ erklärt. Dabei betrachtet er primär das Reisen in Großstädte. Diese Betrachtungsweise des Außerachtlassens von Klein- und Mittelstädten erleichtert die Quantifizierbarkeit des Städtetourismus. Darüber hinaus, und damit konträr zu dem oben dargestellten Ansatz von Meier, grenzt Maschke den Aspekt des beruflich motivierten Tourismus vom Begriff „Städtetourismus“ ab und weist letztem lediglich das Feld des privat motivierten Tourismus zu, wobei anzuführen ist, dass diese Art der Einordnung nicht oft vorgenommen wird.16

Nichts desto weniger ist auch in diesem Fall eine Verbindung zu mit dem Welterbelabel versehenen Destinationen einer Großstadt zu ziehen, mit der Einschränkung, dass beruflich bedingter Reiseverkehr im Bezug auf den Besuch von Welterbedestinationen außer Acht gelassen wird, sofern Maschkes Näherungsweise gefolgt wird. Unterstützt wird diese Vorgehensweise von Dettmer et al., die Städtereisen in erster Linie als privat bedingte Reisen ansehen17.

2.3 Bremer Welterbe als kulturtouristisches Ziel

Analog zum Städtetourismus ist eine Einordnung in das Feld des Kulturtourismus vorzunehmen, wenn es im Allgemeinen um den Besuch von Destinationen geht, die den Titel des UNESCO-Welterbes tragen, und im Besonderen um den Besuch des Bremer Welterbes. Maschke sieht Kulturtourismus als ein Segment, das dem Städtetourismus zuzuordnen und als ein Bestandteil dessen anzusehen ist. In diesem Zusammenhang ist bezüglich der Einordnung des Begriffs darauf zu achten, dass das Motiv und die Aktivitäten während des Besuchs der jeweiligen Destination vordergründig kultureller Art sein müssen.18

An diesem Punkt ist zu untersuchen, welche Formen Tourismus kultureller Art haben kann. Dazu fertigte Wolber eine Liste an, auf der sich unter anderem der Punkt „Werke der Baukunst und Denkmalpflege“19 wiederfindet. Diese „Werke“ werden vor dem Hintergrund des Kulturtourismus besucht. Die Bauwerke Bremer Rathaus und Roland, die zudem als Einzelbauwerke Bestandteile des Stadtbildes der Stadt Bremen darstellen (vgl. Kap. 1.1), können damit dieser Kategorie zugeordnet werden.

2.4 Die Auszeichnung von Destinationen zum UNESCO-Welterbe

Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, deutsch: Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, "durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen".20

In diesem Zusammenhang besitzt die UNESCO ein Mandat für Kultur. Das Mandat bildet den Rahmen für das auferlegte Programm, zum Schutz des kulturellen und naturellen Erbes der Menschheit beizutragen21, welches im Jahr 1972 durch die Verabschiedung einer Welterbekonvention zementiert wurde. Dieser zufolge haben die Mitgliedsstaaten der UNESCO nach Unterzeichnung die Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, ihr jeweiliges Welterbe zu schützen, nachdem dieses in die Liste der UNESCO aufgenommen wurde. Die Entscheidung über eine mögliche Aufnahme trifft einmal jährlich das Welterbekomitee auf Grundlage eines Vorschlages beziehungsweise Antrages, der vom jeweiligen Mitgliedsstaat eingereicht werden muss.22

Wird auf Grundlage der Konvention von 1972 eine Destination ausgezeichnet, trägt sie fortan den Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ beziehungsweise „UNESCO-Weltnaturerbe“, wobei sie gleichzeitig sowohl Weltkultur- als auch Weltnaturerbe sein kann23. Im Fall des Bremer Welterbes wurde der Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ verliehen. Die dazu verabschiedete Konvention der UNESCO definiert die für diese Arbeit relevante Kategorie des Weltkulturerbes wiederum als „Denkmäler“, „Ensembles“ und „Stätten“, die in die Liste aufgenommen werden können und allesamt von „universellem Wert“ sein müssen24.

Werden die in diesem Unterkapitel eingangs dargestellten Grundsätze der UNESCO zu Rate gezogen, ist davon auszugehen, dass es nicht primär das Ziel der UNESCO ist, mithilfe des Welterbetitels der entsprechenden, auszuzeichnenden Destination ein touristisches Gütesiegel zu verleihen. Ebenso wenig ist davon auszugehen, dass die UNESCO darauf abzielt, die jeweilige Destination einen touristischen Mehrwert darstellen zu lassen, geschweige denn, zur Kommerzialisierung der Destination mithilfe des Titels beizutragen. Diese Überlegungen ergeben sich vor allem aus der Tatsache, dass das Welterbe-Logo grundsätzlich ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke verwendet werden darf25.

