Die Rolle der Kurfürsten bei der Königswahl. Nach Inkrafttreten der Goldenen Bulle (1356)


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 1,0

Lucius Müller (Autor)


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Quellen- und Literaturbericht
1.3 Methode und Aufbau der Arbeit

2.Die Goldene Bulle
2.1 Die Verfassung und ihr Inkrafttreten
2.2 Das Kurfürstenkollegium

3. Die Rolle der Kurfürsten
3.1 Wahleinladung und jährliche Unterredung
3.2 Die Reglung der Sitzordnung
3.3 Das Recht auf sicheres Geleit
3.4 Rechte und Pflichten beim Wahlablauf
3.5 Die Festlegung der Erbfolge

4. Fazit

5. Anhang

6.Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Die von Kaiser Karl IV erlassene Goldene Bulle, aus dem Jahre 1356, war der erste rechts- kräftige Verfassungstext des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. In dieser Funk- tion waren die Auswirkungen des Erlasses, noch weit über seine Zeit hinaus erkennbar.1 In der Goldenen Bulle sind zahlreiche wichtige Bestimmungen festgehalten worden, was die Wahl des römisch-deutschen Königs anbelangt. Zur Königswahl waren seit dem 13. Jahr- hundert ausschließlich die sogenannten Kurfürsten berechtigt, wodurch diese eine äußerste einflussreiche Stellung innehatte.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit ist es unser Ziel, eingehend zu beleuchten, welche Rolle den sieben Kurfürsten, durch die Festlegungen der Goldene Bulle, bei der Königswahl zukam. Dabei werden unsere Kernfragen lauten: Wie gestaltete sich das Zu- standekommen der Goldene Bulle und die Zusammenhänge um ihr Inkrafttreten? Welche Rechte und Pflichten wurden den Kurfürsten dadurch auferlegt? Wie wirkten sich die Ver- fassung und ihre Bestimmungen auf die Machtposition der Kurfürsten aus? Und welche langfristigen Auswirkungen hatte die Konzeption, die hinter der Verfassung stand, auf das Kaiserreich?

1.2 Quellen- und Literaturbericht

Im Rahmen unserer Arbeit mit den Inhalten der Goldene Bulle, wurde auf die deutsche Übersetzung des Quelltexts von Dr. jur. Dietmar Lutz zurückgegriffen. Neben der Golde- nen Bulle, ist zudem die Steirische Reimchronik des Ottokar aus der Gaal in unsere Be- trachtung miteingeflossen. Im Bereich der Literatur wurden sowohl Monografien, als auch Aufsätze berücksichtigt, die sich mit der zugrunde liegenden Thematik auseinandersetzen. Des Weiteren haben wir Abbildungen aus der Universitäts- und Landesbibliothek Darm- stadt miteinbezogen, die das Siegel des Exemplars der Goldenen Bulle darstellen, das dem Kurfürsten von Köln zukam.

1.3 Methode und Aufbau der Arbeit

Im ersten Teil der Arbeit untersuchen wir zunächst die grundlegenden Zusammenhänge bezüglich der Goldenen Bulle. Zu diesem Zweck betrachten wir zunächst die wichtigsten Punkte zum Verfassungsdokument als solches und seinem Inkrafttreten. Danach gehen wir auf das Kurfürstenkollegium ein, insofern dieses beim Zustandekommen der Goldenen Bulle beteiligt war, und beleuchten die Hintergründe, die für die spezifische Zusammen- setzung des Kollegiums als ausschlaggebend erachtet werden.

Im zweiten Teil der Arbeit widmen wir uns der Rolle, die den Kurfürsten durch die Bestimmungen in der Goldenen Bulle zuteilwurde. Dabei beschäftigen wir uns zunächst mit der Einladung zur Königswahl und den nach der Wahl jährlich stattfindenden Unterre- dung. Daraufhin wird die Reglung der Sitzordnung thematisiert, sowie die der Reglung vorangegangenen Streitigkeiten zwischen den Erzbischöfen von Köln und Mainz. An- schließend betrachten wir die Festlegungen der Goldenen Bulle, die das Recht auf sicheres Geleit anbelangen. Danach folgt eine Darlegung der Rechte und Pflichten, die den Kurfürs- ten beim Wahlablauf auferlegt wurden. Zum Abschluss betrachten wird die Bestimmungen bezüglich der kurfürstlichen Erfolge. Das Fazit dient reflektierend als Zusammenfassung dessen, was wir über die Rolle der Kurfürsten in Erfahrung bringen konnten, und geht auf die von uns gesetzten Kernfragen ein.

