Andy Warhols und Joseph Beuys’ künstlerisches und gesellschaftspolitisches Wirken in den 60er Jahren


Facharbeit (Schule), 2018
41 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Historische Hintergründe
2.1 Die Vereinigten Staaten Amerikas im 20. Jahrhundert
2.2 Deutschland nach dem Krieg
2.3 Der bestehende Kunstbegriff

3. Andy Warhol
3.1 Biographischer Hintergrund – Die Jungen Jahre
3.2 Künstlerischer Werdegang
3.3 Künstlerische Meilensteine
3.4 Leben nach dem Attentat

4. Joseph Beuys
4.1 Biographischer Hintergrund
4.2 Künstlerischer Werdegang
4.3 Künstlerische und gesellschaftspolitische Meilensteine
4.4 Politischer Werdegang

5. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Künstler

6. Geschaffene Umbrüche
6.1 Weiterentwicklung des Kunstbegriffs
6.2 Gesellschaftspolitische Einflüsse

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis
8.1 Literatur
8.2 Internetquellen S.

Abstract

In der folgenden Arbeit wird anhand einer Literaturrecherche den gesellschaftlichen und künstlerischen Einflüssen der beiden Künstler Andy Warhol und Joseph Beuys nachgegangen.

Beide waren äußerst bekannte Künstler der 1960er Jahre, eines von Umbrüchen gekennzeichneten Jahrzehnts, das die beiden einerseits geprägt, andererseits von ihnen auch wesentlich mit verändert wurde.

Im ersten Kapitel werden die gesellschaftspolitischen Gegebenheiten und künstlerischen Hintergründe der Zeit, in der die beiden Künstler besonders aktiv tätig waren, dargestellt.

In den biographischen Kapiteln sollen die Hintergründe ihres Werdegangs skizziert werden: Welche Einflüsse, Erlebnisse waren ausschlaggebend für ihre künstlerische Entwicklung. Was hat sie besonders beeinflusst? Beuys, der aus einem vom Nationalsozialismus zerstörten Deutschland kam und Warhol aus dem wirtschaftlich florierenden Amerika.

Abschließend sollen anhand der bereits geschriebenen Kapitel die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer künstlerischen Herangehensweise sowie ihr Blick auf die Gesellschaft herausgearbeitet werden.

1. Einleitung

Die vorliegende Literaturrecherche behandelt das gesellschaftspolitische Wirken Andy Warhols und Joseph Beuys in den 1960er Jahren. Es wird der Frage, wie sich ihr Handeln auf die damalige Gesellschaft und die politische Situation auswirkte, nachgegangen. Zudem wird ihren politischen und gesellschaftlichen Intentionen nachgegangen.

Joseph Beuys und Andy Warhol haben ähnliche Ziele und Motive verfolgt. Die beiden Künstler erweiterten den traditionellen Kunstbegriff und wollten Kunst für die breite Masse zugänglich machen.

2. Historische Hintergründe

Um einen Einblick in Andy Warhols und Joseph Beuys Zeit zu geben, soll zu Beginn dieser Arbeit eine kurze Skizze der politischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten gezeichnet werden. Dieser kurze Überblick wird natürlich nicht alles mit einbeziehen, aber dennoch genug, um bestimmte Einflüsse der wichtigsten historischen Ereignisse auf die Entwicklung der beiden Künstler verständlich zu machen.

2.1 Die Vereinigten Staaten Amerikas im 20. Jahrhundert

Die Wirtschaftskrise kam 1933 in den USA zu einem Ende. In der Folge wurde die Works Progress Administration gegründet, um die Menschen zu unterstützen. Dazu gehörte auch das Federal Art Project, welches dazu diente, Anstellungen für Künstler zu schaffen.

Der Zweite Weltkrieg begann im September 1939 als die Deutschen Polen überfielen. Als Japan Pearl Harbour angriff, schlossen sich auch die USA 1941 dem Krieg an. Die Entwicklung der Atombombe wurde von Oppenheimer forciert. Roosevelt wurde 1944 erneut zum Präsidenten gewählt. Am 6. Juni 1944 landeten die alliierten Truppen in Frankreich (D-Day), im Mai 1945 endete dann der Krieg in Europa. Nach dem Abwurf der Atombombe am 6. August auf Hiroshima und am 9. August auf Nagasaki, kapitulierte Japan am 15. August 1945.

