Einfluss der syntaktischen Position von Adverbkonnektoren


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung zum Thema: Satzverknüpfungen und ihre Problematik im DaF-Erwerb
1.1 Fragestellung und Ziel der Arbeit
1.2 Nennung und Begründung der ausgewählten Methode und Überblick über den Aufbau der Arbeit

2 Das topologische Modell als Mittel zur Veranschaulichung des Themas: Eigenschaften und Funktion
2.1 Konnektoren im Deutschen
2.2 Adverbkonnektoren: Funktion und Satzstellung

3 Das Falko-Lernerkorpus
3.1 Einfluss syntaktischer Position von Adverbkonnektoren auf ihre informationsstrukturellen, pragmatischen und semantischen Eigenschaften
3.1.1 Thema und Rhema: informationsstrukturelle Gliederung des Satzes
3.2 Der nicht positionsbeschränkte Adverbkonnektor allerdings und die Position im Mittelfeld
3.3 Der nicht vorfeldfähige nämlich und der Topikwechsel

4 Mögliche didaktische Einsetzung des Themas

5 Fazit

1 Einführung zum Thema: Satzverknüpfungen und ihre Problematik im DaF-Erwerb

Das deutsche Wort Text stammt aus dem Lateinisch textus (Partizip Perfekt von texere) und bedeutet Gewebe. Man könnte also einen Text als ein Gewebe, das aus sprachlichen Zeichnen besteht, definieren. Es handelt sich nämlich um eine Kombination von zusammengesetzten, wohlgeformten und grammatischen Sätzen, derer inhaltlicher Zusammenhang kohärent sein und daher durch bestimmte sprachliche Satzverknüpfungen unterstützt werden muss. Konnektorale Satzverknüpfungen (auch Konnektoren genannt) gelten als die strukturellen Bausteine des Textes und ihre korrekte Benutzung, insbesondere bezüglich der Textproduktion, aber auch des Verständnisses und der Interpretation von Texten, ist in der deutschen Sprache von enormer Bedeutung (vgl. Averintseva-Klisch: 2013). Die korrekte grammatische Verwendung von Konnektoren ist nach Volodina (2017: 127) eine der anspruchsvollsten Leistungen im Spracherwerb: Die Schwierigkeit liegt darin, dass die richtige Anwendung der konnektoralen Satzverknüpfungen nicht nur von der Bedeutung der Sätze abhängt, sondern auch von der Textstruktur beziehungsweise Textkohärenz. Unter Textkohärenz wird der inhaltliche, logische Zusammenhang im Text verstanden, und zwar Faktoren wie Informationsstruktur, Informationsstatus, Diskursrelationen und Stellungsposition, die beim Satzbau unbedingt mitberücksichtigt werden. In den letzten Jahren ist laut Peschel (2017: 149) mehrmals darauf hingewiesen worden, dass Texte von deutschmuttersprachlichen Schülern beachtliche Mängel in Bezug auf den Einsatz von Konnektoren aufweisen. Die Hauptschwierigkeiten bestehen bis in höhere Klassen der Sekundarstufe und diese hängen offensichtlich von einer inkorrekten Verwendung sprachlicher Mittel ab. Nun denke man, dass:

„Dem Muttersprachler eine Grammatik vornehmlich dazu dient, etwas bewusst zu machen oder zu systematisieren, was er ohnehin- aufgrund seines „Sprachgefühls“, das heißt seiner in der Kindheit erworbenen Sicherheit in der Handhabung der sprachlichen Regeln, – richtig bildet und verwendet. Dem Ausländer fehlt dieses Sprachgefühl, die Kompetenz in der betreffenden Sprache. Deshalbverlangt eine Grammatik für den Fremdsprachenunterricht explizitere Regeln, die möglichst genau angeben, wie richtige deutsche Sätze gebildet, interpretiert und verwendet werden. „

(vgl. Helbig 2009: 17)

Nicht nur Deutschmuttersprachler haben Schwierigkeiten damit, Satzverknüpfungen syntaktisch zu verwenden und deren Funktion im Text zu bestimmen, sondern insbesondere auch Deutsch als FremdsprachenlernerInnen. Diese verfügen nicht, wie oben erwähnt, über ausreichend sprachliche Sensibilität.

