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Kallimachos und Philetas - Autoritäten und Vorbilder für Properz. Zum dichterischen Selbstverständnis im Carmen III,1

Title: Kallimachos und Philetas - Autoritäten und Vorbilder für Properz. Zum dichterischen Selbstverständnis im Carmen III,1

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 16 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Dr. med. Ernst Seiffert (Author)

Latin philology - Literature
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Bei der vorliegenden Interpretation propertianischer Dichtung geht es um die Frage, in welche literarische Tradition Properz sich selbst einordnet und welche Vorbilder er ausdrücklich hervorhebt. So lassen sich Schlußfolgerungen für sein dichterisches Selbstverständnis ableiten, die für jede weitere Analyse hilfreich sind. Wertvolle Hinweise finden sich vor allem in den jeweiligen Anfangsgedichten der vier Bücher des Gesamtwerks.
Beispielhaft werden hier anhand des Carmen III, 1 literaturgeschichtliche Zusammenhänge deutlich gemacht: »Callimachi Manes« steht kraftvoll und ostentativ am Beginn des dritten Gedichtbuches, und das ist mehr als die geistreiche Variation eines literarischen Topos, nämlich des Musenanrufs, es ist ein dichterisches Bekenntnis. An exponierter Stelle beruft sich der römische Dichter hier auf die hellenistischen Dichter Kallimachos und Philetas, zwei berühmte Vertreter der alexandrinischen Dichtung. Im Verlauf der Untersuchung wird nachgewiesen, daß der antike Begriff der literarischen "imitatio" nicht wie heute negativ belegt ist, sondern daß für einen antiken Römer der Rückgriff auf berühmte Vorbilder und Autoritäten im Gegenteil ein Qualitätsmerkmal darstellte. Gleichwohl zeigt sich bei der Analyse des Textes, daß Properz bei allem literarischen Traditionsbewusstsein deutlich auch seine eigenständige Leistung und die Neuartigkeit seiner Dichtung hervorhebt - und dies zu recht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographischer, politisch-sozialer und kultureller Hintergrund propertianischen Schaffens

3. Spezielle Intentionen von Properz in den Anfangsgedichten seiner vier Bücher

4. Das dichterische Selbstverständnis im Carmen III, 1

4.1. Darstellung und Gliederung der wesentlichen Inhalte

4.2. Detailinterpretation der Verse 1-20

5. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das dichterische Selbstverständnis des römischen Elegikers Properz, insbesondere anhand seines Carmen III, 1, und beleuchtet dabei, wie der Dichter durch den gezielten Rückgriff auf hellenistische Vorbilder wie Kallimachos und Philetas seine eigene literarische Position und den Wandel seiner Dichtung definiert.

  • Biographische und historisch-kulturelle Einflüsse auf das Werk des Properz
  • Funktion der Anfangsgedichte als poetologische Programmschriften
  • Bedeutung der imitatio und die Rolle literarischer Vorbilder (Kallimachos, Philetas)
  • Strukturanalyse und Detailinterpretation von Carmen III, 1
  • Reflexion über Nachruhm, Dichtungstheorie und die Rolle des rezipierenden Lesers

Auszug aus dem Buch

4. Das dichterische Selbstverständnis im Carmen III, 1

»Callimachi Manes« steht kraftvoll und ostentativ am Beginn des dritten Gedichtbuches, und das ist mehr als die geistreiche Variation eines literarischen Topos, nämlich des Musenanrufs, es ist ein dichterisches Bekenntnis. Für den Kenner der bis dahin erschienenen Gedichte Properzens – und die allermeisten Leser dürften sie in der Tat sehr gut gekannt haben – stellt diese Widmung inhaltlich noch keine allzu große Überraschung dar, denn schon früher waren die Namen der beiden hellenistischen Dichter Kallimachos und Philetas gefallen, wenn es um literarische Vorbilder ging (cf. Prop. 2, 1, 40; 2, 34, 31-32). Neu und unerwartet ist hingegen die exponierte Stelle, welche hier zwei Vertretern der alexandrinischen Dichtung zuteil wird.