Abb. 1: Das Logo des UNESCO-Welterbes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Sekretariat für das Welterbe in Rheinland-Pfalz, http://www.welterbe-trier.de/index.php?id=215, 18.10.2012

2.5 UNESCO-Welterbe als potenzieller touristischer Attraktor

Soll die touristische Bedeutung des UNESCO-Welterbestatus näher untersucht werden, ist es zunächst erforderlich, grundsätzlich in Erfahrung zu bringen, welche Gegebenheiten und Umstände, bezogen auf touristische Destinationen, Touristen anziehen beziehungsweise auf diese attraktiv wirken können. Diesbezüglich eignet sich die Fokussierung auf den Begriff des touristischen Attraktors, der neben dem Transport und der touristischen Infrastruktur einen der drei Teile eines touristischen Produktes darstellt26. Der touristische Attraktor kann Gründe liefern oder selbst den Grund für eine Entscheidung des Touristen darstellen, eine Destination zu bereisen. Er muss nach allgemeinem Verständnis nicht notwendigerweise positive Assoziationen hervorrufen. Dies gelingt noch, wenn das Beispiel genannt wird, die Stadt Bremen aufgrund der möglichen architektonischen Schönheit seines Rathauses besuchen zu wollen. Das Rathaus - oder präziser formuliert - dessen „architektonische Schönheit“ stellt in diesem Fall den Attraktor dar. Nicht mehr greift die Annahme, wenn bedacht wird, dass touristische Attraktoren ebenso nach allgemeinem Verständnis traurige Anlässe wie beispielsweise Beerdigungen oder Besichtigungen von Konzentrationslagern aus der NS-Zeit bedingen können.27

[...]


1 Vgl. Anton, C.; Quack, H.-D., 2004, in: Landgrebe, S.; Schnell, P., 2005, S. 12

2 Vgl. Harrer, B., 2005, in: Landgrebe, S.; Schnell, P., 2005, S. 27

3 Vgl. Dettmer, H. et al., 2000, S. 55ff.

4 Vgl. Wolber, T., o. Jg., in: Heinze, T., 1999, S. 130f.

5 Vgl. (o. V.), http://www.unesco.de/291.html, 7.10.2012

6 Vgl. Hochschule Bremen - Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit e.V. (IFKA), 2010, S. 14

7 Vgl. Hochschule Bremen - Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit e.V. (IFKA), 2010, S. 27; Hochschule Bremen - Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit e.V. (IFKA), 2010, S. 34; Hochschule Bremen - Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit e.V. (IFKA), 2010, S. 38

8 Vgl. (o. V.), http://www.unesco.de/welterbe-deutschland.html, 16.10.2012; (o. V.), http://www.unesco.de/320.html, 16.10.2012

9 Vgl. CBS, 2004, zitiert nach: Kremer, D.; Lehmeier, H.; Stein, K., o. Jg., in: Kagermeier, A.; Steinecke, A., 2011, S. 58

10 (o. V.), http://www.duden.de/rechtschreibung/touristisch, 19.10.2012

11 Vgl. World Tourism Organization, http://statistics.unwto.org/sites/all/files/docpdf/tfdi.pdf, 19.10.2012, S. 9

12 Vgl. World Tourism Organization, http://media.unwto.org/en/content/understanding-tourism-basic-glossary, 19.10.2012

13 Vgl. Freyer, W., 2006, S. 252

14 Vgl. Meier, I. 1994, zitiert nach: Anton, C.; Quack, H.-D., 2004, in: Landgrebe, S.; Schnell, P., 2005, S. 10

15 Ebd.

16 Vgl. Maschke, J. (o. Jg.), in: Heinze, T., 1999, S. 84f.

17 Vgl. Dettmer, H. et al., 2000, S. 55

18 Vgl. Maschke, J. (o. Jg.), in: Heinze, T., 1999, S. 85

19 Vgl. Wolber, T., o. Jg., in: Heinze, T., 1999, S. 125

20 Vgl. (o. V.), http://www.unesco.de/ueber_die_unesco.html, 18.10.2012

21 Vgl. (o. V.), http://www.unesco.de/programm.html, 18.10.2012

22 Vgl. (o. V.), http://www.unesco.de/welterbekonvention.html, 18.10.2012

23 Vgl. Ebd.

24 Vgl. (o. V.), http://www.unesco.de/welterbe-konvention.html?&L=0, 24.10.2012

25 Vgl. (o. V.), http://www.unesco.de/welterbelogo.html, 23.10.2012

26 Vgl. Letzner, V., 2010, S. 20ff

27 Vgl. Letzner, V., 2010, S. 22

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des UNESCO-Welterbestatus für die Motivation zum Besuch einer touristischen Destination am Beispiel Bremen
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel  (Karl-Scharfenberg-Fakultät)
Autor
Jahr
2013
Seiten
54
Katalognummer
V458039
ISBN (eBook)
9783668906075
ISBN (Buch)
9783668906082
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welterbe, Tourismus, Gast, Bremen, Roland, UNESCO, Weltkulturerbe, Destination, Destinationsmanagement, Bremer Tourismus Zentrale, Attraktor, Besuch, Anziehungskraft, Label, Bremer Rathaus, BTZ, Denkmalpflege
Arbeit zitieren
Konrad Wetzel (Autor), 2013, Die Bedeutung des UNESCO-Welterbestatus für die Motivation zum Besuch einer touristischen Destination am Beispiel Bremen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458039

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