Das Internet bietet seinen Benutzern inzwischen zahlreiche Möglichkeiten um sich von bestimmten Identitätszuschreibungen des Offline-Alltags loszulösen, eigene „Wunsch-Identitäten“ aufzubauen oder sich völlig anonym einer Interessengemeinschaft anzuschließen. Im Hinblick auf Identitätskonstitution und Selbstdarstellung sind dem Individuum dabei kaum mehr Grenzen gesetzt, und die Online-Welt eröffnet dem Selbst ein breites Spektrum an neuen Erfahrungsräumen.
Die vorliegende Hausarbeit will zunächst in einem knappen Überblick darstellen, wie es mit Hilfe des Internets möglich ist neue Teilidentitäten zu generieren, anschließend kurz auf die Soziolinguistik eingehen um dann schließlich im letzten Teil eine exemplarische Analyse von ausgewählten Beiträgen eines Film-Forums durchzuführen. Dabei werden die Äußerungen von einzelnen Forumsteilnehmern einer soziolinguistischen Betrach-tung unterzogen und identitätsrelevante Aspekte herausgestellt. Es wird also aufgezeigt, wie die jeweiligen Mitglieder sprachlich ihre Online-Identität aufbauen und bestimmte Selbstaspekte in den Vordergrund rücken.
Abschließend werden die Untersuchungsergebnisse noch kurz mit den im ersten Abschnitt der Arbeit erörterten Theorien in Beziehung gesetzt, so dass daran anknüpfend ein zusammenfassender Gesamtausblick formuliert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Identitäten und Internet
1.1 Individuelle und kollektive Identitäten
1.2 Gezielte Konstruktion und Aktivierung von Identitäten
1.3 Die Möglichkeiten der Identitätsbildung in Online-Foren
1.4 Ein kritischer Ausblick
2. Die Soziolinguistik: Schnittstelle zwischen Sprachwissenschaft und Soziologie
2.1 Der Gegenstandsbereich der Soziolinguistik
2.2 Die Untersuchungsmethoden der Soziolinguistik
3. Exemplarische Analyse von Beiträgen eines Online-Forums
3.1 Einleitende Bemerkungen
3.2 Das Film-Forum kinokai.de
3.3 Soziolinguistische Betrachtung ausgewählter Beiträge
Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten der Identitätsbildung im Internet am Beispiel eines Film-Forums aus soziolinguistischer Perspektive. Dabei wird analysiert, wie Nutzer durch ihr sprachliches Handeln gezielt individuelle und kollektive Identitäten konstruieren sowie bestimmte Selbstaspekte in der computervermittelten Kommunikation inszenieren.
- Grundlagen der Identitätskonstruktion in Online-Umgebungen
- Die soziolinguistische Perspektive auf Sprachverhalten im Internet
- Analyse der sprachlichen Selbstpräsentation von Foren-Mitgliedern
- Untersuchung von Identitätswechseln und varietätenspezifischen Ausdrucksweisen
- Bedeutung von Internet-Plattformen für den sozialen Austausch
Auszug aus dem Buch
1.1 Individuelle und kollektive Identitäten
Das Internet wird von seinen Usern auf vielfältige Weise verwendet: zur Informationsbeschaffung, zur schnellen und recht unaufwändigen Kommunikation via E-Mail, ICQ oder Chatroom, zum Bestellen von Büchern, CDs oder DVDs, zum Teilnehmen an Online-Spielen, zum Kennenlernen neuer Leute, zum Austausch mit anderen in Themenforen oder auch einfach nur zum Veröffentlichen des eigenen Gedankengutes.