Nach dem Ende des Krieges verschwand auch langsam wieder das Kriegsgeschehen aus den Köpfen der Menschen. Die Rationierung der Lebensmittel wurde aufgehoben und Konsumartikel wieder produziert. Trotz des Aufschwungs der Wirtschaft, kam es zu einer starken Inflation, was im ganzen Land Streiks auslöste.

Am 12. März 1947 kam es zur Truman Doktrin. Sie bedeutete das Ende der amerikanischen Kriegskoalition mit der Sowjetunion und markiert den Beginn des Kalten Krieges. In der Folge wurde die Kluft zwischen den Ost- und Westmächten immer größer. 1949 erfolgte die Gründung der NATO.1

Aufgrund des Koreakrieges (1950-1953) stieg in den USA die Inflation weiter an. Trotzdem herrschte ein unveränderter wirtschaftlicher Aufschwung. Im Jahr 1950 besaß bereits jeder zehnte US-amerikanische Haushalt einen Fernseher. Dadurch gewann Werbung stark an Bedeutung und erhielt durch die Erfindung des Farbfernsehers einen weiteren Bedeutungsschub. Im Jahr 1952 kam ein erster Vorreiter des zukünftigen Videorecorders auf den Markt. Der Durchschnittsverdienst eines US-Amerikaners stieg in den nächsten 20 Jahren fast um 80% und es kam zu dem so genannten Babyboom.2

Mit Beginn der 1960er Jahre und der Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten, kam es zu einem politischen Umbruch. Die Differenzen zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung nahmen zu. Auch die Kluft zwischen den Ost- und Westmächten wurde immer größer. 1961 wurde die Berliner Mauer errichtet. Von Martin Luther Kings „I have a dream“ angeleitet, wurden 1963 landesweit Proteste gegen Rassismus abgehalten. Am 22. November desselben Jahres wurde John F. Kennedy erschossen. Kurz darauf wurde Lee Harvey Oswald als Mörder des Präsidenten vor laufender Kamera exekutiert. John F.Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson war dafür verantwortlich, dass sich die USA ab dem Jahr 1964 am Krieg in Vietnam beteiligte.3

2.2 Deutschland nach dem 2. Weltkrieg

Der Kontrollrat der Alliierten verwaltete Deutschland nach der Teilung in vier Besatzungszonen. Deutschland wurde von den Alliierten beim Wiederaufbau unterstützt. Nach den massiven Bombardements waren vor allem die Städte kaum noch bewohnbar. Die großen Metropolen waren kaum wiederzuerkennen.4

Deutschland war weitgehend zerstört, militärisch erobert und von alliierten Truppen besetzt. Die Niederlage war vollständig. Es gab keine deutsche staatliche Autorität mehr. Die großen Städte lagen in Trümmern.“ 5

Mit Unterstützung der USA und dem Marshall-Plan war jedoch ein Wiederaufbau möglich.6 Die folgenden Jahre waren stark geprägt von den Nachwirkungen des Kriegsgeschehens und des Grauens des Nationalsozialismus. Auch der Ostwestkonflikt und die Errichtung des Eisernen Vorhangs sowie die Teilung Deutschlands übten starken Einfluss auf die Bevölkerung aus.7

2.3 Bestehender Kunstbegriff

Als Folge des 2. Weltkriegs nahm die USA gegenüber Europa auf kulturellem Gebiet vorerst eine führende Stellung ein. Dies betraf nicht nur die bildenden Kunst, sondern auch Film und Literatur. Vor allem in der Malerei war die USA sowohl in den 1940er als auch in den 1950er Jahren führend. Die Medien, die auf breite Kreise der Bevölkerung einwirkten, waren von der Gesellschaft als wichtiger Bestandteil der Kultur anerkannt worden.8

Der damalige Kunstbegriff war stark mit dem abstrakten Expressionismus verbunden. Die Biennale von Venedig zeigte in den 1950er Jahren unter anderem Werke von Willem de Kooning, Arshile Gorky, Jackson Pollock und Mark Rothko, bekannte Vertreter dieser Kunstrichtung. Action Painting wurde zu einem zentralen Stil der Kunst der 1950er und prägte die Zeit.9