1.1 Fragestellung und Ziel der Arbeit

Es wurde von Breindl (2004) festgestellt, dass in den meisten DaF-Lehrwerken zum Thema Positionierung der Konnektoren nur reproduktive Aufgaben zu finden sind, die von unvollständigen beziehungsweise zu generalisierenden Regeln eingeleitet sind, wie zum Beispiel „dem Adverb folgt das Prädikat“, wobei selbst die zwei möglichen Positionen von einigen Konnektoren im Mittelfeld (siehe 3.2) nicht berücksichtigt wird. Eine Beschreibung von grammatikalischen Phänomenen, die von der schriftlichen Norm abweichen, werden in verschiedenen Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache als falsch gekennzeichnet oder überhaupt nicht betrachtet (Wöllstein: 2017: 146). In der vorliegenden Seminararbeit wird versucht, die semantischen, pragmatischen und medialen Unterschiede bei der syntaktischen Benutzung und Interpretation von Satzverknüpfungen beziehungsweise Adverbkonnektoren, die sich beispielsweise durch den Positionswechsel im Satz ergeben, zu erörtern. Ziel dieser Hausarbeit ist zu zeigen, dass es sinnvoll ist, informationsstrukkturelle, semantische und syntaktische Eigenheiten bei der Verwendung von Konnektoren für Deutsch als FremdsprachenlernerInnen zu berücksichtigen. Diese feinen Nuancen gehören zur Gegenwartssprache und könnten den LernerInnen zu einem fortgeschrittenen Spracherwerb helfen. Anregungen über dieses Thema zu bieten ist ein weiteres Ziel dieses Aufsatzes. Das Anwenden des topologischen Modells zur Veranschaulichung sollte interessant für DaF-Dozenten sein, um ihre Schüler durch gezielte Übungen zur korrekten Verwendung von Konnektoren vorzubereiten.

1.2 Nennung und Begründung der ausgewählten Methode und Überblick über den Aufbau der Arbeit

In Hinblick auf die Nützlichkeit dieser Arbeit für den Bereich Deutsch als Fremdsprache und Linguistik geht es in erster Linie darum, das Konzept konnektoralen Satzverknüpfungen konzeptionell so aufzugreifen, dass es als Basis für die im zweiten Teil der Arbeit betrachtete empirische Analyse gilt. Die Seminararbeit baut sich daher wie folgt auf: Zunächst wird in Abschnitt 2 die für das globale Verständnis erforderliche Terminologie erörtert. Definitionen des topologischen Modells und der Konnektoren beziehungsweise Adverbialkonnektoren werden zugänglich gemacht. Dem theoretischen Teil folgt im Hauptteil eine empirische Untersuchung: Nach einer kurzen Vorstellung des fehlerannotierten Korpus Falko wird durch ausgewählte Beispielsätze auf die semantischen und pragmatischen Effekte syntaktischer Variationen des Adverbkonnektors im Satz aufmerksam gemacht. In diesem Teil werden authentische Originalbelege von Deutsch als FremdsprachenlernerInnen analysiert und es wird auf die Positionierung der Adverbkonnektoren im Satz und auf deren interpretativen Effekten aufmerksam gemacht. Dadurch wird man letztlich in der Lage sein, eine Übung bezüglich der Stellung der Adverbkonnektoren in einem deutschen Satz, die nach einer Verbesserung des Sprachgefühls der Schüler strebt, einzusetzen. Schließlich werden die Ergebnisse der Untersuchung des Hauptteils im Fazit präsentiert und kommentiert.

2 Das topologische Modell als Mittel zur Veranschaulichung des Themas: Eigenschaften und Funktion

Um genau zu erklären, warum bestimmte Satzelemente im deutschen Satz eine gewisse Position besetzen, eignet sich die wissenschaftliche Metapher des topologischen Modells, die im Folgenden beschrieben wird. Die unterschiedlichen Formen der deutschen Sätze lassen sich auf ein gemeinsames Grundmuster zurückführen und diese sind von den sogenannten Satzklammern geprägt. Die beiden Klammern sind bestimmt für die Verbformen des Prädikats (die linke auch für die Subjunktionen). Die übrigen Konstituenten des Satzes besetzen das Vor- und Mittelfeld. Dadurch ergibt sich das folgende topologische Modell:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorfeld und linke Satzklammer stehen zahlenmäßig fest:

- Vorfeld (VF): Je nach Satzform steht im Vorfeld entweder eine Konstituente oder keine.
- Linke Satzklammer (LSK): Je nach Satzform steht dort ein Einzelwort (finites Verb oder Subjunktion) oder keins.