Das World Wide Web ist somit „zum einen eine gigantische Datenbank, zum anderen ein komplexes Kommunikationsnetzwerk“ (RUNKEHL/SCHLOBINSKI/SIEVER 1998: 27), es bietet dem Selbst die Möglichkeit „umfassend in archivierbarer und oft auch identifizierbarer Form“ (DÖRING 2003: 397) die individuelle Identität zu präsentieren, und in ihm „können wir mit anderen plaudern, Ideen austauschen und Rollen spielen, die wir selbst erfunden haben“ (TURKLE 1998: 9). Durch erstmaliges Surfen oder Agieren im Netz kann bereits (bewusst oder unbewusst) eine eigene Online-Identität etabliert werden, denn allein schon die Tatsache, „dass man an der Internet-Kommunikation teilnimmt, birgt die Chance, eine Identität als Netznutzerin oder Netznutzer aufzubauen“ (DÖRING 2003: 372).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung skizziert das Potenzial des Internets zur Identitätsbildung und definiert das Ziel, dieses Phänomen anhand soziolinguistischer Analysen von Forum-Beiträgen zu untersuchen.
1. Identitäten und Internet: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen individueller und kollektiver Identitäten sowie die verschiedenen Möglichkeiten der aktiven Konstruktion und des Wechsels von Teilidentitäten im digitalen Raum.
2. Die Soziolinguistik: Schnittstelle zwischen Sprachwissenschaft und Soziologie: Hier werden der Gegenstandsbereich und die empirischen Untersuchungsmethoden der Soziolinguistik dargelegt, insbesondere im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Sprachgebrauch und sozialer Identität.
3. Exemplarische Analyse von Beiträgen eines Online-Forums: Dieser Teil führt die praktische Untersuchung am Forum kinokai.de durch und analysiert ausgewählte Beiträge hinsichtlich ihrer identitätsstiftenden sprachlichen Merkmale.
Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und betont die wachsende Bedeutung des Schreibens im Netz als Methode zur authentischen Selbstpräsentation.
Schlüsselwörter
Identitätsbildung, Internet, Soziolinguistik, Online-Forum, Identitätskonstruktion, individuelle Identität, kollektive Identität, computervermittelte Kommunikation, Varietätenwechsel, Selbstdarstellung, Film-Kultur, Netznutzer, Rollen-Selbst, Sprachsoziologie, digitale Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziolinguistischen Aspekte der Identitätsbildung von Nutzern innerhalb von Online-Foren, wobei der Fokus auf dem sprachlichen Ausdruck dieser Identitäten liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Unterscheidung zwischen individuellen und kollektiven Identitäten, die Möglichkeiten der Online-Selbstinszenierung und die Rolle der Sprache als Mittel zur Identitätsmarkierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Internet-Nutzer durch ihre Beiträge in Foren spezifische Teilidentitäten aufbauen und bestimmte Selbstaspekte in der Kommunikation in den Vordergrund rücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitativ orientierte soziolinguistische Analyse von konkreten Textbeispielen aus einem Online-Filmforum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung soziolinguistischer Begriffe und eine anschließende exemplarische Analyse von Foren-Beiträgen sowie die Untersuchung der Webmaster-Funktion auf die Identitätsbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Identitätskonstruktion, computervermittelte Kommunikation, Soziolinguistik und Online-Forum.
Welche Bedeutung hat das Forum kinokai.de für die Analyse?
Das Forum dient als konkreter Untersuchungsgegenstand, an dem verschiedene Stile der Selbstpräsentation – von der Kurzkritik bis zum fachwissenschaftlich anmutenden Beitrag – exemplarisch analysiert werden können.
Wie gehen die Nutzer im untersuchten Forum mit ihrer Identität um?
Die Analyse zeigt, dass die Identität adressatenspezifisch konstituiert wird: während manche Nutzer Anonymität wählen, stellen andere ihre individuelle Kompetenz durch einen gehobenen Sprachstil explizit zur Schau.
- Quote paper
- Tim Fischer (Author), 2005, Identitätsbildung im Internet - Exemplarische Analyse von Beiträgen eines Online-Forums unter soziolinguistischen Gesichtspunkten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45813