Beinahe jedem Leser dürfte noch das einleitende »Cynthia prima...« in lebhafter Erinnerung gewesen sein, mit dem er im ersten Buch unvermittelt in die ungebändigte, verzehrende Liebe des Dichter-Ichs involviert worden war. Vor diesem Hintergrund bildet nun der Name des Kallimachos anstelle Cynthias einen denkbar scharfen Kontrast. Wo zuvor das Bild einer attraktiven jungen Dame aus der aktuellen römischen Gesellschaft evoziert worden war, steht nun ein gelehrter, alter Bibliothekar aus Alexandria, oder vielmehr dessen Manen, also gewissermaßen nur der Geist eines alten Mannes. Gewiß ein vordergründiger, aber doch nicht ganz abwegiger und jedenfalls sehr schroffer Gegensatz, der zunächst stutzen und dann mit erhöhter Aufmerksamkeit weiterlesen läßt. Daß dahinter eine manifeste Entwicklung des Dichters und seiner Poesie erkennbar wird, spricht für die Meisterschaft, mit der Properz das Publikum auf mehreren Bedeutungsebenen zu erreichen versteht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung begründet das lohnenswerte Studium von Properz als begabten Künstler und erläutert die antike Praxis der imitatio sowie die Bedeutung der Anfangsgedichte für das poetologische Verständnis.

2. Biographischer, politisch-sozialer und kultureller Hintergrund propertianischen Schaffens: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss des Kriegstraumas, die Zugehörigkeit zum Maecenaskreis und das augusteische Umfeld auf die künstlerische Entwicklung des Dichters.

3. Spezielle Intentionen von Properz in den Anfangsgedichten seiner vier Bücher: Hier wird dargelegt, wie Properz in den Prologen seiner vier Gedichtbände seine ästhetischen Ziele formuliert und sich in die Tradition alexandrinischer Dichtung stellt.

4. Das dichterische Selbstverständnis im Carmen III, 1: Das Kernkapitel analysiert das Gedicht III, 1 strukturell und inhaltlich, wobei der Fokus auf dem Übergang von der Liebesklage hin zur reflektierten Dichtungstheorie und dem Wunsch nach unsterblichem Nachruhm liegt.

5. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz, die Properz als progressiven, wenn auch anspruchsvollen Dichter würdigt, dessen Werk eine aktive Mitarbeit des gebildeten Lesers erfordert.

Schlüsselwörter

Properz, Carmen III 1, Kallimachos, Philetas, Elegie, Imitatio, Poeta doctus, Augusteer, Literaturtheorie, Nachruhm, Cynthia, Augusteische Zeit, Philologie, Poetologie, Intertextualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das dichterische Selbstverständnis des antiken römischen Elegikers Properz, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse seiner poetologischen Reflexionen in den Anfangsgedichten seiner Bücher liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die literarische Nachahmung (imitatio), das Verhältnis von Dichtung und Biographie, die augusteische Kulturpolitik sowie die Auseinandersetzung mit griechischen literarischen Vorbildern.

Was ist das primäre Forschungsziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Bedeutungswandel in Properzens Werk – insbesondere den Übergang von der rein persönlichen Liebesdichtung zu einer reflektierteren, kallimacheisch geprägten Elegie – durch eine detaillierte Interpretation des Carmen III, 1 zu belegen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die klassisch-philologische Textanalyse, kombiniert mit intertextuellen Vergleichen und unter Einbeziehung biographischer sowie historischer Kontexte.

Welche Inhalte prägen den Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-biographische Einordnung, eine Untersuchung der Programmfunktion der Einleitungselegien und eine detaillierte sprachlich-semantische Interpretation der Verse 1-20 des Carmen III, 1.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Charakteristika sind Properz als »poeta doctus«, die Abgrenzung vom Epos (recusatio), der literarische Wettstreit mit Vorbildern und die hohe Anforderung an das bildungshungrige Publikum.

Warum wird Kallimachos im Carmen III, 1 so exponiert genannt?

Die Nennung des Kallimachos signalisiert einen bewussten Bruch mit dem bisherigen »Cynthia-Thema« und positioniert Properz programmatisch als römischen Dichter in der hellenistischen Tradition.

Welche Rolle spielt die im Text erwähnte Mythologie für den Autor?

Die mythologischen Beispiele dienen nicht nur als Zierde, sondern fungieren als gelehrte exempla, die den Anspruch auf unsterblichen Ruhm und dichterische Qualität unterstreichen sollen.

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Details

Title
Kallimachos und Philetas - Autoritäten und Vorbilder für Properz. Zum dichterischen Selbstverständnis im Carmen III,1
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Klassische Philologie)
Course
Hauptseminar: Properz
Grade
2,0
Author
Dr. med. Ernst Seiffert (Author)
Publication Year
2004
Pages
16
Catalog Number
V45825
ISBN (eBook)
9783638431613
ISBN (Book)
9783638843485
Language
German
Tags
Kallimachos Philetas Autoritäten Vorbilder Properz Selbstverständnis Carmen Hauptseminar Properz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. med. Ernst Seiffert (Author), 2004, Kallimachos und Philetas - Autoritäten und Vorbilder für Properz. Zum dichterischen Selbstverständnis im Carmen III,1, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45825
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