Mittelfeld und rechte Satzklammer sind ohne Einschränkung möglich:

- Mittelfeld (MF): beliebige Anzahl von Konstituenten, die einzige Begrenzung ist die Verständlichkeit.
- Rechte Satzklammer (RSK): beliebige Anzahl an Verbformen, die einzige Begrenzung ist auch hier die Verständlichkeit (Sätze mit mehr als fünf Verbformen sind nicht mehr verständlich).

Das topologische Modell eignet sich für die folgende Seminararbeit, indem es eine deutliche und simple Veranschaulichung der Positionen von Konnektoren in der deutschen Satzstellung ermöglicht. Aus diesem Grund wird man sich im Verlauf dieser Arbeit mehrfach mit der Verwendung des topologischen Modells befassen, allerdings mit einer kleinen Variation. Zwischen Vorfeld und linker Satzklammer befindet sich die Nacherstposition (NE), die bei der Positionierung von Adverbkonnektoren eine wichtige Rolle spielt. Das topologische Modell, das man ab diesem Punkt benutzen wird, sieht wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Wöllstein: 2017: 3ff.)

2.1 Konnektoren im Deutschen

Konnektoren (auch: Konnektive, Junktoren) in der deutschen Sprache sind eine funktional bestimmte Klasse von Ausdrücken, die als lexikalische, satzverknüpfende Einheiten für die Veranschaulichung der inhaltlichen Strukturierung von Texten fungieren. Nach den Autoren des Handbuchs der deutschen Konnektoren (vgl. Merkmalssatz für Konnektoren, HDK: 2003) erfüllen Konnektoren folgende Eigenschaften:

- Sie sind nicht flektierbar
- Sie vergeben keine Kasusmerkmale an ihre syntaktische Umgebung
- Ihre Bedeutung ist eine zweistellige Relation
- Sie stellen eine Verknüpfung zwischen zwei Sachverhalten her
- Die Ausdrücke für die Argumente von ihrer Bedeutung müssen Satzstrukturen sein können

Typische Exemplare von Konnektoren sind beispielsweise Konjunktionen wie oder sowie und, außerdem Subjunktionen wie weil und während (vgl. Ferraresi: 2011). Da Konnektoren eng mit der syntaktischen Struktur der Sätze verbunden sind, gelten sie als ein wichtiges syntaktisches Kohäsionsmittel, die zwei Elemente im Text miteinander verknüpfen (vgl. Rickheit/Schade: 2000). Laut Fabricius-Hansen (2000) können Konnektoren in zwei Arten unterschieden werden: G rammatische Konnektoren, worunter die koordinierenden und subordinierenden Konjunktionen fallen (zum Beispiel und, auch, oder, wenn, nachdem, ob usw.) und lexikalische Konnektoren, zu welchen Adverbien und Partikeln gehören (beispielsweise jedoch, gleichfalls, deswegen, sogar usw.). Komplexere Präpositionalphrasen wie zum Beispiel unter der Annahme, (dass) (Bsp. 1) und Partizipien-II wie beispielsweise angenommen (Bsp. 2) gelten ebenfalls als Satzverknüpfungen (HDK: 2003).