Die ersten Schritte in Richtung Pop Art kamen von Richard Hamilton mit dem Bild „just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?“ Zum ersten Mal stand das Wort Pop in der Beschreibung eines Kunstwerkes. Die Namensgebung dieses neuen Kunststils erfolgte im Jahr 1959 durch den Kunstkritiker Lawrence Alloway, der einen Artikel als Pop Art betitelte. So genannte Happenings wurden weltweit zu einem Begriff der Kunstwelt. 10 Mit der Pop Art kam eine eigene Künstlergeneration. Ende der 1950er Jahre setzte diese Bewegung ein und dominierte bis weit in die 60er Jahre Amerikas Kunstszene.11 1959 wurde auch das neue Guggenheim Museum in New York eröffnet. Gegründet bereits 1939, bot es nun genügend Raum für zeitgenössische Kunst.12

3. Andy Warhol

Abbildung aus urheberrechtlichen Gründen entfernt

Andy Warhol vor seiner Factory13

Andy Warhol (1928 bis 1987) ist einer der bekanntesten US-amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts, der mit der Pop Art die Kunstwelt revolutionierte. Der für seine Extravaganz bekannte Künstler vermischte Lifestyle und Kunst und schuf reale Räume für KünstlerInnen aller Kunstrichtungen, um Neues auszuprobieren.14

Andy Warhol prägte eine Generation, die sich nicht an die bestehenden Regeln hielt und neue Maßstäbe für kommende Generationen setzte. Nachfolgende Künstler haben mit Andy Warhol ein Vorbild, das die Gesetze des Marktes und der Konsumgesellschaft durchschaute, ausnutzte und gleichzeitig zum Inhalt seiner Kunst machte.“ 15

3.1 Biographischer Hintergrund - Frühe Jahre

Andrew Varhola war das jüngste Kind einer fünfköpfigen, armen Bauernfamilie aus der heutigen Slowakei. Sein Vater Ondrej ging, auf der Suche nach Arbeit, nach Pittsburgh in die USA, kehrte jedoch nach einiger Zeit in seine Heimat zurück, um Julia, die spätere die Mutter seiner Kinder wurde, zu heiraten. Julia blieb vorerst in Miková und folgte ihrem Ehemann erst acht Jahre später im Jahr 1921. Der Name „Varhola“ wurde in Amerika zu „Warhola“.

Ihr erster Sohn Paul kam kurz nach dem Umzug zur Welt, 1925 folgte der zweite, John, Andrew wurde drei Jahre später geboren. Obwohl Andy Warhol 1928 zur Welt kam, nannte er später des Öfteren das Jahr 1930 bzw. 1933 als sein Geburtsjahr. Dies und viele andere Geschichten, die er über seine Herkunft erfand, waren Teil des Mysteriums, mit dem er sich zu umgeben wusste.16

Kurz nach Andrews Geburt verlor der Vater seine Anstellung bei einer Baufirma und die Familie musste die Unterkunft im Pittsburgher Soho aufgeben. Nur mühsam konnte sich die Familie über Wasser halten. Um zu überleben, musste die ganze Familie arbeiten gehen. In dieser Zeit bastelte Warhols Mutter Blumen aus alten Dosen, um diese zu verkaufen. Es wird vermutet, dass diese Dosen die Inspiration für Andy Warhols später bekanntes Motiv der Suppendosen waren. Die Brüder lieferten sich einen regelrechten Wettbewerb, wer mehr Geld verdienen und dadurch der Mutter mehr Freude machen konnte. Erst vier Jahre später, als der Vater endlich wieder Arbeit fand, war die Familie in der Lage, in ein besseres Wohnviertel zu ziehen, wo Warhol dann seine Jugendjahre verbrachte. Die Zeit der Armut prägte den steten Wunsch Warhols, viel Geld zu verdienen.