2. Die Goldene Bulle

Als erster Punkt dieser Arbeit soll auf die Einzelheiten eingegangen werden, die zum Ver- ständnis der Goldenen Bulle in ihrer Funktion als Verfassungstext beitragen. Es erfolgt eine Unterscheidung zwischen dem Nürnberger und den Metzer Gesetzbuch, eine Erläute- rung zur Namensherkunft, eine Betrachtung des goldenen Siegels, wie auch der angefertig- ten Exemplare, und der wichtigsten inhaltlichen Schwerpunkte. Anschließend widmen wir uns dem Kurfürstenkollegium und dessen Beteiligung an der Goldenen Bulle, sowie auch seiner Zusammenstellung weltlicher und geistlicher Kurfürsten, und deren Verbindung zueinander.

2.1. Die Verfassung und ihr Inkrafttreten

Bis ins 14. Jahrhundert hatte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation keine verbind- liche Reichsverfassung, was sich erst unter Kaiser Karl IV ändern sollte. Die Goldene Bul- le, aus dem Jahre 1356, gilt daher als das erste rechtskräftige Grundgesetz. Sie wurde handschriftlich in lateinischer Sprache abgefasst und beinhaltet insgesamt 31 Kapitel. Von diesen wurden die ersten 23 Kapitel in Nürnberg verkündet, wodurch diese auch unter dem Name „Nürnberger Gesetzbuch“ bekannt wurden. Die restlichen 8 Kapitel, wurden Ende desselben Jahres, am 25. Dezember 1356, in Metz bekannt gegeben, weshalb diese glei chermaßen „Metzer Gesetzbuch“ genannt wurden.2 Entscheidend in diesem Zusammen- hang ist die Tatsache, dass die Verfassung als solche erst in Metz besiegelt wurde, wo- durch auch die 23 in Nürnberg verkündeten Kapitel erst zu diesem Zeitpunkt rechtskräftig waren.3

Zur Zeit ihres Inkrafttretens, hat die Verfassung von Kaiser Karl IV den Titel „unser keiserliches rechtbuch“ erhalten.4 Erst im 15. Jahrhundert wurde, anstelle dieses Titels, der Name „Goldene Bulle“ (lat. bulla aurea) eingeführt.5 Der Ausdruck „Bulle“ ist die mittelhochdeutsche Ableitung des lateinischen Begriffs „bulla“, der übersetzt „Metall- kapsel“ bedeutet. Der neue Name des Verfassungstexts bezog sich daher auf das goldene Siegel, mit dem das Gesetzbuch versehen war.6 Dieses Goldsiegel stellte eine feierliche Besonderheit dar, da für gewöhnlich Siegel aus Wachs oder Blei verwendet wurden.

Die kunstfertige und detaillierte Gestaltung des Siegels zeugt ebenfalls von seinem besonderen Geltungsanspruch. Die Siegelvorderseite zeigt Kaiser IV thronend mit Krone, Zepter und Reichsapfel. Rechts von ihm befindet sich das Wappen des Kaiserreiches, links von ihm das Wappen von Böhmen. Die Siegelumschrift lautet: „KAROLVS QVARTVS DIVINA FAVENTE CLEMENCIA ROMANOR(UM) IMPERATOR SEMP(ER) AUGUSTUS“, zu Deutsch: „Karl IV, von Gottes Gnaden Römischer Kaiser, zu allen Zei- ten Mehrer des Reiches“. Im Innenfeld des Siegels findet sich der Zusatz: „ET BOEMIE

REX“, zu Deutsch: „und König von Böhmen“.7 (Ab.1, siehe Anhang)