(1) Unter der Annahme, dass du fertig mit den Hausaufgaben bist, kannst du ausgehen.
(2) Angenommen, du bist fertig mit den Hausaufgaben, (dann) kannst du ausgehen.1

Bezüglich der Positionierung der Konnektoren im deutschen Satz unterscheiden die Autoren des Handbuchs der deutschen Konnektoren zwei Optionen. Wenn der Junktor nur eine einzige Position in der Satzstruktur besetzen kann (zum Beispiel wenn, weil, oder, und usw.), spricht man von fester Stellung des Konnektors. Hingegen ist die Rede von variablen Stellung ist, wenn er mindestens zwei unterschiedliche Stellen im Satz einnehmen kann (beispielsweise deshalb, schließlich, trotzdem usw.). Wenn man die Eigenschaften der Konnektoren einen Schritt weiter analysiert, kann man eine noch spezifischere Unterscheidung treffen. Nichtkonnektintegriebare Konnektoren charakterisieren sich durch eine feste Stellung des Konnektors vor seinem regierenden Konnekt, in diesem Fall (Bsp. 3) Clara, zum Beispiel:

(3) a. Während Clara zu Hause ist, lernt Peter in der Bibliothek.
b. Peter lernt in der Bibliothek, während Clara zu Hause ist.
c. Peter lernt, während Clara zu Hause ist, in der Bibliothek.

Konnektintegriebare Konnektoren können dagegen im Mittelfeld deutscher Sätze vorkommen, beispielsweise:

(4) a. Clara ist erschöpft. Sie hat schließlich den ganzen Tag gearbeitet.
b. Clara ist erschöpft. * Sie hat weil den ganzen Tag gearbeitet.

(vgl. Wöllstein: 2017)

Ziel dieser Seminararbeit ist allerdings nicht das Phänomen der Konnektoren in seiner Ganzheit genau zu prüfen; von daher wird sich der nächste Abschnitt des Aufsatzes ausdrücklich um eine bestimmte Kategorie von konnektintegriebaren Konnektoren, und zwar den Adverbkonnektoren, beschränken.

2.2 Adverbkonnektoren: Funktion und Satzstellung

Adverbkonnektoren gehören zur Klasse der konnektintegriebaren Konnektoren und befinden sich normalerweise im Mittelfeld, sind jedoch relativ flexibel und können auch andere Stellungen im deutschen Satz besetzen: Einige können nicht allein das Vorfeld besetzen, andere können in der sogenannten nacherstfähigen Position nach dem Vorfeld stehen. Andere können zwar im Vorfeld auftreten, allerdings nicht in der Nacherstposition (vgl. Volodina: 2017). Die Eigenschaften der Adverbkonnektoren ermöglichen ihre Einteilung in drei Unterklassen: nicht positionsbeschränkte Adverbkonnektoren (Bsp. 5 ), nicht nacherstfähige Adverbkonnektoren (Bsp. 6) und nicht vorfeldfähige Adverbkonnektoren (Bsp. 7) . Schließlich ist ein Beispiel dafür, dass ein Adverbkonnektor im Vorfeld syntaktisch uneingeschränkt benutzt werden kann, wie man im untenstehenden Beispielsatz sehen kann:

(5)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Unterklasse der nicht positionsbeschränkte Adverbkonnektoren gehören auch unter anderen zwar, übrigens, jedoch und allerdings und andere 60 Beispiele (vgl. Pasch et al.: 2003).

Zur Unterklasse der nicht nacherstfähigen Konnektoren, der ausgedehntesten Gruppe der drei, gehören über 100 Konnektoren. Diese können die Nacherstposition nicht besetzen, jedoch steht ihnen die Position im Vorfeld und im Mittelfeld zur Verfügung (Bsp.6). Beispiele von nicht nacherstfähigen Konnektoren sind: sonst, dadurch, ergo, daher, abermals usw.

(6) Vanessa ist krank.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Gruppe der nicht vorfeldfähigen Konnektoren besteht aus weniger als 20 Konnektoren, wie zum Beispiel: sogar, zumindest, allein und nämlich. Solche Konnektoren können zwar nicht im Vorfeld allein realisiert werden, aber können in der Nacherstposition nach einer anderen Konstituente auftreten (Bsp. 7).

[...]


1 Beispiele (1) - (7) wurden in Anlehnung an denen von Volodina, Anna (S.127-147) selbst von der Verfasserin entwickelt.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Einfluss der syntaktischen Position von Adverbkonnektoren
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V458216
ISBN (eBook)
9783668894433
ISBN (Buch)
9783668894440
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Syntax, topologisches Modell, Konnektoren Adverbkonnektoren, falko lernerkorpus
Arbeit zitieren
Alessandra Frattin (Autor), 2018, Einfluss der syntaktischen Position von Adverbkonnektoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458216

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