Da ihm ein einzelner, unglücklich verlaufener Schultag mit 4 Jahren als komplettes Schuljahr angerechnet wurde, wurde der sechsjährige Andy in die 2. Klasse eingeschult.17

Mit acht Jahren erkrankte er an Gelenksrheumatismus und einer Pigmentstörung. Die Folge waren seine helle Haut und die weißen Haare, die ihm ein Leben lang blieben. Während seiner Krankheit war er längere Zeit zuhause und seine Mutter schenkte ihm viel Aufmerksamkeit. Daher entwickelte er eine sehr enge Beziehung zu seiner Mutter Julia. In dieser Zeit begann er viele Comics zu lesen und Kinovorstellungen zu besuchen. Mit einer Freundin ging er jeden Sonntag ins Kino. Das Geld für die Eintrittskarten sparte er sich selbst zusammen. Beim Verlassen des Kinos bekam man Autogrammkarten der SchauspielerInnen mit deren Foto. Diese sammelte er und legte damit den Grundstein für die spätere Sammlung und seine Liebe zur Popkultur.18

Warhol hatte eine gute Beziehung zu seinem Lehrer und studierte nach der Schule Gebrauchsgrafik am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh. Nach dem Studium zog er nach New York und arbeitete für die Werbeindustrie als Grafiker für Zeitschriften.19

Nach einem Umzug im Jahr 1950, kam er durch seine neue Wohngemeinschaft erstmals in Berührung mit der New Yorker Schwulenszene. In der damaligen Zeit war es schwer, sich öffentlich zur Homosexualität zu bekennen, doch auch Andys geringes Selbstwertgefühl und seine Schüchternheit waren dafür verantwortlich, dass er lange Zeit keine erfolgreichen Liebesbeziehungen eingehen konnte.20 1942 zog seine Mutter zu ihm nach New York. Sie lebte 20 Jahre mit ihm zusammen und kümmerte sich bis zu ihrem Tod um ihn und seinen Haushalt.21

„Andy Warhols Beziehung zu Julia war kein Einzelfall. Sie ähnelte der Jack Kerouacs zu seiner frommen, bäuerlichen Mutter, mit der er fast sein Leben lang zusammenwohnte, Allen Ginsbergs Beziehung zu seiner Mutter, die er in dem großen Gedicht „Kaddish“ verherrlichte, und Elvis Presleys Verhältnis zu seiner Mutter, die man als Hauptstützte seiner Karriere in den fünfziger Jahren ansehen kann. Auch Truman Capote und Tennessee Williams wurden von ihren Müttern beherrscht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Amerika eine Art Mutterkult, der nicht zu unterschätzen war.“ 22

[...]


1 vgl. Spohn, 2008, S.11-S.12

2 vgl. Spohn, 2008, S.21

3 vgl. Spohn, 2008, S.31

4 vgl. Benz, 2005

5 zit. n. Benz, 2005

6 vgl. Kimmel, 2005

7 vgl Bechtel, 2005

8 vgl. Spohn, 2008, S.32

9 vgl. Spohn, 2008, S.22

10 vgl. Spohn, 2008, S.22-S.23

11 vgl. Spohn, 2008, S.119

12 vgl. Spohn, 2008, S.23

13 Express Newspapers, o. D.

14 vgl. Bianchi; Doswald, 2000, S.9-S.10

15 zit. n. Spohn, 2008, S.8

16 vgl. Gottschalk, 2015, S.14-S.15

17 vgl. Spohn, 2008, S.14-S.15

18 vgl. Spohn, 2008, S.16

19 vgl. Lüthy, 1995, S.121

20 vgl. Spohn, 2008, S.26- S.27

21 vgl. Spohn, 2008, S.27-S.28

22 zit. n. Bockris, 1989, S.100

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Andy Warhols und Joseph Beuys’ künstlerisches und gesellschaftspolitisches Wirken in den 60er Jahren
Veranstaltung
Bildnerische Erziehung
Note
3
Autor
Jahr
2018
Seiten
41
Katalognummer
V458040
ISBN (eBook)
9783668900622
ISBN (Buch)
9783668900639
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Andy Warhol, Josef Beuys, Gesellschaftspolitisches Wirken, Künstlerisches Wirken, Kunst, Gesellschaftspolitik, sechziger Jahre, 1960, New York, Deutschland
Arbeit zitieren
Uma Reiner (Autor), 2018, Andy Warhols und Joseph Beuys’ künstlerisches und gesellschaftspolitisches Wirken in den 60er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458040

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