Auf der Rückseite des Siegels ist eine stilisierte Darstellung Roms zu erkennen. Die dazugehörige Umschrift: „ROMA CAPVT MVNDI, REGIT ORBIS FRENA ROTVNDI“, bedeutet auf Deutsch: „Rom, das Haupt der Welt, lenkt die Zügel des Erdkreises“ und in dem Torbogen der Stadt steht: „AVREA ROMA“, zu Deutsch: „Goldenes Rom“.8 (Ab.2, siehe Anhang )

Das Gesetzbuch der Goldenen Bulle, welches dieses Siegel trägt, ist kein Einzel- stück. Es gibt insgesamt sieben solcher besiegelte Exemplare, die Mainz, Trier, Köln, Pfalz, Böhmen, Frankfurt und Nürnberg zugekommen sind. Eine Urfassung der Goldene Bulle existiert nicht und jedes der Exemplare unterscheidet sich in seinem Wortlaut von den anderen, was dazu führte, dass es Unstimmigkeiten innerhalb der einzelnen Texte ge- geben hat.9 Die Gesetze innerhalb der Goldenen Bulle stellen an sich keine neu erdachten Regelungen dar. Vielmehr ist die Goldene Bulle als die erste rechtskräftig besiegelte Nie- derschrift dessen zu verstehen, was sich in den hunderten von Jahren zuvor bei der Kö- nigswahl etabliert hatte. Nichtsdestotrotz waren darunter einige Punkte niedergeschrieben worden, die bis dato unbekannt waren, und dazu dienen sollten die Position des zu wählen- den Königs und der Wählerschaft zu verbessern.10

Inhaltlich wurde in der Goldene Bulle besonders den Modalitäten der Königswahl hohe Bedeutung beigemessen. Daneben nimmt die Festlegung, der Regeln, Rechte und Pflichten der Kurfürsten einen großen Teil des Verfassungstexts ein. Als signifikant he- rauszuheben ist außerdem, dass das Approbationsrecht des Papstes in der Goldenen Bulle nicht mehr erwähnt wird. Mit diesem Schritt löste man sich von der Vorgabe der Kirche los. Als Resultat dessen besaßen die sieben Kurfürsten fortan die alleinige Legitimation zur Königswahl.11 Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation 1806 blieb die Goldene Bulle in ihrer Funktion als Verfassung rechtskräftig.12

2.2 Das Kurfürstenkollegium

Die Gesetze, die in der Verfassung der Goldenen Bulle niedergeschrieben wurden, sind das Ergebnis von Verhandlungen der Reichstage in Nürnberg und Metz. Bei besagten Ver- handlungen waren, neben dem Kaiser, auch die sieben Kurfürsten beteiligt. Durch deren Beteiligung beim Zustandekommen der neuen Verfassung, wurde ihnen bereits in diesem Punkt großer Einfluss zuteil. Die Zusammenstellung des Kurfürstenkollegiums, wurde in der Goldenen Bulle wie folgt festgehalten: Die vier weltlichen Kurfürsten waren der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Marktgraf von Brandenburg.13 Die drei geistlichen Kurfürsten waren, der Erzbischof von Trier, der Erzbi- schof von Köln und der Erzbischof von Mainz.14

Auf die Frage, warum genau diese Fürsten die Kurwürde erhielten, liefert die Gol- dene Bulle selbst keine Antworten. Die Geschichtsforschung liefert jedoch Ansätze über die Verbindung der besagten Fürsten zueinander.

Der Historiker Armin Wolf hat im Rahmen seiner Forschung herausgefunden, dass die vier weltlichen Kurfürsten alle von Tochterlinien des habsburgischen Adelsgeschlechts abstammten. Die vier Kurfürsten, Ruprecht Pfalzgraf bei Rhein, Rudolf II Herzog von Sachsen, Ludwig VI von Wittelsbach Markgraf von Brandenburg und Karl IV König von Böhmen, waren somit alle Vettern.15 Einhergehend mit seinem Befund, wirft Armin Wolf zudem die Frage auf: „Warum sich gerade diese und nicht andere vier Fürsten mit den drei Erzbischöfe zum Kurkolleg zusammenschlossen“.16

Die Verbindung zwischen den drei geistlichen Kurfürsten lässt sich darin begrün- den, dass unter ihnen bereits vor dem Zustandekommen der Goldenen Bulle bekannterma- ßen eine vertragliche Einigung bestand. Diese legte eine gemeinsame politische Grundlage fest für die Bereiche: Landfrieden, Münz- und Zollrecht. Die besagte Vereinbarung wurde in den meisten Fällen so getroffen, dass die geistlichen Fürsten Probleme dieser Art territo- rial untereinander lösen konnten, ohne die Reichsgewalt miteinbeziehen zu müssen. Was die Zoll- und Münzfrage anbelangte, stimmten sie jedoch dem Kaiser weitgehend zu, da sie sich dadurch ebenfalls eine Minderung der Zölle, und Vereinheitlichung von Maßen, Gewichten und Währungen erhofften. 17

3. Die Rolle der Kurfürsten

In Folgendem werden wir die Rolle der Kurfürsten herausarbeiten, so wie diese, anhand der Festlegung zu kurfürstlichen Rechte und Pflichten von der Goldenen, vorgegeben wur- den. Im Zuge dessen behandeln wir die Wahleinladung und die darauffolgende jährliche Unterredung von Reichsangelegenheiten, sowie die Reglung der Sitzordnung, das Recht auf sicheres Geleit, die Rechte und Pflichten beim Wahlablauf und die Festlegung der Er- folge.

3.1. Wahleinladung und jährliche Unterredung

[...]


1 Vgl. Astrid Krüger: Litanei-Handschriften der Karolingerzeit, Köln 2007, S. 315-316.

2 Vgl. Gerald Schwedler: Prinzipien der Ordnung bei königlichen Prozession im späten Mittelalter in: Jörg Gengnagel u. Monika Thiel-Horstmann (Hg.), Prozessionen, Wahlfahrten, Aufmärsche. Bewegung zwischen Religion und Politik in Europa und Asien seit dem Mittelalter, Köln 2008, S. 122-142, hier 134, LHAKo Bestand 1A, Nr. 11781, Kaiser Carls IV. Goldene Bulle 10. Januar 1356. Abschrift.

3 Vgl. Klaus Herbers: Das Heilige Römische Reich: Schauplätze einer tausendjährigen Geschichte, Köln 2005, S. 157.

4 Johannes Fried: Das Mittelalter. Geschichte und Kultur, München 2008, S. 448.

5 Vgl. Klaus Böhme: Hessen. Geschichte und Politik, Stuttgart 2000, S. 137.

6 Vgl. Hans Boldt: Deutsche Verfassungsgeschichte. Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des älteren deutschen Reiches 1896. München 1984. S. 251.

7 Vgl. Wolfgang Fritz: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356. Weimar,1972. S. 14.

8 Ebd., S. 14-15.

9 Vgl. Dietmar Lutz: Die Goldene Bulle von 1356. Das vornehmste Verfassungsgesetz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Lübeck 2006, S. 8-11.

10 Vgl. Gerald Schwedler: Prinzipien der Ordnung bei königlichen Prozession, S.

11 Vgl. Johannes Fried: Das Mittelalter. Geschichte und Kultur, München 2008, S. 448-450.

12 Vgl. Ebd., S. 577.

13 Vgl. Dietmar Lutz: Die Goldene Bulle von 1356, S. 5.

14 Vgl. Ebd., S. 36.

15 Vgl. Bernd-Ulrich Hergemöller: Fürsten Herren und Städte. Die Entstehung der „Goldene Bulle“ Karls IV, Köln 1983, S. 54.

16 Zit. N. Ebd., S. 54.

17 Vgl. Bernd-Ulrich Hergemöller: Fürsten Herren und Städte. Die Entstehung der „Goldene Bulle“ Karls IV, Köln 1983, S. 38-44.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Kurfürsten bei der Königswahl. Nach Inkrafttreten der Goldenen Bulle (1356)
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V458080
ISBN (eBook)
9783668876668
ISBN (Buch)
9783668876675
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, kurfürsten, königswahl, nach, inkrafttreten, goldenen, bulle
Arbeit zitieren
Lucius Müller (Autor), 2014, Die Rolle der Kurfürsten bei der Königswahl. Nach Inkrafttreten der Goldenen Bulle (1356), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458080

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